FIFA verkauft Fußball an Trump-Freunde – UEFA WM-Boykott?

29. Juli 2026von 4 Minuten Lesezeit

Gianni Infantino will angeblich den Fußball „demokratisieren“. Er plant derweil Anteile an der kommerziellen FIFA-Tochter an Investoren aus dem Trump-Umfeld zu verkaufen. Europäische Verbände reagieren mit Boykott-Drohungen. Ein weiteres Kapitel in der Kommerzialisierung des Sports.

Europas 55 Fußballverbände wollen eine Notfallsitzung abhalten, nachdem die FIFA Pläne bestätigt hat, Minderheitsanteile an ihrer kommerziellen Tochter an private Investoren zu verkaufen – darunter ein Fonds, der von Joshua Kushner geführt wird, dem Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump. Infantino hatte schon mehrfach Trump Nähe verraten. Er überreichte ihm den FIFA-Friedenspreis, obwohl die USA mehrere Kriege führt und laufend Kriegsverbrechen begeht.

In den sozialen Medien gab es eine Welle scharfer Kritik und der offenen Bevorzugung Argentiniens – durch dessen Präsidenten eng verbunden mit den USA und Israel – in den Spielen gegen Ägypten und die Schweiz. Ohne die offene Bevorzugung durch FIFA-VAR und – Schiedsrichter hätte Argentinian keines der beiden Spiele gewonnen.

Die FIFA will eine Tochtergesellschaft namens FIFA Forward Enterprise (FFE) gründen, die Übertragungsrechte, Sponsoring, Ticketing, Lizenzierung und den Betrieb der Turniere bündelt. Bis zu 4,2 Milliarden Dollar (rund 3,7 Milliarden Euro) sollen durch den Verkauf von mehr als 20 Prozent der Anteile eingeworben werden – bei einer Bewertung der neuen Gesellschaft von 20 Milliarden Dollar. FIFA behält die Mehrheit und die volle Kontrolle über Governance, Wettbewerbe, Spielkalender und sportliche Entscheidungen. Das berichtete zunächst The Times, und die FIFA bestätigte es, nachdem europäische Funktionäre ihre Bedenken öffentlich gemacht hatten. JP Morgan berät, Thrive Eternal von Joshua Kushner soll die Investorengruppe anführen, wie Reuters berichtet.

„Der Fußball gehört nicht FIFA zum Verkauf“

UEFA-Präsident Aleksander Čeferin und die europäischen Verbände reagieren scharf. Die Vorschläge überschritten eine Linie, die Fußballinstitutionen nie überschreiten dürften. „Der Fußball gehört nicht FIFA zum Verkauf“, heißt es. Die Seele und die Governance des Spiels seien keine handelbaren Assets – schon gar nicht ohne Transparenz darüber, wer finanziell profitiere. UEFA-Nationen sollen sich virtuell treffen und drohen mit einem Boykott der Weltmeisterschaft, sollte FIFA-Präsident Gianni Infantino den Plan durchsetzen. Čeferin hatte bereits am 19. Juli das WM-Finale in New Jersey boykottiert, aus Protest gegen eine Reihe von FIFA-Governance-Entscheidungen.

Infantino verkauft das Vorhaben als „Demokratisierung des Fußballs weltweit“. Jeder der 211 Mitgliedsverbände soll Zugang zu 20 Millionen Dollar Entwicklungsgeldern für den Zyklus 2027–30 erhalten – gegenüber den derzeit versprochenen 8 Millionen. Insgesamt verspricht FIFA über 10 Milliarden Dollar an Entwicklungsförderung in den nächsten Jahren. Die Zustimmung der Mitglieder und des FIFA-Rates ist erforderlich; eine Abstimmung wird für den FIFA-Kongress im März erwartet.

Kommerzialisierung und Machtkampf

Die Beziehungen zwischen FIFA und UEFA sind seit Langem angespannt. Schon 2021 ließ Infantino den Plan fallen, die WM alle zwei Jahre auszutragen, nachdem Čeferin mit dem Fernbleiben europäischer Nationen gedroht hatte. Nun öffnet die FIFA – formell ein nicht gewinnorientierter Verband ihrer Mitglieder – die kommerzielle Seite des Flaggschiff-Turniers für private Equity und US-Investoren mit politischen Verbindungen. Das erinnert an frühere Versuche, den Club World Cup zu privatisieren, die am Widerstand Europas scheiterten.

Für die kleinen Verbände außerhalb Europas ist das Geldangebot verlockend. Für die UEFA und die großen europäischen Verbände geht es um die Frage, ob der Fußball weiterhin von ihnen selbst oder zunehmend von Investoren und politischen Netzwerken gesteuert wird. Die FIFA behält formal die Kontrolle, doch Minderheitsanteile an den Rechten und dem Betrieb der WM bedeuten Einfluss und Renditeerwartungen. Private Investoren wollen Erträge – und die kommen nicht von Fairplay, sondern von Expansion, mehr Spielen und höherer Kommerzialisierung.

Ein weiterer Schritt in die falsche Richtung

Infantino hat die FIFA unter seiner Führung zu einer kommerziellen Maschine gemacht. Der Deal mit Kushner-nahen Investoren und die Einbindung von JP Morgan fügen dem eine politische Dimension hinzu. Während Europa droht, den wichtigsten Wettbewerb der Welt zu boykottieren, lockt die FIFA den Rest der Welt mit Bargeld. Die Abstimmung im März wird zeigen, ob die Mehrheit der 211 Verbände den Verkauf von Anteilen am Weltfußball für kurzfristige Entwicklungsgelder akzeptiert – oder ob der Widerstand Europas diesmal ausreicht, um die Linie zu halten, die UEFA als unverhandelbar bezeichnet.

Der Fußball sollte den Verbänden, den Clubs, den Spielern gehören und den Fans – nicht Investoren und politischen Dynastien. Die aktuelle Eskalation macht deutlich, wie weit die Kommerzialisierung und die Machtkonzentration bei FIFA bereits fortgeschritten sind.

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Bild: The White House, Public domain, via Wikimedia Commons

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4 Kommentare

  1. Jakob 29. Juli 2026 um 16:17 Uhr - Antworten

    Uups. Sollten da etwa plötzlich die Falschen zum Zug kommen und kassieren?
    Na das geht aber gar nicht.
    Da muss ‚man‘ sich schon medienwirksam empören.
    Zumindest solange, bis ‚man‘ doch wieder ein großes Stück vom Kuchen abbekommt.

  2. peru3232 29. Juli 2026 um 14:00 Uhr - Antworten

    Es ist zwar prinzipiell richtig – aber diese UEFA Pharisäer brauchen sich da bestimmt nicht die Mäuler zu zerreissen. Es gibt nichts gruseligeres als diesen Komerz Clubfussball. Und das seit mindestens die letzten 4 Jahrzehnte schon. Es wurde zwar immer schlimmer, aber der Einstieg in die Stufe wo die FIFA nun hin will ist wohl Anfang der 90iger gestartet…

  3. Jurgen 29. Juli 2026 um 13:16 Uhr - Antworten

    Irgendwann wird der Fußball (Soccer) genauso unbedeutend sein, wie der amerikanische Football oder Baseball…

  4. Glass Steagall Act 29. Juli 2026 um 13:10 Uhr - Antworten

    Man muss den Fußball nicht als Sport betrachten, sondern als ein Ablenkungsmanöver in Form von „Brot und Spielen“ für das Volk, damit die Machteliten über ihre installierten Regierungen, den Umbau der neuen Welt vorantreiben können! Über die Kommerzialisierung des Fußballs, lassen sich „Brot und Spiele“ für den Pöbel besser und kontrollierter einsetzen.

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