Neue Studie von Immunologen aus Kalifornien: Immunität gegen Covid hält jahrelang

Mittlerweile haben schon viele Studien bestätigt, dass die Immunität nach einer Infektion jahre- und jahrzehntelang anhält. Rekonvaleszente, die 2003 an SARS-1 erkrankten, haben auch 2020 noch immer eine starke Immunabwehr, die auch gegen die neue Variante SARS-Cov-2 wirksam ist. Eine neue Studie Instituts für Immunologie in La Jolla, Kalifornien, bestätigt nun ebenfalls, dass die durch Infektion oder Impfung gegen SARS-Cov-2 erreichte Immunität jahrelang halten sollte.

Eines noch vorweg: Die Erforschung und Beurteilung von Immunität ist das Fachgebiet von Immunologen, jedoch nicht von Virologen oder Epidemiologen.

Immunität nach Infektion und Impfung ist langfristig

Eine neue in Science veröffentlichte und begutachtete Studie zeigt, dass Immunzellen, die für den Kampf gegen das Coronavirus vorbereitet sind, noch lange nach einer Infektion und wahrscheinlich auch nach einer Impfung bestehen bleiben.

Die Ergebnisse, die auf Analysen von Blutproben von 188 COVID-19-Patienten basieren, zeigen, dass die Reaktionen auf SARS-CoV-2 von allen wichtigen Teilen des spezifischen Immunsystems, mindestens acht Monate nach dem Auftreten der Symptome der Erstinfektion anhalten. Dieser Teil des Immunsystems hat gelernt, bestimmte Krankheitserreger zu bekämpfen

„Unsere Daten deuten darauf hin, dass die Immunantwort da ist – und sie bleibt“, sagt Professor Alessandro Sette, der die Studie gemeinsam mit Professor Shane Crotty, und Research Assistant Professor Daniela Weiskopf am La Jolla Institute for Immunology (LJI) leitete.

Crotty erläutert:

„Wir haben Antikörper, Gedächtnis-B-Zellen, Helfer-T-Zellen und Killer-T-Zellen alle gleichzeitig gemessen. Soweit wir wissen, ist dies die größte Studie, die jemals bei einer akuten Infektion alle vier Komponenten des Immungedächtnisses gemessen hat.“

Rückgang von Antikörpern ist normal und beeinträchtigt Immunität nicht

Die neue Studie hilft, einige besorgniserregende Covid-19-Daten aus anderen Labors zu klären, die einen dramatischen Abfall der spezifischen Antikörper in den Monaten nach der Infektion zeigten. Einige befürchteten, dass dieser Rückgang der Antikörper bedeutet, dass der Körper nicht in der Lage ist, sich gegen eine erneute Infektion zu verteidigen.

Sette erklärt, dass ein Rückgang der Antikörper ganz normal ist.

„Natürlich nimmt die Immunantwort mit der Zeit bis zu einem gewissen Grad ab, aber das ist normal. Das ist es, was Immunantworten tun. Sie haben eine erste Phase des Hochlaufens, und nach dieser fantastischen Ausdehnung zieht sich die Immunantwort schließlich etwas zusammen und erreicht einen stabilen Zustand.“

Die Forscher fanden heraus, dass virusspezifische Antikörper noch Monate nach der Infektion in der Blutbahn vorhanden sind. Wichtig ist, dass der Körper auch Immunzellen, sogenannte Memory-B-Zellen, bereithält. Wenn eine Person erneut auf SARS-CoV-2 trifft, könnten diese Gedächtnis-B-Zellen reaktiviert werden und SARS-CoV-2-Antikörper produzieren, um eine erneute Infektion zu bekämpfen.

Die verschiedenen Abwehrzellen des Immunsystems

Das SARS-CoV-2-Virus verwendet sein „Spike“-Protein, um die Infektion menschlicher Zellen zu initiieren, daher suchten die Forscher nach Gedächtnis-B-Zellen, die spezifisch für das SARS-CoV-2-Spike sind. Sie fanden heraus, dass Spike-spezifische Gedächtnis-B-Zellen sechs Monate nach der Infektion tatsächlich im Blut zunahmen.

Covid-19-Rekonvaleszente hatten auch eine Armee von T-Zellen, die bereit waren, eine Reinfektion zu bekämpfen. Gedächtnis-CD4+ „Helfer“-T-Zellen blieben erhalten und waren bereit, eine Immunantwort auszulösen, wenn sie wieder SARS-CoV-2 sahen. Die Helfer-T-Zellen sind insgesamt für die Steuerung der Immunantwort verantwortlich, sowie auch für das Anstoßen der Erzeugung anderer Abwehrzellen. Viele Gedächtnis-CD8+ „Killer“-T-Zellen blieben ebenfalls bereit, infizierte Zellen zu zerstören und eine Reinfektion zu verhindern.

Die verschiedenen Teile des spezifischen Immunsystems arbeiten zusammen, so dass es ein gutes Zeichen ist, mehr als acht Monate nach der Infektion Covid-bekämpfende Antikörper, Memory-B-Zellen, Memory-CD4+ T-Zellen und Memory-CD8+ T-Zellen im Blut vorhanden sind.

Die Tatsache, dass ein Immungedächtnis gegen SARS-CoV-2 möglich ist, ist auch ein gutes Zeichen für Impfstoffentwickler. Weiskopf betont, dass die Studie die Reaktionen auf eine natürliche SARS-CoV-2-Infektion verfolgte, nicht aber das Immungedächtnis nach der Impfung.

„Es ist möglich, dass das Immungedächtnis nach der Impfung ähnlich lange anhält, aber wir müssen warten, bis die Daten vorliegen, um das mit Sicherheit sagen zu können. Vor einigen Monaten haben unsere Studien gezeigt, dass eine natürliche Infektion eine starke Reaktion hervorruft, und diese Studie zeigt nun, dass diese Reaktion anhält. Die Studien mit dem Impfstoff befinden sich noch im Anfangsstadium und haben bisher einen starken Schutz gezeigt. Wir sind zuversichtlich, dass sich ein ähnliches Muster von Antworten, die über einen längeren Zeitraum anhalten, auch für die impfstoffinduzierten Antworten zeigen wird.“

Die Forscher werden in den kommenden Monaten weiterhin Proben von COVID-19-Patienten analysieren und hoffen, ihre Reaktionen 12 bis 18 Monate nach dem Auftreten der Symptome zu verfolgen.

„Wir machen auch sehr detaillierte Analysen mit einer viel, viel höheren Granularität darüber, welche Teile des Virus erkannt werden“, sagt Sette. „Und wir planen, die Immunantwort nicht nur nach einer natürlichen Infektion, sondern auch nach einer Impfung zu untersuchen.“


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