
Russland und Iran einigen sich auf Gaslieferungen – Sanktionsausschaltung und neue Energieachse
Europa setzt weiter auf teure LNG-Importe und unzuverlässige Wind- und Solarenergie. Moskau und Teheran bauen dagegen ihre energiepolitische Kooperation aus. Der iranische Ölminister bestätigt Fortschritte bei einem lange diskutierten Gasvertrag.
Russland und der Iran kommen bei einem Gasliefervertrag entscheidend voran. Der iranische Ölminister Mohsen Paknejad gab bekannt, dass man sich auf die wesentlichen Bedingungen des seit langem diskutierten Abkommens geeinigt habe. Das berichtete die iranische Nachrichtenagentur ISNA. Die Verhandlungen sind damit in eine entscheidende Phase eingetreten.
Paknejad betonte nach Gesprächen mit dem russischen Energieminister Sergei Ziwiljow in Teheran, dass die Hauptpunkte des Vertrags bereits feststehen. Nur noch wenige offene Fragen – vor allem zu Preisgestaltung und Zahlungsmodalitäten – müssten geklärt werden. Beide Seiten drängen auf eine rasche Umsetzung.
Strategische Partnerschaft unter Sanktionsdruck
Das geplante Übereinkommen sieht vor, dass Russland langfristig bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr nach Iran liefern könnte – zunächst über bestehende Infrastruktur via Aserbaidschan mit geringeren Volumina (rund 1,8 bis 2 Milliarden Kubikmeter im ersten Schritt). Iran, obwohl selbst einer der größten Gasproduzenten der Welt, leidet unter chronischen Versorgungsengpässen, vor allem im Winter und in den Industriezentren. Der Import soll helfen, die heimische Nachfrage zu decken und Iran perspektivisch zu einem regionalen Gas-Hub zu machen, der eigenes Gas weiterverkaufen oder Swaps betreiben kann.
Für Russland ist der Vertrag ein weiterer Schritt, um nach dem Verlust der europäischen Märkte neue Abnehmer zu finden. Gazprom und russische Unternehmen sind zudem an der Entwicklung iranischer Ölfelder beteiligt. Die Zusammenarbeit fügt sich in den 2025 unterzeichneten strategischen Partnerschaftsvertrag zwischen beiden Ländern ein und umfasst auch Investitionen, Pipeline-Projekte und mögliche Nuklearkooperation.
Die geplante Kapazität entspricht ungefähr Nord Stream. Statt für die europäische Heizungen Kraftwerke steht es jetzt für Asien zur Verfügung.
Auswirkungen auf den globalen Energiemarkt
Diese Annäherung ist mehr als nur ein bilateraler Energiehandel. Sie zeigt, wie effektiv die westlichen Sanktionen gegen beide Länder ausgeschaltet werden können. Während Europa weiterhin hohe Preise für LNG aus den USA und Katar zahlt und die eigene Industrie unter hohen Energiekosten leidet, bauen Russland und Iran alternative Lieferketten und Zahlungssysteme auf. Aserbaidschan spielt dabei als Transitland eine Schlüsselrolle.
Kritiker weisen auf technische und finanzielle Hürden hin: Die bestehende Pipeline-Kapazität ist begrenzt, und der Aufbau größerer Volumen erfordert massive Investitionen. Dennoch signalisiert der Fortschritt, dass beide Staaten entschlossen sind, ihre Abhängigkeit vom Westen weiter zu reduzieren.
Für Europa bedeutet diese Entwicklung eine weitere Verschiebung der globalen Energieflüsse. Während Brüssel und nationale Regierungen an Sanktionen und „grüner Transformation“ festhalten, entstehen im Osten neue Achsen, die Versorgungssicherheit und Preise langfristig beeinflussen werden. Die Bürger in Deutschland und der EU zahlen derweil die Zeche in Form höherer Energiekosten und schwindender Wettbewerbsfähigkeit.
Die geplante Gas-Pipeline Russland–Iran
Die geplante Gaslieferung von Russland nach Iran nutzt in der ersten Phase bestehende sowjetische Pipeline-Infrastruktur über Aserbaidschan (keine komplett neue Leitung von Anfang an). Der Übergabepunkt ist Astara an der aserbaidschanisch-iranischen Grenze.
Wichtige bestehende Leitungen (die genutzt werden sollen):
- Russland → Aserbaidschan
Mozdok (Russland) – Hajiqabul / Kazi-Magomed (Aserbaidschan)
(auch als Novo-Filya – Baku / Mozdok–Hajiqabul-System bekannt) - Aserbaidschan → Iran
Hajiqabul–Astara–Abadan Gas Pipeline (auch Kazi-Magomed–Astara–Abadan genannt)- Länge gesamt ca. 1.474 km
- Aserbaidschanischer Abschnitt Hajiqabul–Astara: ca. 210 km
- Übergabe an Iran in Astara
- Weiterführung in Iran Richtung Rasht, Teheran und Abadan
Zielvolumen: Zunächst 1,8–2 Mrd. m³/Jahr über bestehende Kapazitäten, langfristig bis zu 55 Mrd. m³/Jahr (dafür wären Ausbauten oder neue Leitungen nötig).
Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇
Die Iraner tun mir von Herzen leid: anstelle des 5mal so teuren Premium LNG aus den United States of War Crimes müssen sie sich mit dem ordinären Russengas begnügen.
@,
ja, die haben auch keine haltung, wie wir hier in der eu ….
Vor einigen Monaten las ich insbesondere im Bösen Medium über Ärgernisse zwischen Russland und Aserbaidschan – jetzt alles in Lot? Bei jedem Konflikt könnte Aserbaidschan den Transit kappen.
Vielleicht sollte eine neue Pipeline auf dem Boden des Kaspischen Meeres geführt werden?