Rechenzentren in Leopoldsdorf und Stetten: Die digitale Landnahme im Wiener Umland

1. September 2026von 9,6 Minuten Lesezeit

Internationale Datenkonzerne und Immobilienentwickler werfen ein Netz aus Megarechenzentren über das Land, die Gemeinderäte nicken brav ab, und die Anrainer bleiben auf den externen Kosten sitzen. Es handelt sich um Mega-Industrieanlagen, die von den lokalen Politikern kleiner Gemeinden abgenickt werden, ohne sich über die Auswirkungen und Folgen Gedanken zu machen.

In der 5.000-Seelen-Gemeinde Leopoldsdorf (Bezirk Bruck an der Leitha) sind gleich zwei Rechenzentren in Planung. Den Anfang macht der US-Konzern CloudHQ, dessen Projekt der Gemeinderat am 26. Mai 2026 — einstimmig, mit allen Fraktionen — absegnete, wie die Gemeinde Leopoldsdorf selbst dokumentiert. Einstimmigkeit bei einem Projekt dieser Größenordnung ist nie ein gutes Zeichen. Es bedeutet in der Regel, dass alle relevanten Informationen entweder nicht vorlagen oder nicht hinterfragt wurden.

Die nackten Zahlen

Auf knapp neun Hektar Fläche — das entspricht etwa zwölf Fußballfeldern — sollen drei Gebäude mit jeweils rund 300 Metern Länge und 25 Metern Höhe entstehen, wie die Krone berichtet. Die Anschlussleistung im Endausbau: 200 bis 225 Megawatt, meldet der ORF Niederösterreich. Zum Vergleich: Das ist mehr als der Stromverbrauch der gesamten Stadt St. Pölten. Allein die erste Ausbaustufe mit 70 Megawatt entspricht dem Bedarf von etwa 50.000 Haushalten.

Baustart soll 2027 sein, die Fertigstellung ist für 2029 vorgesehen. Die Gemeinde kassiert dafür einmalig 9 Millionen Euro — ein lächerlicher Betrag angesichts der Dimensionen, wie die Gemeinde auf ihrer Website stolz verkündet. Das sind, grob überschlagen, nicht einmal 0,5 Prozent der geschätzten Baukosten eines 200-MW-Campus.

Wer steckt hinter CloudHQ?

CloudHQ wurde 2016 von Hossein Fateh gegründet, dem ehemaligen CEO von DuPont Fabros Technology, einem der größten Datencenter-REITs der USA. Ein Data-Center-REIT (Datencenter-REIT) ist eine spezialisierte Form eines Real Estate Investment Trusts (REIT), die in Rechenzentren investiert. Wie DataCenterKnowledge berichtet, war Fateh der erste, der in den USA eine IRS-Entscheidung erstritt, die Einkünfte aus Rechenzentren als REIT-qualifiziert einstufte — ein steuerlicher Kunstgriff, der institutionellen Investoren die Tür zum Datencenter-Markt öffnete. CloudHQ ist Teil des Fateh Family Office und operiert global mit über 23 Standorten, 1.380 MW kontrahierter IT-Last und einem Portfolio von mehr als 2,8 Millionen Quadratmeter, wie die Firma selbst angibt. Der Hauptsitz ist in Washington, D.C.

Das zweite Projekt: GARBE.DC

Nur wenige hundert Meter vom CloudHQ-Areal entfernt plant der deutsche Entwickler GARBE.DC (ehemals NDC-Garbe) ein weiteres Rechenzentrum, wie der ORF NÖ berichtet. Die Widmung „Bauland-Sondergebiet-Rechenzentrum“ ist noch nicht erteilt, aber Bürgermeister Fritz Blasnek (ÖVP) hat die Pläne bereits öffentlich bestätigt. GARBE.DC selbst dementiert interessanterweise gegenüber DataCenterDynamics, dass überhaupt konkrete Pläne existieren — ein bemerkenswerter Vorgang. Entweder der Bürgermeister kommuniziert Luftschlösser, oder der Entwickler hält sich bedeckt, solange der politische Widerstand nicht kalkulierbar ist.

GARBE.DC ist kein kleiner Fisch: Die GARBE Data Centers GmbH mit Sitz in Hamburg gehört zur GARBE-Gruppe, die über 15 Milliarden Euro Assets under Management, 600 Mitarbeiter und 20 Büros in 13 Ländern verfügt, wie das Unternehmen selbst darlegt. Laut NorthData ist Gesellschafterin die GuN Holding GmbH & Co. KG. Die Geschäftsführung — Andrea Agrusow, Lars Hammerschmidt, Jonathan R. F. Henry — bringt jahrzehntelange Erfahrung im industriellen Immobiliengeschäft mit. Auch hier gilt: Profis am Werk, die genau wissen, wie man Rendite privatisiert und Risiken vergesellschaftet.

Die Kühlung: Luft oder Wasser? Je nach Tagesform

Die Gemeinde Leopoldsdorf behauptet auf ihrer Website kategorisch: „Es ist keine Kühlung mit Wasser vorgesehen. Es wird weder Leitungs- noch Grundwasser für die Kühlung entnommen.“ Luftkühlung also. Punkt.

Nur: CloudHQ-Manager Andreas Graf-Matzner erklärte gegenüber ORF und oe24 im Juli 2026 etwas völlig anderes — nämlich dass ein geschlossener Wasserkreislauf zum Einsatz komme. Zwei offizielle Darstellungen, zwei komplett widersprüchliche Aussagen. Bei 200 Megawatt Abwärmeleistung ist Luftkühlung physikalisch lächerlich — das wäre, als wollte man einen Hochofen mit einem Ventilator betreiben. Ein geschlossener Wasserkreislauf ist das absolute Minimum, und selbst der braucht kontinuierliche Nachspeisung. Die Wahrheit wird man wohl erst im Betriebsanlagengenehmigungsverfahren erfahren — wenn überhaupt.

Infraschall: Das unsichtbare Problem

Was weder in der Gemeinderatssitzung noch in den Hochglanzbroschüren thematisiert wird, ist die Infraschallproblematik. Rechenzentren dieser Größenordnung sind keine stillen Nachbarn. Tausende Lüfter, Rückkühler, Transformatoren und Notstromaggregate erzeugen ein breites Frequenzspektrum — inklusive tieffrequenter Schallanteile unter 20 Hertz, die als Infraschall bezeichnet werden.

Die Forschungslage ist komplex, aber die Richtung ist klar: Während das deutsche Umweltbundesamt in Laborstudien mit künstlichen Sinustönen keine akuten körperlichen Reaktionen fand, kritisieren unabhängige Forscher genau diese Methodik. Realer Infraschall — wie er von Lüfterbatterien und Dieselaggregaten ausgeht — besteht nicht aus sauberen Sinuswellen, sondern aus steilen Druckimpulsen und fluktuierenden Frequenzspitzen. Genau diese Impulse werden in behördlich beauftragten Studien systematisch „weggeglättet“, indem mit Terzspektren und Mittelwerten gearbeitet wird.

Eine in der ASU Arbeitsmedizin publizierte Übersichtsarbeit kommt zu einem deutlich alarmierenderen Schluss: „Die heute verfügbaren Erkenntnisse begründen ein wesentliches Gesundheitsrisiko für Infraschall-exponierte Personen.“ Die Leitsymptome: Schwindel, Müdigkeit, Benommenheit, Druckgefühl am Trommelfell, Vibrationsgefühl, Schlafstörungen, Konzentrationsdefizite. Bei Pegeln ab etwa 75 Dezibel — und die sind in 150 Metern Entfernung zu Rückkühlern und Notstromaggregaten durchaus erreichbar — sind psychovegetative Störungen dokumentiert.

Bürgermeister Blasnek wiegelt ab: „Null Lärmemissionen“, ließ er via ORF verlauten. Bei einem Lokalaugenschein in einem Frankfurter Rechenzentrum habe man sich „ohne Kopfhörer noch gut verständigen können“, meldet oe24. Klar, Infraschall ist eben nicht hörbar. Ein Besuch bei laufendem Betrieb sagt exakt gar nichts über den Nachtbetrieb, über Infraschall unterhalb der Hörschwelle oder über Probeläufe der Notstromaggregate. Das ist Anekdote, nicht Evidenz. Und die Schäden von Infraschall sind nicht nur bei Windparks, sondern mittlerweile auch bei Rechenzentren bestens wissenschaftlich dokumentiert.

Notstrom: Diesel, so weit das Auge reicht

Die Gemeinde selbst listet in ihrem Faktencheck auf, was im Betriebsanlagengenehmigungsverfahren geprüft werden muss: „Brandschutz und Sicherheit (u. a. Batterieanlagen/USV, Diesellagerung, Löschwasser)“ sowie „Luftschadstoffe (Emissionen der Notstromaggregate)“.

Das bedeutet: Hier werden massive Dieseltanks verbaut, um bei Netzausfällen die 200 Megawatt Last zumindest teilweise aufrechtzuerhalten. Wie viel Diesel gelagert wird, ist bislang nicht öffentlich. Klar ist nur: Es wird um zig-tausende Liter gehen, mit allen dazugehörigen Risiken — Grundwassergefährdung, Brandlast, Emissionen bei Probeläufen. Die Gemeinde verspricht „Auffangsysteme“. Das ist schön, aber kein Freibrief. Ein Dieseltank bleibt ein Dieseltank. Für Kronstorf mit 500  MW sind für 5 Stunden Notstrombetrieb 650.000 Liter Diesel nötig.

Abwärme: 200 Megawatt in die Atmosphäre

200 Megawatt elektrische Leistung bedeuten — bei konservativ geschätzten 1,3 PUE — etwa 260 Megawatt thermische Verlustleistung, die kontinuierlich an die Umgebung abgegeben werden. Das ist die Heizleistung von etwa 30.000 Einfamilienhäusern, die hier 24/7 in die Luft geblasen wird. Die Gemeinde prüft eine „Einbindung in ein Fernwärmesystem“, wie der ORF meldet — geprüft wird viel, gebaut wird später. Bis dahin heizt das Rechenzentrum den Wiener Süden.

Satellitenaufnahmen aus Virginia, wo sich die größte Rechenzentrumskonzentration der Welt befindet, zeigen mittlerweile messbare lokale Erwärmungseffekte um Datencenter-Cluster. Eine aktuelle Studie in Frontiers in Climate dokumentiert die gesundheitlichen Folgen dieser Entwicklung. Wenn in Leopoldsdorf beide Projekte realisiert werden, reden wir über 400+ Megawatt Abwärme auf wenigen Quadratkilometern — ein künstlicher Wärmeinseleffekt par excellence.

Stetten: Das RZ auf der grünen Wiese

Während Leopoldsdorf auf bereits gewidmetes Betriebsgebiet setzt, geht man in Stetten (Bezirk Korneuburg, nördlich von Wien) noch einen Schritt weiter. Hier soll ein Rechenzentrum auf 4,3 Hektar Ackerfläche entstehen — auf einem Feld, auf dem noch vor einem Monat Getreide geerntet wurde, berichtet die Wiener Zeitung. Die Umwidmung von „Grünland-Freifläche“ zu „Bauland-Sondergebiet – Datacenter“ ist im Gange.

Der WWF hat bereits Alarm geschlagen und fordert einen sofortigen Stopp der Umwidmung, wie einer Presseaussendung zu entnehmen ist. „Ein Rechenzentrum darf nicht im Blindflug auf einem Getreidefeld landen“, so Viktoria Auer vom WWF. Die Naturschutzorganisation verweist auf den Rechenzentren-Leitfaden des Landes Niederösterreich, der bestehenden Strukturen und Baulandreserven Vorrang vor Neubauten auf der grünen Wiese einräumt — ein Leitfaden, den das Land selbst offenbar nicht ernst nimmt.

Der Strombedarf ist noch nicht beziffert, aber die Infrastruktur ist bereits vorhanden: Ein 380-kV-Umspannwerk liegt in unmittelbarer Nähe, eine 380-kV-Hochspannungsleitung mit 58 Meter hohen Masten führt direkt über das Feld. BOKU-Professor Gernot Stöglehner schätzt gegenüber der Wiener Zeitung, dass der Energieverbrauch in der Größenordnung „mehrerer Donaukraftwerke“ liegen dürfte. Der Standort ist für viele Betriebe wegen der Hochspannungsleitung unattraktiv — für ein Rechenzentrum, das genau diese Leitung als Stromautobahn nutzt, ist er ideal.

Die Gemeinde Stetten verteilt derzeit Infoblätter an die Haushalte und betont, es gebe „weder einen Gemeinderatsbeschluss zur Errichtung eines Datencenters noch einen abschließenden Beschluss über eine dafür erforderliche Umwidmung“, wie die NÖN berichtet. Das ist die klassische Strategie: Erst die Bevölkerung beruhigen, dann durchwinken. SPÖ, ÖVP und FPÖ — die Grünen sind im Gemeinderat gar nicht vertreten — haben ein gemeinsames Schreiben verfasst, das vor allem eines tut: Zeit kaufen.

Der Eigentümer des Projekts in Stetten ist bislang nicht öffentlich bekannt. Kein Name, kein Unternehmen, kein Entwickler. Das ist bemerkenswert, denn es bedeutet: Die Gemeinde verhandelt mit jemandem, den sie der eigenen Bevölkerung nicht nennen will oder kann. Transparenz sieht anders aus.

Die Systemfrage: Cui bono?

Was in Leopoldsdorf und Stetten passiert, ist kein regionales Phänomen. Allein bei der Austrian Power Grid liegen 2.500 Megawatt an Rechenzentrums-Anfragen vor — bei den Verteilnetzbetreibern noch einmal in ähnlicher Größenordnung, wie der ORF berichtet. Das entspricht etwa der Hälfte der gesamten Stromproduktion Niederösterreichs. In der Pipeline sind nach neuen Landesregeln eine niedrige zweistellige Zahl solcher Zentren, meldet oe24.

Die Profiteure sind klar: CloudHQ und GARBE.DC bauen die Infrastruktur und vermieten sie an die großen Digitalkonzerne — Google, Microsoft, Amazon, Meta. Die Rechenleistung wird an jene verkauft, die „beim Stromeinkauf auch meist auf erneuerbare Quellen achten würden“, wie CloudHQ-Manager Graf-Matzner beschwichtigend erklärt. Übersetzt: Die Konzerne kaufen sich mit Ökostrom-Zertifikaten grün, während die physikalische Netzlast in den Umspannwerken Wien Südost und Stetten explodiert.

Die Kosten tragen die Anrainer: Lärm, Infraschall, lokale Erwärmung, Dieselabgase bei Notstromtests, Wasserkonkurrenz in ohnehin trockenen Sommern, entwertete Immobilien — die Gemeinde Leopoldsdorf behauptet zwar in ihrem Faktencheck, sinkende Immobilienpreise seien „nicht belegt“, aber man muss kein Ökonom sein, um zu verstehen, dass niemand gerne einige Kilometer neben drei 300-Meter-langen, 25-Meter-hohen Industriebauten mit Dieseltanks und Dauerlüfterbetrieb wohnen möchte.

Was geschieht in den Rechenzentren?

Für Ihre Mails oder Briefe braucht es nicht tausende Rechenzentren weltweit und in den europäischen Ländern.

Die offizielle Erzählung ist bekannt: Der explosionsartige Ausbau von KI-Rechenzentren diene dem Fortschritt, der Wettbewerbsfähigkeit und der Bewältigung des „Klimawandels“. Doch wer genauer hinschaut, erkennt ein ganz anderes Bild. Die massiven Investitionen in Hyperscale-Anlagen, die Wasser, Land und Strom in nie dagewesenem Ausmaß beanspruchen, sind kein Selbstzweck. Sie bilden die materielle Grundlage für ein System der totalen Digitalisierung, Tokenisierung und Kontrolle – und zugleich den Vorwand für die schleichende Privatisierung öffentlicher Funktionen.

Wozu diese enorme Zahl von Rechenzentren benötigt wird, hat TKP hier zusammengefasst: Wahrer Grund für Boom bei KI-Rechenzentrum: Tokenisierung, Technokratie und die Entmachtung des Bürgers.

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇


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4 Kommentare

  1. wolfferth 1. September 2026 um 11:02 Uhr - Antworten

    Es ist aus meiner Sicht der größte Raubzug in der Menscheitsgeschichte. Global!
    Die Allgemeinheit soll zugunsten der Industrie geplündert werden. Bedauerlicher Weise verstehen das noch nicht genug Leute wieso sie Strom und Wasser sparen sollen und überall drauf zahlen.
    Für Big-Gulag-Tech.

    https://www.tomshardware.com/tech-industry/data-centers/trump-says-communities-that-reject-data-centers-want-to-end-up-being-backwards-and-poor-president-claims-china-could-not-be-happier-with-ai-data-center-backlash-in-the-us

  2. Thomas Moser 1. September 2026 um 10:36 Uhr - Antworten

    Sie bilden die materielle Grundlage für ein System der totalen Digitalisierung, Tokenisierung und
    Kontrolle – und zugleich den Vorwand für die schleichende Privatisierung öffentlicher Funktionen.

    Soll die Verwaltung entbürokratisiert werden? Aber wie? Die Idee, Verwaltungsprozesse durch KI zu entbürokratisieren, klingt zunächst attraktiv, doch im Sozialrecht ist das kaum realistisch. Sozialrecht lässt sich nur im Einzelfall korrekt anwenden. Jede Entscheidung verlangt die Berücksichtigung von Ausnahmen, besonderen Lebenslagen und Ermessensspielräumen, die nur menschliche Entscheider sinnvoll ausloten können.

    Eine KI, die hier unterstützen soll, müsste symbolisch arbeiten: also mit Regeln, Normen, Ausnahmen und nachvollziehbaren Schlussfolgerungen. Das wäre eine Form von AI‑assisted governance, bei der die KI Verwaltungsmitarbeiter unterstützt, aber nicht ersetzt. Das spart aber kein Personal und ist nicht das was politisch erwünscht ist wenn von Bürokratieabbau die Rede ist.

    Ich befürchte jedoch, dass man stattdessen eine weitgehende Automatisierung anstrebt und dafür probabilistische KI (PKI) einsetzen will, also Systeme auf Basis neuronaler Netze. Diese behandeln jeden Fall als Standardfall, weil sie mathematisch gezwungen sind, den nächstliegenden bekannten Fall heranzuziehen. Für Ausnahmen existieren kaum Trainingsdaten, deshalb sind es Ausnahmen. PKI kann darauf nicht fachlich korrekt eingehen und produziert dadurch ungerechte Entscheidungen ohne das zu wissen.

    Hinzu kommt die Intransparenz: PKI‑Modelle sind Black Boxes. Sie arbeiten rein numerisch, ohne Inhalte wirklich zu verstehen, und können ihre Entscheidungen nicht rechtsstaatlich begründen. Zwar ließe sich mit PKI viel Personal einsparen und die Prozesse würden gut in Rechenzentren skalieren, doch die resultierenden Entscheidungen wären verfassungsrechtlich problematisch. Staatliche Entscheidungen müssen nachvollziehbar sein und dürfen Ausnahmefälle nicht benachteiligen.

    Daher glaube ich nicht an den AI supported Bürokratieabbau.

  3. W. Baehring 1. September 2026 um 10:28 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Dr. Mayer,

    schön (und wichtig), dass Sie (auch) für das Buch „Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus“ der amerikanischen Ökonomin Shoshana Zuboff werben.
    Es sollte Pflichtlektüre vor allem für diejenigen sein, die der hemmungslosen Digitalisierung der Gesellschaft UND der Privatsphäre völlig gleichgültig, unkritisch oder gar positiv gegenüberstehen mit der tumben „Begründung“ : „Ich habe eh nichts zu verbergen“.
    Wer nur ein bißchen Grips im Kopf hat und die Aussagen in dem Buch mit den wie Pilze aus dem Boden schießenden Super-Rechenzentren vergleicht, begreift, wohin der Hase bereits läuft (AUCH für die diejenigen, die „nichts zu verbergen haben“).

  4. Jan 1. September 2026 um 9:49 Uhr - Antworten

    Eine Gesellschaft verteilt um, was sie produziert.

    Was produzieren Datacenters dieser Größenordnung? Tokenisierung ist schön und gut, aber inwiefern trägt es mehr als Nahrungsmittel zur Produktion bei? Welchen Vorteil hat eine Gesellschaft, die jeden Baum und jede Kartoffel in einem Modell abbilden kann?

    Mit dem Aufwand dafūr könnte man Mathe unterrichten oder Psychotherapie betreiben oder Stahl schmelzen.

    Für Blogs wie tkp braucht man keine Datacenters dieser Größenordnung, das geht mit einen Rechner daheim.

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