Skip to content
Politik

Der Papst in Frankreich bringt Hunderttausende auf die Straße?

6 Kommentare 26. September 2026 4 Minuten Lesezeit von Jochen Mitschka

Beobachter diskutieren, warum der Papst in der Lage ist, immer noch, oder eben wieder, angesichts der Weltpolitik so viele Menschen auf die Straßen bringt. Er ist gerade in Frankreich, dem Land, das angeblich schon ein muslimisches Land geworden sein soll, glaubt man manchen Politikern.

Der Papstbesuch in Frankreich hat am Samstag seinen bisherigen Höhepunkt erreicht: Auf der Pariser Place de la Concorde feierte Papst Leo XIV. eine Freiluftmesse, zu der laut vatikanischen Angaben rund 700.000 Menschen kamen – manche Berichte sprechen sogar von bis zu 800.000 Besuchern entlang der Champs-Élysées bis zum Arc de Triomphe.

Der Auftakt: Jubel und Jugend

Bereits am Freitag, dem ersten Tag seiner Reise, hatte der Papst die Massen mobilisiert: Nach Vatikansangaben jubelten ihm 300.000 Menschen zu, als er im Papamobil durch die Straßen von Paris fuhr, und rund 80.000 junge Menschen nahmen an einer Gebetswache im Stade de France in Saint-Denis teil.

Die Predigt: Sehnsucht und innere Leere

In seiner Predigt griff Leo XIV. das Bibelwort vom „Wasser des Lebens“ auf und sprach die spirituelle Unruhe der Moderne direkt an. Er ermutigte die Gläubigen, „das Leben, den Frieden und die Liebe unseres geliebten Herrn Jesus Christus unaufhörlich auszustrahlen und weiterzugeben„. Zentral war dabei ein psychologisch-existenzieller Gedanke: Auf der Suche nach Sinn müsse man anerkennen, dass nichts auf Erden den Menschen jemals völlig zufriedenstellen könne. Selbst nach vermeintlich erfüllten Aufgaben kehre die Leere zurück – und um sie zu füllen, suchten Menschen oft nach neuen, kurzlebigen Freuden, statt das eigentliche Unbehagen anzuerkennen.

Auch mit Blick auf Frankreichs christliche Wurzeln fand er persönliche Worte: „Seht ihr euch hier versammelt, meine Brüder und Schwestern, Erben von Frankreichs langer und schöner Glaubensgeschichte, sage ich euch: Trinkt aus der Quelle, die das durchbohrte Herz Jesu ist.“ Nach Angaben von Vatican News war das Leitmotiv der Predigt das Jesus-Wort „Wer Durst hat, komme zu mir und trinke“ – den vollständigen deutschen Wortlaut hat Vatican News veröffentlicht.

Der Ort ist die Botschaft

Bemerkenswert ist die Wahl des Veranstaltungsortes: Die Place de la Concorde ist historisch hochsymbolisch – hier wurden während der Französischen Revolution über 1.000 Menschen enthauptet, darunter Ludwig XVI. und Marie Antoinette – und sie gilt zugleich als Symbol der laizistischen Republik. Genau das sorgte im Vorfeld für Kritik: Verfechter des strikten Laizismus bemängelten die Standortwahl und verwiesen darauf, dass etwa der Invalidendom, wo Benedikt XVI. 2008 vor 240.000 Menschen die Messe feierte, passender gewesen wäre. Die Organisatoren begründeten die Wahl pragmatisch: Es sei der einzige zentrale Platz in Paris gewesen, der die erwartete Menschenmenge habe fassen können.

Frankreich zwischen Säkularismus und Glaubens-Comeback

Der enorme Zulauf wird international als bemerkenswertes Signal gedeutet – in einem Land, das offiziell strikt laizistisch ist, aber traditionell katholisch geprägt bleibt. Leo XIV. hatte die Gläubigen zuvor ermahnt, im Glauben „auch inmitten der Dornen“ einer säkularen Welt durchzuhalten, und zeigte sich laut Berichten erfreut über die in Frankreich zuletzt steigenden Taufzahlen. Der DOMRADIO-Bericht und die Euronews-Zusammenfassung versuchen Erklärungen, neben dem eigentlichen Bericht.

Am Abend reist der Papst weiter nach Lourdes, wo seine Frankreich-Reise mit einem Gebet fortgesetzt wird.

Bild: Screenshot von Video über Papstbesuch

Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.

Folge TKP auf Telegram oder GETTR und abonniere unseren Newsletter.

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇



Der Papst und die Maschinen: Leo XIV. ruft zum KI-Fasten auf

Ein Anti-Trump als Papst

Der Papst und seine Rolle in der Agenda 2030

Teile diesen Artikel

6 Kommentare

  1. Der alte Marxist
    Antworten

    „Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes“ (Karl Marx). Lenins Version war besser: Religion war das Opium FÜR das Volk, ein Instrument der Einschläferung damit sich das gemeine Volk mit den herrschenden Zuständen abfindet. Die katholische Kirche stand immer auf der Seite der Herrschenden – zuerst auf der Seite des Adels, dann auf der Seite des Kapitals. Sie legitimierte Ausbeutung und Unterdrückung. Und im 20. jahrhundert unterstützte sie sogar alle alle faschistischen Regierungen zur Vernichtung der Organisationen der Arbeiterklasse. Auch die Nazis profitierten davon. Und im 21. Jh. wurde die Giftspritze zu Akt der Nächstenliebe – jedenfalls für gläubige Schafe. Und die kann man schnell beeindrucken.

  2. GeBa
    Antworten

    Je schlechter es den Menschen geht, desto mehr suchen sie irgendwo Halt und Hilfe. Das haben die Kirchen seit Jahrhunderten ausgenutzt, daher stammt ihr Reichtum. Für mich Atheistin ist es eine Perversität, dass so etwas im angeblich aufgeklärten 21. Jhdt. noch immer möglich ist.

  3. Der Zivilist
    Antworten

    Leben wie Gott in Frankreich !?

  4. Glass Steagall Act
    Antworten

    Auch wenn ich mit eventuell unbeliebt mache, aber der Papst ist auch ein falscher Prophet, vor dem Jesus und die Bibel bereits seit dem neuen Testament gewarnt haben! Und er ist definitiv NICHT Gottes Stellvertreter auf dieser Erde, denn er wurde nie von Gott auserwählt! Jesus war der letzte, der von Gott auserwählt wurde! Nur die katholische Kirche hat sich dann 500 Jahre später ihre eigene Leitfigur selbst erschaffen, um Macht üner Menschen auszuüben! Wenn man sich heute den Vatikan ansieht, was sieht dort nach biblischer Lehre aus? Das viele Gold? Die übergroßen Gebäude? Ein eigener Staat? Der ganze Reichtum den sie horten? Die merkwürdige Lebensweise einer Männerkommune? Die Zockereien an den internationalen Märkten? Die Ausübung sexuell abstoßender Praktiken?

    Natürlich lieben Menschen Götzen die sie anbeten können! Und wenn sie auch noch Star-Allüren aufbieten können, umso mehr! Aber Gott hat schon die Israeliten im alten Testament dafür immer wieder ermahnt und bestraft, als sie sich Ersatzgötzen erschaffen und angebetet haben.

  5. Jan
    Antworten

    Was ist daran so besonders? Das kann Merz auch! Wo er auftritt, laufen die Menschen zusammen. Er mobilisiert wie der Papst! Und der Papst ist immerhin Stellvertreter auf Erden…

    1. Antermoya
      Antworten

      … und der Merz Vertreter der Vergesslichen. Gläubig sind sie alle.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann. Benutzer haften für den Inhalt ihrer Kommentare.

Entdecke mehr von tkp.at

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen