
Ordnet Amerikas Rückzug die Weltordnung neu?
Wer nur ein einziges Video schauen will, um die gegenwärtige Geopolitik zu verstehen, kommt an diesem Auftritt von George Yeo, einem der am längsten amtierenden Kabinettsminister Singapurs (23 Jahre im Amt, unter anderem als Außenminister), kaum vorbei. Yeos zentrale These:
Die heutige Weltordnung wird nicht in erster Linie von China getrieben, sondern von einem amerikanischen „Rückzug“ und „Niedergang“, der durch eine finanzielle Realität erzwungen wird, die keine US-Regierung – gleich welcher Partei – umkehren kann.
Yeos Ausgangspunkt ist nüchtern-finanziell: Der Schuldendienst der USA übersteigt inzwischen den gesamten Verteidigungshaushalt. Dieses Phänomen wird von manchen Ökonomen als Fergusons Gesetz bezeichnet – benannt nach dem Historiker Niall Ferguson, der zeigt, dass historisch jede Großmacht, deren Zinslast die Verteidigungsausgaben übersteigt, früher oder später ihren Großmachtstatus verliert. Genau diese Schwelle hat Washington nach Fergusons Analyse in den letzten Jahren überschritten.
Die Schuldenlast als Motor des Rückzugs
Für Yeo erklärt dieser Befund, warum die USA so nachdrücklich darauf bestehen, dass ihre „Verbündeten“ in Europa und Asien einen größeren Anteil ihres BIP für Verteidigung ausgeben: Es geht im Kern darum, die Rechnung für ein Imperium zu übernehmen, das sich Amerika selbst nicht mehr leisten kann.
Die Verbündeten-Falle
Darin liegt jedoch, so Yeo, ein sich selbst verstärkender Widerspruch: Sobald Verbündete eigene militärische Fähigkeiten aufbauen, beginnen sie auch, eigenständig zu denken, und folgen den USA nicht mehr in allem, was diese vorhaben. Je stärker Washington seine Partner drängt, ihr eigenes Gewicht zu tragen, desto weniger Grund haben diese, sich weiterhin amerikanischer Führung unterzuordnen. Der amerikanische Niedergang wird dadurch, in Yeos Worten, strukturell selbstverstärkend.
Diese Dynamik deckt sich mit Yeos ausführlicherer Analyse in einem Vortrag an der Harvard Kennedy School im Oktober 2025, in dem er unter Verweis auf den römischen Kaiser Hadrian argumentiert, dass die USA – ähnlich wie Rom nach der Überdehnung unter Trajan – gezwungen sein könnten, sich strategisch zurückzuziehen und um einen stärkeren Kern zu konsolidieren.
Das historische Vorbild: Rom, Byzanz und ein neues Kerngebiet
Yeo zieht eine Parallele zum Fall Roms: Ähnlich wie Byzanz, das sein westliches Imperium abwarf und sich auf sein eigentliches Kerngebiet konsolidierte, könnten die USA sich aus ihrer globalen Rolle zurückziehen und sich stattdessen auf ihre eigene Hemisphäre konzentrieren – ein Schritt, der es Amerika laut Yeo ermöglichen würde, sich selbst zu bewahren und über sehr lange Zeit mächtig zu bleiben.
Genau in diese Richtung, glaubt Yeo, bewegen sich die Dinge bereits – und das erklärt auch Donald Trumps auffällige Obsession mit Kanada als möglichem 51. Bundesstaat und mit Grönland, ebenso wie sein Interesse am Panama-Kanal und die verstärkte Marinepräsenz vor Venezuela. Aus Yeos Sicht sind das keine Widersprüche zu einer angeblichen Rückzugspolitik, sondern deren logische Kehrseite: eine Konsolidierung der eigenen Hemisphäre statt eines globalen Führungsanspruchs.
Offene Fragen
Ob eine solche amerikanische „Byzanz-Strategie“ tatsächlich umsetzbar ist, bleibt nach Yeos eigener Einschätzung offen. Kanada etwa signalisiert unmissverständlich, an einer Eingliederung in die US-Hemisphäre kein Interesse zu haben – ein Umstand, der bei den jüngsten Auftritten des kanadischen Premierministers in Davos öffentlich sichtbar wurde. Auch Yeo selbst räumt in einem weiteren Interview ein, dass ein amerikanischer Niedergang nicht zwangsläufig ist: Die USA hätten in ihrer Geschichte bereits mehrfach – etwa nach dem Bürgerkrieg oder nach dem Vietnamkrieg – Phasen tiefer innerer Krisen überwunden und seien am Ende gestärkt daraus hervorgegangen, wie er in einem Gespräch mit dem South China Morning Post-Netzwerk ausführt.
Für die Region Asien bedeutet dieser Übergang laut Yeo vor allem eines: eine Phase relativer Instabilität, in der sich, wie er es in einer weiteren Rede in Neu-Delhi formuliert, die Konsolidierung einer multipolaren Welt vollzieht – eine Entwicklung, die Washington nach seiner Lesart erstmals selbst offen anzuerkennen beginnt.
Vollständiges Video: x.com/RnaudBertrand
Trump bedroht Südkorea
Die jüngsten Drohungen von Donald Trump gegen Südkorea könnten in die gleiche Richtung deuten, wenn auch unbeabsichtigt durch Trump.
Der Kopf des US-Regimes droht als Reaktion auf die Weigerung Südkoreas, am Krieg gegen den Iran teilzunehmen, mit einer Überprüfung der Sicherheitszusagen und des militärischen Präsenz in diesem Land. Trump sagte der Fox News, dass Südkorea sich geweigert habe, beim US-Krieg gegen den Iran zu helfen, und fügte hinzu:
„Wenn sie nichts für dich tun wollen, kannst du kein Narr sein und ihnen helfen.“
Die Äußerungen kamen, nachdem Trump eine Reduzierung der gemeinsamen US-südkoreanischen Übungen angekündigt hatte. Er hatte die Übungen zuvor als kostspielig und „feindselig“ gegenüber Nordkorea bezeichnet und dabei seine angeblichen Verbindungen zu Kim Jong Un erwähnt. Trumps jüngste Maßnahmen haben Bedenken hinsichtlich der Zukunft der US-Sicherheitszusagen in Ostasien und der Abhängigkeit der Verbündeten Washingtons von seiner militärischen Unterstützung geweckt.
Trump threatens South Korea.
The head of the US regime, in response to South Korea’s refusal to participate in the war against Iran, threatens a reconsideration of security commitments and military presence in that country.
Trump told Fox News that South Korea has refused to… pic.twitter.com/yvyBgcOs0I
— tim anderson (@timand2037) August 31, 2026
Tatsächlich waren es immer wieder die Interessen der USA, welche eine Annäherung von Nord- und Südkorea verhindert hatten. Was natürlich dem offiziellen Narrativ „die USA beschützen Südkorea“ widerspricht. Nordkorea hatte Südkorea mehrmals angeboten, eine Union zu bilden, und den nuklearen Schutzschirm auch Südkorea zugute kommen zu lassen. Für beide Länder hätte eine engere Zusammenarbeit große Vorteile. Aber teile und herrsche, so natürlich nur die Verschwörungstheoretiker, hatten das in der Vergangenheit stets geschafft zu unterminieren.
Wenn aber nun Trump von sich aus einen quasi-Abzug aus der Besatzung Südkoreas vorschlägt, könnte das Bewegung in die Beziehungen der beiden koreanischen Staaten bringen, welche der bisherigen Politik der USA vollkommen entgegensteht.
Zusammenfassung
Leider sind all diese Spekulationen vermutlich grundlos, da Äußerungen von Donald Trump leider nur die Halbwertzeit von wenigen Stunden haben. Andererseits hatten nur wenige geglaubt, dass er einen Angriffskrieg gegen den Iran führen würde, und nur wenige hatten sich vorstellen können, dass Israel einen Völkermord begeht und die Welt dabei zuschaut, und die USA Richter von IGH und IstGH durch die USA sanktioniert und bedroht werden, Deutschland mit seiner Erfahrung in Völkermorden in Namibia und dem Holocaust nun wieder in einen involviert wird, und auf der Anklagebank sitzt. Also ist scheint alles möglich.
Bild: Screenshot von Video über Niedergang der USA
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