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Politik

Wie will die EU faulem Sparergeld Beine machen?

17 Kommentare 28. August 2026 7 Minuten Lesezeit von Jochen Mitschka

Je mehr Informationen über die bereits beschlossenen und nun geplanten geldpolitischen Maßnahmen der EU an die Öffentlichkeit geraten, desto eindringlicher verstärkt sich die Vermutung, dass der Staat Geld der Bürger nicht nur zur Kontrolle einsetzen will. Sondern dass eine Alternative entwickelt wird, wie man die immensen Staatsschulden, verursacht durch Krieg, Sanktionen, Klimadogma usw. anders als sonst üblich durch Hyperinflation in den Griff bekommen will.

Schauen wir uns die entsprechende These, auch „Verschwörungstheorie“ genannt, genauer an. Da gibt es zum Beispiel einen Videoclip, der durch das Internet geistert, in dem die umstrittene EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen dem EU-Sparer-Geld beine machen will.

EU-Geldkontrolle: Was hinter dem viralen Von-der-Leyen-Clip wirklich steckt

Ein auf X von „Global Dissent“ verbreiteter Ausschnitt einer französischsprachigen Rede lässt Ursula von der Leyen als jemanden erscheinen, der europäische Sparer bzw. ihr Geld „faul“ nennt und 470 Milliarden Euro ihres Geldes für eigene Zwecke einsacken will. Das Video trifft einen Nerv – nicht zufällig, denn es fällt zeitlich mit einer zweiten, sehr realen Entwicklung zusammen: neuen EU-Regeln, die Banken außerhalb der EU den Umgang mit EU-Kunden erschweren. Ein Blick auf beide Stränge, getrennt nach Fakt und Zuspitzung.

Woher die 470-Milliarden-Zahl tatsächlich stammt

Die Zahl ist echt – der Kontext im Post ist es nicht. Von der Leyen nannte sie am 27. August 2026 in einer Rede zur europäischen Wettbewerbsfähigkeit: Rund 10.000 Milliarden Euro (10 Billionen) an Ersparnissen europäischer Haushalte liegen auf Bankkonten. Über die geplante Savings and Investments Union (SIU) könnten davon Mittel in Unternehmen umgeleitet werden, was „bis zu 470 Milliarden Euro zusätzliche Investitionen“ generieren könnte.

Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um eine Prognose für zusätzlich mobilisiertes Investitionsvolumen, nicht um eine Summe, die vom Staat eingesammelt oder von der Kommissionspräsidentin persönlich verwaltet würde. Aber Kritiker nennen es einen Test, und erinnern au frühere Aussagen von Kommissionspräsidenten. Jean-Claude Juncker sagte im Dezember 1999 in einem Bericht vom „Der Spiegel„:

„Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“

Offiziell geht es natürlich nur darum, das Beste für die EU-Bürger zu erreichen. Die SIU-Strategie selbst wurde bereits im März 2025 vorgestellt. Ihr vorgeschobenes Ziel: EU-Bürgern über Kapitalmarktprodukte bessere Renditen zu ermöglichen als über klassische, niedrig verzinste Bankeinlagen, indem Kapitalmärkte enger verzahnt werden (Rat der EU, EU-Kommission). Rechtlich vorgesehen sind unter anderem ein EU-weites Sparprodukt-Modell und steuerliche Anreize – noch keine Pflicht, Ersparnisse umzuschichten.

Die SIU zielt auf privates Kapital, das vorerst freiwillig – über Anreize – in Unternehmen und Kapitalmärkte fließen soll, nicht auf eine Verstaatlichung von Sparguthaben.

Und das Wort „faul“?

Für ein wörtliches Zitat, in dem von der Leyen europäische Sparer als „lazy“ bezeichnet, findet sich in offiziellen Reden, Pressemitteilungen oder seriöser Berichterstattung keine Grundlage. Was sich tatsächlich findet, ist eine wiederkehrende Argumentationslinie: Europa sei „Weltmeister im Sparen„, doch das Kapital liege wegen fragmentierter Kapitalmärkte träge auf Konten, während US-Haushalte mit deutlich weniger Ersparnis mehr investierten. Das ist eine Kritik an der Struktur des europäischen Kapitalmarkts – keine Beleidigung der Sparer direkt. Diese Nuance dürfte in der Übersetzung und Zuspitzung für X verloren gegangen (oder bewusst weggelassen worden) sein.

Der zweite Strang: Werden Nicht-EU-Bankkonten wirklich „verhindert“?

Hier liegt tatsächlich etwas Konkretes vor, und die zeitliche Nähe zur SIU-Debatte befeuert die Verbindung, die im Post hergestellt wird. Es geht um Artikel 21c der EU-Bankenrichtlinie CRD VI: Ab dem 11. Januar 2027 dürfen Banken aus Drittstaaten (Schweiz, UK, USA, Singapur u. a.) ohne zugelassene EU-Zweigstelle keine klassischen Bankdienstleistungen – Einlagen-, Kredit- und Garantiegeschäft – mehr an EU-Bürger anbieten. Für Verträge, die vor dem 11. Juli 2026 abgeschlossen wurden, gilt ein gewisser Bestandsschutz.

Entscheidend für die Einordnung:

  • Formal richtet sich die Pflicht gegen die Bank, nicht gegen den Kontoinhaber. Es bleibt weiterhin grundsätzlich legal, als EU-Resident ein Konto im Ausland zu halten – die Kapitalverkehrsfreiheit nach Artikel 63 AEUV besteht formal fort.
  • Faktisch entsteht dennoch ein Verdrängungseffekt („De-Risking“): Viele kleinere und mittlere Drittstaaten-Banken lohnt der Aufwand einer EU-Zweigstelle nicht, sie kündigen deshalb bereits jetzt EU-Kunden präventiv (Tichys Einblick, reitschuster.de). Auch TKP berichtete darüber.
  • Wertpapierdepots ohne klassisches Einlagengeschäft fallen überwiegend unter ein anderes Regelwerk (MiFID II) und sind von der Neuregelung nicht in gleicher Weise betroffen.
  • Parallel dazu wird bis 2029 das europäische Kontenregister-System BARIS ausgebaut, über das Behörden grenzüberschreitend erfassen können sollen, wer welche Konten, Depots oder Schließfächer hält. Was weitgehend in der Berichterstattung „übersehen“ wird. Kritiker aber als Voraussetzung für jegliche folgenden Schritte bis hin zur Umstellung auf digitales Zentralbankgeld ansehen.

Auch der Ökonom Daniel Stelter sieht darin eine schrittweise vorbereitete Architektur, die im Ernstfall (Schuldenkrise) den Kapitalabfluss aus der Eurozone erschweren würde – ohne dass es dafür einer offenen „Kapitalverkehrskontrolle“ per Dekret bedürfte.

Einordnung: Zwei reale Prozesse, eine umstrittene Verknüpfung

Der virale Post verdichtet zwei tatsächlich laufende, unabhängig begründete EU-Prozesse – die SIU (Anreize zur Kapitalmarkt-Investition) und CRD VI (Bankenaufsicht über Drittstaaten-Institute) – zu einer einzigen, personalisierten Erzählung: von der Leyen wolle sich „470 Milliarden“ aneignen. Das ist erkennbar zugespitzt und in dieser Form nicht durch Quellen gedeckt. Aber die Behauptung der Überspitzung könnte bewusst von einer schleichenden Einführung von mehr Kontrolle bis hin zum Zentralbankgeld ablenken wollen.

Unbestritten bleibt: Beide Maßnahmen laufen faktisch in dieselbe Richtung – EU-Kapital soll leichter innerhalb der EU mobilisierbar und schwerer außerhalb der EU parkbar sein. Ob das eine koordinierte Strategie oder zwei parallele, aus unterschiedlichen Motiven (Wettbewerbsfähigkeit einerseits, Bankenaufsicht andererseits) entstandene Regelwerke sind, lässt sich aus den vorliegenden Dokumenten „nicht abschließend belegen„, wie Qualitätsmedien gerne schreiben.

Es wäre leichter, an einen Zufall zu glauben, wenn da nicht die Geschichte der Politik der EU wäre, die offensichtlich den Wählerwillen schon in der Vergangenheit ignoriert. Und was Angela Merkel für Deutschland sagte, gilt auch für die EU. Seit die EU-Politiker mit dem Projekt „EU-Verfassung“ am Widerstand der Wähler scheiterten, arbeiteten sie kontinuierlich daran, die Souveränität der Nationalstaaten zu unterminieren und einen quasi „EU-Staat“ durch Verträge zu erzeugen. Immer öfter ziehen sich die Nationalstaaten bei Kretik der Wähler auf die Argumentation zurück „das kommt von der EU„, obwohl die politischen Parteien des Landes genau diese Entwicklungen innerhalb der EU zu verantworten haben. Also ist auch hier Aufmerksamkeit angebracht.

Bild: Screenshot von Video über EU-Politik und Geldpolitik

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17 Kommentare

  1. lotus998dc2ac81f3
    Antworten

    Es gibt Millionen Gründe, warum Menschen mit EU Wohnsitz Konten im. Ausland haben, Beispiel: Aus der Zeit, in denen ich in den USA gearbeitet habe, existiert ein Rentenkonto dort .Die Rente kann ich mir jetzt aber nichtcauszahlen lassen , weil von dort grundsätzlich nur auf ein US Konto überwiesen wird, das ich jetzt nicht mehr einrichten kann.
    Es braucht nicht diskutiert zu werden, ob der Wertewesten mein Geld direkt stehlen will, er hat es bereits getan. Wiederholt, denn 2023 wurde ich bereits als Gazprom aktionär beraubt .

  2. Daisy
    Antworten

    Mein Tipp, damit das Geld „frisch“ bleibt: Kaufen und Verkaufen. Gibt man altes faulendes Geld aus, um eine Immobilie zu erwerben und verkauft die alte, so ist das eine Verjüngungskur für schimmeliges Geld. Ich weiß nur nicht, ab wann die WEF-EU meint, es sei wieder faul. Dann müsste man alle fünf Jahre übersiedeln. Es ist die Frage, ob man einen Zweitwohnsitz noch haben darf in der Sowjetunion 2.0. Sonst kauft man sich halt Wald und Wiesen. Und bei Bedarf verkauft mans wieder. Da Grundstücke im Preis steigen ist das eine gute Anlage. Können auch Grundstücke äh verfaulen? Gibt es Zwangshypotheken, um den Pipelinesprenger zu finanzieren?

    Man kann das natürlich auch mit Gold und Diamanten machen. Kauft man sie günstig und verkauft sie später zu einem guten Preis, fault das Vermögen auch nicht. Mir scheint, die EU möchte uns zu Spekulanten machen, wie ihre Strippenzieher.
    Verkaufst und kaufst du jedes Jahr mind. 1 x, bleibt dein Geld immer schön frisch…

  3. Jochen Mitschka
    Antworten

    AN
    Glass Steagall Act
    28. August 2026 um 11:24 Uhr – Alles was nicht digital ist, dürfte deutlich schwieriger zu nehmen sein!

    Sehe ich anders. Nichts ist sicher vor dem Griff der Staaten. US-Finanzminister Bessent hatte sich unlängst damit gebrüstet, iranische BitCoins gestohlen zu haben. Es ist nur eine Frage der Priorität und der Zeit.

  4. Der alte Marxist
    Antworten

    Zum Thema EU-Bankenrichtlinie CRD VI: Wer hat denn Konten in Drittstaaten und zu welchem Zweck? Otto Normalverbraucher sicher nicht. Könnten diese Konten (insbesondere Offshore-Konten) vielleicht auch der Geldwäsche und der Steuerhinterziehung dienen? Die Liste der Länder sollte man vielleicht noch ergänzen: Guernsey, Isle of Man, Jersey, Bahamas, Panama, Cayman-Inseln, Bermudas,…. Man sollte vielleicht mal überlegen, ob man wirklich protestieren soll, wenn es für Geldsäcke etwas schwieriger wird.

    1. Christine
      Antworten

      Konten hat man als kleiner Sparer auch deshalb außerhalb der EU, weil man sie dem Zugriff der Totalitären entziehen will und weil man darauf vorbereitet sein will oder muss, abzuhauen, wenn es noch schlimmer wird hier.

      Den Geldwäschern schadet die ganze Regulierung nicht, auch den Steuerhinterziehern nicht. Nur dem ehrlichen kleinen Lohnempfänger.

    2. Jochen Mitschka
      Antworten

      Leider passiert viel zu wenig, wenn solche Dinge sogar öffentlich bekannt werden. Offshorekonten zur Steuerhinterziehung oder zum Geldwaschen sind etwas ganz anderes als Sparkonten von normal verdienenden Angestellten, oder dem Urlauber, der seit 10 Jahren in den gleichen Ort fährt und dort sein Konto einrichten möchte. Schon heute muss man beim Eröffnen eines Bankkontos die Steuer-ID des Landes angeben, dessen Staatsangehörigkeit(en) man hat. Also ist eine wirksame Verfolgung von Straftätern längst möglich. Aber wir haben hier das Gleiche wie beim „Kinderschutz“. Statt Effizienz zur Ermittlung wirklicher Straftäter (man denke nur an Cum-Ex) wird gleich mit einem Rundumschlag die Voraussetzung für die digitale Währung geschaffen.

      1. Der alte Marxist

        Und woran erkennt man, ob es ein „normales Sparkonto“ ist oder jemand Steuer hinterziehen will? Das erkennt man erst, wenn die Erträge versteuert werden – oder eben nicht. Ja, es gibt diese OECD-Regeln zum automatischen Austausch von Informationen über Finanzkonten. Bloß: ob und in welchem Ausmaß das wirklich geschieht, bleibt vorerst offen. Angeblich wird gerade eine Evaluierungsstudie gemacht. Nun müssten die Finanzbehörden erst mal aktiv werden und die Versteuerung der Erträge überprüfen. Das werden sie wohl nur stichprobenartig machen können. Drum hat man in Österreich auch die Kapitalertragssteuer auf Bankzinsen eingeführt, die von der Bank eingezogen wird.

        Das ist mit dem vorgeblichen „Kinderschutz“ nicht vergleichbar, denn der würde tatsächlich alle Menschen betreffen. Im Falle der Konten außerhalb der EU betrifft das nur eine kleine Minderheit.

        Im Übrigen gibt es zu den neuen Bestimmungen der EU-Bankenrichtlinie nicht nur Bestandsschutz für Verträge von vor dem 11.07.2026, sondern – ganz wesentlich – auch eine gesetzlich verankerte „Eigeninitiative-Ausnahme“. Es geht also darum, dass diese Banken EU-Kunden nicht aktiv ansprechen dürfen. Wer ein Bankkonto eröffnen will, muss nur dokumentieren, dass dies auf eigene Initiative erfolgt (was auch Dienstleister bewerkstelligen können). Wer vor Ort ein Konto eröffnet, braucht nicht einmal das. Es wird also ohnehin nicht so heiß gegessen, wie gekocht.

  5. Jurgen
    Antworten

    Geld auf einem Konto geparkt ist ein Darlehen an die Bank und kein Besitz mehr, sondern nur ein Anspruch auf Auszahlung, der über den Kontostand dokumentiert wird. Der Besitz ging mit Einzahlung an die Bank über. Bankgeheimnis ist Geschichte, Banken verleihen mit dem Darlehen noch 10x soviel Kredite. Ein Inflationsmotor zur Umverteilung. Physische Edelmetalle sind die weitaus bessere Anlage in der finalen Inflation der Fiat-Währungen.

    1. Daisy
      Antworten

      Man will allerdings einen Nachweis, ob man es ehrlich erworben hat. Sonst darf man damit nichts bezahlen. Wenn es nicht registriert ist, darf man damit nicht zahlen. Das kann bei älteren Beständen passieren. Wenn es registriert ist, nehmen sie es dir weg, damit es nicht verfault…

  6. Glass Steagall Act
    Antworten

    An die „Mobilisierung“ vom Geld der Sparer sprach schon Bundeskanzler Merz, bevor er gewählt wurde. Damals forderte er noch „bescheidene“ 10%, aber es werden in ein paar Jahren sicherlich höhere Summen sein, die man dem Bürger von seinen Konten einfach abbuchen wird! Als Argument dient dann die „finanzielle Notlage“ des Landes oder der EU und der Bürger müsse seinen Beitrag leisten, die Schulden der Regierenden zu tilgen! Im Prinzip gilt immer noch das Recht der Herrschenden aus dem Feudalismus! Aber sie müssen sich beeilen, denn der Euro verliert täglich an Wert!

  7. VerarmterAdel
    Antworten

    Dieselbe EU, andere Baustelle: „Pollmers Mahlzeit: Recycling – Europas Kreislauf-Kollaps Teil 1“ (YT-Video)
    Was bleibt: EU ist immer Wahnsinn und Terror. F**k the EU! Wann befreien wir uns von diesem ferngesteuerten völlig durchgeknalltem Abschaum der Menschheit?

  8. cwsuisse
    Antworten

    Berroffen sind nicht EU-Bürger, sondern Menschen mit Wohnsitz in der EU. So müssen die Taliban z.B. dem Afghanen aus Wanne-Eickel das Konto in Kabul kündigen, sonst werden sie von Uschi sanktioniert.

  9. 1150
    Antworten

    meinen sie jetzt geld oder nur ihre gedruckten kreditversprechen,
    bei richtigen geld wird es schwieriger werden

    1. Pusteblume
      Antworten

      Die Oberkleptokratin Uschi von der Lügen klaut noch beim Bürger.

    2. Christine
      Antworten

      „Richtiges Geld“ wird doch immer weiter beschränkt. Und irgendwann darfst Du dann Deine Goldreserven abliefern …

      1. Glass Steagall Act

        Alles was nicht digital ist, dürfte deutlich schwieriger zu nehmen sein!

      2. 1150

        man darf den erfindungsreichtum nicht unterschätzen,
        es gibt immer lücken in jedem system, den kein system war jemals perfekt
        und echtes geld besitzt sowieso nur eine minderheit, ich gehöre nicht dazu …..

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