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Wirtschaft

Stimmt es, dass EU Dünger aus Russland verbietet, den die USA jetzt günstig kauft?

6 Kommentare 2. September 2026 4 Minuten Lesezeit von Jochen Mitschka

Kurz zusammengefasst: Beides stimmt – aber mit wichtigen Nuancen. Es handelt sich nicht um ein klassisches „Verbot„, sondern um gestaffelte Strafzölle. Und die USA sind tatsächlich zu einem der großen Nutznießer der verdrängten russischen Ware geworden.

Am 22. Mai 2025 billigte das Europäische Parlament (411 zu 100 Stimmen) eine Verordnung, die Zölle auf russische und belarussische Düngemittel schrittweise auf ein prohibitives Niveau anhebt. Zusätzlich zum bestehenden Wertzoll von 6,5 Prozent gilt seit 1. Juli 2025 eine Abgabe von 40 bis 45 Euro pro Tonne, die bis 2028 auf 430 Euro pro Tonne steigen soll. Die EU-Kommission selbst räumt ein, dass das Ziel die faktische Marktverdrängung ist: Ein internes Erläuterungsdokument spricht davon, die Zölle sollten hoch genug sein, um die Einfuhr dieser Güter zu stoppen. Begründet wird das damit, dass Einnahmen aus dem Verkauf russischer und belarussischer Düngemittel direkt den Krieg gegen die Ukraine mitfinanzieren.

Die Wirkung zeigt sich bereits: Laut ICIS-Daten sind die Harnstoff-Importe aus Russland seit Einführung der Zölle im Juli um rund zwei Drittel eingebrochen – von Rekordmengen im Juni 2025 auf nur noch etwas über 100.000 Tonnen im Juli/August.

Wohin die verdrängten Mengen fließen: in die USA

Genau hier wird es interessant. Während Brüssel russischen Dünger aus dem Markt drängt, öffnet Washington faktisch die Tür. Nach Angaben des Progressive Policy Institute sind Russlands Düngemittelexporte in die USA 2025 wieder gestiegen, nachdem sie 2023 und 2024 zurückgegangen waren. Der Grund: russischer Dünger kommt weiterhin zollfrei ins Land, obwohl die Trump-Regierung auf vergleichbare Waren aus verbündeten Staaten Zölle erhoben hat.

Politico Pro bestätigt das mit Blick auf die „reziproken“ Zölle: Russland ist von Trumps reziprokem Zollprogramm ausgenommen, was dem Land gegenüber anderen Düngemittelexporteuren einen Wettbewerbsvorteil verschafft. Ein Handelsbranchendienst präzisiert das für Harnstoff: Russland wurde 2025 zum größten Lieferanten von Stickstoffdüngern für die USA und eroberte 35 Prozent des Marktes; die Harnstoff-Exporte stiegen um 31 Prozent auf über 1,5 Millionen Tonnen. Grund dafür ist laut dieser Quelle unter anderem, dass russischer Harnstoff nicht von den im April 2025 eingeführten US-Einfuhrzöllen (15 bis 30 Prozent) auf Stickstoffdünger anderer Lieferländer betroffen war.

Der Trend hat sich 2026 fortgesetzt und sogar beschleunigt. Laut Tridge erreichten die US-Düngemittelkäufe aus Russland im März 2026 einen historischen Rekord, mit einem Anstieg der Nachfrage um rund 100 Prozent gegenüber dem Vormonat; im ersten Quartal 2026 stieg die US-Düngemittelrechnung gegenüber Russland um 37 Prozent auf 564,4 Millionen Dollar. Und ganz aktuell, Ende August 2026, meldet Russia Today unter Berufung auf das russische Exportzentrum: die US-Importe russischer Düngemittel stiegen im ersten Halbjahr 2026 um fast ein Viertel; die USA rangieren mittlerweile als drittgrößter Abnehmer russischer Düngemittellieferungen, während Westeuropa trotz rückläufiger Mengen der größte Markt bleibt.

Die Pointe

Der zeitliche Zusammenhang ist auffällig: Genau als die EU ab Juli 2025 begann, russischen Dünger durch Strafzölle unrentabel zu machen, stieg parallel die US-Nachfrage – begünstigt durch Trumps Ausnahmeregelung. Ein nicht verlinkbarer Artikel in einer verbotenen russischen Medienplattform ordnet das explizit ein: die EU begann im Juli 2025 zusätzliche Zölle auf bestimmte russische Stickstoffdünger zu erheben, mit einem Anstieg auf 430 Euro pro Tonne bis 2028 – während im selben Zeitraum die US-Käufe anzogen. Das russische Exportzentrum selbst zieht daraus den Schluss, dass die globale Abhängigkeit der Landwirtschaft von russischen Rohstoffen strikte Handelsverbote insgesamt unrealistisch macht.

Zusammenfassung

Es gibt kein pauschales EU-Verbot, aber ein gezielt prohibitiver Zollpfad, der russischen Dünger aus dem EU-Markt drängen soll. Gleichzeitig hat die Trump-Administration russischen Dünger von genau jenen Zöllen ausgenommen, die sie gegen andere Lieferländer, auch „Verbündete“, verhängt hat – mit dem Ergebnis, dass ein Teil der aus Europa verdrängten Mengen zu vergleichsweise günstigen Konditionen in die USA umgeleitet wird, wo die Importe 2025/26 auf Rekordniveaus gestiegen sind.

Bild: Screenshot von Video über den Vorgang

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6 Kommentare

  1. Jan
    Antworten

    Die Amis horten und verkaufen uns den russischen Dünger morgen mit Aufschlag weiter!

  2. VerarmterAdel
    Antworten

    Ich warte nur auf den Tag, dass der ferngesteuerte Berliner Politbleodenpack zustimmt, das Dummland das Erdgas in großen Mengen von den USA bezieht – direkt aus den NS-Pipelines. Diese Leute sind so unfassbar feige, skrupellos, dumm, verkommen, gewissenlos, korrupt, kriminell, es ist einfach nicht zu glauben. Und so etwas wird gewählt!

    1. mattes
      Antworten

      Könnte vielleicht auch damit zusammenhängen, daß um die 80% der Wähler als dumm einzuordnen sind.
      Das sind die Zahlen, die vor etwa 120 Jahren empirisch nachgewiesen wurden.
      Platon und andere wußten das schon viel früher und stuften die Regierungsform Demokratie als vorletzte Wahl ein, knapp vor der Tyrannis.
      Das war aber noch die direkte Demokratie, die hier praktizierte Version der „Repräsentativen“ kannte man damals wohl noch nicht, sonst wäre sie wohl als letzte Siegerin hervorgegangen.
      Aber das wissen Sie doch auch alles..

  3. cwsuisse
    Antworten

    Das EU-Programm für den wirtschaftlichen Suizid Europas ist sehr effektiv.

  4. hordenwesen
    Antworten

    Bodenkundler weisen seit längerem darauf hin, dass mit herkömmlichen Methoden intensiver Landwirtschaft unter dem Einsatz von Stickstoff-Phosphor-Kalium-(NPK-)Dünger nach weiteren ~30 Ernten die Erträge einbrechen werden, weil die Böden schlicht ausgelaugt sind. (Im Zusammenhang sollte das über Jahrzehnte fortwährende immense Nachlassen essenzieller Mineralien bzw. Spurenelemente in den Böden und entsprechend in den Erträgen nicht übersehen werden.)
    Ebenso sind längst verträgliche Methoden bekannt, die durch das Erzeugen und den, je nach Lage, bedachten Einsatz von Mykorrhizen und verbesserter Kompostierung (unter Rücknahme des Pflügens) für die Landwirte den Einsatz der weit überteuerten Dünger, bei angemesenen Erträgen rechnerisch obsolet machen und zugleich die Böden revitalisieren.
    Ein Wechsel bei den Feldfrüchten ist ohnedies überfällig: Die Ernährung mit Weizen, der einen höheren glykämischen Index hat als Industriezucker, verursacht beispielsweise immense Folgeerkrankungen und schafft für die pharmazeutische Industrie ein Heer desorientierter Dauerkunden, die längst jeden Bezug zu der sie erhaltenden Natur verloren haben.
    Profunde Information und gemeinschaftlicher Einsatz der Verbraucher als Meinungsträger wird gegenüber einer Politik, die durch Verpflichtung zu flächendeckender Kontamination (Geschäftsmodell Windturbinen) auf Anbauverbote hinsteuert, unerlässlich sein.
    (Weitergehende Information findet sich z. B. via → http://www.gartenring.org)

  5. Wolliku
    Antworten

    Vermutlich kaufen wir Europäer dann „günstige Harnstoff“-Produkte bei den Amerikanern ein. Wir kennen das bereits zu genüge wie über diffuse Kanäle russische Güter sich ihren Weg in die Märkte bahnen. Wir können uns noch so oft ins eigene Knie schießen, einen Grund zum Jubeln kann ich nirgends erkennen. Dämlichkeit gehört halt zum russophoben Zeitgeist und zu unser hybriden Kriegsführung dazu.

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