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Technologie

Smart Meter: Einfallstore für Cyberangriffe im Stromnetz

9 Kommentare 6. April 2026 5 Minuten Lesezeit von Dr. Peter F. Mayer

Smart Meter (SM) gelten als zentrale Bausteine der modernen Energiewende. Sie ermöglichen die Fernüberwachung des Stromverbraucher und unterstützen den Ausbau von dezentraler Photovoltaik-Energie. Ihr Einbau wird durch verschiedene Gesetze und Initiativen der Energieversorgungsunternehmen massiv gefördert.

Die Installation von Smart Meter wird etwa durch die betrügerischen „Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften“ unter dem Vorwand gefördert, man bekomme „lokalen“ Strom, der wegen angeblich geringerer Netzkosten auch billiger sei. Technisch ein grober Unsinn. Doch genau diese „intelligenten“ Zähler bergen neben einem Gesundheitsrisiko durch Mobilfunk auch ein massives Sicherheitsrisiko: Sie können als Einfallstore für Cyberangriffe dienen. Eine neue Studie warnt eindringlich vor den Gefahren und präsentiert zugleich einen vielversprechenden Ansatz, um sie zu entschärfen.

Über 209 Millionen Smart Meter in Europa – ein riesiges Angriffsziel

In Europa sind bereits mehr als 209 Millionen Smart Meter im Einsatz. Die Geräte liefern nicht nur präzise Verbrauchsdaten in Echtzeit, sondern ermöglichen auch die Erkennung von Netzausfällen, Diebstählen und die Überwachung der Verbraucher. Gleichzeitig eröffnen sie jedoch neue Angriffsflächen: Manipulationen der Messdaten können zu falschen Abrechnungen, Energie-Diebstahl, Stromausfällen, Datenschutzverletzungen und sogar gezielten Störungen des gesamten Stromnetzes führen.

Besonders gefährlich sind sogenannte False-Data-Injection-Angriffe (FDI). Dabei werden die Messwerte der Smart Meter gezielt verfälscht – oft nur minimal, um unentdeckt zu bleiben. Angreifer können so Verbrauchsdaten manipulieren, um Strom zu stehlen oder das Lastmanagement des Netzbetreibers zu täuschen. Die Folgen reichen von falschen Prognosen und ineffizienter Energieverteilung bis hin zu langfristigen Störungen der Netzstabilität.

Bisherige Abwehrmethoden stoßen an Grenzen

Bisherige Erkennungsmethoden für solche Angriffe lassen sich in hardware- und softwarebasierte Ansätze unterteilen. Hardware-Lösungen erfordern zusätzliche teure Messgeräte wie Phasor Measurement Units (PMUs), während softwarebasierte Verfahren auf Datenanalysen, Netzwerküberwachung oder Zustandsschätzungen basieren.

Allen gemein sind jedoch erhebliche Schwächen: Sie skalieren schlecht bei Millionen von Geräten, versagen bei mehreren gleichzeitigen Angriffen, reagieren empfindlich auf Messrauschen und benötigen aufwändige Schwellenwert-Einstellungen.

Neue Methode aus der Forschung: Vertrauensellipsen für präzisere Erkennung

Forscher der Aalborg University (Dänemark) und der University of the Punjab (Pakistan) haben nun eine innovative Lösung entwickelt. Die Studie von Asma Farooq et al mit dem TitelSecuring the green grid: A data anomaly detection method for mitigating cyberattacks on smart meter measurements“ (Sicherheit für das grüne Stromnetz: Ein Verfahren zur Erkennung von Datenanomalien zur Abwehr von Cyberangriffen auf Messdaten von intelligenten Stromzählern) wurde in der Fachzeitschrift International Journal of Critical Infrastructure Protection veröffentlicht.

Ihr Ansatz basiert auf einem Distribution System State Estimator (DSSE). Dieser verarbeitet begrenzte, verrauschte Echtzeitdaten und erstellt sogenannte Vertrauensellipsen (Confidence Ellipses) um die geschätzten Zustandsgrößen des Netzes (Spannungen und Ströme). Liegen aktuelle Messwerte außerhalb dieser statistischen Grenzen, wird ein Angriff erkannt.

Die Methode wurde an zwei unterschiedlich großen Netzmodellen getestet – sowohl mit Einzel- als auch mit Mehrknoten-Angriffen, bei denen nur geringfügige Spannungsmanipulationen simuliert wurden. Im Vergleich zu klassischen Verfahren wie dem Chi-Quadrat-Test oder dem Largest Normalized Residual (LNR)-Test zeigte sie deutlich höhere Erkennungsgenauigkeit und weniger Fehlalarme, selbst in verrauschten Umgebungen. Die Schwellenwert-Bestimmung wird zudem stark vereinfacht.

Die Forscher räumen ein, dass der neue Ansatz höhere Rechenleistung benötigt. Dennoch lohne sich der Aufwand: „Diese Methode ermöglicht eine genauere Aufdeckung von Stromdiebstahl – ein Problem, das sowohl der Gesellschaft als auch den Endverbrauchern enorme Kosten verursacht, da sie gemeinsam die finanzielle Last der gestohlenen Energie tragen, bis dieser gestoppt wird.“

Notwendige Gegenmaßnahmen

Die Studie unterstreicht, dass der Schutz kritischer Netzknoten oberste Priorität haben muss. Neben der neuen Detektionsmethode empfehlen die Autoren:

  • Kompromittierte Daten gezielt zu entfernen oder zu korrigieren

  • Stärkere Cybersicherheitsstandards bei der Entwicklung und dem Betrieb von Smart Metern

  • Eine Kombination aus technischen und organisatorischen Maßnahmen, um die gesamte Advanced Metering Infrastructure (AMI) abzusichern

Die wichtigste Gegenmaßnahme ist allerdings sich kein Smart Meter aufschwatzen oder aufnötigen zu lassen. Die klassischen Ferraris-Zähler sind gegen jegliche Manipulation aus der Ferne gefeit, mangels Verbindung ins Internet. Und sie senden auch keine Hochfrequenz-Strahlung aus.

Fazit: Die Energiewende reduziert die Sicherheit

Smart Meter ohne konsequenten Schutz vor Cyberbedrohungen drohen Instabilität und finanzielle Schäden zu bewirken. Die vorgestellte DSSE-Methode mit Vertrauensellipsen zeigt einen Weg, wie sich die Risiken deutlich reduzieren lassen – vorausgesetzt man ist bereit die zusätzlichen Kosten zu akzeptieren. Für die, die sich im Rahmen einer Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft ein Smart Meter aufschwatzen haben lassen, kommen also noch zusätzliche Kosten hinzu.

Quelle


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9 Kommentare

  1. Jurgen
    Antworten

    Smartmeter, die nicht über das Stromnetz selbst kommunizieren sind Murks. Am besten den eigenen Smartmeter komplett in Alufolie einwickeln, um das WLAN/5G zu blockieren. Aber die meisten Haushalte in D haben eh noch die alten schwarzen Drehinstrumente.

    1. Pusteblume
      Antworten

      „… Am besten den eigenen Smartmeter komplett in Alufolie einwickeln, um das WLAN/5G zu blockieren. …“
      Wird dann trotzdem noch der Stromverbrauch erfasst?
      Gern hüllte ich den Smartmeter komplett mit Alufolie ein.

  2. HelmutK
    Antworten

    Wobei moderne Smart Meter dem Netzbetreiber ermöglichen die Solaranlage abzuschalten.
    Mir ist das egal, weil meine Solaranlage nicht mit dem Netz verbunden sind sondern als Inselanlage mit Speicher arbeitet.

    Was mich dabei erstaunt hat ist die geringe Haltbarkeit der heutigen flexiblen Solarzellen!

    Ich musste wegen Erzwingungshaft für ein paar Tage ins Gefängnis. In dieser Zeit haben die Solarzellen über mehrere Tage bei vollem Sonnenschein nichts in die Speicher entladen können, da die vollgelaufen sind.

    Nur wenige Wochen später sind die betroffenen Solarzellen kaputt gegangen (der Wirkungsgrad ist immer weiter bis auf ca. 1/4 gesunken)!

    Von den angeblichen Lebensdauer von 30 Jahren sind nur 4 Jahre geblieben.

    Da stellt sich die Frage, ob die Alterung von Solarzellen durch deren Deaktivierung so deutlich beschleunigt wird?

    Diese müssten sich bei Trennung vom Stromnetz stärker erwärmen, da die zuvor als elektrische Energie abgeführte Leistung dann in Wärme umgesetzt wird.

    1. Jurgen
      Antworten

      Welcher Solarzellen Typ war es denn? Ich denke, dass manche Solarzellen Werke auch dicht gemacht wurden, weil die benötigte Qualität nicht erreicht wurde (außer im Marketing Blabla) und man zum Schluß dann alles abverkauft hat…

      1. HelmutK

        Das waren beides portable Solarzellen. Ein 200 W Modul von Astrolux und ein 100 W Modul von Eco-Worthy.
        Das Astrolux lieferte zuvor max. 120W die dann infolge Erwärmung auf 100W sanken. Das Eco-Worthy war besser und lieferte 95 (80) W.
        Jetzt speist das Astrolux nur noch mit 30 W und das Eco-Worthy ist auf 20 W gefallen.

  3. Glass Steagall Act
    Antworten

    Was meint der Autor Herr Mayer mit „sich aufschwatzen lassen“? Hier bei uns in Deutschland werden Informationsbriefe vom jeweiligen Netzbetreiber verschickt, die darauf hinweisen, dass die Smart Meter gesetzlich Pflicht sind und in Kürze vom Netzbetreiber installiert werden! Alternative zwecklos!

    1. Daisy
      Antworten

      Ja, so wars bei mir auch. Vor zwei Jahren wurde mir das mitgeteilt, trotz Opt Out. Ich musste es aufgeben. Weiter meldete ich wieder ein Opt Out an und bestand auf Bestätigung, dass er nur 1x pro Jahr abliest. Vor kurzem flatterte mir ein Schreiben der NÖ Netz ins Haus, aus gesetzlichen Gründen wird das auf monatlich umgestellt und 1x pro Monat wird mein höchster Viertelstundenwert ermittelt (den man ja nur aus der viertelstündl. Überprüfung haben kann). Die anderen ohne Opt Out werden von 1x täglich auf viertelstündlich umgestellt. Das diene der Tarifanpassung. Das ist jetzt offenbar wie an der Tankstelle….
      Ahm, die Politiker sind übrigens ganz doll, denn statt die Preise bzw. Besteuerungen zu streichen/senken, überlegt man nun, den Energielieferanten neue Steuern aufzubrummen, weil sie soviel Reibach gemacht haben…ich glaube, die Skrupellosigkeit galoppiert immer mehr…

      1. Glass Steagall Act

        Bei mir im August letzten Jahres angekündigt, aber bis heute noch nichts passiert. Hoffentlich dauert es noch viel länger. Ich dachte bisher, das wären schon Smart Meter gewesen (weil 2019 installiert) und hatte sie vorsorglich mit Alugehäusen gegen Funkstrahlung abgeschirmt. Egal, die nächsten bekommen auch eine Abschirmung!

      2. Daisy

        Mein Smartmeter hat kein WLAN, sondern funkt über die Stromleitung, nicht meine. Er ist nicht im Haus, sondern sehr weit draußen bei der Straße, noch vor dem Tor zur Zufahrt…immerhin. Aber damit wird auch ein Bestrafungs- und Überwachungssystem möglich. Alufulio müsste bei WLAN rundum gewickelt sein. Sobald ein Kabel drinnen steckt, ist es nicht abgeschirmt.

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