
Iran: Trumps Vietnam, nur viel schlimmer
Präsident Trumps Krieg gegen den Iran entwickelt sich rasch zu seinem eigenen Vietnam, bei dem es offenbar keinerlei gute Optionen gibt. Inzwischen haben alle diplomatischen Bemühungen zur Lösung des Konflikts an Schwung verloren, und iranische sowie US-amerikanische Streitkräfte liefern sich täglich Gefechte.
Seit Freitag führten die USA den siebten, achten und neunten Luftangriff in aufeinanderfolgenden Nächten (17.–19. Juli) durch. Zu den Zielen gehörten angeblich iranische Militärkommandzentralen, Luftabwehr- und Küstenüberwachungsanlagen, Raketen- und Drohnenabschussrampen, maritime Kapazitäten, Brücken und Eisenbahnstrecken (zur Unterbrechung von Versorgungswegen, z. B. nach Bandar Abbas), unterirdische Waffenlager, logistische Infrastruktur sowie einige Kraftwerks- und Entsalzungsanlagen.
Gleichzeitig hat der Iran US-Einrichtungen in der Region erheblichen Schaden zugefügt, darunter den Luftwaffenstützpunkt Muwaffaq Salti (Al Azraq) in Jordanien, Camp Arifjan und den Luftwaffenstützpunkt Ali Al Salem sowie eine Strom- und Entsalzungsanlage in Kuwait, den Luftwaffenstützpunkt Sheikh Isa und ein Rechenzentrum in Bahrain sowie eine Reihe von Zielen in Saudi-Arabien, Katar, Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die USA sollen bei diesen Angriffen einige Verluste erlitten haben, darunter drei oder vier getötete Soldaten und eine Handvoll Verletzter.
Vorteil Iran
Trotz Trumps Behauptung, man schlage „sehr hart“ gegen den Iran zu und dieser werde sehr bald besiegt werden, scheint dies eine deutliche Abwertung seiner seit März wiederholt geäußerten Behauptungen zu sein, der Iran sei bereits besiegt worden. Die Berichte über die dem iranischen Militär zugefügten Schäden sind sehr gemischt; einige unabhängige Militäranalysten behaupten, die USA verfügten nicht über gute Zielinformationen, sie bombardierten wiederholt dieselben Einrichtungen und die Angriffe seien sehr ineffektiv gewesen.
Erinnern wir uns: Im März 2025 startete Trump die Operation „Rough Rider“ und begann, die Ansarallah (auch Huthis) im Jemen „wie noch nie zuvor“ zu bombardieren. Ziel der Operation war es, die Ansarallah-Bewegung daran zu hindern, den Seeverkehr im Roten Meer zu stören. Damit war sie im Grunde die Fortsetzung der Operation „Prosperity Guardian“, die im Dezember 2023 begonnen hatte und so gut wie nichts erreicht hatte. Letztendlich war Trump gezwungen, sich zurückzuziehen und einen Waffenstillstand mit Ansarallah zu schließen. Offenbar haben die Jemeniten die amerikanische Kriegskunst sorgfältig studiert und kennen deren militärische Fähigkeiten. Infolgedessen ist es ihnen gelungen, ihre militärischen Ressourcen weitgehend vor amerikanischen Bomben und Raketen zu schützen.
Wenn Ansarallah ihre Streitkräfte gegen die amerikanische Luftmacht immunisiert hat, sollten wir davon ausgehen, dass zumindest die Iraner dasselbe getan haben. Was auch immer die US-Bomben und -Raketen im Iran zerstören, hat die Fähigkeit der Iraner, zurückzuschlagen, offensichtlich nicht beeinträchtigt. Da der Iran zudem auf heimischem Boden kämpft, ist es für ihn relativ einfacher, erlittene Schäden zu beheben und seine Kampfkraft wiederherzustellen, als für die USA, die zehntausend Meilen von ihrer industriellen Basis entfernt kämpfen und bei der Nachschubversorgung und Rotation ihrer Truppen von anfälligen Logistikketten abhängig sind.
Der Iran hat bewiesen, dass er über ein sehr schlagkräftiges Militär verfügt; die Wirksamkeit und Präzision seiner Angriffe hat westliche Militäranalysten ebenso wie amerikanische Befehlshaber überrascht, und die USA scheinen nicht in der Lage zu sein, das Schwert des Irans wesentlich zu entschärfen oder den Verlauf des andauernden Konflikts zu ihren Gunsten zu wenden. Die Schwierigkeit, einen Krieg Tausende von Meilen von der Heimatbasis entfernt zu führen, zeigte sich auch in der Unfähigkeit des amerikanischen Militärs, sich nach 20 Jahren des Versuchs in Afghanistan gegen einen Gegner durchzusetzen, der weit weniger mächtig und weit weniger gut vorbereitet war als die IRGC.
Trumps Vietnam
Insgesamt zeichnet sich ab, dass der Iran-Krieg zu Trumps Vietnam wird – nur viel, viel schlimmer, angesichts der Abhängigkeit der Weltwirtschaft von den Ressourcen und dem Handel der Region. Der Nahe Osten liefert 30 bis 32 % der weltweiten Rohölvorräte und etwa ein Fünftel der Erdgas- und LNG-Vorräte. Eine der negativen Folgen von Trumps „großartigem Abenteuer“ im Iran ist, dass die strategischen Erdölreserven der USA nun auf den tiefsten Stand seit 45 Jahren gesunken sind und nur noch den Bedarf der USA für 43 Tage decken.
Doch der Energieschock, der sich fast unvermeidlich abzeichnet, ist nur ein Teil des Problems. Die im Nahen Osten produzierten Düngemittel (Stickstoff, Phosphor, Kalium) sichern zwischen 40 % und 60 % der weltweiten Ernteerträge und der Nahrungsmittelproduktion, was dazu führen könnte, dass die Folgen eines US-Kriegs gegen den Iran jene der US-Niederlage in Vietnam in den Schatten stellen.
Keine der beiden Seiten wird (noch) zurückweichen
Diese Risiken sind für jeden aufmerksamen Beobachter leicht zu erkennen, doch Trump ist in eine Eskalationsfalle getappt und kann nicht mehr zurückweichen; das käme einer demütigenden Niederlage gleich. Gleichzeitig sind sich die Iraner ihrer vorteilhaften Position vollkommen bewusst und haben keinen Grund, Trump mehr als eine strategische Niederlage zu schenken. Das Ergebnis ist leider, dass die Feindseligkeiten wahrscheinlich den ganzen Sommer über andauern werden.
Währenddessen laufen die globalen Kapital- und Rohstoffmärkte weiter, als wäre alles in bester Ordnung – was ein kleines Rätsel ist. Es ist schwer, die Art und Weise zu beobachten, wie die Märkte auf schlechte Nachrichten reagieren, als wären es großartige Neuigkeiten, und sich nicht zu fragen, ob groß angelegte Marktmanipulationen Teil dieses Rätsels waren. Wie dem auch sei: Die Abrechnung ist nur eine Frage der Zeit, und wir müssen darauf vorbereitet sein, deutlich höhere Zinssätze, Rohstoffpreise und Inflationsraten zu erleben.
Der Artikel erschien zuerst auf Englisch in Alex Krainers TrendCompass. Mit freundlicher Genehmigung des Autors hier auf Deutsch.
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Alex Krainer ist Gründer, KRAINER ANALYTICS, I-System Trend Following Autor von: „Alex Krainer’s Trend Following Bible“, „Mastering Uncertainty“, „Grand Deception“ (verboten).
“ Würde Trump NICHT den Iran bombardieren, würde dieses Erpressungspotential ganz gleich genutzt. Dem Iran geht es ja nicht nur um die behauptete Selbstverteidigung, sondern darum „Schutzmacht“ für die Region zu werden, also Steuern von den Nachbarstaaten einzuheben (über die Hormus-Maut) und gleichzeitig überall Militärpräsenz zu zeigen. Das ist natürlich ein Hegemonialanspruch, der nicht von Trump ausgelöst wurde. “
Bullshit!
Wann haben die Iraner vor der US Invasion, Handelschiffe bei der Passage erpresst.
Hätten die UsA die Ira er in Ruhe gelassen wäre alles in Ordnung geblieben.
Das mit der Atombombe war nur ein Vorwand an billiges Ölzu kommen um mit diesen dann die Weltwirtschaft zu erpressen. In Syrien klauen die ja schon seit Beginn den Syrien deren Öl.
30% des weltweiten Öls lassen sich nicht durch höhere Preise ersetzen! Das liegt daran, dass die Förderung von Öl unter mehr Aufwand, also teurer (zB unter Eis, in Meer, durch Fracking), ein langfristiges Unterfangen ist, in das man nicht für ein paar Monate Krieg investiert. Die größten Lager hatte China mit 3 Monaten Ölbedarf. Das steht in keinem Verhältnis.
Hormus ist eine strategische Schwachstelle, die jedem Terroristen, der glaubwürdig drohen kann, Erfolg beschert, weil Reeder und Versicherungen ihre teure Fracht nicht gefährden wollen.
Würde Trump NICHT den Iran bombardieren, würde dieses Erpressungspotential ganz gleich genutzt. Dem Iran geht es ja nicht nur um die behauptete Selbstverteidigung, sondern darum „Schutzmacht“ für die Region zu werden, also Steuern von den Nachbarstaaten einzuheben (über die Hormus-Maut) und gleichzeitig überall Militärpräsenz zu zeigen. Das ist natürlich ein Hegemonialanspruch, der nicht von Trump ausgelöst wurde.
Zitat:
… man schlage „sehr hart“, „wie noch nie zuvor“, … werde sehr bald besiegt werden …
Nichts lügt eben schöner als Kriegspropaganda … bis auf das Geschwätz von Politikern! Das ist der gleiche Level.
Und was die hohen Rohstoffpreise und die Inflation angeht, die kommen aus Erfahrung zeitverzögert und zeigen sich nicht sofort bei Kriegsbeginn! Dann aber kommt es umso heftiger! Wer also noch Rohstoffe einkaufen will, der sollte es jetzt tun!
Pepe Escobar erwartet einen Ölpreis über 200 USD, wenn die Huthis (die neulich von Saudi-Arabien angegriffen wurden) auch noch das Rote Meer blockieren. Mich wundern die verbliebenen Trump-Fans in Westeuropa.
Hat der Herr was entschlossen getan, dass uns in Westeuropa Klimagedöns erlassen wird? Nein, zusätzlich hat er obendrauf 5% BIP für Soldateska (vorwiegend US-Waffen) aufgeladen.
Die Houtis haben angekündigt, lediglich Schiffen mit US-, Israhell- und Saudi Arabien-Bezug die Durchfahrt zu verwehren. Das wird sich auf den Ölpreis weit weniger auswirken als die Schroedinger-Strait.
Warten wir lieber erst einmal ab, wie lange die Nazionisten es diesmal durchhalten. Auch diese Runde dürfte nicht allzu lange dauern – wenn es nicht gleich der Showdown ist, der die USA aus der Region vertreibt. Ich habe das Gefühl, der Iran wartet gerade auf eine „politische“ Gelegenheit, seine Angriffe auch wieder auf Israhell auszudehnen
Der Iran macht das bislang sehr geschickt und ruft immer offener dazu auf, die Eindringlinge hinaus zu werfen. Im selben Maße, aber UNgeschickt verhält sich die USA und darum wird bald auch der dümmste Sultan begreifen, dass der Wert des Dollars dem Wert der US-Versprechen immer ähnlicher wird – und damit auch der Anreiz auf Bestechung in US$ drastisch sinkt. Man wird sich am Golf sehr bald fragen, wozu tun wir das alles für die USA, wenn die uns nicht nur wie versprochen NICHT beschützen, sondern jetzt auch schon militärischen Schutz von uns verlangen, während sie mit ihren Aktionen den Krieg & Zerstörung verursachen. Was haben die USA, was Russland und China nicht haben? Doch nur noch den Krieg, den man über die ganze Region und auch die ganze Welt verteilt….und was bringen einem all die Bestechungsgelder, wenn die damit gebaute Villa mitten im Kriegsgebiet landet?