Skip to content
Politik

Donald Trump kauft Diesel aus Russland, die EU Freiheitsdiesel aus USA?

2 Kommentare 10. Oktober 2026 5 Minuten Lesezeit von Jochen Mitschka

Donald Trump führt wieder einmal die EU-Politik mit einem Ring in der Nase vor. Zuerst drängen die USA mit Androhung von Sekundärsanktionen die EU-Länder zu immer mehr Sanktionen (bis die im vorauseilenden Gehorsam überholen), dann verkaufen sie genau die Energieprodukte Russlands mit einem Aufschlag an die EU-„Partner“?

Am Freitag verkündete Donald Trump nach einem Telefonat mit Wladimir Putin einen Deal, der in Brüssel und Berlin für Schnappatmung sorgen dürfte. Russland liefert sofort mehr als 300.000 Tonnen Diesel für den amerikanischen und den Weltmarkt, im November kommen 500.000 Tonnen dazu. Danach sollen noch deutlich größere Mengen folgen. Die Berichte nennen dafür bis zu drei Millionen Tonnen, bei den Zahlen gibt es Abweichungen. Das US-Finanzministerium stellte dafür eine befristete Ausnahme von den Russland-Sanktionen aus. Der Grund: Die Spritpreise sind hoch, und in weniger als einem Monat sind Midterms. Von Sanktionen oder dem Ukraine-Krieg sprach Trump dabei nicht, wie Euronews berichtet.

Der Sanktionsmeister kauft ein

Besonders pikant ist der Zeitpunkt. Trump hatte vor etwa einem Monat ein Gesetz unterzeichnet, das Zölle gegen die größten Käufer russischer Energie ermöglicht. Der Demokrat Gregory Meeks fasste den Widerspruch so zusammen: Wenige Wochen nach dem Sanktionsgesetz kündigt Trump an, dass die USA genau das kaufen. In Kiew ist man empört, in Moskau erfreut. Kirill Dmitrijew, Putins Gesandter, lobte die Kooperation bei Diesel und Energie als Gewinn für die Welt.

Die EU hingegen soll bei ihrem Kurs bleiben. Importverbote und Preisdeckel gelten weiter. Dabei hatte Trump die Europäer zuvor immer wieder gedrängt, ihre Käufe einzustellen. Bei einem Treffen der „Koalition der Willigen“ verlangte er laut Reuters, Europa müsse aufhören, russisches Öl zu kaufen, weil es den Krieg finanziere. Die EU-Kommission will die russischen Öl- und Gasimporte bis 1. Januar 2028 beenden. Der Anteil Russlands an den EU-Ölimporten sank von knapp 24 Prozent bei Kriegsbeginn auf unter drei Prozent. Bei Diesel war es drastischer: Vor den Sanktionen kamen 53 Prozent der Seeimporte Nordwesteuropas aus Russland, nach dem Embargo im Februar 2023 noch zwei Prozent. Europa musste sich Ersatz in Indien, China und Südkorea suchen, also über weitere (Um)Wege und zu volatileren Preisen.

Die Erpressung von letzter Woche

Wie sehr Washington Europa dabei als Reservoir betrachtet, zeigte sich erst vergangene Woche. Die USA verlangten von Europa die Freigabe von Dieselreserven, andernfalls drohte ein amerikanischer Exportstopp. Nach Reuters-Informationen ging es um 100 Millionen Barrel binnen 20 Tagen. Macron brachte als Antwort 50 Millionen Barrel ins Spiel, geknüpft an die Bedingung, dass die USA auf ein einseitiges Exportverbot verzichten. Hinter den Kulissen war der Ärger groß. Laut Politico, zitiert von t-online, sprach ein Europäer von „Erpressung“, Beamte sahen ein Sicherheitsrisiko.

Die Spekulation, die EU könne künftig US-Diesel mit Aufschlag kaufen, ist bisher nicht belegt. Aber sie ist nicht aus der Luft gegriffen. Europa hat sich im Handelsabkommen vom Sommer 2025 zu US-Energiekäufen in Höhe von 750 Milliarden Dollar verpflichtet. Und es wird gerade vorgeführt, wer den Hahn bei Diesel kontrolliert.

Und Nord Stream?

Seymour Hersh behauptete im Februar 2023, US-Marinetaucher hätten die Pipelines gesprengt, Norwegen habe geholfen, Biden sei im Bilde gewesen. Er stützte sich auf eine einzige anonyme Quelle, die CIA wies das als „völlig falsch“ zurück. Das Motiv hätte Biden selbst geliefert: Wenige Wochen vor dem Einmarsch sagte er, dann werde es kein Nord Stream 2 mehr geben. Gleichzeitig laufen die deutschen Ermittlungen in eine andere Richtung. Die Bundesanwaltschaft hat im Juni 2026 Anklage gegen den Ukrainer Serhij K. erhoben, im August wurde ein weiterer Verdächtiger in Kroatien festgenommen. Die politische Verantwortung bleibt dabei ungeklärt. Hershs These ist bis heute unbewiesen, wie bei Anschlägen von US-Geheimdiensten für ein paar Jahrzehnte immer der Fall ist, die Frage „Wem nützt es?“ aber nicht erledigt.

Denn was danach kam, wirkt wie aus einem Drehbuch. Der US-Finanzier Stephen Lynch, der Trumps Wahlkampf unterstützt hatte, wollte beim Versteigern von Nord Stream 2 zuschlagen und bat Washington um die nötige Genehmigung. Er sprach von einer einmaligen Gelegenheit, die europäische Energieversorgung unter amerikanische und europäische Kontrolle zu bringen, und wollte die Pipeline als Druckmittel gegenüber Russland nutzen. Die Carnegie-Stiftung hielt schon 2025 fest, dass Lynch ohne Washingtons Sondererlaubnis nicht einmal verhandeln kann. Der Freitag fasst Berichte über Gespräche zwischen Trumps Unterhändlern und Dmitrijew zusammen, in deren „Paket“ auch Reparatur und Wiederinbetriebnahme von Nord Stream stecken sollen. Das ist bislang unbestätigt.

Das Muster

Man muss nicht an Verschwörungen glauben, um das Muster zu erkennen. Die EU wird mit Sanktionsdruck, Zolldrohungen und nun Exportstopp-Drohungen auf Linie gebracht, und sie kauft ihre Energie teurer ein. Die USA selbst behalten sich vor, bei Bedarf in Moskau einzukaufen, sobald die Spritpreise im eigenen Wahlkampf zu schmerzen beginnen. Europa trägt die Kosten, Washington nimmt sich die Ausnahmen. Die Frage, wer am Ende an wessen Energie verdient, haben Brüssel und Berlin bisher nicht öffentlich gestellt.

Bild: Screenshot von Video über den Deal

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇


Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.

Folge TKP auf Telegram oder GETTR und abonniere unseren Newsletter.



Wälder brennen: Sanktionen gegen Russland lassen Spanien ohne seine besten Löschhubschrauber

EU-Sanktionen gegen Russland: Sechs Mitgliedsstaaten blockieren das 21. Paket – Die angebliche Einheit zerbricht

EU Sanktionen gegen Russland durch höhere Preise für Treibstoff

Teile diesen Artikel

2 Kommentare

  1. Jakob
    Antworten

    Genial, einfach genial .

    Trump der begnadete dealmaker droht allen, welche Energie von Russland kaufen, macht aber genau das.

    Diese Rohstoffe kommen auf den Weltmarkt wo sich die Käufer darum raufen dürfen.

    Und Putin muss aufpassen, dass er vor lauter Lachanfällen nicht erstickt.

    Wie gesagt, einfach genial.

  2. Der Zivilist
    Antworten

    Das ist es, was der AfD Stimmen bringt, daß das Brüsseler Regime offensichtlich nicht die Interessen der Westeuropäer veretritt.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann. Benutzer haften für den Inhalt ihrer Kommentare.

Entdecke mehr von tkp.at

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen