Wie die Vogelgrippe genutzt wird, um den Ei-Preis zu treiben

3. Juli 2026von 2,6 Minuten Lesezeit

Seit 2022 steigen die Preise für Eier massiv an. Noch nie war das Ei so teuer. Offiziell wird das mit der Vogelgrippe begründet. Dahinter stecken jedoch vermutlich auch Kartellabsprachen, wie eine Klage aus den USA nahelegt.

Jedes Jahr werden Millionen Legehennen auf staatliche Anordnung hin gekeult. Die Landwirte erhalten dafür eine staatliche Entschädigung. Weltweit wird das Ei immer teurer. Im März 2025 erreichte der Durchschnittspreis pro Dutzend Eier einen Rekord von etwa 6,23 US-Dollar. Für die großen Produzenten scheint sich das jedoch auszuzahlen: Der größte US-Produzent, Cal-Maine Foods (rund 20 % Marktanteil), erzielte 2023 über eine Milliarde Dollar Gewinn. Ähnlich hohe Margen verzeichneten auch andere große Player.

Am 30. Juni 2026 reichte das US-Justizministerium gemeinsam mit 17 Bundesstaaten eine Zivilklage gegen Cal-Maine, Versova und Hickman’s Egg Ranch ein. Der Vorwurf lautete, dass die Unternehmen zwischen Juni 2022 und März 2025 ihre Gebote auf den Spotmärkten koordiniert hatten, um den wichtigen Urner-Barry-Preisindex künstlich nach oben zu treiben. Die Firmen einigten sich auf einen Vergleich: Insgesamt 3,3 Millionen US-Dollar plus die Spende von 53 Millionen Eiern an gemeinnützige Organisationen. Zusätzlich müssen sie Antitrust-Programme einführen

Kritiker sagen: Der Schwindel mit der Vogelgrippe wird genutzt, um massive Gewinnen abzugreifen.

Auch in der EU führt die Vogelgrippe zu immer mehr Keulungen. Allein im Herbst 2025 wurden rund 3.000 Fälle in 29 Ländern gemeldet – ein Rekordwert. Kommt es zu einem positiven Test, müssen in der Regel auch gesunde Tiere im betroffenen Betrieb gekeult werden. Die Folge sind Engpässe und deutlich höhere Preise. EU-Eierpreise lagen zuletzt 37 % über dem Fünfjahresdurchschnitt und stiegen in den letzten sechs Monaten um weitere 12 %. Gleichzeitig stieg die Nachfrage, weil Eier als günstiges Protein gelten – der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland kletterte 2025 auf 252 Eier. Hinzu kommt das geplante EU-weite Verbot der Käfighaltung mit Übergangsfristen.

In einigen Ländern (Niederlande, Frankreich) laufen derzeit Pilotprojekte zur Impfung gegen Vogelgrippe. Im Gegensatz zu den USA gab es in der EU bislang jedoch keine vergleichbaren Kartellverfahren gegen große Eierproduzenten. Allerdings kontrollieren zwei europäische Unternehmen (Hendrix Genetics und Lohmann Breeders) den Großteil der weltweiten Genetik von Legehennen. Das erschwert eine schnelle Aufstockung der Bestände – ein Problem, das auch die US-Industrie trifft.

Zusammengefasst läuft der Ablauf nach Ansicht von Kritikern folgendermaßen ab: Es wird auf Vogelgrippe getestet, anschließend werden Tausende gesunde Hühner gekeult, und kurz darauf kommt es zu überproportionalen Preissteigerungen. Die großen Produzenten verdienen in dieser Phase besonders gut – zusätzlich zur staatlichen Entschädigung für die gekeulten Tiere. In Deutschland liegt der aktuelle Höchstsatz für die Entschädigung bei 110 Euro pro Tier. Diese Regelung gilt seit Oktober 2025 (zuvor waren es 50 Euro). Eine einheitliche Regelung in der gesamten EU gibt es bislang nicht. Branchenverbände und betroffene Betriebe sprechen trotz der Entschädigung weiterhin von Millionenschäden.

Bild „Kruppert Cubalaya-Eier“ by Kruppert is licensed under CC BY-SA 3.0.

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