Iran legt den USA einen Fahrplan zur Wiederöffnung der Straße von Hormuz vor, Präsident Pezeshkian bietet die Rückkehr internationaler Atominspektoren an. Washington schweigt bislang – nicht zum ersten Mal.
Sieben Monate nach Beginn des Krieges zwischen den USA, Israel und dem Iran hat Teheran am Rande der UN-Generalversammlung in New York einen konkreten Vorschlag vorgelegt: Wenn Washington bestimmte Bedingungen erfüllt, könnte die Straße von Hormus – durch die rund ein Fünftel der weltweiten Ölmenge verschifft wird – binnen sieben Tagen wieder für den normalen Schiffsverkehr geöffnet werden. Außenminister Abbas Araghtschi übermittelte den Plan am Rande der UN-Vollversammlung, Vermittler leiteten ihn an die US-Regierung weiter.
„Wenn die notwendigen Bedingungen erfüllt sind, kann die Meerenge wieder geöffnet und der normale Schiffsverkehr innerhalb von sieben Tagen wiederhergestellt werden“, sagte Araghtschi laut Salzburger Nachrichten gegenüber Journalisten in New York.
Parallel dazu erneuerte Präsident Masoud Pezeshkian sein Angebot zur nuklearen Transparenz: Iran sei grundsätzlich bereit, auf sein hochangereichertes Uran zu verzichten, im Rahmen des Völkerrechts und einer Wiederaufnahme der Inspektionen durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA). Gleichzeitig nutzte er seine Rede vor der UN-Generalversammlung, um auf die doppelten Standards des Westens hinzuweisen.
„Atomare und nukleare Waffen befinden sich in den Händen des israelischen Regimes, doch die Inspektoren werden nach Iran geschickt“, erklärte Pezeshkian laut ZeroHedge. Israel, das selbst nicht Mitglied des Atomwaffensperrvertrags sei, habe „kein einziges Mal eine Inspektion zugelassen“, werde dafür aber weiterhin mit Rüstungslieferungen belohnt.
President Pezeshkian’s sincere speech received so much positive feedback online and touched the hearts of millions across the world. pic.twitter.com/hvdEMSeVrw
— IRNA News Agency ☫ (@IrnaEnglish) September 25, 2026
Was die Meldung sagt
Auf den ersten Blick liest sich die Nachricht wie ein diplomatischer Fortschritt: Iran legt eine konkrete Zeitachse vor, verknüpft sie mit Gegenleistungen der USA – Aufhebung der Seeblockade iranischer Häfen, Ende der Ölsanktionen, Einhaltung eines Waffenstillstands, der auch den Libanon einschließen soll – und signalisiert Kompromissbereitschaft in der Uranfrage.
Laut Al Jazeera fungiert Katar als Vermittler zwischen Teheran und Washington; von einem diplomatischen Durchbruch sprach zum Zeitpunkt der Berichterstattung aber keine der beiden Seiten. IranWire berichtet zudem, das Angebot lehne sich eng an ein bereits im Juni ausgehandeltes Memorandum of Understanding an – jenes Abkommen, das im Juli nach der Wiederaufnahme der Angriffe faktisch kollabierte.
Was westliche Medien „übersehen“
Was in den meisten Agenturmeldungen fehlt, ist der Kontext, warum die Straße von Hormuz überhaupt geschlossen ist. Nicht der Iran hat den Welthandel abgeschnitten, sondern eine von den USA mitgetragene Seeblockade gegen iranische Häfen liegt dem eingeschränkten Schiffsverkehr zugrunde. Wenn Teheran nun als derjenige dargestellt wird, der eine Öffnung anbietet, wird implizit unterschlagen, dass es die eigene Gegenseite ist, die die Blockade aufrechterhält – und die damit über die eigentliche Entscheidung verfügt.
Auch die zeitliche Dimension bleibt meist unerwähnt.
Beobachter – etwa in einer vom Portal Zamin.uz referierten Analyse – gehen davon aus, dass Teheran den innenpolitischen Druck der bevorstehenden US-Zwischenwahlen am 3. November gezielt zu nutzen versucht, um möglichst günstige Konditionen zu erzielen. Umgekehrt hat Präsident Trump nach eigenen Aussagen wenig Interesse, vor den Wahlen ein Abkommen zu unterschreiben, das als Zugeständnis gedeutet werden könnte.
Was man fragen sollte
Wenn Iran bereits im Juni ein nahezu identisches Memorandum unterzeichnet hat, das anschließend an der Wiederaufnahme der Angriffe scheiterte – welche Garantie gibt es, dass ein neuerlicher Sieben-Tage-Plan nicht dasselbe Schicksal erleidet? Und wer trägt die Verantwortung dafür, dass ein bereits ausgehandeltes Abkommen kollabierte: die Seite, die es unterzeichnete, oder jene, die die Kampfhandlungen wiederaufnahm?
Eine zweite Frage betrifft die Asymmetrie der nuklearen Rhetorik: Warum wird ein Land, das laut eigenen Angaben zur Wiederaufnahme von IAEA-Inspektionen bereit ist, unter permanenten Verdacht gestellt, während der Atomwaffenstaat in der Region, der nie eine einzige internationale Inspektion zugelassen hat, aus der Debatte weitgehend ausgeklammert bleibt? Diese Frage stellte Pezeshkian selbst vor der UN-Generalversammlung – Berichterstattung darüber blieb in den meisten westlichen Leitmedien randständig.
Warum wird nicht in jedem westlichen Artikel die Einleitung verwendet „der unprovozierte US-israelische Angriffskrieg„, wo man doch bei Russland so viel Wert darauf gelegt hatte.
Die Schuldumkehr
Der eigentliche blinde Fleck liegt in der Rahmung der gesamten Berichterstattung: Ein Angebot zur Deeskalation wird als iranisches Zugeständnis präsentiert, während die Frage, wer die Blockade verhängt hat und wer sie fortsetzt, in den Hintergrund tritt. Solange die Öffnung von Hormus als Bringschuld Teherans und nicht als Frage der US-Politik behandelt wird, bleibt die eigentliche Machtfrage – wer über Krieg und Frieden am Golf entscheidet – unbeantwortet. Die Ölpreise reagierten jedenfalls bereits auf die bloße Nachricht einer möglichen Annäherung; ob daraus mehr wird als ein weiteres gescheitertes Memorandum, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen, wenn der Wahlkampf in den USA in seine heiße Phase geht.
Bild: Screenshot von Video über Rede von Pezeshkian.
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