Sieg der extremen Mitte: WEF und Brüssel gewinnen mit Macron

26. April 2022von 3.3 Minuten Lesezeit

Der Präsident der Reichen bleibt in Frankreich an der Macht. Emmanuel Macron hat es geschafft. Der „Status quo“ bleibt  bestehen, die Politik für die Konzerne und gegen die Menschen kann weitergehen. 

Die „extreme Mitte“ hatte bereits glorreichere Tage, doch sie gewinnt wieder: Der autoritäre Emmanuel Macron bleibt Präsident von Frankreich. Er schafft die Wiederwahl, was seit Jacques Chirac keiner mehr erreicht hat.

Macrons Macht

Die Bilanz seiner ersten fünf Jahre: Gnadenlose Privatisierung, kompromisslose Digitalisierung, Vernichtung der öffentlichen Sektoren wie Bildung und Gesundheit bei gleichzeitiger Aufrüstung der Polizei und der Sicherheitskräfte. Das Steuergeld jener, die sich täglich um sieben Uhr zur Arbeit schleppen, ging an McKinsey und die Großkonzerne. Proteste wurden eiskalt niedergeschlagen: Dutzende Arbeiter, die von Gummigeschoßen der Polizei erblindet sind, sind das Ergebnis der „Gelbwesten“-Proteste.

Doch die Finanzmärkte, die setzen auf Macron, wie die deutsche „Tagesschau“ wenige Tage vor der Wahl seinem Publikum weitergegeben hat. Als würde man das nicht wissen. Jeder weiß mittlerweile, wofür Macron steht, trotzdem konnte er erneut siegen und der Mainstream war erleichtert. Er habe jetzt ein gespaltenes Land zu vereinen, heißt es da wieder einmal. So wie damals bei van der Bellen, wie bei Joe Biden. Macron wird weiter polarisieren, er wird weiter Pensionen kürzen und das öffentliche System vernichten.

Macron steht für den „Status quo“ der gesellschaftlichen Ordnung, der sich seit dem Ende des Kalten Krieges entwickelt hat und ab der Finanzkrise 2008 immer rücksichtsloser, aber dennoch weiterhin schleichend und verdeckt einen gesellschaftlichen Ausgleich zwischen den Klassen und Schichten aufkündigt. Es ist die Gesellschaft der Reichen der westlichen Oligarchen. Macron ist ihr Präsident und getragen werden sie von der verbliebenen Mittel- und Oberschicht, von jenen, die sich den Sprit um zwei Euro und das Brot um fünf Euro leisten können.

Arm gegen Reich

Nur ein Drittel der Arbeiter wählte Macron und die ärmsten Franzosen, jene, die weniger als 1.250 Euro monatlich haben, entschieden sich ebenfalls für Le Pen. Sie wissen wohl schon, dass es unter Macron noch schlimmer werden wird. Dann die Überseegebiete: In Guadaloupe wählte die mehrheitlich schwarze Bevölkerung zu 70 Prozent Le Pen. Vor einigen Monaten kam es auf den Inseln zu Revolten, die Leute gingen aufgrund von Macrons Covid-Politik zum offenen Aufstand über.

Wie es bei Wahlen in unserer Zeit so ist, machen auch Gerüchte um Wahlbetrug bereits die Runde. Auf „France 2“ hatte Le Pen laut Stand der Auszählung gegen 21 Uhr etwa 14,5 Millionen Stimmen, Macron 200.000 weniger. Für den Moderator war das nicht ungewöhnlich, die Städte würden eben später ausgezählt werden, die Hochrechnung hatte Macron bei 58 Prozent. Im endgültigen Wahlergebnis kommt Le Pen aber auf 13,2 Millionen Stimmen – um 1,1 Millionen weniger. Die Verliererin hat sich noch nicht dazu geäußert. Es wird aber nicht viel mehr als ein Aufreger im oppositionellen Lager werden.

Es ist auch kaum zu glauben, dass dies mehr als ein technischer Fehler gewesen ist. Doch es ist Ausdruck der gesellschaftlichen Spannung, dass diese Szene für große Aufregung sorgt. Macron bleibt der meistgehasste Präsident der fünften Republik. Trotz seiner Wiederwahl.

Die Mehrheit hat Macron nicht hinter sich. Jene, die die Wahl boykottiert haben, kämen auf 36 Prozent. Würden sie gezählt werden, wären sie nur ein Prozent hinter Macron. Schon am Wahlabend kam es zu Protesten und zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Dem Mainstream der „extremen Mitte“ war das keine Zeile wert. Er „atmete“ währenddessen „auf“, wie man überall lesen konnte. „Europa atmet auf“, meinten etwa Pamela Rendi-Wagner und die „Kleine Zeitung“ wortgleich. Da war schon wieder Tränengas in den Straßen französischer Städte zu riechen.

Bild wikimedia

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14 Kommentare

  1. Klaus C. 27. April 2022 at 20:48Antworten

    Es fällt immer schwerer, den Glauben an die korrekte Durchführung von Wahlen in der westlichen Welt zu erhalten. Ja,klar, jeder hat Rainer Mausfeld gelesen und weiß, wie Wahlen durch die MSM in die „richtige“ Richtung gelenkt werden können. Aber so massiv? Da quälen die Regierungen über Jahre, geradezu sadistisch ihre Bevölkerung, bringen sie mit Spritzen um, schädigen und töten ihre Kinder belügen sie von morgens bis abends in Bezug auf eine sog. Pandemie, auf Fallzahlen, Todesfällen, Inzidenzen etc.Plündern geradezu den Mittelstand 8der dazu noch am ehesten wählen geht), agieren also über Jahre immer und bei jeder Gelegenheit GEGEN ihre Klientel…und werden in allen Ländern wiedergewählt. Anders ausgedrückt, irgendwo hört Manipulation auf und fängt Dummheit an, denn mittlerweile ist der Raubbau an der Gesellschaft von Macron und Co. derart massiv, dass alles andere nur besser sein kann. Man muss schon sehr naiv sein da noch an korrekte Wahlen zu glauben. Das entbehrt einfach jeglicher Logik.

  2. Al 27. April 2022 at 7:59Antworten

    Leider kann ich inzwischen nicht einmal mehr Wahlergebnissen trauen. Wer ohne Seuchen-Not eine „Pandemie“ ausruft, Menschen gezielt und geplant ängstigt, unwürdigen, unsinnigen Maßnahmen zwangsunterwirft, und dann schließlich giftige Injektions-Stoffe verteilt und Druck auf die Unwilligen ausübt, der fälscht auch Umfragen und Wahlen.

    „Es ist auch kaum zu glauben, dass dies mehr als ein technischer Fehler gewesen ist.“ Freilich. Nur fallen diese „technischen Fehler“ komischerweise immer grundsätzlich Zugunsten der NATO- und WEF-Kandidaten aus …

  3. Hanna 27. April 2022 at 0:20Antworten

    Une révolution en marche?

    Interessanterweise ist es ein auf Europa spezialisierter Wissenschafter aus China – und zwar einer, der dem chinesischen Machtzentrum recht nahe steht –, der nach MACRONs Wahlsieg in der nationalistischen Zeitung ‚Huanqiu Shibao‘ prognostiziert:

    – »In Frankreich wird früher oder später eine Revolution ausbrechen.«

    Wang YIWEI ist Vizepräsident des XI JINPING ECONOMIC THOUGHT RESEARCH CENTER – ein Institut, das sich dem Studium der Wirtschaftstheorien des chinesischen Präsidenten widmet –, und auch Direktor des EU-Forschungszentrums.

    YIWEI, Professor für internationale Beziehungen an der Renmin University of China in Peking, meinte nun im chinesischen Zeitungsartikel, in Frankreich gebe es

    – »eine tiefe revolutionäre Tradition« und hätten »die Einheimischen (…) anti-elitäre, anti-etablierte politische Neigungen», denn »ihrer Meinung nach geht es bei dieser Wahl nicht nur um die zukünftige Ausrichtung Frankreichs, sondern auch um die Zukunft Europas«.

    Der chinesische Wissenschafter geht davon aus, daß sich in Frankreich eine Revolution vorbereite, weil

    – »die traditionellen französischen Parteien, die Republikaner und die Sozialistische Partei, zusammen weniger als 7 % ausmachen, während die extreme Rechte, zu der Marine LE PEN und Éric ZEMMOUR gehören, im ersten Wahlgang mehr als 30 % der Stimmen gewonnen hat.«

    Quelle:
    https://www.francesoir.fr/politique-france/revolution-francaise-tot-ou-tard-chercheur-chinois – 26. April

    YIWEI sagt voraus, »Früher oder später wird eine Revolution in Frankreich ausbrechen, das ist eine Frage der Zeit.«

    Die Frage ist, ob und in welchem Zeitrahmen sich die chinesische Prognose bewahrheitet …

  4. Dr. Rolf Lindner 26. April 2022 at 22:13Antworten

    KLEINE LEUTE

    Was ist der Unterschied zum Tier?
    Nur beim Mensch gibt es die Gier.
    Was wir bei Tieren finden hässlich,
    steigert manch Mensch bis unermesslich.

    Nicht nur die Gier nach Gut und Geld,
    ist es, was manche Menschen quält.
    Gut und Geld zählen oft nicht,
    für die, die sind auf Macht erpicht.

    Beim Tier wird Chef in Schwarm und Rudel
    bekanntlich nicht der kleinste Pudel.
    Nach dem Stärksten sich verzehren,
    die Weibchen, um sich zu vermehren.

    Beim Menschen sind’s oft kleine Leute,
    die machen sich die Macht zur Beute.
    Schaut man sich um unter den Bossen,
    sind selten in die Höh‘ geschossen.

    Wie kamen die denn auf den Thron,
    ob Wladimir und Napoleon,
    ob Erich, Oskar, Gerhard, Adolf,
    steckte in denen doch ein Wehrwolf?

    Im Unterschied zu allen Tieren
    kann Körpergröße kompensieren
    nur der Mensch durch Wort und Streben,
    sich über and’re zu erheben.

    Oft gehen dann, die nicht sehr groß,
    wie Böcke aufeinander los.
    Haben sie erst dazu die Macht,
    es zwischen Völkerscharen kracht.

    So sind es jetzt in uns’ren Tagen
    auch Kleine, die die Menschen plagen.
    Sind es nicht nur Macron und Putin,
    herrscht ein Kleiner auch in Berlin.

    So lerne man aus der Geschichte,
    von Macht fern halte man die Wichte.
    Gefahr besteht, wenn die regieren,
    dass viele ihr Leben verlieren.

    Das Streben von so kleinen Leuten
    kann man auf and’re Art ausbeuten.
    Wer war intelligent wie keiner?
    Auch Albert Einstein war ein Kleiner.

    Sind sie dazu auserkoren,
    zu werden kluge Professoren,
    wenn einer nichts vom and’ren hält,
    kostet’s nur unser Steuergeld.

    • I.B. 27. April 2022 at 10:16Antworten

      „Was ist der Unterschied zum Tier?
      Nur beim Mensch gibt es die Gier.“

      Haben Sie eigentlich nie zB Amseln und Tauben beim Futterhäuschen zugesehen? Wie sie oft andere – kleinere – Vögel verscheuchen und beinahe selbst gar nicht zum Futterpicken kommen?

  5. Unar 26. April 2022 at 13:50Antworten

    Wirklich verzwickte Mühle. Europa atmet auf und hat wieder Schwein gehabt. Zumindest die für vier Jahre wenn nicht einer durchdreht, sagt mein Vater. Ich weiß nicht wie unsere Welt in Frieden und Sicherheit leben kann. Jedenfalls nicht mit solchen Politikern die ein riesiges Ego vor sich herschieben und ihre Aufgaben total verfehlen. Das macht mir große Sorgen.

  6. A. O. 26. April 2022 at 13:41Antworten

    Wenn nicht einmal der Spruch sich zur Wahrheit entwickelt: Stell dir vor es ist Wahlen und keiner geht hin.
    Genau gleiches wünsche ich mir im Fall Krieg.
    Alle Karten wurden schlecht gemischt.

  7. Sander 26. April 2022 at 13:05Antworten

    Bei Wahlen bekommt man nicht immer das serviert um eine Entscheidung zu treffen. Bei der Stichwahl muss (muss man nicht) zwischen Pest und Cholera entscheiden. Politiker werden immer unbrauchbarer.

  8. Franz Fiala 26. April 2022 at 11:37Antworten

    Ich glaube nicht, dass der „Status quo“ bestehen bleibt. Denn erstens, hat Le Pen ein deutlich besseres Ergebnis als 2017 erreicht (trotz Zemour) und auch Mélenchon hat erstaunlich gut abgeschnitten. Zweitens, haben viele nicht für Macron, sondern gegen Le Pen gestimmt. Drittens, kommen noch die Parlamentswahlen – da werden die Karten neu gemischt und die Partei Macrons wird aller Voraussicht nach baden gehen. Es wird vermutlich sehr schwer für ihn werden, eine handlungsfähige Mehrheit um sich zu scharen. Die Ereignisse in der Wahlnacht deuten in Richtung weiter zunehmender Polarisierung. Jedenfalls wird Macron deutlich geschwächt.

  9. Pfeiffer C. 26. April 2022 at 10:49Antworten

    Die Stichwahl-Macronwähler haben die Krot geschluckt und „Europa ist erleichtert“ – um damit die pöse rechtspopulistische Le Pen verhindert, verbessere, der punzierte Rechtspopulismus besiegt?

    Macron ist ein extrem autoritärer, elitärer, neoliberaler Extremkapitalist, Ex-Banker und Global Young Leader des World Economic Forums. Was genau ist an dem nicht rechtsextrem?

    „Europa ist erleichtert“: die EU, namentlich all ihre transatlantisch ferngesteuerten Totalversager, inklusive die bürgerfernen & konzernnahen Politführungskräfte der Mitgliedsländer. Dieses in seiner Selbstdarstellung friedlich / demokratisch / freie superpersilsaubere Europa stellt sich erst gar nicht die Frage, warum in Frankreich, das sich als Vorreiter demokratischer Werte begreift, 28,1 Prozent erst gar nicht zur Wahl gehen, 6,35 Prozent einen leeren stimmzettel abgeben und 2,25 Prozent einen ungültigen.

    Weil all den europäischen Politfunktionsträgern die europäischen „Max Mustermanns“ scheißegal sind, ja, kein so schönes Bild für die penetrant sakralinszeniert posende Pathosqueen VdL: Bildlich auf „die da unten“ zu scheißen.

    Weil die EU indikativ das neoliberale Projekt der oberen 10%, das Rollfeld der Konzerne (hochaktuell Pharma & Rüstung) unseren einst schönen, prosperierenden, lebenswerten Kontinent Stück für Stück Richtung Abgrund schiebt.

    Entschuldigung für den kleinen Side-kick, aber das muss manchmal einfach heraus!

    Zurück zu Macron (den der mittlerweile zum Revolverblatt mutierten Standard nach wie vor – analog 2017/schöne Grüsse, Herr Brändle – mit Heiligenschein und Jesuslatschen milde & volksverbunden über alle Wasser der Welt laufen läßt):

    Erinnerung an den „gemäßigten“ Macron, den aktuellen, europäischen Hoffnungsträger (niemand fragt warum):

    Bei unzähligen sozialbasierten Gelbwestenprotesten in Paris und im französischen Anderswo wurden unbewaffnete Zivilisten von paramilitärisch ausgerüsteten/organisierten/agierenden Sondereinheiten in sonder Zahl um ihr Leben gebracht oder schwerst – oft lebenszeitnachwirkend (Augen durch Gummigeschoße, Hände durch TNT Blendgranaten) – verletzt, verprügelt, gedemütigt – eine 85jährige Frau wurde sogar in ihrer Wohnung durch eine hereinfliegende Polizeigranate getötet.

    Wer verantwortete die „gemäßigte“ Einsatzdoktrin?

    Spiegelbild unserer Epoche:

    Atomkraftwerke grün, schwere Waffen grüne Friedensstifterlösungen und Corona durch die Impfung besiegt, paramilitärische Staatsgewalt gemäßigt…

    Schlafen Sie gut, George Orwell?

  10. I.B. 26. April 2022 at 10:32Antworten

    „„Europa atmet auf“, meinten etwa Pamela Rendi-Wagner und die „Kleine Zeitung“ wortgleich.“

    Hat nicht laut Christiane Hörbiger auch Österreich aufgeatmet, als Sebastian Kurz BK wurde? So ähnlich jedenfalls habe ich ihre Lobpreisung in Erinnerung.

  11. anamcara 26. April 2022 at 9:56Antworten

    Die „Großen und Guten“ der westlichen Welt sind erfreut und erleichtert.

    Der ukrainische Präsident Wolodymyr Zelensky gratulierte seinem französischen Amtskollegen Emmanuel Macron, „einem wahren Freund der Ukraine“, zur Wiederwahl.
    „Ich bin davon überzeugt, dass wir gemeinsam zu neuen Erfolgen kommen.
    Auf dem Weg zu einem starken und geeinten Europa!“ tweetete Zelensky.

    Der Präsident des Europäischen Rates, Charles Michel, und die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen applaudierten Macron und verbanden die Wiederwahl des 44-Jährigen mit der Zukunft der Union. „In dieser turbulenten Zeit brauchen wir ein solides Europa und ein Frankreich, das sich voll und ganz für eine souveräne und strategische Europäische Union einsetzt“, schrieb Michel auf Twitter.

    „Gemeinsam werden wir Frankreich und Europa voranbringen“, fügte von der Leyen hinzu.

    Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz war einer der ersten Staats- und Regierungschefs, die Macron gratulierten.
    Er sagte, das Wahlergebnis sei ein „starkes Bekenntnis zu Europa“, während der italienische Premierminister Mario Draghi das Ergebnis als „wunderbare Nachricht“ für den gesamten Kontinent bezeichnete.

    Laut „Le Monde“ wird der französische Präsident nach Berlin reisen, um Scholz zu seinem ersten Besuch nach der Wahl zu treffen, wie er es bereits 2017 getan hat.

    Macron hat ohne zu zögern erklärt, dass er alle erforderlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Ausbreitung von Covid-19 wiederaufnehmen wird.
    Auch hat er soeben hat er die Lieferung schwerer, hochmoderner Artillerie an die ukrainische Front gegen Russland genehmigt.

    Die wahren Verlierer dieser Wahl sind nicht Le Pen oder Zemmour oder Mélenchon, sondern die große Mehrheit der einfachen Menschen, die Macrons Technokratie satthaben.

  12. Jens Tiefschneider 26. April 2022 at 9:34Antworten

    Die Franzosen haben sich schlussendlich gegen Le Pen entschieden, wegen ihrer ablehnenden Haltung zur EU. Sie ziehen einen totalitären Dogmatiker einer EU-Kritikerin vor, weil sie sich von dem Konstrukt EU Vorteile versprechen. Dass die EU total korrumpiert ist, scheint sie dabei nicht zu stören. Ich hatte gerade von den Franzosen deutlich mehr Bewusstsein fürs Ganze erwartet.

    • Rosa 26. April 2022 at 22:40Antworten

      1789 waren die Mittel der Wahl des französischen Volkes, jedenfalls eines Teiles davon, nicht gerade zimperlich, um den König zu stürzen, die Entourage, und die Günstlinge, und adelige Landherrschaften und Ausbeuter, und das gesamte System quasi mit Mühlsteinen in der Seine zu versenken.

      Macron fühlt sich erhaben, agiert dominant, nicht souverän, eher comme un roi de notre temps, nicht für, sondern gegen die Bevölkerung. Aber das kennen wir ja auch in Österreich und Deutschland und vielen anderen europäischen Nationen. Hierzulande, in der Alpenrepublik, steht unserem Präsidenten zwar nicht die üppige Machtfülle des französischen Kollegen zur Verfügung, in Zusammenarbeit (statt in Kontrolle) mit der Regierung ist in der Hofburg und am Ballhausplatz dennoch ein ähnlich volksfernes System aktiv.

      Damals in Frankreich, beginnend mit dem Sturm auf die Bastille, hat das Auflehnen des Volkes gegen den feudal-absolutistischen Ständestaat in einer völligen Neuordnung Europas geendet. Die Franzosen von heute haben es nicht geschafft, mit legalen Mitteln der (hoffentlich freien) Wahl eine Umkehr der für einen großen Teil der Bevölkerung Frankreichs schwierigen, zunehmend betrüblicher werdenden Verhältnisse umzukehren.

      Der Sonnenkönig namens Emmanuel sitzt wieder fest zu Rosse. Der König ist tot, es lebe der König. Quel dommage.

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