Washington plant offenbar, die Dieselexporte einzuschränken, um den Preis in den USA zu senken. In Europa würden die Preise dadurch weiter hinaufklettern.
Donald Trump forderte am Dienstag, Diesel im Land zu behalten und die Exporte zu stoppen. „Ich habe gesagt, wir sollten den Diesel nicht rausschicken. Wir produzieren viel Diesel“, erklärte er am Rande der UN-Generalversammlung. Tatsächlich prüft Washington aktuell, ob ein vollständiges oder teilweises Exportverbot mit den Raffineriekapazitäten vereinbar sei, bestätigte später Finanzminister Bessent. Man werde „schnell“ darüber entscheiden.
Die Preise an den US-Tankstellen sind hoch – und das nur wenige Wochen vor den Wahlen. Umfragen in Europa zeigen, dass die Spritpreise ein Wahlmotiv sind. Das dürfte auch in den USA so sein. Der landesweite Durchschnitt beim Dieselpreis lag zuletzt bei 6,53 Dollar je Gallone – ein Allzeithoch und rund 70 Prozent mehr als vor dem Iran-Krieg im Februar. Landwirte, Spediteure und auch republikanische Abgeordnete aus Agrarstaaten drängen Washington offenbar sehr entschieden auf einen Exportstopp. Es wäre die erste umfassende Beschränkung amerikanischer Energieausfuhren seit der Aufhebung des Rohölembargos 2015.
Wen würde der Schritt besonders treffen? Europa. Die EU hat nach dem Embargo gegen russische Lieferungen und den Lieferstörungen aus dem Nahen Osten die USA zum wichtigsten Lieferanten gemacht. Nach Daten von Kpler stiegen die US-Dieselexporte nach Europa seit Kriegsbeginn um fast 50 Prozent; im August erreichten sie mit mehr als 506.000 Barrel pro Tag einen Rekord. Frankreich und Großbritannien zählen zu den wichtigsten Abnehmern. Insgesamt exportierten die USA im August rund 1,6 Millionen Barrel Diesel täglich.
Entsprechend reagierten die EU-Märkte. Nach Trumps Äußerungen sprang der europäische Diesel-Aufschlag zum Brent-Rohöl auf über 95 Dollar je Barrel – den höchsten Wert in den Bloomberg-Daten seit 2011. Das wird sich auch an den Tankstellen widerspiegeln, wo man oft schon 30 Euro oder mehr zusätzlich im Vergleich zum Jahresbeginn bei einer 50-Liter-Tankung zu zahlen hat.
In den USA dürfte ein Exportverbot die Preise kurzfristig drücken. In Europa, wo weiterhin kein Mangel herrscht, würde man wohl erneut teureren Diesel zukaufen und vor allem Lateinamerika und Afrika unter Druck setzen. Die Preise könnten noch einmal dramatisch steigen.
Allerdings könnte ein Exportstopp an der Realität scheitern. US-Raffinerien laufen bereits nahe der Kapazitätsgrenze. Energieminister Chris Wright und die Ölindustrie erklärten, ein Exportstopp zwinge die Anlagen, die Gesamtproduktion zu drosseln – dann werde auch Benzin knapper.
Das American Petroleum Institute spricht von einem Schuss, der nach hinten losgehen würde. Vermutlich erklärt man das allerdings auch mit einem Hintergedanken: Ein Exportstopp könnte auch die eigenen Gewinne drosseln.
Wahrscheinlicher als ein Totalstopp gilt eine Einschränkung oder zeitlich befristete Quote. Für die USA ist das Thema nicht besonders prekär, man tankt ohnehin weitaus günstiger als etwa in Europa. Für die Republikaner, die eine Wahl zu gewinnen haben, ist die Frage allerdings weitaus wichtiger. Wirklich kritisch könnte ein Stopp für die Autofahrer in Europa werden.
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Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 
Knappheit? Deutschland exportiert Diesel
Diesel aus Amerika: Europas neue Abhängigkeit
1 Kommentar
6 US-Dollar pro Gallone entsprechen bei einem aktuellen Wechselkurs von ca. 0,874 € pro Dollar:
ca. 1,39 € pro Liter
Sagt Leo AI. Traumhaft.
Wie haben einige Kommentatoren gezetert, Putin würde mit dem Gashahn spielen. Trump wird mit dem Sprithahn spielen, zwangsläufig. Und russische Energie wird uns vom Brüsseler Regime vorenthalten.
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