
Rechenzentren fluten auch Thailand – Big Tech treibt Strom- und Wasserverbrauch in die Höhe
Internationale Technologiekonzerne überschwemmen Thailand mit Rechenzentren. Mehr als 40 Großprojekte mit einem Investitionsvolumen von über 900 Milliarden Baht (rund 25 Milliarden Euro) sind bereits angestoßen oder genehmigt.
Amazon Web Services, Google, Microsoft und weitere Hyperscaler bauen massiv aus – vor allem in der östlichen Wirtschaftszone EEC (Chonburi, Rayong, Chachoengsao) und im Großraum Bangkok. Fachleute warnen vor Engpässen bei Strom und Frischwasser, fehlenden Umweltprüfungen und einem wirtschaftlichen Missverhältnis: viel Kapital, kaum dauerhafte lokale Arbeitsplätze.
Diesel-Skandal als Auslöser
Ausgangspunkt der aktuellen Debatte war ein Fall in Bangkok: In einem Rechenzentrum in der Soi Ramkhamhaeng 28 lagerten Berichten zufolge rund 429.000 Liter Diesel als Reserve für Notstromaggregate – direkt neben Wohnvierteln und Schulen. Die Menge lag knapp unter der gesetzlichen Grenze von 500.000 Litern, ab der eine Anlage als Öllager gilt. Bangkoks Gouverneur Chadchart Sittipunt stoppte daraufhin vorläufig die Erteilung neuer Baugenehmigungen für Rechenzentren in der Hauptstadt.
Energiehunger und Wasserknappheit
Serveranlagen laufen rund um die Uhr. Der gebündelte Strombedarf mehrerer Standorte kann in den Gigawatt-Bereich gehen. Die Konzerne verlangen zudem 100 Prozent „grünen“ Strom – der in Thailand knapp ist. Der National Energy Policy Council führte deshalb im Juli 2026 einen eigenen, deutlich teureren Tarif für Großrechenzentren ein (15 Eurocent pro kWh statt der üblichen 6 Eurocent).
Noch kritischer ist der Wasserverbrauch. Kühlsysteme schlucken enorme Mengen. Ein einzelnes Rechenzentrum in Bangkok verbraucht im Schnitt rund 7.800 Kubikmeter pro Monat – weniger als ein großes Krankenhaus oder Einkaufszentrum, doch bei Dutzenden neuer Anlagen in der ohnehin trockenen Ostregion summiert sich der Druck massiv. Landwirtschaft, Gemeinden und bestehende Industrie konkurrieren bereits um dieselben Ressourcen. In der EEC, die ohnehin unter Wasserstress leidet, könnte die Lage weiter eskalieren.
Keine verpflichtende Umweltprüfung, kaum Jobs
Ein zentraler Kritikpunkt: Für Rechenzentren gibt es bislang keine verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfung (EIA). Abwärme, Abwasser, Lärm und Auswirkungen auf die Nachbarschaft werden nicht systematisch kontrolliert. Gleichzeitig sind die Anlagen extrem kapitalintensiv, schaffen im laufenden Betrieb aber nur wenige Dutzend Festangestellte pro Standort – oft spezialisierte und ausländische Fachkräfte. Die meisten Jobs entstehen lediglich während der Bauphase.
Rechenzentren sind aber auch dafür gedacht, Arbeitsplätze durch KI zu ersetzen – für 50 Mitarbeiter im KI-Zentrum werden möglicherweise 50.000 +/- Arbeitsplätze woanders gestrichen und durch KI ersetzt.
Regierung steuert mühsam nach
Die thailändische Regierung reagiert mittlerweile. Seit April 2026 werden keine neuen Förderanträge mehr angenommen. Geplant ist eine „Power-and-Water-Map“, die Gebiete mit ausreichenden Reserven ausweisen soll, um Investoren aus der überlasteten EEC wegzulenken. Das Übertragungsnetz soll für 31 Milliarden Baht ausgebaut werden. Bangkok erarbeitet zusammen mit den Energiebehörden schärfere Genehmigungskriterien.
Ob das die Dynamik bremst, bleibt abzuwarten. Big Tech sucht weltweit nach Standorten mit günstigem Strom, Wasser und laxen Regeln – und findet sie in Ländern wie Thailand. Die lokalen Ressourcen und die Bevölkerung zahlen den Preis für die Cloud und die KI-Revolution des Westens. Was als digitaler Fortschritt verkauft wird, erweist sich vor Ort als klassische Ressourcenausbeutung.
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Wenn die Leute merken, dass die großen EDV-Unternehmen Ihnen die Lebensgrundlagen rauben, werden die Leute hoffentlich so klug werden, und erstens diese Datenenergie-Zentren zerstören, behördlicherseits ersatzlos und entschädigungslos abwickeln und abbauen und zweitens, die Googleianern und Co. zum Teufel jagen.