Fifty Shades of Schwurbel – Rezension: Das Gasthaus zur versohlten Hexe

5. Juli 2026von 5 Minuten Lesezeit

Es gibt mittlerweile einen humoristisch-gesellschaftskritischen Erotikroman, der auch die Themen Klimawandel, Impfstoffsicherheit und Massenpsychose satirisch behandelt.

Dieses witzige Erotikmärchen, das bereits literaturkritisch gewürdigt wurde, wird allerdings höchstwahrscheinlich wenig Anklang in der eher woken BDSM-Community finden – hat dafür aber durchaus Kultpotenzial bei Corona-Maßnahmenkritikern und jenen „bösen Verschwörungstheoretikern“, die am menschengemachten Klimawandel und an der Impfstoffsicherheit zweifeln.

Wer nun erwartet, in dieser Rezension mit erotischen Schilderungen versorgt zu werden, wird enttäuscht sein. Da sich dieser Blog den Themen Wissenschaft und Politik (und nicht Erotik und BDSM) verschrieben hat, widmen wir uns in erster Linie den gesellschaftspolitischen Implikationen und den behandelten wissenschaftlichen Fragen. Über „spitzt“ kann man also sagen: „(Nur) selbst lesen macht spitz!“

Angela lebt im frühen 22. Jahrhundert in einer dystopischen Welt. Die Weltregierung liegt in den Händen der WHO, es gibt durch Digitalwährung und Totalüberwachung praktisch keine Privatsphäre mehr, dafür aber 327 Geschlechter, einen grotesken Angela-Merkel-Kult, ein Sozialkreditsystem und einen latenten Impfzwang, der über implantierte Chips kontrolliert wird. Die Menschen in den 15-Minuten-Städten werden rund um die Uhr durch Propaganda und Gehirnwäsche manipuliert. Die Impfungen führen zu Todesfällen und kognitiven Einschränkungen, doch aufgrund eben dieser Einschränkungen sind die Bürger außerstande, einen kausalen Zusammenhang herzustellen. Sie sind – wie auch Angela – einfach nur glücklich, in der besten aller Demokratien zu leben.

Angela hat eine Vorliebe für erotische Spanking-Geschichten und besucht daher eine darauf spezialisierte, etwas mysteriöse Buchhandlung. Dort leiht ihr eine geheimnisvolle Buchhändlerin ein Buch mit dem Titel „Die Märchen der Gebrüder Grimm. Wissenschaftlich kommentierte Neuauflage in gendersensibler und antidiskriminierender Sprache“. Hinter diesem Tarntitel verbirgt sich das politisch völlig unkorrekte Märchen von der versohlten Hexe.

Madame Cul, eine wunderschöne Hexe aus der mittelalterlichen Warmzeit, entgeht ihrem Schicksal auf dem Scheiterhaufen durch eine Zeitmigration ins frühe 21. Jahrhundert. Dort tauchen jedoch rasch Integrationsprobleme auf. Als sie ein Geschwisterpaar fängt, währt ihre Freude nur kurz, denn sie hat die Kompetenz der Internet-Generation unterschätzt. Hänsel und Gretel befreien sich dank ihrer technologischen Überlegenheit und verpassen der Hexe die Abreibung ihres Lebens. Diese muss schmerzlich erkennen, dass sich nicht nur das Klima geändert hat. Die schmerzhafte Erfahrung erweist sich jedoch als glückliches Zusammentreffen: Die marketingaffinen Geschwister werden ihre Geschäftspartner und betreiben mit ihr gemeinsam sehr erfolgreich das „Gasthaus zur versohlten Hexe“. In weiterer Folge entwickelt sich zwischen Madame Cul und Hänsel eine romantische Liebesbeziehung, in der es intensiv und erotisch klatscht.

Im Laufe der Handlung erfährt der Leser auch das Schicksal anderer Märchengestalten, die die Zeitreise in das 21. Jahrhundert angetreten haben. Gerade die TKP-Leserschaft wird wenig überrascht sein zu hören, dass Frau Holle, die nicht bereit ist ihre winterlichen Aktivitäten einzustellen, massive Probleme mit der Klimalobby bekommt. Archäologisch Interessierte werden erfreut sein bei diesen Gesprächen endlich – sozusagen (fast) aus erster Hand – zu erfahren, was es mit der Venus von Willendorf wirklich auf sich hat.

Angela ist zwar von den ausführlichen und humorvollen erotisch-romantischen Darstellungen begeistert, doch etliche Aussagen über Impfstoffsicherheit, Feminismus, Klimawandel und Medienseriosität irritieren sie zutiefst. Sie, die all diese Narrative bedingungslos glaubt, kann es nicht fassen, wie hier die Mainstream-Medien (einschließlich der Faktenchecker) der Lächerlichkeit preisgegeben werden und massive Kritik an der Woke-Agenda geübt und sogar „die Wissenschaft“ infrage gestellt wird. Die größte Prüfung für ihr bis dahin gefestigtes Weltbild erlebt sie jedoch bei der Rückgabe des Buches.

In den überaus witzigen Dialogen werden Themen wie Klimawahn, Impfpolitik, Wokeness, Anti-Verschwörungs-Hysterie, Feminismus und naive Wissenschafts- und Mediengläubigkeit scharf aufs Korn genommen. Diese satirische Kritik sitzt tief – und der Leser freut sich umso mehr, wenn zwischendurch eine Erotikszene für Erholung sorgt. Im Unterschied zu „Fifty Shades of Grey“, wo ein dominanter Mann eine Frau auch psychisch unterwirft, werden hier (abgesehen von der humanisierten Bestrafung der Hexe) ausschließlich eindeutig konsensuale Beziehungen und Handlungen geschildert. Frauen artikulieren ihre devot-masochistischen Wünsche, und Männer stehen ihnen dabei zur Seite. Hier haben grundsätzlich die Frauen die Hosen an – zumindest so lange sie das möchten.

Ein besonderes Kuriosum ist die Triggerwarnung des Buches. Der geneigte Leser denkt zunächst, diese beziehe sich auf die BDSM-Szenen. Der Clou: Die Warnung gilt ausdrücklich der Gesellschaftskritik (Massenpsychose, Corona, Impfen, Klima, Gender, Migration …). Es handelt sich offenbar um den einzigen SM-Roman der Welt, in dem die Gesellschaftskritik für manchen Leser irritierender sein könnte als die geschilderten erotischen Handlungen.

Dieses Werk eignet sich hervorragend als pikantes Geschenk für Narrativgläubige. Für die Leserschaft von TKP kann die Lektüre eine Form der Psychohygiene darstellen. Gerade in Bezug auf Corona, „die Wissenschaft“ und die Mainstream-Medien ist die Kritik nämlich ausgesprochen bissig. Es handelt sich vermutlich um die humorvollste literarische Behandlung der C-Zeit.

Dieses Buch stellt ein Unikum dar und begründet ein neues Genre: den gesellschaftskritischen BDSM-Roman. Eine Hollywood-Verfilmung ist allerdings (im Gegensatz zu „50 Shades“) ausgesprochen unwahrscheinlich – dafür steht es vermutlich sehr weit oben auf der Abschussliste diverser Zensurstellen. Man sollte sich dieses witzige Buch, das auch in elektronischer Form erworben werden kann, also rasch in analoger Form sichern. Es könnte nämlich schnell passieren, dass es ganz plötzlich aus der digitalen Welt verschwindet – und das ganz ohne Hexerei.

Das Gasthaus zur versohlten Hexe – 
Ein witzig-gesellschaftskritisches Erotikmärchen

Petr Kratochvil, CC0, via Wikimedia Commons

Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Adrian Falkenberg, Pseudonym Historiker und Philosoph.


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Ein Kommentar

  1. Jan 5. Juli 2026 um 20:06 Uhr - Antworten

    In Grimms gleichnamigen Märchen leben „die Kinder“ mit ihren Eltern in einem Häuschen am Wald. Gretel wird als „Mädchen“ bezeichnet und Hänsel als „Bübchen“. Ich hoffe, in diesem Meisterwerk der erotischen Literatur sind die Protagonisten älter.

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