Pharmakonzerne, Gewinnmaximierung und Gesundheit

31. Juli 2022von 10,1 Minuten Lesezeit

Börsennotierte Konzerne können nur dann überleben, wenn sie ständig hohe und langfristig steigende Gewinne erwirtschaften. Wenn die Gewinne sinken, sinkt der Aktienkurs. Dann droht eine Unternehmensübernahme oder eine Sanierung über Personalabbau, Kostenreduzierung, Betriebsschließungen usw. Sinkende oder gar ausbleibende Gewinne bedrohen die Existenz börsennotierter Unternehmen.

Die Existenzberechtigung börsennotierter Konzerne besteht im Erwirtschaften ständiger hoher und langfristig steigender Gewinne.

Was wäre das Schlimmste, was gewinnmaximierenden Pharmakonzernen passieren könnte? Von Natur aus gesunde Menschen mit natürlicher Immunität ohne Angst.

Das gilt auch für börsennotierte Pharmakonzerne. Sie müssen alles tun, um ständig ihre Gewinne zu maximieren. Was wäre also das Schlimmste, was gewinnmaximierenden Pharmakonzernen passieren könnte? Von Natur aus gesunde Menschen mit natürlicher Immunität ohne Angst vor Krankheit. Daher soll im Folgenden untersucht werden, inwiefern Interessenkonflikte zwischen Gewinnmaximierung und Gesundheit bei Pharmakonzernen existieren.

Die Halbjahreszahlen von Pfizer

Am 28.7.2022 veröffentlichte Pfizer die Zahlen für das zweite Quartal 2022.1 Die Zahlen von Pfizer sind besonders interessant, weil der US-Pharmakonzern den Covid-Impfstoff Comirnaty zusammen mit BioNTech entwickelte und vertreibt.2 Comirnaty ist der am häufigsten verwendetet Corona-Impfstoff in Deutschland: Bis Ende Mai 2022 wurden in Deutschland offiziell insgesamt etwa 180 Millionen Impfungen gegen das Coronavirus (COVID-19) durchgeführt. Davon waren 132,6 Millionen von BioNTech/ Pfizer, also etwa 74 Prozent.3 Die Bruttogewinnmarge wird zwischen den beiden Unternehmen 50/50 geteilt.4

Pfizer erwirtschaftete im ersten Halbjahr 2022 bei einem Umsatz von 53,4 Milliarden US-Dollar (plus 60 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2021) einen Vorsteuergewinn von 20,5 Milliarden Dollar (+62% ggü.Vj.). Nach Steuern betrug der Gewinn 17,8 Milliarden (+70% ggü.Vj.). Impfstoffe, im Wesentlichen Comirnaty, machten 25,3 Milliarden bzw. 47 Prozent des Umsatzes aus. Also knapp die Hälfte des Umsatzes von Pfizer kommt momentan aus den Covid-Impfungen.

Im Gesamtjahr sollen mehr als 50 Prozent des Konzernumsatzes aus Covid-Bekämpfungsmitteln stammen (32 Prozent von Comirnaty und 22 Prozent durch das Medikament Paxlovid).5 Für Marketing, Information und Verwaltung (Selling, Information and Administration, kurz: SI&A) gab Pfizer im ersten Halbjahr 5,6 Milliarden aus, für Forschung und Entwicklung (F&E) 5,1 Milliarden.6

Das ist der bei weitem höchste Gewinn, den Pfizer jemals hatte.

Patienten- versus Aktionärsinteressen

Die Unternehmensmission von Pfizer ist nach eigener Aussage „to bring value to our patients and shareholders”.7 So sollte man meinen, dass Forschungs- und Entwicklungsausgaben für neue Präparate eine stark dominierende Rolle spielen. Denn nur aus F&E-Ausgaben heute können sinnvolle Präparate für morgen entstehen. Das trifft aber interessanterweise nicht zu.

In den ersten sechs Monaten 2022 machten die F&E-Ausgaben weniger als 10 Prozent vom Umsatz aus. Für das Gesamtjahr sind knapp 12 Milliarden F&E vorgesehen bzw. knapp 12 Prozent vom Umsatz. Der Jahresüberschuss (Gewinn nach Steuern) war im ersten Halbjahr dreieinhalb Mal so hoch wie die Ausgaben für F&E. Für das gesamte Jahr schätzt Pfizer den Jahresüberschuss etwa dreimal so hoch ein wie die Investitionen in neue Medikamente: er soll 35 Milliarden Dollar oder 35 Prozent vom Umsatz betragen. Das ist der bei weitem höchste Gewinn, den Pfizer jemals hatte.

Von solchen Gewinnen und insbesondere von solchen Gewinnspannen (Nachsteuergewinn 35 Prozent vom Umsatz) können andere Unternehmen nur träumen. Die Covid-Impfpräparate, auf die der Umsatz- und Gewinnsprung 2021 und 2022 im Wesentlichen zurückgeht, scheinen äußerst lukrativ zu sein. Das zeigt auch der Aktienkurs von Pfizer, der 2021, als die Impfungen hochliefen, einen ziemlichen Jubelsprung machte.8 In diesem Zusammenhang könnte man die Frage stellen, wer die Preise für die Impfpräparate mit welchen Argumenten festlegt. Jedenfalls scheinen Pfizer/ BioNTech bei diesen Verhandlungen nicht am kürzeren Hebel zu sitzen.

Bei der Unternehmens-Mission „Wert zu schaffen für Patienten und Aktionäre“ haben die Aktionäre im ersten Halbjahr offenbar die deutlich besseren Karten gezogen als die Patienten bzw. die öffentliche Hand. Das war auch in den letzten fünf Jahren so. Die Gewinne waren immer erheblich höher als die F&E-Investitionen.9 Die Aktionäre scheinen dem Unternehmen deutlich mehr am Herzen zu liegen als die Patienten.

Das sieht man auch an anderen Zahlen. Im ersten Halbjahr hat Pfizer 4,5 Milliarden Dollar Dividenden ausbezahlt sowie 2 Milliarden Dollar für Aktienrückkäufe aufgewendet.10 Die Aktionäre bekamen netto also 6,5 Milliarden Dollar ausgeschüttet. Das ist deutlich mehr als die gesamten Forschungs- und Entwicklungsausgaben (5,1 Milliarden Dollar) in diesem Zeitraum.

Mehr Werbung oder mehr Forschung?

Auch für Marketing, Information und Verwaltung (SI&A) gibt Pfizer mehr Geld aus als für die Erforschung neuer Medikamente. Das war in der Regel auch in den letzten fünf Jahren so.11 Leider wird in den Zahlen nicht ausgewiesen, wie viel tatsächlich für Werbung und Vertrieb ausgegeben wird und wie viel für Verwaltung. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass der größte Teil auf Marketing inklusive Lobbying entfallen dürfte.12

Gewinn oder Gesundheit?

Diese Zahlen führen zu der grundlegenderen Frage nach dem Interessenkonflikt von Pharmaunternehmen zwischen Gewinnstreben und Gesundheit. Was geschieht, wenn Pharmakonzerne zwischen Gewinn und Gesundheit wählen müssen? Werfen wir dazu einen Blick in die jüngere Wirtschaftsgeschichte.13

Ein gewisses Aufsehen erregte der Fall „Paroxetin“, ein Antidepressivum für Kinder von GlaxoSmithKline (GSK) ab 2004.14 GSK wusste durch interne Studien, dass das Medikament Paroxetin keinen Nutzen bei der Behandlung von Depressionen bei Kindern erbringt. In einem internen Dokument von GSK heißt es: „Es wäre wirtschaftlich inakzeptabel, einen Vermerk über die Unwirksamkeit aufzunehmen, denn das würde das Profil von Paroxetin unterminieren.15 Umgangssprachlich ausgedrückt: Ein Hinweis auf die Wirkungslosigkeit des Medikaments würde die Umsätze – zu Recht – einbrechen lassen. Denn wer gibt seinem Kind schon ein Medikament, von dem der Hersteller selbst sagt, dass es wirkungslos ist? Dennoch wurde Paroxetin allein in Großbritannien ein Jahr nach diesem internen Memo 32.000 Mal an Kinder verschrieben. Auch in insgesamt neun weiteren Studien in den Folgejahren konnte durch GSK keine Wirksamkeit des Medikaments bei Kindern festgestellt werden.16

Doch nicht nur, dass Paroxetin keine Wirkung bei der Behandlung von Depressionen hatte, es hatte besorgniserregende Nebenwirkungen, insbesondere eine Erhöhung der Suizidgefahr, was GSK durch interne Studien wusste, jedoch nicht nach außen mitteilte: „Bei GSK wusste man, dass das Medikament Kindern verschrieben wurde, und man kannte das Risiko, hatte sich jedoch entschieden, diese Information nicht weiterzugeben.17

Peter Gøtzsche berichtete Ähnliches zu dem Medikament Celecoxib von Pfizer, das seiner Ansicht nach erheblich mehr Schaden als Nutzen stiftete und seiner Einschätzung nach viele Leben kostete. So schrieb er in seinem 2013 erschienenen umfangreichen Buch: „Pfizer fuhr damit fort, sein Produkt zu schützen anstatt das Leben der Patienten.“18

Paroxetin und Celecoxib waren sicherlich besonders schlimme Fälle. Allerdings kommen viele unabhängige Forscher, die sich mit der Gesundheitsbranche beschäftigen zu dem Ergebnis, dass Gewinne in der Regel für die Pharmakonzerne oberste Priorität haben und dass man (fast) alles tut, um die Gewinne zu maximieren.

Gewinne und Pharmaforschung

So schrieb Marcia Angell bereits in ihrem 2004 erschienenen Buch The Truth About the Drug Companies. How They Deceive Us and What to Do About It: „Ich wurde Zeuge, wie die Unternehmen im Laufe der Zeit über die Durchführung der Forschung eine Kontrolle gewannen, die am Anfang, als ich neu bei der Zeitschrift war, unerhört gewesen wäre. Immer bestand das Ziel eindeutig darin, die Karten so zu zinken, dass die Produkte des Unternehmens gut aussahen. […] Dies führte unter anderem zu einer immer industriefreundlicheren Ausrichtung in der medizinischen Forschung – also gerade da, wo eine solche Ausrichtung nichts zu suchen hat.19

Sie fährt fort: „Deshalb werden klinische Prüfungen heute von der Pharmaindustrie geplant und von Wissenschaftlern eigentlich nur noch als reine Auftragsarbeit ausgeführt. Dabei ist es gleichgültig, ob die Prüfungen an Lehrkrankenhäusern oder in Arztpraxen stattfinden. Das finanzierende Unternehmen behält die Daten für sich, und bei Studien, an denen mehrere Einrichtungen beteiligt sind, bekommen unter Umständen nicht einmal die Wissenschaftler selbst alle Daten zu sehen.20 Ein Fachausdruck dafür ist Publikations-Bias, einseitige Veröffentlichung von gewinnfördernden Studien.

Marcia Angell ist nicht irgendwer. Sie war bis zum Jahr 2000 Chefredakteurin des New England Journal of Medicine, einer der bedeutendsten medizinischen Fachzeitschriften der Welt, wo sie 20 Jahre arbeitete.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt der britische Arzt Ben Goldacre: „Das bedeutet, die Belege, auf denen unsere Entscheidungen in der Medizin basieren, werden systematisch verfälscht, um den Nutzen der verwendeten Medikamente aufzubauschen. […] Das ist wissenschaftliches Fehlverhalten in großem Stil, auf internationaler Ebene.“21

Gewinne und Marketing

Die Werbeausgaben der Pharmaindustrie sind verblüffend hoch. In der jüngeren Geschichte waren sie normalerweise immer deutlich höher als die Investitionen in Forschung und Entwicklung neuer Medikamente. So kommt Ben Goldacre in seinem 2012 erschienenen umfangreichen, gut recherchierten Buch zu dem Ergebnis: „Ein Viertel der Pharmaausgaben fließt ins Marketing, zweimal so viel wie in Forschung und Entwicklung, und das Geld dafür liefern wir über unsere Medikamente. Wir bezahlen für Arzneimittel den enormen Aufschlag von 25%, damit viele Milliarden Euro jährlich für die Herstellung von Materialien ausgegeben werden können, die Ärzte gezielt verwirren und die evidenzbasierte Medizin untergraben.22

So zahlt etwa Pfizer allein in Österreich 22,7 Millionen Euro an Personen und Organisationen und erhält dafür auch solide Gegenleistungen, wie jeder leicht erkennen kann.

Fazit

Zurück zur Eingangsfrage: Was geschieht, wenn bei börsennotierten Pharmakonzernen Interessenkonflikte zwischen Gewinnmaximierung und Gesundheit vorliegen? Der dänische Medizinforscher Peter Gøtzsche, langjähriger Direktor des Nordic Cochrane Centers sowie Professor für klinisches Forschungsdesign und Analyse an der Universität Kopenhagen gab darauf 2013 folgende Antwort: „Wenn Journalisten mich fragen, was ich von den ethischen Standards der Pharmaindustrie halte, antworte ich oft mit einem Scherz, oder ich sage, ich hätte keine Antwort, weil ich nicht beurteilen könne, was nicht existiert. Der einzige Standard der Branche ist das Geld, und der Wert eines Menschen hängt davon ab, wie viel Geld er einbringt.23

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Referenzen:

4 Pfizer Quartalsbericht Juli 2022, S.7

5 Pfizer Quartalsbericht Juli 2022, S.3f: Guidance für 2022

6 Pfizer Quartalsbericht Juli 2022, S.21

7 Pfizer Quartalsbericht Juli 2022, S.1

10 Pfizer Quartalsbericht Juli 2022, S.5

11 Vgl. Pfizer Annual Report 2020 und 2018. Einzige Ausnahme 2021, als der F&E-Aufwand 13,8 Milliarden betrug und SI&A 12,7 Milliarden (Pfizer Annual Report 2021)

12 Vgl. Angell, Marcia: Der Pharma Bluff. Wie innovativ die Pillenindustrie wirklich ist, KomPart: Bad Homburg 2005 oder Goldacre, Ben: Die Pharma-Lüge. Wie Arzneimittelkonzerne Ärzte irreführen und Patienten schädigen, Kiepenheuer & Witsch: Köln 2013.

13 Vgl. Kreiß, Christian, Gekaufte Forschung – Wissenschaft im Dienst der Konzerne, Europa-Verlag Berlin und München 2015

15 Goldacre a.a.O., S. 89.

16 Goldacre a.a.O., S. 89.

17 Goldacre a.a.O., S. 91.

18 Gøtzsche, Peter C.: Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität. Wie die Pharmaindustrie das Gesundheitswesen korrumpiert, Riva: München 2014, S. 258.

19 Angell a.a.O., S. 29 und S. 35.

20 Vgl. Angell a.a.O., S. 115.

21 Goldacre a.a.O., S. 110.

22 Goldacre S.349

23 Gøtzsche a.a.O., S. 80f.


Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht unsere. Wir veröffentlichen sie aber gerne, um eine vielfältigeres Bild zu geben. Die Leserinnen und Leser dieses Blogs sind auch in der Lage sich selbst ein Bild zu machen.

Prof. Dr. Christian Kreiß, Jahrgang 1962: Studium und Promotion in Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsgeschichte an der LMU München. Neun Jahre Berufstätigkeit als Bankier, davon sieben Jahre als Investment Banker. Seit 2002 Professor an der Hochschule Aalen für Finanzierung und Volkswirtschaftslehre. Homepage www.menschengerechtewirtschaft.de


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11 Kommentare

  1. Andreas I. 1. August 2022 at 16:20Antworten

    Hallo,
    bei Gebrauchsgütern funktioniert Kapitalismus / Gewinnstreben ja ganz gut (bis auf einige „Kleinigkeiten“), aber bei Gesundheit ist Gewinnstreben falsch, der Gesundheitsbereich muss staatlich organisiert werden, einschließlich Medikamentenherstellung.

  2. Pierre 31. Juli 2022 at 21:08Antworten

    In diesem kapitalistischen System ist dieses Verhalten von Pfizer oder anderen Pharmakonzernen völlig normal. Die Leute bei Pfizer sind eben klug genug, um mittels Manipulation, Täuschung und Einflussnahme genau diese Gewinne zu erzielen.
    Es ist ein perfekt kapitalistisch arbeitendes Unternehmen.

    Andere, die noch gewissen Menschenverstand zeigen, oder sich fragen, ob die Kunden bzw. Empfänger einer Leistung zufrieden sind, sind in dem Sinne „schlechte“ Unternehmen.

    Das System bedingt dieses Verhalten. Das System müsste geändert werden. Aber da die Politik das nicht macht, bleibt es so und wird immer schlimmer.

  3. Hans im Glück 31. Juli 2022 at 18:35Antworten

    Ich denke, der Beitrag unterliegt einem grundsätzlichen Mißverständnis darüber, wie Kapitalismus tickt.

    „Was geschieht, wenn bei börsennotierten Pharmakonzernen Interessenkonflikte zwischen Gewinnmaximierung und Gesundheit vorliegen?“

    Pharmakonzerne haben da keinen Interessenkonflikt. Sie haben auch keine Patienten, wie an andrer Stelle geschrieben. Pharmakonzerne haben Kunden.
    Darin unterscheiden sie sich in nichts z.B. von Rüstungsfirmen. Die ganze Kritik ist in meinen Augen eine glatte Themenverfehlung. Und – Nein! Ich bin bei Gott kein Pfizer Fan.
    Aber die berechtigte Kritik ist an die Verantwortlichen zu adressieren. Und das sind in diesem Fall nicht die Firmen, sondern Politik und vollkommen versagende Kontrollinstanzen.

    Hier, bei TPK, wurden Auszüge der Verträge der Pharmakonzerne mit den Regierungen vorgestellt.
    Wenn ich als politisch Verantwortlicher einem Vertrag zustimme, der weder Wirksamkeit des Produkts vorschreibt und zugleich den Hersteller von jeder Haftung für sein Produkt freistellt, dann kann ich nicht hinterher „was für Schurken“ schreien.
    Konzerne, egal welche, bewegen sich in der Regel in dem Rahmen, den Ihnen der Gesetzgeber vorgibt.. Daher kann man Firmen auch keinen Vorwurf machen, wenn sie riesige Beraterstäbe mit nichts anderem als Steueroptimierung beauftragen. Das mag man ja als unmoralisch empfinden, aber in der Wirtschaft ist Moral kein Aspekt.
    Wer nach Moral bei Unternehmen ruft, der hat, sorry, aber das ist meine Meinung, den Kapitalismus nicht verstanden.
    Ich finde das auch nicht großartig, Aber bisher wurden noch keine besseren, funktionieren Modelle erfunden.

    • Fritz Madersbacher 31. Juli 2022 at 22:23Antworten

      @Hans im Glück
      31. Juli 2022 at 18:35
      „Aber bisher wurden noch keine besseren, funktionieren[den] Modelle erfunden“
      Auch der Kapitalismus (wie jede andere „ökonomische Struktur“) wurde nicht erfunden, sondern seine Anfänge haben sich in „reichsunabhängigen“ spätmittelalterlichen Städten, vornehmlich in Italien (z.B. Pisa, Genua, Florenz, Venedig) und Burgund/Flandern (Gent, Brügge etc.) entfaltet und später in ganz Europa (England, später Frankreich) in Nachbarschaft zu und allmählicher Überwindung der vorhandenen feudalen Strukturen zur dominierenden Wirtschaftsform entwickelt. Da wir es nicht anders gelernt haben, glauben wir, Kapitalismus ist eine Erfindung oder Kapitalismus hat es immer gegeben oder Kapitalismus ist das A(lpha) und O(mega) der geschichtlichen Entwicklung. Das A ist er sicher nicht, wie der Artikel kürzlich über indigene Völker (in Nordamerika) gezeigt hat, das O wird er halt auch nicht bleiben, wie die durch ihn verursachten immer menschenfeindlicheren Zustände signalisieren.
      „Aber die berechtigte Kritik ist an die Verantwortlichen zu adressieren. Und das sind in diesem Fall nicht die Firmen, sondern Politik und vollkommen versagende Kontrollinstanzen“
      Daran sieht man eben, wer in Politik und Kontrollinstanzen das Sagen hat (wieder ein Hinweis auf die Funktionsweise von Kapitalismus). Zugleich zeigt das auch – wenn man so will – unser eigenes Versagen, weil die „Verantwortlichen“ sich in unseren „repräsentativen Demokraturen“ bequem auf die Legitimation durch ihre Wähler/-innen berufen können. Wir können uns tatsächlich nicht aus einer gewissen Mitverantwortung herausreden, und so beißt sich die Katze ständig von Neuem in den eigenen Schwanz …

    • Andreas I. 1. August 2022 at 17:11Antworten

      Hallo,
      für mich ist das Dogmatismus, der mir irgendwoher bekannt vorkommt. Nämlich in meiner Jugend in der DDR bekam ich noch mit, welche Auswirkungen es hatte, dass Handwerker und Bauern in zentralistisch von der Partei gelenkte Genossenschaften gedrängt wurden. Es musste eben alles „sozialistisch“ sein, nichts dürfte privat sein, Dogmatismus.
      Und seit 1990 bekomme ich mit, welche Auswirkungen es hat, dass Gesundheitsversorgung, Wohnen und einiges mehr unbedingt privatwirtschaftlich und gewinnorientiert sein muss, nichts darf staatlich sein, Dogmatismus.
      Mir wäre ja Pragmatismus lieber, aber vielleicht befinde ich mich damit mal wieder in einer Minderheit.

  4. Jo Ne 31. Juli 2022 at 15:13Antworten

    Herr Kreiß bringt es sehr gut auf den Punkt, auch für Menschen welche die Aussagen in einer Bilanz nicht so gut durchdringen können.
    Dennoch meinen größere Unternehmen welche Anteile halten, auch in D, noch vor den anderen bei Gefahr nicht nur den Notausgang zu erreichen sondern auch noch durchzukommen!
    Warten wir es ab!

  5. audiatur et altera pars 31. Juli 2022 at 12:25Antworten

    „Sinkende oder gar ausbleibende Gewinne bedrohen die Existenz börsennotierter Unternehmen.“

    Echt jetzt? Bedrohen sinkende und ausbleibende Gewinne die Existenz nicht börsennotierter Unternehmen nicht?

    Was ist der eigentliche Unterschied zwischen „Pfizer“ und sagen wir einem klassischen „familiengeführten“ Unternehmen*? Mir scheint, es sind die mit Überlebenswillen ausgestatteten natürlichen Personen, die hinter der juristischen Person stehen. Egal, ob die aktuellen Pfizer-Investoren und Manager künftig auf Alcatraz, Madeira, St. Helena oder sonstwo sitzen: Das Fortbestehen von „Pfizer“ wird sie wohl kaum weiter kümmern. Als sie es aktuell kümmert?

    *Aktuelle Empfehlung für Kinogänger:
    El buen patrón, „Der perfekte Chef“ mit dem Schauspielvirtuosen Javier Bardem. Nicht nur lustig, sondern auch weise. Nebenbei mit einem der treffendst dargestellten Revolutionäre der Kinogeschichte ;-)

  6. Muckel 31. Juli 2022 at 11:19Antworten

    Gewinne machen und darum geht es nur. Joe Biden ist erneut positiv auf das Coronavirus getestet worden. Er habe sich ein weiteres Mal infiziert. Sein Arzt und die Erklärung nach einer Behandlung mit dem Covid-Medikament Paxlovid eine erneute Infektion auftreten kann.
    Sorry, weder mein Onkel noch jene die ich kenne sind mit diesem Medikament behandelt worden und leiden unter Nebenwirkungen und nun infizieren sie sich leichter als vor der Spritze.
    Wenn dem so wäre dann müssten alle bisherigen Bürger damit behandelt worden sein, was kaum möglich ist. Normalos kurieren ihre Infektion Daheim ohne Medikamente aus. Soweit mir bekannt.
    Was will man uns schon wieder verkaufen? Mist und sonst gar nichts.

  7. Ben 31. Juli 2022 at 10:56Antworten

    «Gesunde Menschen sind schlecht für Pharmafirmen»

    «Lohnt es sich, Menschen zu heilen?», fragen Investoren von Goldman Sachs.
    Die Pharmaindustrie brauche möglichst viele Kranke……
    ..Damit Pharmakonzerne auch noch in absehbarer Zukunft genügend Patientinnen und Patienten haben, rät ihnen das Memo des Investmentkonzerns Goldman Sachs Folgendes:…..

    «Sucht grosse Märkte» – das heisst Krankheiten, die sich in Regionen mit genügend Kaufkraft ausbreiten.

    «Schafft Medikamente für Krankheiten, die bereits heute häufig auftreten» – vor allem solche, die ständige schlimme Beschwerden auslösen.

    «Konstante Innovationen und Erweiterungen des Angebots» – es gebe noch hunderte von Krankheiten, aus denen man Erträge und Gewinne generieren könne.

    Quelle:
    https:// http://www.infosperber. ch/ wirtschaft/ konzerne/gesunde-menschen-sind-schlecht-fuer-pharmafirmen/

    Staatlich geförderte Gewinnmaximierung……: >)

  8. Fritz Madersbacher 31. Juli 2022 at 10:49Antworten

    „Was wäre das Schlimmste, was gewinnmaximierenden Pharmakonzernen passieren könnte? Von Natur aus gesunde Menschen mit natürlicher Immunität ohne Angst“
    Früher galt jemand als gesund bis zum Beweis des Gegenteils, heute gilt jemand als (asymptomatisch) krank bis zum Beweis des Gegenteils.
    „Immer bestand das Ziel eindeutig darin, die Karten so zu zinken, dass die Produkte des Unternehmens gut aussahen. […] Dies führte unter anderem zu einer immer industriefreundlicheren Ausrichtung in der medizinischen Forschung – also gerade da, wo eine solche Ausrichtung nichts zu suchen hat“
    Am Ende steht dann der „Konsens der Wissenschaft“, der dann mit entsprechender finanzieller ‚power‘ auch in Politik und Medien durchgesetzt und allen aufoktryiert wird: „Die Werbeausgaben der Pharmaindustrie sind verblüffend hoch. In der jüngeren Geschichte waren sie normalerweise immer deutlich höher als die Investitionen in Forschung und Entwicklung neuer Medikamente“
    Die für die Pharma-Konzerne einträgliche Schwindelpandemie hat alles auf die Spitze getrieben und dadurch deutlich gemacht: „Der einzige Standard der Branche ist das Geld, und der Wert eines Menschen hängt davon ab, wie viel Geld er einbringt“
    Wichtiger Artikel, danke!!!

  9. Saskia Th 31. Juli 2022 at 10:48Antworten

    Der Gewinn von 17,8 Milliarden ungerechtfertigt und für was, bleibt die Frage. Denn die Plörre hat nichts gebracht und wir sind im gleichen Zustand. Nach Corona die Affenpocken und was noch? Die Gentherapie scheint alle Viren aud dem Dornröschenschlaf aufzuwecken. Mein Arbeitskollege hat sich zum 3. Mal infiziert und die Impfung ihn geschwächt. Hoffentlich überlebt er die nächste Infektion, denn zwei im meinem Umfeld sind nach der vierten Infektion umgefallen. Tot. Heftig. Beunruhigend.

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