Washington signalisiert: Bombardierung nach den Midterms wieder möglich. Aber die so genannte Diplomatie läuft parallel weiter. Immer noch sind, wie man in Washington so schön sagt „alle Karten auf dem Tisch“. Es scheint, sagen manche Beobachter, es gehe Trump nun darum, keine Lösung der Hormusfrage vor den Midterm-Wahlen zu erlauben, weil jede denkbare Lösung zu herben innenpolitischen Schwierigkeiten führen werde. Die Weltwirtschaft spiele da keine Rolle.
Irans Außenminister Abbas Araghchi hatte am Rande der UN-Generalversammlung in New York einen Sieben-Punkte-Plan präsentiert: Innerhalb von sieben Tagen sollte die Straße von Hormus – durch die rund ein Fünftel der weltweiten Öllieferungen laufen – wieder geöffnet werden, verbunden mit einem Ende der Kampfhandlungen und der Wiederaufnahme von Atomgesprächen. Im Gegenzug forderte Teheran ein Ende dessen, was es als „Akte der Aggression“ bezeichnet, die Aufhebung der US-Seeblockade sowie die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte, wie The Hill berichtete.
Der Plan ähnelt nach Araghchis eigenen Worten stark einer Vereinbarung, die die USA und Iran bereits im Juni geschlossen hatten – die jedoch rasch wieder zerbrach.
Trumps öffentliche Reaktion
Während die Ablehnung zunächst nur über anonyme Quellen kursierte, bestätigte Trump sie am Samstag selbst vor Journalisten im Weißen Haus: „Ich lehne ihren Deal ab.“ Seine Begründung: Iran wolle die Straße sofort öffnen, „weil sie so verheerend verlieren“. Die USA hätten „die totale Kontrolle“ über Hormus, wie die Nachrichtenagentur meldete, und in der vergangenen Nacht seien 29 Schiffe passiert. Bereits am Freitag hatte Trump ein Bild der Straße von Hormus auf Truth Social gepostet und die Wasserstraße schlicht „TRUMP STRAIT“ genannt.
Zugleich wiederholte er seine rote Linie für ein Atomabkommen: „IRAN CAN NOT HAVE A NUCLEAR WEAPON!!!“, schrieb er auf derselben Plattform. Er will also eine offene Tür eintreten, und erreichen, den Iran von etwas abzuhalten, was der Iran gar nicht anstrebt. Fachleute bestätigen unisono, dass der Iran längst in der Lage gewesen wäre, eine Kernwaffe zu entwickeln, wenn der politische Wille dazu bestanden hätte.
Diese Sichtweise deckt sich mit den Analysen westlicher Institutionen. Im Jahresbericht der US-Geheimdienste (Stand September 2026) wird regelmäßig festgehalten, dass der Iran zwar die technischen Hürden (wie die Urananreicherung auf 60 Prozent) fast vollständig gemeistert hat, aber bislang keine politische Entscheidung zum tatsächlichen Bau einer einsatzfähigen Nuklearwaffe getroffen hat.
Was hinter den Kulissen läuft
Trotz der öffentlichen Abfuhr ist der diplomatische Kanal nicht geschlossen. Laut Berichten verhandeln Washington und Teheran über Vermittler weiter – unter anderem über das iranische Atomprogramm. US-Sondergesandter Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner sollen laut New York Times über katarische Vermittlung mit Araghchi zusammengetroffen sein; Außenminister Marco Rubio sprach nach einem rund dreistündigen Treffen von keinem Durchbruch, iranische Vertreter hingegen von „produktiven“ Gesprächen.
Ein von den Amerikanern geführter Konvoi, der Tanker trotz iranischer Drohungen durch die Straße eskortiert, hat laut den Berichten den Handlungsdruck auf Washington zusätzlich gesenkt – ein Faktor, der Trumps Position gegenüber Teheran stärkt, solange der Ölfluss zumindest teilweise gesichert ist.
Der Zeitfaktor Midterms
Der Konflikt begann laut Berichten am 28. Februar mit US- und israelischen Luftangriffen auf Iran und dauert damit bereits sieben Monate. Trump hatte schon zuvor eröffnet, dass er ein Ende „kurz nach den Midterms“ und daraufhin fallende Ölpreise erwarte. Iranischer Präsident Masud Peseschkian wiederum erklärte, Teheran wolle eine Einigung noch vor der Wahl am 3. November – ein Hinweis darauf, dass beide Seiten den Wahltermin als politischen Hebel begreifen: Trump, um eine militärische Eskalation aus innenpolitischen Rücksichten zunächst aufzuschieben; Iran, um möglichen Verhandlungsspielraum vor einem erwarteten härteren Kurs nach der Wahl zu nutzen.
Offiziellen zufolge zögert Trump außerdem, weil das Pentagon Munitionsreserven für andere mögliche Krisenherde zurückhalten möchte – ein rein militärlogistisches Argument, das zeigt, dass die Entscheidung nicht allein politisch, sondern auch ressourcengetrieben ist.
Zusammenfassung
Die Ablehnung des Hormus-Vorschlags markiert keinen Bruch der Verhandlungen, sondern eine Verschiebung der Entscheidung auf einen Zeitpunkt nach dem 3. November. Damit bleibt die Lage in einem Schwebezustand: Die militärische Drohkulisse bleibt bestehen, gleichzeitig laufen Gespräche über Mittelsmänner weiter. Für die Golfstaaten und die globalen Ölmärkte bedeutet das anhaltende Unsicherheit – unabhängig davon, wie die Rhetorik in Washington und Teheran in den kommenden Wochen ausfällt. Schließlich ist die Staatengemeinschaft ganz offensichtlich nicht in der Lage, den unprovozierten Angriffskrieg der USA gegen den Iran zu beenden.
Bild: Screenshot von Video über die Ablehnung Trumps.
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Treffen Iran – USA in New York: Teherans Bedingungen für Wiedereröffnung von Hormus
Verschiebung der Hormus-Friedens-Gespräche
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