Die geopolitische Fußball-WM

9. Juni 2026von 5,6 Minuten Lesezeit

In zwei Tagen beginnt die FIFA-Fussball-Weltmeisterschaft, und in den letzten Tagen sind die 48 teilnehmenden Mannschaften in den drei Gastgeberländern – Mexiko, den USA und Kanada – eingetroffen.

Leider wurden viele von ihnen in den Vereinigten Staaten skandalös unfreundlich empfangen und mussten drakonische Sicherheitskontrollen, Verhöre und sogar Abschiebungen über sich ergehen lassen. Im Bild oben der Empfang der senegalesischen Nationalmannschaft in den Vereinigten Staaten: ein äußerst bedauerlicher Eindruck.

  • Die usbekische Nationalmannschaft, die für ein Freundschaftsspiel gegen die Niederlande in New York eintraf, wurde einer intensiven Kontrolle unterzogen, die auch eine Überprüfung mit Hilfe von Drogenspürhunden umfasste. Die niederländische Mannschaft wurde nicht derselben Behandlung unterzogen.
  • Auch senegalesische Spieler wurden eingehenden Sicherheitskontrollen unterzogen.
  • Der irakische Stürmer Aymen Hussein, Vize-Kapitän seiner Nationalmannschaft und einer der Schlüsselspieler des Landes, wurde am O’Hare-Flughafen in Chicago festgehalten und fast sieben Stunden lang verhört.
  • Dem offiziellen Fotografen der irakischen Nationalmannschaft wurde ohne Erklärung die Einreise verweigert und er wurde aus den USA abgeschoben.
  • Dem somalischen Schiedsrichter Omar Abdulkadir Artan – Afrikas Schiedsrichter des Jahres 2025, der als einer von 52 Offiziellen für die Weltmeisterschaft 2026 ausgewählt wurde und der erste Somalier überhaupt bei diesem Turnier ist – wurde am 6. Juni am Flughafen von Miami die Einreise in die Vereinigten Staaten verweigert. Er wurde aufgrund vager „Sicherheitsbedenken“ abgeschoben, obwohl er im Besitz eines gültigen Visums und eines Diplomatenpasses war.
  • Der iranischen Mannschaft wurde mitgeteilt, dass sie nur zur Austragung ihrer Spiele in die USA einreisen darf, aber nicht über Nacht bleiben darf. Der Iran ist die einzige Mannschaft bei der Weltmeisterschaft, die gezwungen ist, an den Spieltagen am selben Tag in die Vereinigten Staaten einzureisen und wieder auszureisen, was ihr Team gegenüber den Gegnern deutlich benachteiligt.

Diese Beispiele zeichnen ein unnötig hässliches Bild von einem der Gastgeberländer der Weltmeisterschaft. Die naheliegende Frage lautet: Warum?

Sportler sind Botschafter des Friedens

Die in die USA einreisenden Mannschaften bestehen aus Spitzensportlern, und die Vorstellung, sie könnten eine Sicherheitsbedrohung darstellen oder die Weltmeisterschaft zum Drogenhandel nutzen, ist – gelinde gesagt – unwahrscheinlich. Sie sind Sportbotschafter ihrer jeweiligen Nationen und sich stets bewusst, dass sie ihre Länder mit Ehre vertreten und als Vorbilder für jüngere Menschen fungieren sollten.

Außerdem ist es eines der Hauptziele internationaler Sportveranstaltungen, Nationen auf freundschaftliche und respektvolle Weise einander näherzubringen. Selbst wenn die Nationen der gegnerischen Mannschaften einander feindlich gesinnt sind, verhalten sich die Athleten untereinander in der Regel respektvoll und freundlich. Sie investieren ihr ganzes Herzblut in dasselbe Ziel und verstehen einander weitaus besser, als Politiker und Diplomaten es jemals könnten. Das folgende Beispiel ist kein Einzelfall:

Im Finale der Mixed-Martial-Arts-Europameisterschaft in Belgrad im Februar dieses Jahres trat der serbische Kämpfer Marko Ivković gegen seinen kroatischen Rivalen Petar Pejić an. Der Kampf war sehr ausgeglichen und wurde knapp vom kroatischen Kämpfer gewonnen. Nach dem Kampf hüllten sich beide Spieler in ihre jeweiligen Nationalflaggen, doch statt Feindseligkeit und Sticheleien umarmten sich die beiden und gratulierten einander zu dem Kampf.

Dann, nachdem der Sieger verkündet worden war und vor dem gesamten Publikum und den Fernsehkameras, tauschten die beiden die Flaggen: Der kroatische Kämpfer hüllte sich in die serbische Flagge, und der serbische Kämpfer in die kroatische Flagge.

Die Bedeutung dieser Geste zweier Sportler, deren jeweilige Nationen vor 30 Jahren Krieg führten und in denen noch immer Restfeindseligkeiten schwelen, lässt sich kaum überschätzen. Die beiden Rivalen, die sich noch vor wenigen Augenblicken mit aller Kraft gegenseitig die Seele aus dem Leib geprügelt hatten, reichten sich die Hände, umarmten sich und brachten ihren Respekt für die Nation des anderen auf die sichtbarste Art und Weise zum Ausdruck.

Auf diese Weise bieten internationale Sportveranstaltungen eine wahrhaft einzigartige und wirkungsvolle Gelegenheit, Freundschaft, gegenseitigen Respekt und Frieden unter den Völkern der Welt zu fördern. Diese Gelegenheit sollte nicht vertan werden, ungeachtet der fehlgeleiteten Bemühungen der Organisatoren der Weltmeisterschaft.

Berechtigte Sicherheitsbedenken

Fairerweise muss man sagen, dass die Organisatoren der FIFA-Weltmeisterschaft mit berechtigten Sicherheitsbedenken konfrontiert sind. Während die USA und Israel sich im Krieg mit dem Iran befinden, wäre die Weltmeisterschaft der perfekte Schauplatz für einen Terroranschlag auf die Spieler und Betreuer einer der Mannschaften. Erinnern wir uns: Während der Olympischen Spiele 1972 in München, Westdeutschland, drangen acht Mitglieder der palästinensischen militanten Gruppe „Schwarzer September“ als Athleten getarnt in das Olympische Dorf ein. Sie verschafften sich Zugang zu den israelischen Unterkünften, nahmen eine Reihe israelischer Athleten und Trainer als Geiseln und töteten schließlich 11 von ihnen.

Eine Wiederholung eines solchen Anschlags ist zwischen jetzt und dem 19. Juli, wenn die Weltmeisterschaft endet, denkbar, doch sollte dies geschehen, würde er mit ziemlicher Sicherheit nicht von den Athleten verübt werden, sondern von Terroristen, die versuchen könnten, in die Veranstaltung einzudringen. Anstatt die Athleten und ihr Betreuungspersonal (allesamt bekannte und ordnungsgemäß identifizierbare Personen mit gültigen Einreisevisa und FIFA-Akkreditierungen) zu schikanieren, sollten für die iranische, israelische und US-amerikanische Mannschaft diskret zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden.

Ein gezielter Angriff auf den Ruf der USA?

Dies ist in der Tat Routine: Große Sportveranstaltungen finden bereits unter extrem strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Geheimdienste überwachen diese Risiken genau und lückenlos, insbesondere bei Veranstaltungen wie der Weltmeisterschaft oder den Olympischen Spielen. Die Tatsache, dass sich die US-Behörden für eine unnötige und sehr auffällige Schikane einiger (wenn auch nicht aller) der 48 teilnehmenden Mannschaften entschieden haben, ist in der Tat sehr bizarr, insbesondere angesichts der Tatsache, dass weder aus Kanada noch aus Mexiko von ähnlichen Schikanen berichtet wurde.

Es ist, als hätte jemand beschlossen, dem Ruf der Vereinigten Staaten als einer der drei Gastgeberländer während der weltweit am meisten beachteten Sportveranstaltungen absichtlich zu schaden. Auch hier stellt sich wieder die Frage: Warum? Ich kann auch nicht umhin, mich zu fragen: Wird es wirklich einen Terroranschlag unter falscher Flagge geben, wie etwa einen Angriff auf israelische Athleten, der dann dem Iran zugeschrieben würde? Beten wir, dass dies nicht geschieht.

Der Artikel erschien zuerst auf Englisch in Alex Krainers TrendCompass. Mit freundlicher Genehmigung des Autors hier auf Deutsch.

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Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wieder. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Alex Krainer ist Gründer, KRAINER ANALYTICS, I-System Trend Following Autor von: „Alex Krainer’s Trend Following Bible“, „Mastering Uncertainty“, „Grand Deception“ (verboten).


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6 Kommentare

  1. local.man 10. Juni 2026 um 9:26 Uhr - Antworten

    Danke für den Beitrag. Da ich mich eher weniger für sportliche Ereignisse interessiere, hätte ich das wohl gar nicht wahrgenommen, was da alles passiert.
    Und ich teile da Ihre Sorge Herr Krainer, dass dieses Sportereignis und die aktuelle politische Lage, eine „gute“ Gelegenheit darstellt, dies für bestimmte Zwecke auszunutzen durch ein negatives Ereignis.

    Echt krass, dass die iranische Mannschaft stetig an- und abreisen muss.. das ist eine echte Benachteiligung.
    Immerhin lässt man sie spielen..
    Russland z.B. ist schon seit wievieln WMs aus dem Eishockey ausgeschlossen, als eines der weltweit besten Teams und stetiger Dauerkandidat um Platz 1? Im Grunde eine totale Verfälschung des Sports… Ich bin mir nicht mal sicher grad, ob sie zu Olympia zugelassen waren? Oder vielleicht auch in anderen Sportarten? Außer Eishockey-WMs, oder bei den olympischen Spielen Eishockey, schaue ich nichts mehr an Sport.

  2. Varus 10. Juni 2026 um 5:05 Uhr - Antworten

    Diese Beispiele zeichnen ein unnötig hässliches Bild von einem der Gastgeberländer der Weltmeisterschaft. Die naheliegende Frage lautet: Warum?

    Wie schon mal geschrieben – der Weiße Westliche Mann(:in) im „Garten“ hält sich für Höheres Wesen, während Sportler aus nichtwestlichen Ländern („Dschungel“) drangsaliert werden. Wundert sich immer noch wer, dass etliche nichtwestliche Länder und Kulturen spiegelbildlich reagieren und die Westliche Arroganz für „minderwertige Kultur“ halten? Die erhoffte Bewunderung wird es nicht geben.

    Westliche Reaktionen wie erwartbar grotesk – mal Denunzieren mit verdrehten aus dem Kontext gerissenen Sätzen, mal Sportler schikanieren. „Zionistischer Einblick“ beschrieb kürzlich, dass ein paar Franzosen in der Normandie Gelagen mit Schweinefleisch veranstalten, was Muslime fernhalten soll. Nicht zwingend höchste Priorität in einer Zeit, in der Globale Oligarchie totale Kontrolle über jedem anstrebt, doch gerade mit dem Denken hat der Erhabene Westliche Mann(:in) (m/w/d/x) nicht so. Bald wird eh nur nachgeplappert, was KI auf dem Handy vorgibt.

  3. MDGerlach 9. Juni 2026 um 19:57 Uhr - Antworten

    Ja warum nu,warum besuchen dann noch Zuschauer eigentlich diese schwachsinnigen Veranstaltungen? In Europa gehört Russland auch zu den Sportveranstaltungen und was wird hier gemacht? Warum wehren wir uns nicht durch nicht beachten und besuchen der Veranstaltungen…warum?

    • Pusteblume 10. Juni 2026 um 4:58 Uhr - Antworten

      Sportveranstaltungen sind kommerzialisiert worden und ziehen entsprechendes Publikum in den Bann dieser Kommerz-Veranstaltungen. Zudem sind Polituhren (m, w) (und tausende weitere erfundene „Geschlechter“) häufig in den Fanclub der Fußballvereine Mitglied und prägen aus ihrer politischen und gesellschaftlichen Sicht das Vereinsleben. Wie der Gysi, der Mitglied im Fanclub von Union Berlin ist. Gysi hat zwischen 2021 und 2023 als Polituhre sich öffentlich und freiwillig hergegeben und fürs Abgespritzt-Werden „gegen“ „C“ als Posterboy auf Plakten im öffentlichen Raum posiert und dabei noch den falschen Oberarm mit einem schnell auf den Oberarm gesetzten Pflaster (fürs angebliche! „gegen“ „C“ Gespritzt-worden-Sein) in die Kamera gehalten. Es hatte sich im Nachhinein als Polituhren-Lügerei herausgestellt, denn Gysi war gar nicht (und ist das mutmaßlich bis heute nicht) „gegen“ „C“ gespritzt worden, sondern der sozusagen Rattenfänger von Berlin, der die Leute in die Giftspritze „gegen“ „C“ gelockt hatte. Dieser Interims-gegen-„C“-Posterboy Gysi hat sicherlich hierbei auch seine Position als öffentlich bekanntes Mitglied des Fußballfanclubs vom FC Union Berlin genutzt. Gysi hat somit das Vertrauen der FC-Union-Fans in erheblichem Maße missbraucht und mit seinen öffentlich zur Schau getragenen (von Bill-the-killer-Gates ihm finanziell vergüteten?) Giftspritz-Lock-Aktivitäten die FC-Union-Fans erheblich getäuscht.

  4. therMOnukular 9. Juni 2026 um 18:00 Uhr - Antworten

    Ja, warum nur?

    Weil wir in der postfaktischen Moderne des Brutalismus leben!

    Auf der anderen Seite sind Sportler eben KEINE „Botschafter des Friedens“, sondern einfach nur Sportler, die ihre Jugend und Bewegungsfreude lieber ausleben wollen, als in einem Büro zu sitzen.

    Beide Seiten sind hier also gleich blöd……..die einen, weil sie ein Sportevent politisieren als wären es die Olympischen Spiele Berlin’s der 30er – und die anderen, weil sie die Sportler in einer lediglich anderen Nuance zu politischen „Fahnenträgern“ machen. Beides ist BS.

    Fussball beschränkt sich bekanntlich auf folgende Definition von jemandem, der es wissen musste: „Das Runde muss in das Eckige“.

    PS: Zur Einstimmung empfehle ich Monty Python’s Fussball-WM der Philosophen Griechenland vs Deutschland….

    • Pusteblume 10. Juni 2026 um 8:42 Uhr - Antworten

      „… Auf der anderen Seite sind Sportler eben KEINE „Botschafter des Friedens“, sondern einfach nur Sportler, die ihre Jugend und Bewegungsfreude lieber ausleben wollen, als in einem Büro zu sitzen. …“
      In der DDR wurden die DDR-Hochleistungssportler von den Politikern und von der Gesellschaft, einschließlich von der Journaille als „Diplomates in tracksuits“ (als „Diplomaten in Trainingsanzügen“) bezeichnet.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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