Nicht hören, nicht sehen, nicht sprechen – Fehlt uns kritische Literatur?

28. September 2022von 8,2 Minuten Lesezeit

Ich sehe mich nicht als große Literaturkritikerin, aber eines fällt mir in diesen Zeiten doch auf: Es fehlen mutige Literaten. Wohin man blickt, findet sich neben zahllosen „Covid-Büchern“ fast nur Geschreibe, dessen Urheber – und das gilt besonders auch für sattsam bekannte „Staatskünstler“ – entweder primär Nabelschau betreiben oder einer verlangten Normopathie das Wort reden. Ich nenne bewusst keine Beispiele.

Als „Büchereitante“, die ihr Publikum gut kennt, muss ich leider sagen: Es hat auch das Bedürfnis abgenommen, überhaupt Literatur zu lesen, geschweige denn kritische. Nicht selten werde ich gefragt, was das denn überhaupt sei – gute Literatur. Wer etwa zeitlebens nur simple Ratgeber, Thriller oder „die Zeitung“ einwirft, kann sich oft schwer vorstellen, dass es Autoren und Bücher gibt, mit denen man sich als Leser beschäftigen muss, die wirklich etwas zu sagen haben. Ich erspare mir jetzt unselige Genderei, natürlich sind auch Frauen immer mitgemeint. Besonders sie verlangen jetzt vermehrt „lustige“ Bücher, die ihnen nette Beziehungsgeschichten oder eine Harmonie vorgaukeln, die es real so nicht gibt. Man sucht „Ablenkung“ und daran ist nichts substanziell Schlechtes. Aber ich frage mich, wann wir soweit kommen, dass endlich genügend mutige Autoren anfangen, den Wahnsinn dieser Zeit literarisch aufzuarbeiten, genau wie es kritische Experten und Wissenschaftler bereits in ihren Lebensbereichen tun. Dafür ist es Usus geworden, dass immer mehr so genannte Künstler, Comedians und Kabarettisten Bla Bla-Bücher produzieren, die von vielen Lesern nicht zu Unrecht als fad und überflüssig erkannt werden. Schuster, bleib bei deinen Leisten…ebenso wie manche Ärzte besser in ihrer Praxis tätig sein sollten, als zwischen Buchdeckeln.

Nein, ich meine Literatur – bevorzugt jene, die den gedanklichen Mainstream seziert. Immer schon war Literatur dazu da, den Finger in Wunden zu legen und aufzuschreien, wo es sonst niemand tut, aber jetzt? Ich höre da keine besonders lauten Töne. Lieber verarbeitet man in neuen „Thrillern“ Szenarien, die noch weitaus furchteinflößender sind, als es die Realität sowieso schon ist. Dazu ergießt sich eine endlose Flut von immer noch blutigeren oder psychopathisch gefärbten Mordgeschichten über die Buchlandschaft und auch das alljährliche Küren der „besten“ Wissenschaftsbücher verkommt langsam zu einem Propagandainstrument. Für wen, das braucht man explizit wohl nicht zu erwähnen. Vor allem im Kinder- und Jugendbuch-Segment ist man hier eifrig bemüht, künftige „Follower“ zu generieren.

Für Kinder scheint es heute fast keine Traumberufe mehr zu geben außer Popstar und „Wissenschaftler“. Dass Letztere die schöne neue Welt erschaffen, wird ihnen von klein auf eingebläut – und auch, dass solche Figuren im Besitz der absoluten Wahrheit sind. Kinder hätten zu meiner Zeit, da wir noch alle Grimms und andere Märchen lasen, schon eher erkannt, dass die vermeintlich Guten genauso die Bösen sein könnten. Heute beißt Schneewittchen umso bereitwilliger in den giftigen Apfel, ist er doch so saftig und verhilft angeblich zu gesunden roten Bäckchen, auch wenn man später im Koma liegt. Dornröschen dagegen hätte sich vielleicht kein zweites Mal aus Naivität an der Spindel gestochen…

Als Kritik noch schmerzhaft war

Wenn man in der Gegenwart nichts findet, muss man in der Vergangenheit suchen, denn da gibt es die kritischen Stimmen noch in Fülle. Ich weiß nicht, ob es Absicht ist, dass seit Einführung der Zentralmatura die Leseliste in Deutsch immer merkwürdiger wird und sich auch hier ein subtiler Lenkungsmechanismus breit macht, nach dem Motto: Immer schön an der Oberfläche bleiben. Die IG Autorinnen Autoren Wien spricht in einem kritischen Brief an den Bildungsminister hier aktuell nicht ganz zufällig von einem „staatlichen Lese- und Literaturvertreibungsprogramm“.

Etwa wäre es derzeit sehr passend, allen Schülern das schmale Büchlein „Draußen vor der Tür“ des sehr jung verstorbenen, großartigen Wolfgang Borchert zu empfehlen. Sie bekämen darin eindrücklich das wahre Gesicht des Krieges vor Augen geführt. Zu meiner Zeit (in den 80ern) als man seine Leseliste noch selbst zusammenstellen durfte, bestand ich auf diesem Autor, obwohl er angeblich „schwer zu lesen“ war (ist kritische Literatur das nicht meistens?). Muss immer alles leicht sein? Überwiegt das „Leichte“, sprich Seichte, heute nicht schon genug? Wer nie angehalten ist, mit Literatur umzugehen, verlernt die Fähigkeit zu abstrahieren. Wie oft hört man den Satz „Ich lese nur Fachbücher“. Schlimmstenfalls könnte damit auch die Gebrauchsanweisung für den neuen Fernseher oder bei Ärzten die tendenziösen Aussendungen der Kammern gemeint sein. Eventuell noch ein Algorithmus wie „Dr. Watson“, der bei der „richtigen“ Diagnosestellung hilft.

Wie wäre es aber einmal mit Thomas Bernhard?

„Heldenplatz“ – Wer sein letztes und berühmtestes Stück kennt, wird es als umso skandalöser empfinden, dass man heute jeden, der gegen eine wahnhafte Masse kritisch auftritt, als Antisemiten tituliert. Sichtlich oft nur deswegen, weil in Israel schließlich so brav geimpft wird? Israel macht immer alles richtig. Die deutlich sich offenbarende Wahrheit, wie diese Bravheit beizeiten in schleichender Selbstzerstörung münden könnte, bleibt selbstverständlich außen vor.

Thomas Bernhard hasst man oder man bewundert ihn. Er hatte eine einzigartige Fähigkeit zu beobachten, den Finger in tiefe Wunden (vornehmlich seine eigenen) zu legen und damit zu provozieren. Wer etwa glaubt, die fehlende Vertrauenswürdigkeit von Ärzten sei ein neues Phänomen, sollte seinen Roman „Verstörung“ aus 1988 lesen. Es geht darin um einen Sohn, dessen Vater, ein steirischer Landarzt, ihn einen Tag lang mit auf Visite nimmt und ihm „das Leben“ zeigt. Vielsagend ist bereits seine Anmerkung, die Medizin ignoriere die Erkenntnis, dass Katastrophen (also Traumata) einer Person praktisch immer zu späteren Krankheiten des Körpers und der Seele führen, und auf Seite 57 (Suhrkamp-TB, 15. Aufl. 2020) heißt es:

„Die meisten Ärzte treiben auch heute keine Ursachenforschung“, sagte mein Vater, „gehen ganz auf in den primitivsten Handlungsschemata. Medikamente verschreibende Heuchler, wichen sie überhaupt der Beschäftigung, dem Studium des Seelischen der Menschen, die sich ihnen aus einer unheilvollen Tradition heraus in ihrer Hilflosigkeit vollkommen anvertrauten, aus. Faul und feig seien die Ärzte, sagte mein Vater, sich ihnen ausliefern, bedeute, sich dem Zufall und der völligen Gefühllosigkeit, einer Pseudowissenschaft, ausliefern. Die meisten Ärzte seien heute ungelernte Arbeiter der Medizin, die größten Verheimlicher. Nirgendwo sei ihm, meinem Vater, unheimlicher zumute, als unter seiner Kollegenschaft. “Nichts ist unheimlicher als die Medizin“, sagte er.

Der letzte Satz beschreibt trefflich ein Gefühl, das ich als Kind schon hatte. Obwohl damals noch in Obhut einer Landärztin (einer echten Gräfin d’Avernas), die man als relativ nett und vernünftig hätte beschreiben müssen. Sie behandelte uns als Arbeiterfamilie ebenso freundlich und sorgfältig, wie „bessere“ Leute. Selten griff sie gleich zu Medikamenten, sondern verwies immer zuerst auf die Kraft der Natur (genug Sonne, Wasser und Sauberkeit, was in den 60ern alles andere als selbstverständlich war) sowie mögliche Selbstheilung. Sie wurde über 100 Jahre alt – als Beweis ihrer Theorie. Das schafft heute wohl kaum noch ein üblicher Vertreter dieses Berufstandes – dank Stress und „moderner“ Errungenschaften. Dem Ideal eines „wahren“ Arztes kommen am ehesten noch tibetische „Amchis“ (Mönchsärzte) nahe, denen ihre Patienten und deren Gesundheit ein ebensolches Anliegen sind, wie die Seele und das eigene Wohlbefinden. Anders könnten sie aus ihrer Sicht nicht heilend auf Kranke einwirken, gleich welche Mittel sie anwenden. Ein traditioneller Amchi rezitiert meist während der Behandlung Mantren für den Patienten, sie „beten“ also für ihn, wie es auch bei christlichen Heilern üblich war. Heute würde sich manch eine Person anderen Glaubens (oder gar ein „Atheist“) hier schon tief beleidigt fühlen – so traurig sieht es mittlerweile aus.

Ein weiterer kluger Satz in diesem Buch lautet: „Die Krankheiten führen den Menschen am kürzesten zu sich selbst.“ Als eindringlicher Hinweis darauf, einmal nach innen zu blicken und sich zu fragen, warum man gerade jetzt oder gerade auf diese Art „krank“ ist. Wo liegt der eigene Anteil? Vieles in den Büchern von Thomas Bernhard wirkt verstörend und das ist gut so. Er war ein Meister des eindringlichen Wortes, verwies aber auch immer wieder darauf, dass nichts bleibt wie es ist, alles kommt und geht – wie schon der Buddhismus lehrt.

Fast möchte ich sagen, uns fehlt ein zweiter Thomas Bernhard, der die bösen Zeichen der Zeit literarisch mit einem breiten Klatschen an die Wand malt.

Bis es soweit ist – und hier warten wir hoffentlich nicht auf Godot – sollte man allen Covid- und sonstigen Fanatikern (Krieg ist ja da wie dort im Gange) am besten antworten, was jemand unlängst vorschlug, falls man wieder einmal von solchen Personen abgekanzelt wird:

„Ich fürchte, einer von uns beiden ist klüger als du!“

Um die freundliche Abneigung notfalls gut begründen zu können, ist es niemals falsch, sich neben Sachwissen so viel gute, kritische Literatur wie möglich einzuverleiben, über das Gelesene nachzudenken und es auf heutige Verhältnisse umzulegen. Ich lese, also denke ich und bin imstande zu vergleichen. Entspannendes Lesen ohne viel zu denken, hat durchaus seine Zeit und viele Menschen haben eben null Interesse an Literatur, das wird immer so sein. Wenn aber „betreutes“ Lesen und Denken (auch Bibliothekare werden nun zunehmend in diese Richtung gedrängt) zum Massenphänomen wird, dann haben wir ein Problem.

Ein ernstes.


Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wieder.

© Dr. Gabriele Feyerer, freie Autorin / Journalistin

Rechtlicher Hinweis: Meine Artikel dienen ausschließlich der Information. Sie stellen keine Aufforderung zu einer bestimmten Handlung oder Unterlassung bzw. zur Anwendung oder Nicht-Anwendung einer bestimmten Therapie dar.


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21 Kommentare

  1. Franz Hiesberger 21. Oktober 2022 at 21:44Antworten

    Ein ganz wichtiger Artikel. Aber Literaten darf man nicht zu wörtlich nehmen, denn dann kann man in einen Tunnelblick geraten, wie zum Beispiel Teile der FPÖ, die Thomas Bernhard bei der Erstaufführung vom Heldenplatz, völlig ungerechtfertigt, beschimpft haben. Sicherlich wäre die Sichtweise von Literaten wie T. Bernhard oder Elias Canetti (Nobelpreisträger) zu dem brutalen Überfall Russlands auf sein Nachbarland, dieser verursacht viel Leid auf weiten Teilen der Welt und viele unschuldige Opfer, interessant. Zwei Buchempfehlungen möchte ich noch anbringen: Masha Gessen: Die Zukunft ist Geschichte und Michael Maar: Die Schlange im Wolfspelz.

  2. Bernd Klaus 17. Oktober 2022 at 11:56Antworten

    Ich denke die Wurzel des Problems ist ~140 Jahre alt, denn seit Le Bons vor der angewandten Massenpsycholgie (später Propaganda genannt) warnte werden auch Literaten mit genau diesen Mitteln bekämpft und vor allem geformt.

    BEVOR sie wissen, dass sie Literaten werden! Speziell diese Propaganda prügelt immer auf die Kinder zuerst ein. In der Konsequenz entstehen weniger Literaten, die in der Lage sind etwas kritisches zu schreiben. Ihr Artikel beschreibt praktisch eine vollendete Tatsache. … den typischen Scherbenhaufen der Geschichte genannt werden muss …

    (Le Bons Buch war soweit ich weis ein sehr bekannter „Bestseller“, wurde aber inhaltlich schon damals weitgehend ignoriert, verdreht und ist heute allgemein vergessen)

  3. Annett 1. Oktober 2022 at 21:37Antworten

    Danke für den exzellenten Artikel, welcher auch mir (Bibliothekarin in Sachsen) aus der Seele spricht! Schon Konfuzis bemerkte: Glück ist die Konzentration auf das Wesentliche. Das entgeht aber den meisten Menschen, die sich mit Büchern zerstreuen wollen und schon wenige Wochen nach der Ausleihe nicht mehr wissen, ob sie diese bedeutungslosen Titel bereits lasen. Bis zum vom mir geschätzten Thomas Bernhard ist es ein sehr weiter Weg und so versuche ich es zum Einstieg mit Daniela Krien „Der Brand“, Orwell, Huxley etc. als meine Form des betreuten Lesens. Aber es ist leider eine Tatsache, dass die Gegenwartsautoren versagen. Ist das Realitätsverweigerung, Feigheit oder Selbstzensur? Notfalls investiere ich hart erarbeitete Steuergelder lieber in gute Kinderliteratur zur dringend nötigen Lese-förderung und Naturheilkunde zur Selbsthilfe. Wenn Erzieherinnen und Lehrer mir berichten, dass die Kinder immer weniger wissen und können, brauche ich mich über die mangelnde Nachfrage nach z. Bsp.Tellkamp nicht wundern.

  4. Dude 1. Oktober 2022 at 18:32Antworten

    „aber eines fällt mir in diesen Zeiten doch auf: Es fehlen mutige Literaten.“

    Soso? Mir fällt auch was auf.
    Gute, mutige Literaten gibts wohl – es besucht sie bloss niemand.
    Abhilfe?
    -> https://ultimativefreiheitonline.wordpress.com/2022/06/20/kurzer-kulturausflug-oder-geistes-anbau-der-anbau-der-sprache-der-kunste-und-wissenschaften/

  5. Dr. med. Veronika Rampold 29. September 2022 at 16:38Antworten

    WEnn man wüsste,
    wo man sein Buch verlegen lassen kann, ohne dass der Verleger Änderungen verlangt aus „Vermarktungsgründen“ oder wegen anderer Ausreden,
    welcher Verleger nicht nach politischer Linie übers Verlegen entscheidet, sondern nur danach, ob da jemand mit Herzblut, Verstand und Geschick geschrieben hat oder nicht
    (ein solcher bekäme ne Menge Autobiografien angeboten, und die meisten wären echt heisse Eisen)
    und welcher Verleger noch n echtes MANUskript, händisch geschrieben oder getippt, nicht digitalisiert, annähme..
    wäre ich schon längst am Schreiben dran.
    Jeder Leser, der weiß, wo ich diesen Wünschen nahekommen könnte, möge bitte den Verlag, den er empfiehlt, als Kommentar hier anfügen. (Nicht Kopp, den kennt zwar jeder, aber nicht alle wolln da hin)

    • Gabriele 30. September 2022 at 11:27Antworten

      @Liebe Frau Dr. Rampold: Versuchen Sie es bei edition-a in Wien – edition-a.at. Dort könnte ich fast garantieren, dass es klappt.. (Sachbuch) Die verlegen Kritisches immer gern, bisher jedenfalls.

  6. Hannibal Murkle 29. September 2022 at 10:25Antworten

    Kritische Literatur wirkt erst langfristig, aktuell tobt ein Propaganda-Krieg in etlichen Medien – die NachDenkSeiten berichten heute über entsprechende Pläne der deutschen Bundesregierung, mit abfotografierten Seiten.
    Ein Propaganda-Beispiel aus einem Webforum, welches damit geflutet wird:

    https://www.xing.com/communities/posts/facebook-riesiger-troll-angriff-kam-aus-russland-monatelang-wurde-ein-enormer-aufwand-betrieben-um-deutsche-1024877248

    Das Webforum der Bayerischen CSU:

    https://www.xing.com/communities/groups/csu-1060278

    Angeblich sollen die Russen auf Facebook kritische Debatten simuliert haben. Grundsätzlich würde ich den Laden mit berüchtigter Einseitigkeit kein Wort glauben – dort wird man bereits gesperrt, wenn man Corona mit Grippe vergleicht. Die Masche hinter den Behauptungen ist durchsichtig – obwohl die Ukraine auf dem Korruptionsindex gleich neben Russland steht und sogar die EU das Land im letzten Herbst für das korrupteste Europas hielt, heute soll jeder, der diese Korruption sieht, „Putins Troll“ sein – das hat bereits Orwell-Qualität! Ähnlich jede andere Kritik am Allerheiligsten Land der Woken.

    Würde man ehrlich über diese korrupte Diktatur reden können, wären Europas Gesellschaften nicht bereit, im Wirtschaftskrieg zu hungern und zu frieren.

  7. paulohbruder 28. September 2022 at 20:04Antworten

    Sehr geehrte Frau Dr. Feyerer,
    Sie ermöglichen es mir, durch Ihren treffenden Aufsatz, darauf hinzuweisen, dass es Ausnahmen von der Regel gibt. Bestellbar beim pad Verlag padverlag@gmx.net harrt Ihres geschätzten Beifalls der Band „Von Covid-19 zu Putin-22. Neue politische Lyrik“ . ISBN 978-3-88515-341-6.

    • Gabriele 30. September 2022 at 11:35Antworten

      @paulohbruder: Schön zu hören, dass es auch auf diesem Gebiet etwas gibt…allerdings leider nichts, was ich meinen Gästen auch nur ansatzweise anbieten dürfte…wir haben leider null Lyrikleser und für dieses Jahr auch kein Budget mehr. Es ist insgesamt schwierig, hier Mittelwege zu finden.

  8. Jürgen R. 28. September 2022 at 13:04Antworten

    Ich lese heutige Autoren aus dem Genre Belletristik schon länger nicht mehr. Ja, es gäbe einige, die sich lohnten, beispielsweise Monika Maron oder Uwe Tellkamp. Aber es gibt immerhin einen Kompass für schlechte Literatur. Es sind diejenigen Bücher, deren Autoren von staatlichen Stellen Literatur- und Kulturpreise verliehen bekommen. Diese kann man sich wirklich ersparen.

    • brigbrei 29. September 2022 at 15:25Antworten

      Wieso denn sollten Literaten von der allgemeinen Verdummung verschont sein???
      Auch Schauspieler und vor allem Musiker, ehemals Kritiker mit Sinn und Verstand, sind doch ebenfalls der Gehirnwäsche anheimgefallen, sind nur nochn zu lächerlichen Kleingeistern mutiert, bis auf wenige Ausnahmen wie der von mir geschätzte Schauspieler und unermüdliche Aktivist Rolf Becker oder der Musiker Kai Degenhardt, Sohn von Franz Josef Degenhardt.

      • Bernd Klaus 17. Oktober 2022 at 12:00

        Richtig!

  9. andi pi 28. September 2022 at 12:22Antworten

    danke sehr für diesen beitrag! wobei man beim thema corona auch zwischen fundierter wissenschaftlicher literatur (bhakdi/reiss, arvay u.v.a. – da gibt es schon einiges) und belletristik unterscheiden muss. in sachen belletristik gibt es (zumindest, was die „prominentere“ ebene betrifft) leider tatsächlich fast gar nichts in eine kritische richtung. ich selber habe den versuch gewagt und vorletzte woche ist mein zynisch-satirisches maßnahmenkritisches buch („die masken nieder“ – 60 dramolette und ein märchen) aus der druckerei gekommen. weiß nur nicht, inwiefern es in diesem blog erwünscht ist, werbung dafür zu machen…

  10. Elisabeth H. 28. September 2022 at 10:56Antworten

    Mein dreifachen Dank für diesen Beitrag, Dr. Gabriele Feyerer. Definitiv, es fehlen mutige Literaten. Ich persönlich mag anspruchsvolle Literatur.
    Ihre Sätze regen zum Nachdenken an und zitiere Sie: „Heute beißt Schneewittchen umso bereitwilliger in den giftigen Apfel, ist er doch so saftig und verhilft angeblich zu gesunden roten Bäckchen, auch wenn man später im Koma liegt. Dornröschen dagegen hätte sich vielleicht kein zweites Mal aus Naivität an der Spindel gestochen…“
    Und schon gar nicht sich eine Covid-Nadel hingegeben. ;-)

  11. Raldl 28. September 2022 at 10:27Antworten

    Vielen Dank für diesen Beitrag!
    Ich selbst war immer ein schlechter Schüler, aber die großen Literaten haben mich stark stimuliert. Ich habe mir „Heldenplatz“ im TV angesehen – ich wohnte am Land – und wunderte mich sehr, dass sich Leute darüber echauffierten. Die angerührten wollten wohl nicht gespiegelt sein.
    Der Ärzteschaft möchte ich aber den lieben Theophrastus Bombastus von Hohenheim andienen (frei nach): Der Mensch sei der Arzt, der Mediziner sein Helfer. Ich brauche keine Wissenschaft um zu wissen, dass mein Körper gewohnt ist, mit Krankheiten umzugehen.
    Selbst als schlechter Schüler habe ich jenes Mindestmaß an kritischem Denken mir aneignen können, um gegen diese üblen Gesellschaftskrankheiten bestehen zu können. Medienkonsum des mainstream habe ich zu 100% eingestellt.
    Und ja, wo bleiben die Künstler:innen? Ich höre und sehe sie nicht – wurden sie alle getötet?

    • Elisabeth 28. September 2022 at 10:36Antworten

      Die Staatskünsler:inninnen kritisieren die Kritiker.

  12. Jan 28. September 2022 at 10:21Antworten

    Im Freundeskreis wurde diskutiert, ob die Spritzungen etwas mit dem geistigen Verfall zu tun hätten. Unvergessen der bissige Kommentar eines im Übrigen Geimpften: Das anzunehmen sei überhaupt nicht notwendig!

    Verlagsprogramme ziehen sich auf atmosphärische Werbebildchen und einfachst zu recherierende Inhalte zurück. Wer hier wohl Ei und Henne ist? Jedenfalls bevorzuge ich mittlerweile etwas ältere, gebrauchte Bücher. Sie sind derzeit günstigst im Versand zu haben! Einen großen Katalog bietet zB mediamops.de

    Ein Bücherschrank besteht auch, wenn Strom und Internet abgedreht sind. Auch ein paar Noten und Liederbücher dürfen dabei sein!

  13. Eliane Zimmermann 28. September 2022 at 9:10Antworten

    Wie immer, liebe Frau Dr. Feyerer, sprechen Sie mir aus der Seele! Nein, mit diesem Text ganz besonders. Ich leide – nicht erst seit C – so sehr an der Oberflächlichkeit und nun mehr denn je seufze ich über das weit verbreitete Betreute Denken. Ich wählte seinerzeit, so um 1976, freiwillig, neben der Pflichtlektüre des deutschen Gymnasiums, Wolfgang Borchert, fand alles von ihm gut zu lesen (war ja leider nicht so viel, dafür umso tiefgründiger).

    Zu meiner Zeit wurde der Begriff „Wissens-Transfer“ für Gymnasiastinnen Mode, wir sollten lernen – hahaha, obwohl Mädchenschule – unser Wissen aus verschiedenen Fächern und Gebieten innerhalb des jeweiligen Faches zu vergleichen, zu kombinieren, zu generalisieren. Damals war der Appell zum ständigen „Transfer“ nur nervig und wurde gehasst, doch heute bin ich dankbar dafür. So entstand die Fähigkeit, über den Tellerrand zu schauen.

    Als Dozentin der Naturheilkunde werde ich fast täglich mit fragenden E-Mails bombardiert. Mich erschreckt die Qualität der Fragen sehr oft. Wie einfach könnten diese Menschen ihre Fragen selbst beantworten, durch minimale Recherche, es liegt uns doch heute so viel Wissen zu Füßen! Doch selbst die Idee, wie genau könnte ich selbst initiativ werden, scheint nicht aufzukommen. Insofern wundert mich die Herdenmentalität nicht wirklich.

    Danke für Ihre Beiträge!

    • Gabriele 28. September 2022 at 9:29Antworten

      @ Eliane Zimmermann: Liebe Frau Zimmermann – manchmal tut es wirklich gut zu sehen, dass man nicht allein auf weiter Flur ist. :-) Es gibt ja noch Menschen wie uns und man ist dankbar für jeden, den man trifft. Alles Liebe für Sie – nicht nachlassen…

  14. Frühling 28. September 2022 at 8:48Antworten

    Ja und nein, würde ich zu Ihrer Meinung sagen. Ja, weil ich als Vielleser auch glaube, dass es den Horizont (ähnlich wie das Reisen in fremde Länder) durchaus erweitern kann. Nein, weil ich mein Leseverhalten in den letzten Jahren (bewusst!) verändert habe. Aus der Retrospektive betrachtet hätte ich mir fast die Hälfte der Bücher, die ich gelesen habe, getrost sparen können. Sie haben nichts Wesentliches nichts Bleibendes hinterlassen. Heute lege ich ein Buch sofort aus der Hand, wenn es mich nicht innerhalb der ersten Seiten zu fesseln vermag. Mir ist meine Restlebenszeit einfach zu wertvoll, um mich durch langweilig geschriebene Pamphlete zu quälen. Und auch bezüglich Thriller haben Sie und ich eine unterschiedliche Auffassung. Die lese ich ausgesprochen gerne, wenn sie hochspannend geschrieben sind. Menschen haben zum Glück unterschiedliche Geschmäcker. Wäre auch sonst sehr langweilig.

  15. Peter R 28. September 2022 at 8:45Antworten

    Ein exzellenter Artikel, meinen Dank dafür.
    Vielleicht auch noch eine Anmerkung zur jetzigen Thematik: selbst in dunkelster Zeit gab es Autoren die wahre Meisterwerke schufen und damit auch hohem Risiko aussetzten – ich nenne hier mal Erich Kästner. Leider heutzutage zu wenig bekannt, dass er abgesehen von der bekannten exzellenten Kinder/Jugendliteratur eigentlich noch brilliantere literarische Werke für Erwachsene verfasste.
    Ich für meinen Teil vermute fast, der Schock und Unglaube ob der heutigen Zustände bedarf noch etwas Zeit, niemand hat wohl ernsthaft damit gerechnet, dass es wirklich so schnell und so einfach so kommen kann, wie es nun die „neue Realität“ ist. Mir zumindest kommt vor, ich bin in eine andere Dimension gefallen, eine ähnliche, aber doch grundverschiedene. Viele Dinge sind absolut nicht mit meinem ehemaligen Weltbild vereinbar und sind eher wie düstere ScienceFiction, die aber nie eintreten kann…

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