
Warum die NATO gegen Russland eskalieren könnte
Die Frage, welche Seite von einer ernsthaften Eskalation mehr zu gewinnen erwartet, lässt sich beantworten, wenn man genau versteht, was jede Seite von der anderen will und wie sie sich bisher verhalten hat.
Politico und andere Quellen berichteten, dass die unangekündigte Reise des CIA-Chefs John Ratcliffe nach Russland vor allem dazu diente, Russland davor zu warnen, die Entschlossenheit der NATO durch unbestimmte kinetische Aktionen gegen die baltischen Staaten auf die Probe zu stellen. Ich argumentierte hingegen, dass eher die NATO bald Russlands Entschlossenheit testen könnte. Aber welche Seite würde sich tatsächlich erwarten, etwas durch die Eskalation zu gewinnen?
NATO und Russland haben ihre maximalistischen Rhetorik zum Ukraine-Konflikt zurückgenommen: Die NATO träumt nicht mehr von der Wiederherstellung der ukrainischen Grenzen von vor 2014, und Russland konzentriert sich inzwischen überwiegend nur noch darauf, die volle Kontrolle über den Rest des Donbass zu erlangen, statt die Ukraine zu entmilitarisieren und zu „entnazifizieren“. Das liegt an den weitreichenden Folgen, die der langwierige Stellvertreterkrieg für beide Seiten hatte. Hypothetisch schafft das die Grundlage für eine Einigung.
Diese Einsicht führte dazu, dass Putin sich mit Trump in Anchorage traf und wirklich glaubte, Trump habe zugestimmt, Selenskyj zum Rückzug aus dem Donbass zu zwingen, im Gegenzug dafür, dass Putin einen Waffenstillstand erklärt – sofern Trump zumindest teilweise Sanktionserleichterungen als Belohnung gewährt. Trump brach diese Abmachung; Putin bleibt jedoch dem „Geist“ ihres Treffens verpflichtet. Das deutet darauf hin, dass Trump Putin einen hohen Preis für den Donbass abverlangen will, während der Donbass inzwischen das Einzige ist, was Putin noch will.
Eine ernsthafte, von den USA gebilligte NATO-Eskalation gegen Russland könnte daher darauf abzielen, Putin zu einem Waffenstillstand entlang der Frontlinie zu zwingen, statt ihm sein Minimalziel – die Kontrolle über den gesamten Donbass – zu überlassen. Zweck wäre es, der Geschichte leichter den Eindruck zu vermitteln, „Russland habe verloren“. Die Annahme dahinter lautet, dass jede Eskalationsfolge steuerbar bleibe und Putin zurückweichen werde, um einen Dritten Weltkrieg zu vermeiden – weil man seine bisherige Zurückhaltung nach so vielen von der NATO unterstützten ukrainischen Provokationen als Schwäche deutet.
Dazu ist zu sagen: Putin bemüht sich aufrichtig, einen Dritten Weltkrieg zu vermeiden. So sehr, dass er nach der neuen, von der NATO gestützten „Abnutzungsoffensive“ der Ukraine in diesem Sommer nur milde eskalierte, statt die Ukraine klar zu übertrumpfen, um die Abschreckung wiederherzustellen – und dabei das Risiko einer unkontrollierbaren Eskalation mit der NATO einzugehen. Es wäre daher ein radikaler Bruch mit seinem in den letzten viereinhalb Jahren des Konflikts bewiesenen Verhalten, ausgerechnet eine ernsthafte Eskalation mit der NATO zu beginnen, nur um einen ukrainischen Rückzug aus dem Donbass zu erzwingen.
Sollte die NATO jedoch ernsthaft gegen Russland eskalieren, könnte Putin sein großstrategisches Ziel wiederbeleben: die europäische Sicherheitsarchitektur so umzugestalten, dass das NATO-russische Sicherheitsdilemma, das die Spezialoperation auslöste, friedlich entschärft wird. Er könnte Russlands Sicherheitsgarantieforderungen vom Spätjahr 2021 wieder auf den Tisch legen als Bedingung für eine gegenseitige Deeskalation. Die NATO ist gegenüber Russland jedoch noch nie zurückgewichen; eine Zustimmung ist daher unwahrscheinlich. Russland würde eine Eskalation also nicht zu diesem Zweck provozieren.
Vor dem Hintergrund dieser Analyse ist es daher plausibel, dass die NATO von einer ernsthaften Eskalation mit Russland mehr zu gewinnen erwartet als umgekehrt. Das bedeutet: Die NATO ist deutlich eher bereit, Russlands Entschlossenheit zu testen, als Russland die der NATO. Sollte das geschehen und die NATO nach einer erwartbaren russischen Gegenreaktion die Eskalationsleiter weiter hinaufsteigen, könnte alles leicht außer Kontrolle geraten. Die Verantwortung, einen Dritten Weltkrieg zu vermeiden, liegt daher bei der NATO.
Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
Andrew Korybko ist ein in Moskau ansässiger amerikanischer politischer Analyst, der sich auf den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat. Er veröffentlicht auf Englisch auf seinem Substack-Blog. Auf Deutsch exklusiv bei TKP.
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Das Problem ist, dass Russland unbegrenzt auf Eskalation antworten kann – sogar bis zum Punkt des Verschwindens der Menschheit von der Erde, während die Ressourcen der Ukraine/EU begrenzt sind.
Es gibt da ein Zitat von Putin aus 2002. „Der Westen ist wie ein Pitbull.- wenn er (der Westen) zubeißt, darf man nicht versuchen sich loszureißen. Man muss ihm (dem Westen) das Gebiss brechen“
Die letzte Eskalation seitens der NATO führte dazu, dass die Ukraine den Meerzugang verloren hat. Die angesagte Eskalation gegen russische Zivilluftfahrt seitens der Ukraine, wird dazu führen, dass es in der Ukraine keine Zivilflugfahrt mehr geben wird.
Lt. „Russ. Welt“ verschließt Russland zZt gerade die Westgrenze der Ukr., um die Versorgung einzustellen. Zeit wirds.
Die NATO provoziert. Es ist vollkommen ersichtlich, dass man unbedingt einen 3. WK anzetteln möchte.
Schland stuft die lächerlichen Spielzeugdrohnen von Leipzig als „russischen“ Attentatsversuch ein. Sie behaupten, der russ. Geheimdienst hätte das getan. Konsequenzen? Botschaften werden geschlossen etc. Russland verlangt Beweise und kündigt Gegenmaßnahmen an. Die wollen keinen Frieden. Sie hören nicht auf, mit dem Feuer zu spielen.
wie meist: Unsinn. Der Donnbass ist vor Ende des Jahres komplett erobert und es gibt kein einziges Indiz dafür, dass Russland seine Ziele zurücknimmt. Wieso auch? Sie gewinnen. Und es ist nötig aus Ihrer Sicht, zu kontrollieren, was mit dem Rest- wie klein auch immer – der Ukraine passiert, weil nur das eine Bedrohung durch die Nato von dort verhindert..Die strategische Frage ist eine andere: Was ist kritischer: Die Schäden durch die Nato bis zum unausweichlichen Zusammenbruch des Westens oder die due Eskalation, die ja in Wahrheit gar keine wäre, sondern zunächst nur eine warnende Antwort
„NATO und Russland haben ihre maximalistischen Rhetorik zum Ukraine-Konflikt zurückgenommen“
Wenn die Eliten vier Jahre Krieg brauchen, um zu dieser Erkenntnis zu kommen, zu der ein rationaler Mensch innerhalb von 20 Min. gelangt, dann sind wir auf einem sehr, sehr schwierigen Pfad!
Pinocchio und Leyen und auch „die Sozialdemokratie“ wären bei einer Rücknahme der Maximalforderung erledigt. Das merken sogar Dumpfbacken, die sich fünfmal täglich gen Brüssel verneigen!
Wenn es gelänge, dass Putin 15cm zurückweichen müsste, ließe sich das PR-technisch deutlich besser verkaufen, in diesem Sinne hat Korbyko Recht!
Pinocchio, Leyen, Martens — schon ihre Vorfahren waren Nazis, Faschisten, Meuchelmörder
Ich möchte jetzt nicht auf Einzelheiten eingehen, aber auch dieser Artikel dieses Autors ist wieder sehr widersprüchlich (v.a. im Zusammenhang mit der Lage) … Kann es sein, dass der werte Herr Korybko Probleme hat, sich zwischen zwei Stühlen zu entscheiden? 🤔
Ja hat der. Das ist ein englischer Russischschreiber. Wie kann man das von dem nur lesen ?
11 Kommentar-Antworten für einen Schreiber der kontrollierten Opposition (über Korybko schrieb ich hier schon etwas), der nur den Auftrag hat, die Massen zu beschäftigen und abzulenken.
Natürlich merkt man das am Text. Man muß ja irgendwie einen langen Text hin kriegen, der eigentlich völlig sinnlos ist.
Wie ich mehrfach hier schrieb: der gesamte Krieg in der „Ukraine“ ist Unsinn, Beschäftigung der westlichen Bevölkerungen, Angstmacherei und, ganz wichtig, es handelt sich um massives Geldverdienen der „Eliten“ – und die kennt man ja, es sind immer dieselben. Putin gehört übrigens dazu.
Wer bekommt nun den Oscar für den besten Schauspieler 2026?
Korybko halte ich für keine sonderlich ernstzunehmende Quelle.
Offensichtlich hat die politische Führung Russlands dem Generalstab vor einigen Wochen den von ihm lange eingeforderten (und wohl auch überfälligen) Befehl erteilt, nun die Kiewer Junta zügig mit militärischen Mitteln in die bedingungslose Kapitulation zu zwingen.
Die nun interessanten Fragen sind:
„Warum jetzt?“
„Was bedeutet das für die weitere Entwicklung des Krieges der Nato gegen Russland innerhalb und außerhalb der Ukraine?“
„Was bedeutet das für mögliche Veränderungen der inneren Verfasstheit der Bundesrepublik Deutschland und ihrer Nachbarn?“
An der ersten Frage möchte ich mich mit folgender Antwort probieren: Der mittlerweile viereinhalb Jahre andauernde Abnutzungskrieg hatte von russischer Seite unter anderem das Ziel der Demilitarisierung nicht nur der Restukraine, sondern auch der Nato.
Es ist die Kombination aus bevorstehenden Wahlen sowohl zu Hause wie etwas später auch in US-Amerika, der massiven Eskalation der Natoangriffe auf russisches Territorium in den letzten Monaten, nicht zuletzt diejenigen die wie in Starobelsk gezielt ausschließlich gegen Zivilisten gerichtet waren, die mittlerweile große Zustimmung der russischen Bevölkerung die Schlussakkorde im Krieg gegen die Nato in der Ukraine einzuläuten, der in wenigen Monaten bevorstehende Winter und wahrscheinlich am wichtigsten die mittlerweile ausgesprochen kritische finanzielle, wirtschaftliche, versorgungstechnische und militärische Situation vor allem der europäischen Natostaaten, die sie meiner Einschätzung nach zwingen wird, den bevorstehenden Zusammenbruch nicht nur des Kiewer Regimes, sondern der gesamten Restukraine zu schlucken, gegebenenfalls die Evakuierung der Restbevölkerung von je nach Schätzung 18 – 22 Millionen Einwohner – davon rund die Hälfte Rentner und Krüppel – „nach Europa“ zu organisieren und die enormen Kosten für die Abwicklung der Reste des „Staates“ zu übernehmen.
Zu einem früheren Zeitpunkt – sagen wir mal irgendwann noch vor dem unprovozierten Angriffskrieg gegen den Iran – wäre die Nato in einer wesentlich günstigeren Situation gewesen, höchst aggressive und gefährliche Gegenmaßnahmen einzuleiten. Da die russische Führung den ganz großen Krieg in Europa bekanntlich vermeiden vermöchte, ist die Wahl des Zeitpunkts des Zusammenbruchs der Kiewer Junta und das Aufwerfen enormer zusätzlicher Kosten für die Feinde Russlands von ganz entscheidender Bedeutung.
Bevor der gute Herr Korybko sich noch weiter unnötig den Kopf zerbricht:
Zur Vereinfachung sollte man damit anfangen, dass sowohl NATO als auch
die Ukraine keine eigenständigen Akteure sind, sondern ausschließlich Werkzeuge
der USA.
Es geht den Mächtigen der USA ausschließlich um die Schwächung und letztlich um
die komplette Übernahme Russlands. Ob dabei irgendwelche Ukrainer oder,
nachdem es von denen immer weniger zum Verheizen gibt, halt Europäer dran glauben
müssen, ist den USA völlig egal. Noch egaler sind irgendwelche Zerstörungen der Infrastruktur.
Wofür hat man denn Proxys, sollen die halt den Kopf hinhalten.
Was Herr Korybko irgendwie leider entgangen ist, ist der Hauptgrund für die
ganze Veranstaltung. Da geht es um (geplante) Investitionen des Westens (Stichwort Blackrock)
und die darauf basierenden Wetten, genannt Spekulationen. Für diese ist es nur wichtig,
eine Erzählung zu haben. Deshalb hört man ja ständig im Westen, dass Russland bald zusammenbricht,
die Ukraine MUSS gewinnen usw. usf.
Umso besser, wenn dafür auch noch die US-Steuerzahler bzw. inzwischen größtenteils
die EU-Steuerzahler ausgenommen werden können. Letzteres geht am Besten mit primitiver Angstmache,
der Russe würde uns morgen überfallen.
Also: erst mal den finanziellen/spekulativen Aspekt untersuchen, dann kommt man den Eskalationsgründen schon näher.
Frieden ist nicht gut für’s Geschäft und wird nicht passieren, solange es die USA und ihren
Finanzkapitalismus noch gibt.
fast richtig – nur USA als ganzes ist falsch – ja die ganzen zionistischen Oligarchen agieren unter faschistischen Bedingungen vorwiegend aus den USA heraus, aber auch USA (ebenso wie Israel) ist nur Werkzeug, wenn auch größer – und ja, dem ganzen Abschaum ist es völlig egal, was kommen wird, bzw. dient es gleichzeitig auch der gewünschten Bevölkerungsreduzierung
Ich halte die Aussagen im Artikel für unbedacht. Es gibt keinerlei Belege dafür, dass sich Russland mit dem Donbass begnügen würde. Im Gegenteil! Russische Truppen kämpfen an mehreren Fronten, welche mit dem Donbass nichts zu tun haben. Und ohne finale Niederlage der Ukraine erscheint ein dauerhafter Friede unmöglich.
Die Nato ist das aggressivste Militärbündnis der Nachkriegsgeschichte und hat mit den USA den Vasallenführer, der völlig dreist seine globalen Interessen militärisch, völkerrechtswidrig und mit anderen Druckmitteln hemdsärmelig auslebt. Die politischen Führer der „Friedensnation“ USA unterscheiden sich allenfalls durch Großmäuligkeit oder das was der Volksmund mit Hinterfotzigkeit bezeichnet. Ich sehe es wie der Autor, die Eskalation und das provokative Gebärden geht von den Transatlantikern aus. Ich bin froh, wenn zumindest noch im Kreml ein mit Hirn ausgestatteter politischer Führer fremde und eigene Grenzen reflektiert und Ruhe ausstrahlt und sich nicht der Kriegsgeilheit hingibt, wie unsere politischen und medialen Eliten.
Nato oder abgewrackte EU? Eine Eskalation (noch nicht militärisch!) würde vor allem Deutschlands Regierung in der Innenpolitik gegen aufmüpfige Bevölkerungsteile nutzen. Mal sehen ob noch schnell vor den nächsten Wahlen ein Putinbildchen beim aktuellem Anschlag in der Nähe von Jänschwalde gefunden wird.