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Wissenschaft

Atlantik 60-Jahres-Rekord: Längste Periode ohne Hurrikan seit Beginn der Satellitenbeobachtung

3 Kommentare 22. September 2026 4 Minuten Lesezeit von Dr. Peter F. Mayer

Der Atlantik hat 2026 einen historischen Rekord aufgestellt: Bis Mitte September bildete sich kein einziger Hurrikan. Das ist die längste Phase ohne Hurrikan seit Beginn der modernen Satellitenüberwachung 1966.

Laut AccuWeather und dem National Hurricane Center (NHC) übertraf die Saison bereits am 12. September den bisherigen Satelliten-Ära-Rekord (zuvor 11. September in den Jahren 2002 und 2013). Bis zum 21. September blieb der Atlantik weiterhin hurrikanfrei – das letzte Mal, dass dies so spät in der Saison geschah, war 1914.

Sechs Tropenstürme – null Hurrikane

Bislang entstanden sechs benannte Stürme (Arthur, Bertha, Cristobal, Dolly, Edouard und Fay). Keiner davon erreichte die Hurrikan-Schwelle von 119 km/h. Die Accumulated Cyclone Energy (ACE), ein Maß für die Gesamtaktivität, lag Mitte September bei nur etwa 7 Prozent des Normalwerts – der niedrigste Stand in der modernen Aufzeichnung.

Der Höhepunkt der Hurrikan-Saison liegt üblicherweise um den 10. September. In einem durchschnittlichen Jahr hätten bis Mitte September bereits mehrere Hurrikane und oft auch Major Hurricanes (Kategorie 3+) gebildet. 2026 blieb es still.

El Niño als Hauptverursacher

Meteorologen führen die extreme Ruhe auf einen sich verstärkenden El Niño zurück. Dieser erzeugt starke vertikale Windscherung und trockene Luftmassen über dem Atlantik, die die Organisation von Gewittern und die Intensivierung tropischer Systeme massiv behindern. Gleichzeitig begünstigt El Niño die Aktivität im Pazifik.

AccuWeather-Hurrikanexperte Alex DaSilva betonte: In der gesamten Satelliten-Ära (seit den frühen 1960er-Jahren) gab es kein einziges Jahr ohne Hurrikan. Nur 1907 und 1914 – also vor der zuverlässigen Satellitenbeobachtung – endeten komplett ohne Hurrikan. Sollte 2026 bis Ende November hurrikanfrei bleiben, wäre es erst das dritte solche Jahr in den Aufzeichnungen.

Letzter großer Sturm: Melissa 2025

Der letzte signifikante atlantische Hurrikan, der Land traf, war der katastrophale Kategorie-5-Sturm Melissa, der am 28. Oktober 2025 Jamaika verwüstete. Seither herrscht im Atlantik weitgehend Ruhe.

Trotz der Rekord-Trockenheit warnt die Meteorologie davor, die Saison abzuschreiben. Späte Entwicklungen im westlichen Karibikraum, Golf von Mexiko oder nahe der US-Küste bleiben möglich. Ein Trog südöstlich von Bermuda hatte Mitte September geringe Chancen auf Entwicklung.

Hurrikane und Trockenheit in Europa

Die extreme Hurrikan-Trockenheit im Atlantik 2026 und die Trockenheit/Dürre in Teilen Europas haben gemeinsam den starken El Niño als wichtigen Faktor, sind aber nicht kausal miteinander verknüpft (die fehlenden Hurrikane „machen“ Europa nicht trocken).

  • Atlantik-Hurrikane: Der starke El Niño erzeugt starke Windscherung und trockene Luft über dem tropischen Atlantik. Das unterdrückt die Entstehung und Intensivierung von Hurrikanen massiv – deshalb der Rekord ohne Hurrikan bis weit in den September.
  • Europa: Der Sommer 2026 war in großen Teilen Europas (besonders West-, Mittel- und Osteuropa) ungewöhnlich heiß und niederschlagsarm. Es gab ausgeprägte Dürre, niedrige Flusspegel, Ernteausfälle und Waldbrände (z. B. in Frankreich und Spanien). Das wird vor allem auf anhaltende Hochdrucklagen, Hitzewellen durch Südwinde aus Afrika und Niederschlagsdefizite zurückgeführt.

El Niño beeinflusst Europa über Fernwirkungen (Telekonnektionen) in der Atmosphäre, aber die Effekte sind schwächer und unklarer als im Atlantik oder in den Tropen. Typischerweise bringt ein starker El Niño:

  • im Sommer oft wärmere Bedingungen und regional verstärkte Trockenheit (besonders Norden/Mitte),
  • im Herbst/Winter eher die Chance auf nassere und stürmischere Verhältnisse in Nordwest-Europa.

Die aktuelle europäische Dürre ist also eine Kombination aus dem El-Niño-Einfluss und den konkreten Wetterlagen 2026. Die fehlenden Hurrikane selbst spielen dabei keine direkte Rolle.

Kurz: Derselbe El Niño dämpft die Hurrikane im Atlantik und trägt indirekt zu den trockenen/heißen Bedingungen in Europa bei.

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇

Bild von Waqutiar Rahaman auf Pixabay

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3 Kommentare

  1. Glass Steagall Act
    Antworten

    Schlechte Nachrichten für den die linksgrüne Politik und den Mainstream, denn die brauchen Katastrophen für ihre ideologische Agenda!

  2. Der Zivilist
    Antworten

    Verdammt, uns geht’s gut.

    So gut wie 1914

    1. Hieronymos
      Antworten

      So gut wie vor 28.07.1914 ! – danach begann der 1. Weltkrieg, und alle dachten „bis Weihnachten sind wir wieder zuhause“. Dies hat leider wieder eine gewisse Aktualität.

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