
Kronstorf: Widerstand gegen Mega-Datacenter-Wahnsinn wächst – nächste Demo am 6. September
Es ist ein Projekt, das eine ganze Region zerstört — und die politischen „Verantwortlichen“ klopfen sich gegenseitig auf die Schultern. Während Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) sich im April noch mit einem „Googlhupf“ vor die Kameras stellte und von Tradition und Innovation redete, rollen auf 50 Hektar fruchtbarstem Ackerland längst die Bagger. 50 Hektar. Das ist kein Gewerbebetrieb — das ist industrielle Landnahme.
Nach der spektakulären Aktion am vergangenen Sonntag, bei der Aktivisten das Dach des Google-Baus erklommen, ein riesiges „Rechenzentrum? Nein, danke!“-Banner entrollten und Rauchfackeln zündeten, geht es am kommenden Sonntag, dem 6. September, weiter. Die Demonstration ist bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft angemeldet.
Dass die Aktion friedlich verlief — gegen 15:45 Uhr verließen die Demonstranten das Gelände, wie selbst die Krone berichtete — hält Stelzer freilich nicht davon ab, gegen das Demonstrationsrecht zu stänkern.
Stelzer gegen Demonstrationsrecht: „Muss nicht jede Demo für sinnvoll halten“
Der Landeshauptmann des Bundeslandes erklärt öffentlich, man müsse „nicht jede Demonstration für sinnvoll halten“ und jammert, die Demonstrationsfreiheit dürfe „nicht zur Belastung für tausende Unbeteiligte“ werden — weil die B 309, eine wichtige Verkehrsachse, betroffen sein könnte.
Übersetzung: Wenn Bürger gegen die Zerstörung ihrer Lebensgrundlage protestieren, sind sie eine Belastung. Wenn ein US-Milliardenkonzern 500 Megawatt Dauerleistung aus dem Netz saugt, 650.000 Liter Diesel für den Notstrom bunkert und die Enns als industriellen Kühlkanal missbraucht — dann ist das „Innovation“.
Die SPÖ und das Arbeitsplatz-Märchen
Während die Bürgerinitiative „Rechenzentrum Kronstorf“ und Attac-Aktivisten konkrete Forderungen stellen — Baustopp, Offenlegung aller Projektdaten, vollwertige UVP — verheddert sich die SPÖ in der wohl naivsten aller Fragen: Wie viele Arbeitsplätze entstehen denn nun?
Die SPÖ hat eine schriftliche Anfrage an Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner (ÖVP) gestellt und will wissen, welche Landesförderungen an Google fließen und wie viele direkte und indirekte Arbeitsplätze zu erwarten seien. Das ist nicht falsch — Transparenz ist immer gut. Aber das völlige technische Unverständnis der SPÖ ist grotesk.
Denn die Realität sieht so aus: Ein Hyperscale-Rechenzentrum mit 500 MW Leistung beschäftigt nach der Bauphase vielleicht 30 bis 50 Techniker und etwas Sicherheitspersonal. Das war’s. Keine Hundertschaften an IT-Spezialisten, keine florierende Zulieferindustrie — sondern eine Serverfarm, die weitgehend automatisiert läuft und deren Wertschöpfung zu 99,9 % in Mountain View, Kalifornien, versteuert wird.
Und während die SPÖ noch auf Arbeitsplätze hofft, die nie kommen werden, übersieht sie den Elefanten im Raum: Künstliche Intelligenz. Genau dieses Rechenzentrum ist Teil der globalen KI-Infrastruktur, die in den kommenden Jahren Zehntausende Arbeitsplätze in Oberösterreich und in Österreich ersetzen wird — in der Verwaltung, im Kundenservice, in der Buchhaltung, in der Softwareentwicklung. Die Server, die Stelzer und Co. mit Steuergeld subventionieren, werden die Jobs derjenigen vernichten, die heute noch an das Arbeitsplatz-Märchen glauben. Das ist keine Prophezeiung — das ist der erklärte Geschäftszweck von Hyperscale-KI-Rechenzentren.
Was hinter dem KI-Märchen wirklich steckt: Tokenisierung, Technokratie und die Entmachtung des Bürgers
Und damit sind wir beim entscheidenden Punkt, den weder SPÖ noch ÖVP auch nur ansatzweise begreifen — oder begreifen wollen. Die offizielle Erzählung vom KI-Boom, der halt „Rechenleistung brauche“, ist die äußere Schicht eines weit tiefer reichenden Vorhabens. Wie TKP am 25. August detailliert dargelegt hat, sind diese Rechenzentren die materielle Infrastruktur für ein dreistufiges Projekt der totalen Kontrolle:
Erstens: Die Tokenisierung aller Vermögenswerte. Tokenisierung bedeutet, jeden physischen oder rechtlichen Vermögenswert — eine Aktie, eine Immobilie, ein Barrel Öl, einen Wald, einen Fischbestand, ja sogar Ihre Arbeitsstunde — als digitalen Eintrag auf einer Blockchain abzubilden. Der Token ist dann der Vermögenswert selbst in digitalisierter Form: handelbar, übertragbar, in Echtzeit verfolgbar. Das Ziel ist ein vollständig digitalisiertes Finanzsystem, in dem kein Vermögenswert — bis hinunter zur Fernbedienung auf Ihrem Couchtisch — ohne digitalen Zwilling existiert. Die DTCC (Depository Trust & Clearing Corporation) startet bereits im Oktober 2026 ihren Tokenisierungsdienst für Wertpapiere — mit BlackRock, JPMorgan und Dutzenden weiteren Instituten an Bord. Das Kronstorfer Rechenzentrum ist ein Baustein in genau dieser Architektur.
Zweitens: Das „Digitale Weltgehirn“. Die Serverfarmen liefern nicht nur Rechenleistung für KI, sondern die Daten- und Entscheidungsinfrastruktur für eine globale Notstandsregierung — ein Konzept, das der schwedische Forscher Jacob Nordangård als „Digitales Weltgehirn“ beschrieben hat. Klima-Governance, Pandemie-Response, Ressourcenverteilung: All das soll künftig nicht mehr von gewählten Parlamenten, sondern von KI-gestützten, privat betriebenen Systemen gesteuert werden.
Drittens: Die Privatisierung demokratischer Funktionen. Wie TKP bereits im Mai berichtete, werden KI-Rechenzentren zunehmend unter dem Deckmantel der „nationalen Sicherheit“ durchgepeitscht — Bürgerbeteiligung wird ausgeschaltet, Gemeinderäte marginalisiert. Die Blaupause, die Leslie Wexner, Jeffrey Epstein und ihre Netzwerke über vier Jahrzehnte in Ohio aufgebaut haben, wird nun global kopiert: vollständige Ersetzung demokratisch kontrollierter Institutionen durch privatwirtschaftliche „Partnerschaften“, die Steuergelder ohne Rechenschaftspflicht umleiten. Die „Techno-Könige“ — Musk, Thiel und ihresgleichen — brauchen keinen Staatsstreich. Sie brauchen nur Rechenzentren, die ihnen niemand mehr streitig machen kann.
Die Rechenzentren sind die materielle Voraussetzung für alle drei Vorhaben. Ohne sie blieben die Pläne der Climate Governance Commission, der DTCC und der Technokraten aus dem Silicon Valley Papier. Mit ihnen werden sie zur Realität. Und Kronstorf ist ein Mosaikstein in diesem globalen Puzzle.
Was hier wirklich gebaut wird — die nackten Fakten

TKP hat in den vergangenen Wochen akribisch dokumentiert, was in Kronstorf entsteht. Auf 50 Hektar Betriebsbaugebiet — fruchtbarstes Ackerland, das dauerhaft versiegelt wird — entsteht ein Hyperscale-Rechenzentrum, das bei Vollausbau bis zu 500 Megawatt Dauerleistung ziehen soll. Das entspricht einem jährlichen Stromverbrauch von bis zu 4,4 Terawattstunden — fast einem Drittel des gesamten oberösterreichischen Stromverbrauchs. Zum Vergleich: Ganz Oberösterreich verbrauchte 2024 laut Energiebericht rund 14 TWh.
Für den Notstrombetrieb sind 140 Dieselgeneratoren vorgesehen, mit Tanks für 650.000 Liter Diesel — genug für einen einzigen fünfstündigen Notstrombetrieb, bei dem 32,6 Millionen Kubikmeter Abgase mit mehreren Tonnen NOx über die Region geblasen werden. Die Kühlung verschlingt Millionen Liter Wasser täglich aus dem Uferfiltrat der Enns, das anschließend mit rund 30 °C zurückgeleitet wird — ein künstlicher Eingriff, der den Fluss vom natürlichen Lebensraum zum industriellen Kühlkanal degradiert.
Die gesundheitlichen Folgen für die Anrainer sind durch Studien belegt: Infraschall in Rechenzentrums-Nähe führt zu einer Verdreifachung von Unwohlsein und Augenreizung, +150 % Schwindel und +55 % Angstzuständen. Der Wärmeinseleffekt lässt die Bodentemperaturen um bis zu 9,1 °C ansteigen — spürbar bis in 10 Kilometer Entfernung, wobei in 7 Kilometern noch 70 Prozent der Maximalintensität gemessen werden. Die Abwärme — genug, um ganze Stadtteile zu heizen — wird ungenutzt in Luft und Wasser geblasen, weil im Bescheid schlicht kein Fernwärme-Gebot vorgesehen wurde. Und während Google Milliardengewinne einfährt, fließt die Kommunalsteuer ausschließlich an die Standortgemeinde Kronstorf — die niederösterreichischen Anrainergemeinden am anderen Ennsufer erhalten keinen einzigen Cent.
All das hat TKP in mehreren Artikeln detailliert aufbereitet — von der Analyse der regionalen Zerstörungswirkung über die behördliche Verantwortungsverweigerung bis zur erschütternden Dokumentation der Notstrom-Dieselanlage.
Das Verfahren: UVP-Umgehung als politisches Programm
Dass ein Projekt dieser Dimension keine vollständige Umweltverträglichkeitsprüfung durchlaufen musste, ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis jahrelanger politischer Weichenstellungen, bei denen Rechenzentren schlicht nicht als UVP-pflichtige Vorhabenskategorie definiert wurden. Die ÖVP-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner brachte es auf den Punkt: Man könne nicht „europäische Souveränität bei KI fordern und gleichzeitig jene Infrastruktur durch immer neue Hürden ausbremsen“.
Anders gesagt: Für Google gibt’s den Freifahrtschein. Für die Anrainer gibt’s den Infraschall.
Die Bezirkshauptmannschaft Linz-Land vermeldete stolz, es habe keine Beschwerden gegen die Gewerbegenehmigung gegeben. Kein Wunder — die Betroffenen wurden nie umfassend informiert. Die Notstromversorgung mit 140 Dieselaggregaten wurde als „untergeordnete Nebenanlage“ mitgenehmigt. Das ist keine Verfahrensführung — das ist institutionalisierte Bürgerverarschung.
Aufruf der Organisatoren zur Demo am 6. September

Treffpunkt:
Vorplatz Pizzeria „Rialto“, Harrstraße 2, 4407 Dietach
Beginn: 17:00 Uhr
Wir sind bereits ab 16:00 Uhr vor Ort.
Ablauf:
Nach der Begrüßung startet gegen 18:00 Uhr der Protestmarsch zur rund 3 km entfernten Google-Baustelle.
Dort spricht Dr. Peter F. Mayer (tkp.at) direkt bei der Baustelle. Anschließend geht es gemeinsam wieder zurück zum Versammlungsort.
WICHTIG – Parken:
Direkt bei der Pizzeria gibt es nur sehr wenige Parkplätze. Bitte bildet nach Möglichkeit Fahrgemeinschaften und kommt rechtzeitig.
Unsere Ordner zeigen euch ab 16:00 Uhr, wo ausreichend Parkplätze zur Verfügung stehen.
Shuttle-Service:
Von den Parkplätzen zur Demo und danach wieder zurück zu euren Autos.
Erste Fahrt: 16:15 Uhr – letzte Fahrt zur Demo: 17:55 Uhr.
Essen, Getränke und Toiletten sind am Versammlungsort vorhanden. (Pizzeria Rialto)
Wir freuen uns auf viele Menschen, die gemeinsam ein wichtiges Zeichen setzen wollen.
Kommt nach Dietach – wir freuen uns auf euch! ❤️
Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇
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