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Wirtschaft

Gasknappheit vor dem Winter: Brüssel bemerkt nichts davon

3 Kommentare 27. September 2026 4 Minuten Lesezeit von Dr. Peter F. Mayer

Eine Gasknappheit in der EU im kommenden Winter wird immer wahrscheinlicher. Aus Brüssel gibt es offizielle Beruhigung trotz historisch niedriger Speicherstände. Die Ursachen dafür sind selbstgeschaffen.

Die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten versichern nach dem Treffen der Gas Coordination Group am 24. September 2026, die Gasversorgung bleibe „stabil“ und für den Winter gesichert. Geschützt seien vor allem Haushalte und essenzielle Dienste. Gleichzeitig räumen sie „niedrigere Speicherstände im Vergleich zu historischen Niveaus“ ein und kündigen engmaschiges Monitoring an.

Die Zahlen sprechen eine deutlich klarere Sprache. Laut Daten von Gas Infrastructure Europe (GIE/AGSI+) lagen die EU-Gasspeicher am 23. September 2026 bei rund 70 Prozent. Am 1. September standen sie bei 65,4 Prozent – dem niedrigsten Wert für dieses Datum seit Beginn der Aufzeichnungen 2011. Analysten rechnen damit, dass zu Beginn der Heizsaison allenfalls 70 bis 75 Prozent erreicht werden.

Zum Vergleich: In den Vorjahren lagen die Füllstände zu diesem Zeitpunkt deutlich über 80 bis 90 Prozent. Die Speicher decken üblicherweise 25–30 Prozent des Winterverbrauchs ab. Ein kalter Winter oder weitere Lieferausfälle würden die Puffer rasch aufzehren und die Abhängigkeit von teuren Spotmarkt-Importen erhöhen.

Bei den einigen Ländern sind die Füllstände kritissch: GIE wies am 26. September, 6 Uhr CEST, für die EU 70,62 Prozent aus – 799,12 TWh. Deutschland 57,15 Prozent, Niederlande 57,14, Österreich 67,75, Frankreich 81,97, Italien 86,38. Die Rohdaten: AGSI+.

Die Ursachen: Geopolitik und selbstverschuldete Abhängigkeiten

Der aktuelle Engpass ist kein Naturereignis. Seit dem Beginn des Angriffskriegs der USA gegen den Iran am 28. Februar 2026 sind LNG-Lieferungen durch die Straße von Hormus massiv gestört. Der staatliche katarische Konzern QatarEnergy hält seit März Force Majeure für Lieferungen an europäische Abnehmer aufrecht. Katar zählt zu den wichtigsten LNG-Lieferanten; die Ausfälle treffen Europa spürbar, nachdem russisches Pipeline-Gas durch den von US-Präsident Joe Biden im Beisein von Ex-Bundeskanzler Olaf Scholz angekündigten Terror-Anschlag gegen Nord-Stream weitgehend ausgesperrt wurde.

Brüssel hat die frühere strenge 90-Prozent-Speicherpflicht gelockert. Die geänderte Verordnung (EU) 2025/1733 hält das 90-Prozent-Ziel formal aufrecht, erlaubt aber Erfüllung jederzeit zwischen 1. Oktober und 1. Dezember sowie Abweichungen bei schwierigen Marktbedingungen (bis 10 Prozent, unter Umständen plus weitere 5 Prozent). Im Juli signalisierte die Gas Coordination Group, 80 Prozent reichten aus.

Die Folgen sind bereits am Markt sichtbar: Die Großhandelspreise am niederländischen TTF-Hub stiegen Mitte September über 80 Euro pro Megawattstunde – den höchsten Stand seit drei Jahren. Europäische Verbraucher und Industrie zahlen weiterhin ein Vielfaches der Preise in den USA oder Asien.

Folgen für den Winter und die Bürger

Offizielle Stellen betonen, „geschützte Kunden“ seien abgesichert. Doch bei anhaltend hohen Preisen und knappen Speichern drohen Rationierungen, Produktionskürzungen in der Industrie und weitere Belastungen für Haushalte – besonders in Ländern mit unterdurchschnittlichen Füllständen wie Deutschland. ENTSOG soll am 8. Oktober einen Winter-Outlook vorlegen; ein weiteres Treffen der Coordination Group ist für denselben Tag geplant.

Die Ursachen liegen tiefer: die gezielte Abkehr von russischem Pipeline-Gas, die Forcierung teurer und volatiler LNG-Importe, die ideologisch getriebene Energiewende mit ihren Kapazitätsproblemen und die Weigerung, pragmatische Lieferquellen wieder zu öffnen. Die Kommission treibt gleichzeitig den Ausstieg aus russischem Gas bis 2027 voran und lehnt Rufe nach Wiederaufnahme ab.

Die Bürger sollen beruhigt werden. Die Speicherstände, die Preise und die anhaltenden Lieferstörungen aus dem Golf zeigen jedoch, dass die Versorgungssicherheit auf dünnem Eis steht – und dass die Probleme weitgehend hausgemacht sind. Ob die offizielle „Stabilität“ einen kalten Winter übersteht, wird sich zeigen. Die Monitoring-Versprechen aus Brüssel ändern an den fundamentalen Schwachstellen wenig.

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Bild von Wilfried Pohnke auf Pixabay

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3 Kommentare

  1. local.man
    Antworten

    Wenn da nicht ein Plan dahinter steckt.. Vielleicht soll es eng werden und vielleicht soll ein wenig eine Art Rationierung und Produktionsrückgang ausprobiert werden, wenn dann die Industrie in Teilen runterfährt. Die Folgen werden schon das eigentliche Ziel bedienen.

    Ansonsten kommen Punkte zusammen. Wenn Besitzende per HAARP Anlagen Wetter massiv steuern können sollten, könnte der Winter eh mild oder massiv kalt werden, je nach dem was man haben will.
    Wenn es keine Beeinflussung in dem Maße gibt, ist es ebenso irre nur zu hoffen, dass es nicht so kalt wird.
    Was wenn es in wenigen Wochen auf 0 bis -15 Grad Celsius geht und da 4 Monate bleibt, mit ein paar kurzen Erholungsphasen auf +5 Grad?

    Wenn es nach Hinten zu, dann eng wird, wer wird für den Maximalpreis beim Zukauf zahlen und wer daran verdienen?

    Mir scheint es gibt aktuell schon jetzt auf jeden Fall einen Verlierer.. die Menschen im Land, die diesen Irrsinn ausgesetzt sind und das scheinbar gewollt, oder billigend in Kauf genommen..
    Mal sehen, wie dieser Ritt in die Dystopie weitergehen wird..

  2. Peter Ruzsicska
    Antworten

    … der Gemeine bemerkt es spät, aber immer.

    1. Nurmalso
      Antworten

      Wie jetzt ? Dein Nachbar ?

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