Eine neue Auswertung des Moskauer Thinktanks CAWAT (Centre for Analysis of World Arms Trade) kursiert dieser Tage mit einer griffigen Botschaft: Russland habe 2025 mit 15 Milliarden US-Dollar an Rüstungsexportverträgen seinen zweiten Platz in der Weltrangliste verteidigt, während der globale Waffenhandel einen historischen Rekordwert erreicht habe.
Allerdings sind die Zahlen nicht unumstritten. Manche Experten glauben, es sei Teil einer Einschüchterungspolitik, andere eine Warnung an den Westen. Ein Blick auf Herkunft, Gegenzahlen und Zählweise der Statistik zeigt, wie schwankend der Boden ist, auf dem diese Erzählung ruht – und das gilt nicht nur für die russische Seite.
Schauen wir uns die Zahlen an
CAWAT beziffert die weltweiten Rüstungsexporte 2025 auf über 119,5 Milliarden Dollar – ein absoluter Rekord gegenüber rund 108 Milliarden (2022), 91,4 Milliarden (2023) und 96 Milliarden (2024). Russland soll daran mit 15 Milliarden Dollar bzw. gut 12,5 Prozent beteiligt gewesen sein. Die USA blieben mit 44,6 Milliarden Dollar (über 37 Prozent) unangefochten an der Spitze, begünstigt laut der Auswertung dadurch, dass NATO-Verbündete im Zuge ihrer Militärhilfe an die Ukraine ältere Bestände abgaben und im Gegenzug teurere Systeme wie die F-35 nachbeschafften. Für den Zeitraum 2022 bis 2025 kommt CAWAT auf ein Gesamtvolumen von über 415 Milliarden Dollar, davon 154 Milliarden (37,1 Prozent) auf die USA, 56,5 Milliarden (13,61 Prozent) auf Russland und 32,5 Milliarden (7,84 Prozent) auf Frankreich.
Was man in den Zahlen vergeblich sucht
Die 15-Milliarden-Zahl für 2025 ist keine unabhängige CAWAT-Erhebung, sondern deckt sich exakt mit der Summe, die Wladimir Putin selbst am 30. Januar bei einer Sitzung der Kommission für militärisch-technische Zusammenarbeit in Moskau genannt hat. Putin sprach von Lieferungen in mehr als 30 Staaten und davon, dass die Exportverträge verlässlich erfüllt worden seien. CAWAT-Direktor Igor Korotchenko, zugleich Chefredakteur des Magazins Nationalnaja Oborona und Vorsitzender des Öffentlichen Rates beim russischen Verteidigungsministerium, hat diese Regierungsangabe im Wesentlichen bestätigt und in eine Rangliste gegossen.
Dem stehen mehrere abweichende Zahlenreihen gegenüber. Das SIPRI in Stockholm kommt für 2021–2025 zum genau gegenteiligen Trend: Russlands Anteil an den globalen Waffentransfers sei gegenüber der Vorperiode gefallen, während Russland im Ranking auf Platz drei hinter die USA und Frankreich zurückgefallen sei. Noch deutlicher fällt die Differenz bei russischen Eigenangaben aus früheren Jahren aus: Der Chef des Staatskonzerns Rostec, Sergej Tschemesow, hatte Exporte von 15 Milliarden Dollar für 2021, aber nur noch 7 Milliarden (2022) und 6 Milliarden (2023) genannt; das Jamestown Foundation schätzte den Rückgang von 14,6 Milliarden (2021) auf etwa 3 Milliarden (2023). Für dieselbe Größe – russische Rüstungsexporte im selben Zeitraum – kursieren damit, je nach Quelle, Werte zwischen 3 und 15 Milliarden Dollar.
Das ist Stoff zum Nachdenken
Erstens: Prüft CAWAT die Zahlen unabhängig, oder verwaltet der Thinktank im Wesentlichen die Kommunikationslinie der russischen Regierung? Nach Inkrafttreten des US-Sanktionsgesetzes CAATSA 2017 sind russische Behörden zunehmend dazu übergegangen, keine detaillierten Angaben zu einzelnen Exportverträgen mehr zu veröffentlichen – offiziell aus Geheimhaltungsgründen gegenüber den Abnehmerstaaten, was die Überprüfbarkeit jeder Gesamtsumme erheblich einschränkt. Zweitens, und das gilt in die andere Richtung: CAWAT wirft umgekehrt auch dem SIPRI vor, seine Methodik beruhe auf lückenhaften, teils politisch gefärbten Quellen und unterschätze systematisch die tatsächliche russische Auftragslage.
Drittens stellt sich dieselbe Frage auch für die US-Zahl: Wird die 44,6-Milliarden-Zahl reflexhaft als eigenständiger Erfolg gelesen, obwohl ein erheblicher Teil davon auf der Logik beruht, dass verschenkte oder verbrauchte Bestände neu bestellt werden mussten – ein Mechanismus, den der Krieg in der Ukraine erst ausgelöst hat? Und viertens: Warum wird aus einer umstrittenen Exportsumme unmittelbar die politische Schlussfolgerung gezogen, ein Land sei damit fähig, einen „Stellvertreterkrieg“ mit der NATO zu führen – ein Sprung von einer Handelsstatistik zu einer militärischen Fähigkeitseinschätzung, der eigentlich eine eigene Begründung bräuchte?
Daraus ergibt sich etwas, das gar nicht diskutiert wird
Das eigentliche Problem einer Erklärung liegt nicht darin, dass eine Zahl falsch wäre, sondern darin, dass zwei grundverschiedene Messverfahren so behandelt werden, als seien sie dasselbe. CAWAT und die russische Regierung rechnen in unterzeichneten Vertragssummen (Dollar-Werten von Exportkontrakten), während SIPRI seinen Trend-Indicator-Value verwendet, der ausdrücklich keine Geldsumme ist, sondern tatsächlich ausgelieferte militärische Fähigkeit zu Standard-Referenzpreisen misst – unabhängig davon, wann der zugrundeliegende Vertrag geschlossen wurde. Ein Vertrag kann Jahre vor der tatsächlichen Lieferung unterschrieben werden; ein Land kann also in der Vertragsstatistik glänzen und in der Lieferstatistik gleichzeitig einbrechen, ohne dass eine der beiden Zahlen „falsch“ wäre. Genau das könnte bei Russland zu geschehen sein: hohe, politisch kommunizierte Auftragsversprechen einerseits, ein von unabhängiger Seite dokumentierter Rückgang der tatsächlichen Lieferungen andererseits.
Die ursprüngliche Meldung übernimmt die CAWAT-Zahlen, ohne diese Methodik offenzulegen oder die Gegenzahlen zu erwähnen – und verwandelt eine an sich schon unsichere Statistik in eine geopolitische Fähigkeitsaussage. Das ist kein Sonderfall der russischen Seite: Auch die US-amerikanische Exportzahl wird als neutrale Erfolgsmeldung präsentiert, obwohl sie zu einem guten Teil Ausdruck der eigenen Kriegsökonomie rund um die Ukraine-Hilfe ist. Die eigentliche Geschichte hinter der Meldung ist damit weniger, wer Platz zwei belegt, als die Tatsache, dass Rüstungsexportstatistiken selbst zu einem Instrument der geopolitischen Erzählung geworden sind – auf allen Seiten.
Aber warum diese Kommunikationsstrategien der USA und Russlands?
Wenn die USA mit ihren Rüstungsexporten prahlen, ist das wie der Gorilla, der sich gegen die Brust schlägt, denken vermutlich die meisten Medienkonsumenten. Aber wenn Russland das Gleiche tut, was soll damit bewirkt werden? Drohung, Warnung, oder beides? Oder ist es in erster Linie zur Bedienung der eigenen Bevölkerung gedacht? Fragen, die je nach Sichtweise unterschiedliche Antworten ergeben werden.
Bild: Screenshot von Video über Russlands Rüstung
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8 Kommentare
Bezahlten Urlaub für alle Rüstungsarbeiter, meinetwegen auch arbeitslosen Profit für die Eigner !
Ist die Menschheit nicht am Ende die dümmste Spezies unter der Sonne ?
Russland könnte ENDLICH gewissen Krieg abschliessen. Divgen zeigte gestern etwa 60 Km² Zugewinn für die Russen, vor allem in der Oblast Charkow. Der Rutube-Kanal Wojenne Swodki berichtete wiederum über die Gegen-Gegenoffensive um Liman, wo die Russen letzte Wochen gewaltige Probleme hatten und neulich gen Westen gingen. Wenn das täglich möglich wäre…
Die russische Vorgehensweise setzt nicht auf Geländegewinne sondern die Zerstörung der ukrainischen Armee.
Nach mehreren Jahren müsste es aber zum deutlich sichtbaren Ergebnis führen?
Der Schneekönig hat 310 Mrd Euro erhalten. Davon hätte man dreimal die weltweite Rüstungsproduktion kaufen können.
Und er braucht noch mehr!
Die Hersteller von goldenen Toiletten lachen sich einen Ast.
Es sind 500 bis 700 Milliarden inklusive der uneinbringlichen Kredite und exklusive der 90 Milliarden die noch der Finanzierung durch internationale Vollidioten harren.
Wenn man sich so überlegt, dass man mit nur 119,5 Milliarden pro Jahr die gesamte Weltwirtschaft ganz leicht in den Abgrund treiben kann um dann die Reste später billigst aufzukaufen, kann man sich auch überlegen, wie wenige Idealisten es nur noch auf der Welt gibt, die gegen die Unmengen von Piratenzombies scheinbar kaum Stand halten können.
Und komischerweise scheinen die Idealisten nur in der angeblichen „Achse des Bösen“ auch in steuernden (Polit)Kreisen beheimatet zu sein? Im Westen nur die Pi-Politiker…
Die Kernfrage ist nicht wer die meisten Waffensysteme verkauft, sondern wer die besten und ökonomischsten Waffensysteme produziert und da steht für mich die Russische Föderation auf Platz 1, denn sie hat es vermocht die riesigen Waffenberge der NATO – Staaten in den letzen 4,5 Jahren fast vollständig zu verschrotten, wenn auch unter Nichtbeachtung der EU-Umweltvorgaben.
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