Skip to content
Politik

Treffen Iran – USA in New York: Teherans  Bedingungen für Wiedereröffnung von Hormus

2 Kommentare 23. September 2026 5 Minuten Lesezeit von Dr. Peter F. Mayer

Am Rande der 81. UN-Generalversammlung in New York hat Irans Außenminister Abbas Araghchi mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff gesprochen. Nach iranischen Angaben fand das Treffen auf ausdrücklichen Wunsch und Drängen der amerikanischen Seite statt.

Trump freut sich über Gespräche und der Ölpreis sinkt. Denn Teheran nutzte die Gelegenheit, um seine klaren Bedingungen für eine Wiedereröffnung der strategisch entscheidenden Straße von Hormus zu übermitteln, berichten die semioffiziöse iranische Press TV und Middle East Eye. Nachdem sich Trump und die USA wieder einmal an eine unterzeichnete  Vereinbarung nicht gehalten haben ist nun der nächste Versuch. Die USA hatten ein Memorandum of Understanding (MoU) mit dem Iran unterzeichnet, aber in den folgenden Tagen ihre eingegangene Verpflichtungen nicht gehalten bzw. gebrochen.

Die iranischen Bedingungen sind unmissverständlich und an das MoU angelehnt:

  • Sofortige Aufhebung der illegalen US-Seeblockade gegen iranische Häfen und Schiffe
  • Unverzügliche Freigabe aller eingefrorenen iranischen Vermögenswerte
  • Beendigung des Krieges an allen „Widerstandsfronten“

Hintergrund der Schließung

Iran hatte die Straße von Hormus nach dem Beginn der „unprovozierten amerikanisch-israelischen Aggression“ am 28. Februar 2026 geschlossen. Im Juni gab es ein pakistanisch vermitteltes Memorandum of Understanding über eine 60-tägige Wiedereröffnung. Teheran richtete daraufhin die Persian Gulf Strait Authority ein. Amerikanische Verstöße führten jedoch zur erneuten Schließung. Seither greifen iranische Streitkräfte Schiffe an, die unter US-Eskorte illegal die Meerenge passieren wollen.

Ein hochrangiger iranischer Vertreter erklärte, Teheran sei bereit, Hormus innerhalb von sieben Tagen wieder zu öffnen, sofern Washington konkrete Schritte zur Lockerung des militärischen und wirtschaftlichen Drucks unternehme.

Unterschiedliche Darstellungen

Während iranische Staatsmedien von einem direkten Treffen Araghchis mit Witkoff sprechen, berichteten US-Seiten teilweise von vermittelten Gesprächen (u. a. über Katar) von mehreren Stunden Dauer.

US-Präsident Trump bestätigte, dass Witkoff und Jared Kushner an den Gesprächen beteiligt waren, und sprach von einem „sehr guten Meeting“. Witkoff selbst nannte die Diskussionen „konstruktiv und vielversprechend“.

Harte Linie Teherans

Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf bekräftigte: Die Straße von Hormus werde nicht wieder geöffnet, bevor die USA die iranischen Bedingungen akzeptieren. Die iranische Seite sieht die UN-Generalversammlung als „goldene Gelegenheit“ für Washington, zur Diplomatie zurückzukehren – allerdings nur auf Basis der klar formulierten Forderungen.

Die Gespräche zeigen: Iran verhandelt aus einer Position der Stärke. Die Kontrolle über die lebenswichtige Ölroute bleibt das zentrale Druckmittel. Ob Washington bereit ist, reale Zugeständnisse zu machen, oder ob die Rhetorik von „konstruktiven Gesprächen“ erneut in leeren Worten endet, wird sich in den kommenden Tagen zeigen.

Wirtschaftliche Folgen der Hormus-Krise und der iranischen Bedingungen

Die Straße von Hormus ist einer der kritischsten Engstellen der Weltwirtschaft. Vor der Eskalation im Februar 2026 flossen täglich rund 20 Millionen Barrel Rohöl und Ölprodukte (ca. 20–25 % des globalen seegestützten Ölhandels) sowie ein erheblicher Teil des LNG-Handels (rund 20 %) durch die Meerenge. Etwa 80 % dieser Ölströme und fast 90 % des LNG gingen nach Asien.

Bisherige Auswirkungen (seit Februar/März 2026)

  • Ölpreise: Brent stieg von ca. 65–70 USD vor dem Konflikt zeitweise auf über 100–145 USD und bewegte sich danach volatil im Bereich von 80–110 USD. Die Märkte preisen weiterhin ein erhebliches Risiko ein.
  • Versorgungsengpass: Der effektive Ausfall lag nach Umleitungen (Pipelines von Saudi-Arabien und UAE), strategischen Reserven (IEA-Freigaben) und Nachfragerückgängen bei schätzungsweise 10–14 Millionen Barrel pro Tag.
  • Globales Wachstum: Der IWF senkte die Prognose für 2026 von 3,3 % auf etwa 3,0 %. Der Wachstumsschaden ist spürbar, aber geringer als bei den Ölschocks der 1970er-Jahre, weil die Weltwirtschaft heute energieeffizienter und weniger ölintensiv ist.
  • Inflation: Weltweit auf etwa 4,7 % angehoben (von zuvor 3,8 %). Besonders betroffen sind Diesel, Kerosin und Düngemittel.
  • Regionale Unterschiede:
    • Asien (China, Indien, Japan, Südkorea) am stärksten betroffen – hohe Importabhängigkeit.
    • Europa: Steigende Energie- und Transportkosten, Druck auf Industrie und Verbraucherpreise.
    • USA: Als Netto-Energieexporteur relativ besser geschützt, aber dennoch höhere Benzin- und Dieselpreise.
    • Iran und Golfstaaten: Iran verliert eigene Exporteinnahmen; die Golfmonarchien leiden unter dem Volumenrückgang trotz höherer Preise.

Fazit

Die wirtschaftlichen Kosten der Hormus-Sperrung sind real und spürbar, aber bisher durch Reserven, Umleitungen und Nachfragerückgänge teilweise abgefedert worden. Eine fortgesetzte oder erneute harte Schließung würde die Belastung deutlich erhöhen – vor allem für Asien und energieimportierende Länder. Iran nutzt die Meerenge als strategisches Druckmittel, zahlt aber selbst einen hohen Preis durch den Verlust eigener Exporte. Die aktuellen New Yorker Gespräche drehen sich genau um diesen Trade-off: Kontrolle und Sanktionserleichterungen gegen die Wiederherstellung der globalen Energieversorgung.

Das Thema Atomprogramm spielt offenbar keine Rolle mehr.

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇


Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.

Folge TKP auf Telegram oder GETTR und abonniere unseren Newsletter.



Neue Hormus-Autorität gestartet: Iran kassiert Transit-Maut von Schiffen

Straße von Hormus: Sie ist wieder offen, wenn die USA nicht wären

Iran baut Militärführung um und bleibt hart: Straße von Hormus bleibt geschlossen

UN-Kommission: USA könnten für Kriegsverbrechen im Iran verantwortlich sein

Teile diesen Artikel

2 Kommentare

  1. Der Zivilist
    Antworten

    Vorsicht bei Verhandlungen mit den USA, nicht umbringen lassen !

    1. Dideldum
      Antworten

      Nicht umbringen lassen und in allen Verhandlungspunkten auf Vorkasse bestehen..

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann. Benutzer haften für den Inhalt ihrer Kommentare.

Entdecke mehr von tkp.at

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen