Skip to content
Wirtschaft

Stoppt Trump die US-Dieselexporte?

6 Kommentare 23. September 2026 3 Minuten Lesezeit von Thomas Oysmüller

Washington plant offenbar, die Dieselexporte einzuschränken, um den Preis in den USA zu senken. In Europa würden die Preise dadurch weiter hinaufklettern.

Donald Trump forderte am Dienstag, Diesel im Land zu behalten und die Exporte zu stoppen. „Ich habe gesagt, wir sollten den Diesel nicht rausschicken. Wir produzieren viel Diesel“, erklärte er am Rande der UN-Generalversammlung. Tatsächlich prüft Washington aktuell, ob ein vollständiges oder teilweises Exportverbot mit den Raffineriekapazitäten vereinbar sei, bestätigte später Finanzminister Bessent. Man werde „schnell“ darüber entscheiden.

Die Preise an den US-Tankstellen sind hoch – und das nur wenige Wochen vor den Wahlen. Umfragen in Europa zeigen, dass die Spritpreise ein Wahlmotiv sind. Das dürfte auch in den USA so sein. Der landesweite Durchschnitt beim Dieselpreis lag zuletzt bei 6,53 Dollar je Gallone – ein Allzeithoch und rund 70 Prozent mehr als vor dem Iran-Krieg im Februar. Landwirte, Spediteure und auch republikanische Abgeordnete aus Agrarstaaten drängen Washington offenbar sehr entschieden auf einen Exportstopp. Es wäre die erste umfassende Beschränkung amerikanischer Energieausfuhren seit der Aufhebung des Rohölembargos 2015.

Wen würde der Schritt besonders treffen? Europa. Die EU hat nach dem Embargo gegen russische Lieferungen und den Lieferstörungen aus dem Nahen Osten die USA zum wichtigsten Lieferanten gemacht. Nach Daten von Kpler stiegen die US-Dieselexporte nach Europa seit Kriegsbeginn um fast 50 Prozent; im August erreichten sie mit mehr als 506.000 Barrel pro Tag einen Rekord. Frankreich und Großbritannien zählen zu den wichtigsten Abnehmern. Insgesamt exportierten die USA im August rund 1,6 Millionen Barrel Diesel täglich.

Entsprechend reagierten die EU-Märkte. Nach Trumps Äußerungen sprang der europäische Diesel-Aufschlag zum Brent-Rohöl auf über 95 Dollar je Barrel – den höchsten Wert in den Bloomberg-Daten seit 2011. Das wird sich auch an den Tankstellen widerspiegeln, wo man oft schon 30 Euro oder mehr zusätzlich im Vergleich zum Jahresbeginn bei einer 50-Liter-Tankung zu zahlen hat.

In den USA dürfte ein Exportverbot die Preise kurzfristig drücken. In Europa, wo weiterhin kein Mangel herrscht, würde man wohl erneut teureren Diesel zukaufen und vor allem Lateinamerika und Afrika unter Druck setzen. Die Preise könnten noch einmal dramatisch steigen.

Allerdings könnte ein Exportstopp an der Realität scheitern. US-Raffinerien laufen bereits nahe der Kapazitätsgrenze. Energieminister Chris Wright und die Ölindustrie erklärten, ein Exportstopp zwinge die Anlagen, die Gesamtproduktion zu drosseln – dann werde auch Benzin knapper.

Das American Petroleum Institute spricht von einem Schuss, der nach hinten losgehen würde. Vermutlich erklärt man das allerdings auch mit einem Hintergedanken: Ein Exportstopp könnte auch die eigenen Gewinne drosseln.

Wahrscheinlicher als ein Totalstopp gilt eine Einschränkung oder zeitlich befristete Quote. Für die USA ist das Thema nicht besonders prekär, man tankt ohnehin weitaus günstiger als etwa in Europa. Für die Republikaner, die eine Wahl zu gewinnen haben, ist die Frage allerdings weitaus wichtiger. Wirklich kritisch könnte ein Stopp für die Autofahrer in Europa werden.


Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.

Folge TKP auf Telegram oder GETTR und abonniere unseren Newsletter.

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇


Knappheit? Deutschland exportiert Diesel

Diesel aus Amerika: Europas neue Abhängigkeit

Teile diesen Artikel

6 Kommentare

  1. Jan
    Antworten

    Diesel ist schon seit vielen Monaten knapp. Fracking erzeugt zu wenig schwere Fraktionen, der meiste US-Diesel wird aus kanadischen Importen gemacht. Diesel kommt eher aus Nahost. Kam.

    Diesel ist der Treibstoff von Bussen, Logistik, Bauindustrie und Landwirtschaft. Auch Notstromaggregate laufen mit Diesel.

    IHR SEID ALLE SO RRÄÄCHTSS!!, kreischt Cruella und die Völker verneigen sich gen Be und beten sie an, die große Ungewählte.

    Cruella wird das im Griff haben. Das mit den Schneekönig managed sie auch so wunderbar!

  2. 1150
    Antworten

    ich kann es mir nicht verkneifen,
    wenn ihr euch das autofahren nicht leisten könnt, fährt doch einfach taxi

  3. VerarmterAdel
    Antworten

    NATO Sanctions and the Coming Global Diesel Fuel Disaster

    By F. William Engdahl – New Eastern Outlook – 11.04.2022

    NATO Sanctions and the Coming Global Diesel Fuel Disaster « Aletho News – https://alethonews.com/2022/04/11/nato-sanctions-and-the-coming-global-diesel-fuel-disaster/

    „…governments like the German “Ampel” (traffic light) coalition, with their insane Zero Carbon agenda, and their plans to phase out oil, coal and gas, or the Biden cabal, privately see the exploding energy prices as further argument to abandon hydrocarbons like oil for unreliable, costly wind and solar. The real industrial interconnected global economy is not like a game of lego toys. It is highly complex and finely tuned.That fine tuning is being systematically destroyed, and all evidence is that it is deliberate. Welcome to the Davos Great Reset eugenics agenda.“

  4. alter Mann
    Antworten

    Na unsere US Niederlassung sieht dies etwas anderst – in Relation versetzt, ist der Preis in den USA extrem hoch. Für den 01.10. war / ist ein Protesttag geplant. Die Raffinerien in USA laufen an der Kapazitätsgrenze und regional gibt es immer wieder Lieferengpässe. Raffinerien haben Wartungsarbeiten bereits verschoben. Den Teer aus Venezuela (sprich Öl) hilft da auch nicht weiter, da Kapazitäten fehlen und mit den meisten Anlagen nicht verarbeitbar. Die Europäer haben sich ja von den ihrem Zentralkomitee selbst sanktionieren lassen und dies auf allen Gebieten.

  5. Glass Steagall Act
    Antworten

    Der Finanzmarktexperte Fugmann, den ich mir jeden Tag auf YouTube ansehe sagt, wenn die USA ein Exportstopp für Diesel einführen, wird auch weniger Diesel produziert, was dann kurze Zeit später wieder die Preise in den USA in die Höhe schnellen lässt! Für Trump mag das kurzfristig interessant sein, aber langfristig ist das schlecht für den Dieselpreis in den USA und damit auch weltweit! Wenn das Angebot noch weiter sinkt, steigt der Preis noch höher!

    Die Lösung liegt nicht in Exportstopps oder Zöllen oder Sanktionen. Die Lösung liegt einzig und allein in der Beendigung aller Kriege, die die USA führen! Dazu gehört auch der Krieg in der Ukraine! Speziell der Irankrieg hat die Welt in diese miese Lage geführt!

  6. Der Zivilist
    Antworten

    6 US-Dollar pro Gallone entsprechen bei einem aktuellen Wechselkurs von ca. 0,874 € pro Dollar:

    ca. 1,39 € pro Liter

    Sagt Leo AI. Traumhaft.

    Wie haben einige Kommentatoren gezetert, Putin würde mit dem Gashahn spielen. Trump wird mit dem Sprithahn spielen, zwangsläufig. Und russische Energie wird uns vom Brüsseler Regime vorenthalten.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann. Benutzer haften für den Inhalt ihrer Kommentare.