Westliche, insbesondere EU-Medien scheinen sich darüber aufzuregen, dass der Vertreter westlicher Demokratie, Donald Trump, dem Autokraten Xi den Roten Teppich ausgerollt hat.
Der Staatsbesuch von Xi Jinping bei Donald Trump in Washington liefert der deutschsprachigen Presse ein vertrautes Bild: hier der lupenreine Demokrat im Weißen Haus, dort der Autokrat aus Peking, dem trotz aller Vorbehalte der rote Teppich ausgerollt wird. Die Deutschlandfunk-Presseschau bündelt genau diese Empörung: Man kritisiert den Handschlag, moniert, dass Trump Chinas Unterstützung für Russland und mutmaßliche Drohnenkomponenten für den Iran nicht zur Sprache gebracht habe. Die Volten der Weltpolitik werden also entlang einer einzigen Achse sortiert – Demokratie hier, Autokratie dort. Was in dieser Erzählung fast nie vorkommt, ist die Frage, wie zufrieden die jeweiligen Bevölkerungen mit ihrem politischen System tatsächlich sind. Genau dort lohnt der zweite Blick.
Was uns Meldungen erklären wollen
Der Tenor der Berichterstattung ist eindeutig: Ein gewählter Präsident empfängt einen „nicht gewählten“ Parteichef, gerade so, als wäre die EU-Kommissionspräsidentin gewählt worden, und allein das gilt als Politikum. Die moralische Hierarchie – Wahlen oben, Einparteienherrschaft unten – wird dabei als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt, nicht als These, die sich an der Wirklichkeit der jeweiligen Bevölkerungen messen lassen müsste. Kritisiert wird die diplomatische Höflichkeit gegenüber Xi, nicht aber die Frage gestellt, ob das westliche System, in dessen Namen hier moralisch geurteilt wird, bei den eigenen Bürgern überhaupt noch als funktionierend gilt.
Was fast alle deutschprachigen „seriösen“ Medien verschweigen
Genau hier klafft eine Lücke, die sich mit Umfragedaten füllen lässt – und zwar nicht mit Daten aus Staatsmedien, sondern mit Erhebungen westlicher Institute. Das Pew Research Center stellt seit 2017 in zwölf wohlhabenden Demokratien – darunter Deutschland, die USA, Frankreich und Großbritannien – regelmäßig fest, dass die Unzufriedenheit mit der Funktionsweise der eigenen Demokratie die Zufriedenheit deutlich übersteigt: im Median 64 Prozent unzufrieden gegenüber 35 Prozent zufrieden. In den USA lag die Zufriedenheit 2025 bei nur 37 Prozent, in Frankreich bei 33, in Griechenland bei 19 Prozent.
Parallel dazu verzeichnet das Edelman Trust Barometer seit Jahren ein gegenläufiges Bild: 91 Prozent der befragten Menschen in China gaben an, ihrer Regierung zu vertrauen, in den USA waren es 39 Prozent. Auch das Ash Center der Harvard Kennedy School kam nach einer mehr als zehnjährigen Langzeitbefragung zu dem Ergebnis, dass die Zustimmung zur chinesischen Zentralregierung über Jahre hinweg bei über 90 Prozent lag – mit steigender Tendenz zwischen 2003 und 2016. Ergänzend dazu verweist China selbst auf ein Modell, das es umfassende Volksdemokratie nennt: eine Kombination aus Wahlen und Konsultation. Über eine Milliarde Wahlberechtigte nehmen demnach an den Wahlen zu den Volkskongressen auf Kreis- und Gemeindeebene teil, hinzu kommen Dorf- und Wohnviertelkomitees sowie sogenannte legislative Kontaktstellen an der Basis, über die Bürgeranliegen offiziell an den Nationalen Volkskongress weitergeleitet werden sollen – eine Form der alltäglichen Mitsprache, die es in den meisten westlichen Demokratien zwischen zwei Wahlterminen schlicht nicht gibt.
Sollte es nicht Zufriedenheit vs Unzufriedenheit heißen?
Warum wird die Systemfrage „Autokrat gegen Demokrat“ in der Berichterstattung fast nie mit der Zufriedenheit der jeweiligen Bevölkerungen konfrontiert? Warum gilt eine Wahl an der Urne alle vier Jahre als hinreichender Beleg für Legitimität, während tägliche, aber nicht mehrparteiliche Konsultationsmechanismen von vornherein nicht als Mitbestimmung gezählt werden? Und warum wird in westlichen Leitmedien so selten gefragt, weshalb ausgerechnet die Bevölkerungen der selbsternannten liberalen Demokratien ihrer eigenen Regierungsform zunehmend den Rücken kehren – während die Bereitschaft, das eigene System zu hinterfragen, in der Berichterstattung über China fast ausschließlich in die Gegenrichtung, also als Kritik an mangelnder Wahlfreiheit, gelenkt wird?
Der Elefant im Raum – Systemzufriedenheit
Kritiker Chinas erklären, dass die Chinesen es nicht besser wüssten, und dass die Zensur und Propaganda sie einer Gehirnwäsche unterziehen würde. Dem kann man gegenüberhalten, wie viele Millionen Chinesen inzwischen zu internationalen Touristen wurden, wie viele chinesische Studenten im Ausland studierten und nach Berührung mit der Realität westlicher Demokratie gerne wieder zurück nach China gehen. Nicht zu reden von chinesischen Künstlern, die als Dissidenten im Westen gefeiert wurden.
Der chinesische Künstler und Dissident Ai Weiwei zum Beispiel ist vor Kurzem für einen dreiwöchigen Besuch nach China zurückgekehrt. Nach seiner Rückkehr äußerte er sich in Interviews auffallend kritisch über westliche Gesellschaften. Er erklärte, der Westen befinde sich in einem moralischen und strukturellen Niedergang und leide unter eigenen Formen von Zensur. China hingegen erlebe er in Bezug auf individuelle Freiheiten im Alltag überraschend offen.
Natürlich stammt ein Großteil der Beschreibungen der „umfassenden Volksdemokratie“ aus chinesischen Staatsmedien wie Xinhua, CGTN oder China Daily – es handelt sich also um die Selbstdarstellung des Systems, nicht um eine unabhängige Bewertung. Aber das gleiche gilt für deutsche Staatsmedien oder sogar den Öffentlich-Rechtlichen-Rundfunk, der von den „staatstragenden“ politischen Parteien dominiert wird.
Der hauptsächliche Punkt dieses Beitrags ist kein Plädoyer für das eine oder andere System, sondern die Beobachtung, dass die Gegenüberstellung „Autokrat vs. Demokrat“ in der aktuellen Berichterstattung unvollständig bleibt, solange sie weder die Unzufriedenheit im Westen noch die Mitsprachemechanismen andernorts benennt.
Bild: Screenshot von Video über den Besuch von Xi in den USA.
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7 Kommentare
Die Ungeschnittenen brachten am 25.09.26 „Eine weitere Woche voller gefährlichem Unsinn von Donald Trump“ von Philip Giraldi, wo ich z.B. über den Krieg des „Demokraten“ mit den Medien lese: „… Berichten zufolge haben sich auch andere Medien – darunter der ihm eigentlich wohlgesonnene Sender FOX – diesem Protest angeschlossen und ihre Journalisten von der Berichterstattung über sämtliche Auftritte Trumps abgezogen. Als Reaktion darauf will Trump in Kürze „Trump Television“ starten, um sich selbst zu inszenieren. …“. In der Trump-Diktatur herrscht mehr Personenkult als in Nordkorea: „… Dies geht damit einher, dass sein Name und sein Konterfei an Regierungsgebäuden sowie an jeder anderen geeigneten Stelle in der Hauptstadt und darüber hinaus prangen. Ein Gesetzesentwurf im Kongress sah sogar vor, Trump zu den vier Präsidenten hinzuzufügen, die am Mount-Rushmore-Denkmal in South Dakota geehrt werden. …“
Noch ein Fall der Sorte: „… Zunächst wurde bekannt, dass er den Abriss des Kennedy Center for the Performing Arts erwägt, weil es Widerstand dagegen gab, ihn dort zu „würdigen“, indem man seinen Namen in großen Bronzebuchstaben zur Inschrift an der Kennedy gewidmeten Fassade hinzufügt. …“ Und dann der Trumphbogen mit 76 Metern Höhe – fast wie gewisser Österreicher in „Germania“ (geplante 117 Meter).
Der Typ ist restlos wahnsinnig geworden und wie die Biden-Demenz wird es verschwiegen. Der Republikaner Paul Craig Roberts ruft ständig auf, Anfang November gegen die Trump-Partei zu stimmen.
Die „repräsentative Demokratie“ wurde dafür erfunden, den Souverän, das Volk mit Sicherheit außen vor zu lassen und das mit dem Wort Demokratie zu tarnen.
Für Regierungsformen gibt es rund 50 Begriffe, Hier passt ein zusammengesetzter, „die Wahlautokratie“!
Da aufgrund meines Wissens und meinen Erfahrungen sowie dank freier Medien wie tkp der westliche politmediale Komplex über so gut wie alle wesentlichen Bereiche – für mich COVID19, Gengiftinjektionen, Migration, Sicherheit, NATO-Krieg gegen Russland u.a.m. Fehlinformationen verbreitet, gehe ich davon aus, dass das Gegenteil von dem, was dieser Komplex über China verbreitet, der Wahrheit deutlich näher kommt. Fakt ist außerdem, dass das westliche System gerade aufgrund seiner Realitätsverweigerung einem ungeahnten Zusammenbruch entgegeneilt, was man von China nicht behaupten kann, man also annehmen muss, dass es mit der Realitätswahrnehmung in China besser bestellt ist.
Es stinkt so grauslich nach Untergang – viel schlimmer als damals in der DDR! 🤢
Es sollte besser heißen:
Autokrat vs. Scheindemokrat
Ein früherer Freund erzählte mir mal zu diesem Thema von seinem Großvater in Slowenien. Er erlebte K.u.K.-Monarchie, das drittte Raich, Tito, Ost-Kommunismus und schließlich wertewestliche EU-Demokratie. Nach seiner eigenen Lebenserfahrung war er sich sicher: am freiesten hat er in der Monarchie gelebt, die EU-Demokratie mische sich dagegen in lauter private Dinge ein, die sie nichts angehe.
Das dürfte hauptsächlich daran liegen, dass wertewestliche „Demokratie“ ebenso pure Fassade ist, wie fast alles, was heute aus dem Wertewesten kommt. Und diese Fassaden bröckeln halt schnell, sobald sie auf Realität treffen – wie zB die Realitäten fremder Armeen, die unseren Allerwertesten treten, weil unsere Waffensysteme halt doch nicht so überlegen sind und kaum so funktionieren wie behauptet.
Und dass EU-„Wahlen“ nichts anderes als ein Alibi sind, eine Farce, ein absurdes Theater, ist nicht von der Hand zu weisen…..etc. etc.
PS: meinen Informationen nach war Weiwei nicht nur auf „Urlaub“ in China, sondern hat sich wieder dort angesiedelt, da kann ich mich aber irren.
Woran ich mich aber genau erinnere ist ein Interview von ihm, als er noch in London lebte und schon meinte „western censorship is exactly the same like in China“ (westl. Zensur ist exakt dieselbe wie die in China).
Was wertewestliche Qualitätsmedien also ebenfalls unbedingt verschweigen müssen: die Möglichkeit selbst gehirngewaschen zu werden/sein.
Clowns Marionetten
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