Inflationspanik in EU und Österreich

27. Juni 2022von 3,2 Minuten Lesezeit

In Russland beginnt die Inflation zu sinken, zeitgleich bricht in Österreich und der EU langsam die Panik aus. Denn kein Ende der Teuerung ist in Sicht, im Gegenteil. Man rechnet offenbar mit bis zu 25 Prozent Inflation schon im September.

In Russland dreht sich die Inflationsspirale um. Seit mehr als einem Monat gibt es eine geringe deflationäre Entwicklung. Ganz anders in der EU. Dort herrscht im Hintergrund Panik. Interne Erwartungen in Österreich? Sie liegen offenbar bei bis zu 25 Prozent Inflation im September.

Russland dürfte Wende geschafft haben

Seit Mitte Mai scheint man in Russland die geldpolitische Wende geschafft zu haben. Die letzten fünf Wochen stagnierten die Preise oder gingen zurück. In der Woche vom 11. bis 17. Juni ging der Preis von Gemüse um zweieinhalb Prozent zurück, der Preis von Zucker um zwei Prozent. Flüge wurden um acht Prozent billiger. Das sagen zumindest die offiziellen Zahlen aus Russland.

Damit geht auch die Inflation im Vergleich zum Vorjahr in Russland zurück, wenngleich sie bei etwa 16 Prozent weiterhin auf hohem Niveau liegt. Doch im Frühjahr rechnete der Kreml noch mit 20, vielleicht sogar 25 Prozent Geldwertverlust. Maxim Oreshkin, ehemaliger Wirtschaftsminister der Russischen Föderation und aktuell wirtschaftspolitischer Berater von Putin, gab nun vorige Woche eine relative Entwarnung. Die Inflation werde etwa 15 Prozent nicht überschreiten.

Panik und Apathie in Österreich

Ganz anders ist die Lage im Westen und vor allem in Europa. Dort herrscht mittlerweile offene Panik. Dass Putin den Gashahn abdrehen wird, scheint mittlerweile Konsens. Zur Erinnerung: TKP hat schon Anfang Mai berichtet, dass spätestens Ende September ein totales Exportembargo von Seiten Russland in Richtung des Westens bereits beschlossen sei. Damals verhandelte Brüssel seinerseits noch recht euphorisch über eine Gasblockade.

Und Österreich ist besonders abhängig von russischem Gas. Wohl auch deshalb herrscht hinter den Kulissen, so hört man, ein gröberes Unbehagen. Szenarien, die auch der Regierung vorliegen, sollen von bis zu 25 Prozent Inflation im September ausgehen. Die Regierung steht sprach- und planlos davor und übt sich in Apathie. Und diese Szenarien sind noch ohne einem kompletten russischen Gasboykott berechnet.

Was Anfang Mai von TKP berichtet wurde, ist zwei Monate später im Mainstream angekommen. Die „Bild“ schreibt heute etwa, dass ein Gasausfall auf einen Schlag sechs Millionen deutsche Arbeitsplätze ausradieren würde. Wären für Österreich mindestens 600.000 weitere Arbeitslose. Ein Gas-Stopp würde auch die Inflation erneut anheizen, da mit einem Schlag weit weniger am Markt angeboten werden kann.

Hauptgrund: Lockdown

Doch woher kommt die aktuelle Inflation eigentlich? Das ist eine äußert schwierige Frage, denn nach den üblichen und unzähligen Inflationsmodellen der Wirtschaftswissenschaft, hätte sie eigentlich schon längst, also vor 2020, eintreffen sollen. Das geschah nicht.

Der pensionierte Wiener Albert F. Reiterer ist Gesellschaftswissenschaftler und lehrte unter anderem an den Universitäten Graz, Innsbruck und Wien. Er sieht im Gespräch mit TKP zwei Gründe für die aktuelle Inflation. Der Hauptgrund sei die Corona-Politik, genauer die Lockdowns. Dadurch habe man den „Angebot-Überhang“, also die Überproduktionskrise, die Anfang 2020 der Weltwirtschaft schwer zugesetzt hat, zwar kurzfristig gestoppt, doch damit „den eigentlichen Grund gelegt“. Denn während Lockdowns weltweit die Produktion drosselten, wurde in großem Umfang von den Zentralbanken Geld ausgeschüttet. Das trieb den Konsum und heizte die Inflation an. Erst der zweite Grund sei der Wirtschaftskrieg mit Russland.

Seine Einschätzung bestätigt auch die Inflationsstatistik. Schon 2021 erlebte man in Österreich die höchste Inflation seit der Eurokrise, während sie 2020 nur bei 1,4 Prozent gelegen war.

Wie könnte man aus dieser Inflationsspirale also herauskommen? „Kurzfristig vermutlich gar nicht“, so Reiterer. „Mittelfristig ginge es natürlich durch eine Änderung dieser selbstmörderischen Politik.“ 

Eine solche Perspektive ist aber nicht wirklich in Sicht.


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27 Kommentare

  1. Andreas I. 28. Juni 2022 at 12:51Antworten

    Hallo,
    mal angenommen Gelddrucken alleine hat die Inflation nicht verursacht und die Notstandsverordnungen („Lockdowns“) alleine auch nicht und die Kriege alleine auch nicht … nun kam aber alles zusammen.
    Im Prinzip ist es eine normale zyklische Krise der kapitalistischen Wirtschaftsweise, nur stemmen sich die finanziell Superreichen gegen ihre eigene liberale Ideologie und die Mehrheit der finanziell Armen ist möglicherweise nicht nur finanziell arm, denn sie macht das artig mit. Obwohl … mal sehen wie lange noch wie artig, schließlich geht es jetzt ans Eingemachte und apropos:
    Heutzutage belächelt man ja ältere Menschen, die Kriegs- bzw. Nachkriegszeiten erlebt haben und in Eingemachtem, dem Regal voller Einweckgläser, einen besonderen Wert sehen.
    Ja ja, vor 2008 belächelte man auch ältere Menschen, die Bargeld zu hause hatten und nicht den Banken anvertrauten …

  2. Andreas I. 28. Juni 2022 at 12:27Antworten

    @ Evo
    „Dennoch bleibt es ein Zahlungsausfall, egal wodurch er herbeigeführt wurde.“

    Nur sind Zahlungsunfähigkeit und Zahlungsausfall nicht zwangsläufig das Gleiche.

    „Im Rating“

    2008 Lehman Brothers AAA+++

    „rutscht Russland noch weiter nach unten und die Kredite werden teuer.“

    Schuldenquoten externe Schulden zu BIP im Vergleich:
    Russland 42 %, USA 93 %, Deutschland 137 %, Frankreich 220 %, Italien 129 % und in der EU sind das noch nicht die höchsten Schuldenquoten. Anschaulich dargestellt z.B. dort https://www.usdebtclock.org/world-debt-clock.html
    Inflation Rubel 17 %, Euro je nach Angaben 10 – 20 %, US-$ weiß ich jetzt nicht, aber auch über dem Durchschnitt der letzten Jahre.
    Ob und wenn ja wieviel Kredite ein Staat braucht, das hängt außerdem von den Einnahmen ab. Aktuell sind Russlands Einnahmen mindestens stabil.

    „Sanktionen wirken nie sofort.
    Der Hammer kommt immer erst später.“

    Das mag sein, nur wie sie wirken, ob als Hammer oder als Boomerang, das wird die nähere Zukunft zeigen.

    „Langfristig kann sich das kein Staat leisten außer er wird durch eine Gemeinschaft gestützt. Beispiel Griechenland.
    Sehen sie eine Gemeinschaft die den Rettungsschirm über Russland aufspannt ?
    Ich nicht.“

    Ich auch nicht, weil dieser Vergleich eher witzig ist:
    Die Schuldenquote Griechenlands lag 2008 – 2009 bei 110 – 120 %, Russland aktuell bei rund 40 %.
    Griechenland ist im Euro-Raum und wirtschaftlich stark mit der EU verwoben Stichwort Handelsbilanzen, Russland hat eine eigene Währung und kann sich bei Bedarf auch nach Asien und Afrika und Südamerika orientieren.
    Griechenland hat zu verkaufen Tourismus, Ouzo, Tsaziki, Wein und Oliven(öl), Russland hat zu verkaufen Wodka, Wein und Sekt, Kaviar … Weizen, Erdgas, Erdöl, sämtliche Erze … und nicht schön, aber ökonomischer Fakt; Waffen.
    30 bis 40 Staaten folgen USA, was übrigens auch Griechenlands Problem war, die anderen 150 Staaten verhalten sich möglichst neutral.

  3. Fritz Madersbacher 28. Juni 2022 at 10:57Antworten

    @Evo
    28. Juni 2022 at 8:52
    „Im Rating rutscht Russland noch weiter nach unten und die Kredite werden teuer. Das hat massive Auswirkungen“
    Das ist die Welt von gestern. In der Welt von heute verlieren die im Interesse des amerikanischen Imperialismus gesteuerten Ratingagenturen rapid ihre Fähigkeit, andere Staaten über ihre ‚ratings‘ zu drangsalieren. In der Welt von morgen sind sie eine Fußnote zum Thema „Pax americana – Hochblüte und Fall der US-amerikanischen Vorherrschaft über die Welt“

  4. Elisabeth 28. Juni 2022 at 9:11Antworten

    Hallo Anita-Jürgen … neuer Nick, neues Glück :-)

    • Al 28. Juni 2022 at 10:09Antworten

      Schnell erkannt. Ich sehe auch den Evonowitschkie auferstehen. Der Allessuperimmerbesserwisser in Restpostenneuauflage.

  5. Karl der Käfer 28. Juni 2022 at 8:52Antworten

    Wie Putin meinte: Erst muss ein Elitenwechsel stattfinden.

  6. Elisabeth 28. Juni 2022 at 6:35Antworten

    Im Lockdown wurde viel Geld aus der Druckerpresse durch Entschädigungszahlungen in den Umlauf gebracht. Das ist wohl absichtlich geschehen. Ein zweiter Grund sind die Energiepreise, die bei uns und in Deutschland über die Maßen erhôht wurden. Jede Produktion braucht Energie. So werden die Produkte teurer. Die ÖMV macht Milliardengewinne. Daran sieht man, auch hinter den überhöhten Energiepreisen steckt Absicht.

    Wir haben eine Regierung, die uns ganz offensichtlich schadet, wo sie nur kann.

  7. Wolfgang Mayer 27. Juni 2022 at 23:39Antworten

    Ich hab da mal einen Verdacht: In den MSM werden z.Zt. duzende Beträge zu steigende Preise in regelrechten Horrorszenarien dem Zuseher aufgetischt. Es ist ja unbestritten, dass Schlüsselpreise wie Gemüse, Obst und Sprit steigen. Das sind aber eher Mitnahmeeffekte als wirklich Inflation. Nein es wird wieder Angst aufgebaut, die dann zu sinnlosen Aktionen führt. Warum jetzt auch die „Neuen Medien“ da mitspielen, verstehe ich nicht. Seit Jahren warnt Ernst Wolff vor der Katastrophe, aber – ohne eigene Lösungen zu bringen – passiert ist immer noch nix. Ja das Geld wurde immer wieder mal weniger Wert. Der EUR hat seit seiner Einführung rund 90% seiner Kaufkraft verloren. Aber auch der CHF verlor in vergleichbarer Höhe. Lasst euch nicht kirre machen.

  8. karln napp 27. Juni 2022 at 22:34Antworten

    Eine Rezession ist „baked in the cake“. Nachfragekollaps führt zu Angebotsüberhang mit bekannten Folgen.

    Höhenflug der Energiepreise dank völlig durchgeknallter G7-Politik. Absicht so wie es aussieht.

    https://mishtalk.com/economics/cotton-copper-steel-coal-and-natural-gas-whats-going-on

  9. Charly1 27. Juni 2022 at 22:05Antworten

    Die EU weist erschreckende Auflösungserscheinungen auf. Wie hypnotisiert durch die ihr von den USA aufs Auge gedrückte, dem altbewährten Strickmuster folgende und von führenden US Think-Tanks minutiös geplante Zerlegungsstrategie insbesondere Deutschlands starren Politik und Medien nur noch auf Bahnhöfe. Und sie scheinen auch nur noch „Bahnhof zu verstehen“. Schon bei der „Rettung“ des Euro verstießen EU und EZB gegen ihre eigenen Verträge und Regularien. Bei der Flüchtlingsthematik ist das nun auch auf den Weg gebracht. Und man darf gespannt sein, wann nach der obstrusen Nomenklatur der „Euro-Rebellen“ nun die „Flüchtlings Rebellen“ aus der Taufe gehoben werden. Ein Europa bzw. richtiger ja eine EU, die mit Schimpf und Schande gegen die vorgeht, die Vertragstreue einfordern, befindet sich auf einer höchst Besorgnis erregenden Geisterfahrt.

  10. suedtiroler 27. Juni 2022 at 21:57Antworten

    kann man die Schuld nicht irgendwie den Ungeimpften geben?

  11. Fritz Madersbacher 27. Juni 2022 at 19:49Antworten

    „Panik und Apathie in Österreich“
    Da ist leider etwas dran. Höchste Zeit, die alles lähmende und blockierende Pandemie-Panik zu überwinden, sich mühsamst wieder zu erfangen und sich in selbstbewußter Neutralität aus der Geiselhaft der US / EU-Kriegstreiber zu befreien! „Mutig in die neuen Zeiten“?

    • Harald Eitzinger 28. Juni 2022 at 9:27Antworten

      Gerade diese selbstbewusste Neutralität ist es, die ich bei der Politik von Schwarz/Grün vermisse. Es kam mir hoch als ich den unseligen Nehammer im Parlament rufen hörte, dass uns die Neutralität von den Russen aufgezwungen wurde. Gerade als neutraler Staat hat man die Pflicht nicht einseitig Partei zugunsten einer kriegsführenden Partei zu übernehmen, was nicht ausschließt diesen kriegerischen Akt zu verurteilen zu können. Das allerdings wäre auch notwendig gewesen bei den amerikanischen Angriffs- und Rachekriegen in Jugoslawien, Irak, Libyen und Afghanistan, die allesamt illegal waren. Auch sollte Europa einmal zur Kenntnis nehmen, dass gerade die USA alles daran setzen, uns zu schädigen. Weshalb ich der Meinung bin dass, wäre die Vereinbarung nach der deutschen Wiedervereinigung, wonach sich die Nato no Inch nach Osten ausdehnen werde, nicht einseitig vom Westen gebrochen worden, es niemals zu diesem Krieg gekommen wäre!

  12. Hans im Glück 27. Juni 2022 at 18:32Antworten

    Ich möchte mich an dieser Stelle einfach mal bei TKP und seinem Betreiber bedanken. Es ist ein BLOG, der neben einigem „Schrägen“ auch viel wertvolles berichtet. Aber das Beste ist die Tatsache, dass hier wirklich jeder frei seine Meinung sagen darf, egal wie sie ausfällt, solange sie im gesetzlichen Rahmen bleibt. Das ist in den den Zeiten, die wir erleben, wirklich eher die Ausnahme, als die Regel.

  13. Jan 27. Juni 2022 at 18:28Antworten

    Wir sehen gar keine Inflation, sondern eine Preissteigerung bei Öl und Gas, die weiter gegeben wird. Inflation ist definiert als Lohn-Preis-Spirale. Wo sind denn die Lohnerhöhungen?

    Ursache ist die Angebotsknappheit bei Öl. Putins Gaspreise waren zu billig. Zuvor bereits waren die erzielbaren Preise unter den Gestehungskosten, die OPEC+ hat sich lange bemüht, die Preise zu erhöhen. Dies ist das lange vorhergesagte Ende der Ressourcen, „Peakoil“. Eine Besserung wird es nicht geben. Jetzt ist die Chance der Freie-Energie und Solar-in-Deutschland-Vorbeter.

    Aus meiner Sicht wird es so lange Chaos geben, bis wir gelernt haben, ohne fossile Brennstoffe auszukommen. Das wird logischerweise erst der Fall sein, wenn wir wieder in der Bronzezeit angekommen sind.

    • Frank Dom 28. Juni 2022 at 8:34Antworten

      Die vierte Spritze wird sicherlich auch vor Arbeitslosigkeit schützen. Ansonsten – Slava Ukraini! Läuft also. Falls es doch eng wird – weniger duschen und mehr muslimische Fachkräfte importieren.

  14. struppi 27. Juni 2022 at 17:55Antworten

    Die Kredite konnten nicht zurück gezahlt werden, weil die Sanktionen Russland vom Geldsystem im Westen ausschliest und deren zahlreichen Gelder eingefrorenn wurden (genau genommen sie sollen geraubt werden, etwas was die USA ständig machen, z.b. mit Libyen und Afghanistan). Tatsächlich hat Russland keine Probleme diese Kredite zahlen zu können, nur läßt der Westen sie nicht zahlen.

    Da im Hintergrund massiv an einer Alternative zum West (resp. US) SWIFT System gearbeitet wird, sehe ich die Zweifel eher für uns. Die erweiterte BRICS Runde ist wirtschafhlich stärker als die G7 und vor allem sie führen keine Kriege gegen unliebsame Staaten. Daher werden sich einige Länder genau anschauen von welchen Bündnis sie mehr haben werden. Von Strassen und Häfen, die die Chinesen bauen oder von den Drohenen und Bombenangriffe der USA.

    • Fritz Madersbacher 28. Juni 2022 at 0:53Antworten

      @Evo
      27. Juni 2022 at 19:39
      Es handelt sich um westliches Wunschdenken bzw. plumpe US-Propaganda, vgl. dazu den Artikel „Ein untypischer Zahlungsausfall“ auf der unverdächtigen Quelle „tagesschau.de“ vom 27/06/2022.
      „Nach der Logik der Finanzmärkte erlebt Russland gerade einen Zahlungsausfall. Der Kreml bestreitet das. Tatsächlich spielt die Blockade des Westens eine entscheidende Rolle … Russland steht vor dem ersten Zahlungsausfall auf Auslandsschulden seit mehr als 100 Jahren. In der vergangenen Nacht lief eine 30-Tage-Frist aus, innerhalb der fällige Zinsen auf zwei Staatsanleihen in Dollar und Euro zu zahlen waren … Dass dies kein gewöhnlicher Zahlungsausfall ist, belegt schon die Versicherung des russischen Finanzministeriums, man habe die betreffende Rate bereits am 20. Mai überwiesen, fünf Tage bevor das von den USA erlassene Transaktionsverbot für russische Zahlungen in Kraft trat … Mit historischen Staatspleiten, wie etwa dem russischen Staatsbankrott im Jahr 1998, bei dem von Inländern gehaltene Anleihen nicht mehr zurückgezahlt wurden, ist die gegenwärtige Lage indes nicht zu vergleichen. Russland ist nicht „zahlungsunfähig“ im eigentlichen Sinne. Es verfügt über erhebliche finanzielle Mittel im In- und Ausland. Die gesamten – teils blockierten – Devisenreserven durch die russische Zentralbank werden aktuell mit knapp 600 Milliarden Dollar angegeben. Außerdem ist das Land im internationalen Vergleich nicht hoch verschuldet: Mit etwa 20 Prozent der Wirtschaftsleistung liegt die Schuldenquote deutlich niedriger als in vielen westlichen Industrieländern … Da der Zahlungsausfall nicht aus akutem Geldmangel der russischen Regierung resultiert, sind die kurzfristigen Folgen überschaubar. Es ist weder mit einer drastischen Rubelentwertung noch dem Kollaps des Bankensystems zu rechnen.“
      Aber, aufgrund der westlichen Zahlungsbehinderungen: „Auf neue Anleihen müsste die Russische Föderation wahrscheinlich auf Jahre hinaus höhere Risikoaufschläge, sprich Zinsen zahlen“. Ob Rußland darauf angewiesen ist oder solches überhaupt noch beabsichtigt?
      „Für die US-Regierung steht fest, dass ein Zahlungsausfall vorliegt: „Die Nachrichten von heute Morgen über die Feststellung der Zahlungsunfähigkeit Russlands – der ersten seit mehr als einem Jahrhundert – zeigen, wie stark die Maßnahmen sind, die die USA zusammen mit ihren Verbündeten und Partnern ergriffen haben“, sagte ein US-Regierungsvertreter am Rande des G7-Gipfels in Elmau. Die Folgen für die russische Wirtschaft seien „dramatisch“ … Man kann sich auch gerne kindisch in den Sack lügen. Der antike König Pyrrhos aus Epiros war da klüger: „One more such victory and we are undone / Noch so ein Sieg und wir sind verloren“ (nach seinem Sieg über die Römer in der Schlacht bei Asculum 279 v. Chr.) …

    • Harald Eitzinger 28. Juni 2022 at 9:37Antworten

      Sie benennen es ganz richtig, denn keiner im Westen klagte an, dass nach den illegalen Angriffskriegen der Amis, Gelder der Profiteure dieser Kriege eingefrohren/gestohlen werden sollten! Das einzige das Europa machte war, sich gezwungenerweise an den Kriegskosten der Amis beteiligen mussten und, ach ja, den dadurch entstandenen Flüchtlingsstrom bewältigen müssen.

    • Al 28. Juni 2022 at 10:05Antworten

      ätEvo
      27. Juni 2022 at 19:39

      Super Logik von Evonowitschkie: ich brauche also von einem Gläubiger einfach nicht sein Geld annehmen, und schon kann ich ihn vor den Kadi ziehen …

      Wie viel Idioten laufen inzwischen auf dieser Welt ganz lautstark idiotisierend herum?

      Heute ist kein Gedanke mehr dumm genug, um nicht mit der Inbrunst der vorgegaukelten Überzeugung im Internet abgeladen/ausgekotzt zu werden.

    • Al 28. Juni 2022 at 10:42Antworten

      zuAl
      28. Juni 2022 at 10:05

      Lese statt „Gläubiger“ natürlich „Schuldner“ … damit der Satz auch Sinn macht

      Aargh

  15. 1150 27. Juni 2022 at 16:51Antworten

    ahh, wieder ein entbehrlicher russland- und wirtschaftsexperte am wort…….

    • Al 28. Juni 2022 at 9:59Antworten

      Sehe ich auch so. Ist das „Milan“ schon wieder. Der wusste doch immer auch alles supergenau, sogar die Zukunft …

      Völlig aus dem hohlen Bauch herausgehauene Behauptungen ohne jede Basis …

      Das ist „Milan“, Evonowitschkie!

  16. R. Gianesin 27. Juni 2022 at 16:23Antworten

    Die Regierung reagiert gelähmt, dabei wäre es ziemlich einfach. Sie bräuchte sich nur endliche von dem vorgegebenen Weg der EU/USA verabschieden. Mal sehen wie lange sie braucht. Die Bevölkerung ist auf jeden Fall schon so weit. Die Bundespräsidentenwahl könnte daher spannener werden als mal momentan annimmt. Eventuell doch keine gmate Wiesn für VDB u seine Gefolgschaft? Es gäbe schon zwei Kandidaten, die sofort die Regierung entlassen würden. Diese beiden Kandidaten würde auch alles unternehmen, um den jetzigen Kurs der Wirtschaftskrise zu ändern, sprich sofortige Verhandlungen mit Russland aufnehmen. Schätze, es braucht am Ende gar keinen Aufstand von der Straße, das wird diese Wahl erledigen.

    • G. R. 27. Juni 2022 at 18:12Antworten

      Genau. Es ändert sich nix. Da können wir alle noch so sehr warnen und protestieren. Dummheit gepaart mit Arroganz sind die größten Gefahren für die gesamte Menschheit. Davon haben wir allein in der Reg. einige Prachtexemplare stehen. Vom Zügelanzieher, oder Neutralitätsaufzwinger, Kochdeckelschwingerin bis zur Impfen-impfen-impfen-Ruferin und den schon zum guten Ton gehörenden Rücktrittsweinkrampf der Landeshauptmänner, sowie die Lachnummer mit dem Boxerdouble. Das ist nur bom kleinen Ö. Da gibt’s leider Ähnliche Auftritte und Quatschköpfe in der EU. Dazu noch dieser Putin, der offensichtlich nur zum Witzeln reizt – wahrscheinlich auch dumm? Deswegen melde ich mich jetzt ab. Bleibt gesund und Friede allen Menschen- GEWALT IST KEINE LÖSUNG
      MFG

  17. federkiel 27. Juni 2022 at 16:17Antworten

    Die Inflation wäre so oder so gekommen, weil das maßlose Drucken von irgendwann einmal zum Kollaps führen muß.
    Aber sie hat Anschub bekommen durch die Lieferkettenprobleme, wie auch jetzt druch den Krieg und Sanktionen.
    Ist ja auch in den USA hoch. Und Russland ist noch lange nicht über den Berg.

    Was allerdings die EU angeht, so ist es der deutsche Leitwolf, der den Rest mit in den Abgrund ziehen wird.
    Nun will man den Gaseinkauf über die EU gemeinschaftlich betreiben, in der Hoffnung, damit billiger davonzukommen.
    Das hat ja bei den Imfpstoffen hervorragend 🤢 funkioniert. Der Verteilungsskampf ist schon vorprogrammiert.
    Zu Österreich: gestern hörte ich, daß es in Triest ein LNG Terminal gibt, durch die EU finanziert. Bis Österreich das gechekt hat, war schon alles ausverkauft.

  18. 1150 27. Juni 2022 at 16:10Antworten

    den eingesetzten hochstaplern, marionetten und taugenichtsen in europa dämmert es langsam,
    aber es wird keine morgenröte für sie und europa werden……..

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