Bewegung stärkt Immunsystem, Gehirn, emotionale Regulation und Qualität sozialer Beziehungen

11. Juni 2026von 5,2 Minuten Lesezeit

Bewegung ist mehr als Muskeln. Damit befasst sich der 5. PNI-Kongress „Psychoneuroimmunologie im Lauf des Lebens“. Fachübergreifend wird gezeigt, dass das mechanistische Gesundheitsmodell nicht gesund macht und Gesundheit nicht einmal erklären kann. Aber es auch thematisiert, wie der Sportler zur Ware werden konnte.

Vom 2. bis 4. Oktober 2026 findet er zum fünften Mal im Congress Innsbruck statt. Das Motto diesmal: „Mensch beweg Dich!“ — ein Titel, der bewusst doppeldeutig gewählt ist. Es geht um physische Bewegung, ja. Aber es geht auch um die Bewegung des Denkens, um den Ausbruch aus erstarrten Konzepten, um die Überwindung jenes mechanistischen Reduktionismus, der die Medizin seit dem 19. Jahrhundert in Beschlag genommen hat. Die Psychoneuroimmunologie, kurz PNI, ist mehr als ein interdisziplinäres Forschungsfeld. Sie ist eine Kampfansage an die Vorstellung, der Mensch sei eine biologisch determinierte Maschine, in der Psyche und Immunsystem getrennte Abteilungen bewohnen.

Die Datenlage ist längst erdrückend: Stress moduliert Entzündungsprozesse. Entzündungen beeinflussen Neurotransmitter. Neurotransmitter steuern Immunantworten. Und all das findet nicht im luftleeren Raum statt, sondern eingebettet in soziale Beziehungen, Umweltfaktoren und biografische Erfahrungen.

Was die PNI in den letzten drei Jahrzehnten zusammengetragen hat, ist im Grunde die wissenschaftliche Untermauerung dessen, was die ganzheitliche Medizin seit jeher wusste: Der Körper ist kein Uhrwerk, das man mit immer neuen Pharmazeutika justieren kann. Er ist ein dynamisches, selbstregulierendes System, dessen Gesundheit vom Zusammenspiel unzähliger Faktoren abhängt.

Bewegung als Schlüssel — weit über die Muskulatur hinaus

Das diesjährige Kongressmotto rückt einen Faktor ins Zentrum, der so fundamental ist, dass er oft übersehen wird: Bewegung.

Dass Bewegung gut für Muskeln und Kreislauf ist, weiß jeder. Was die wenigsten wissen — und was die PNI zunehmend präzise belegt — ist, dass Bewegung direkt auf das Immunsystem, das Gehirn, die emotionale Regulation und sogar auf die Qualität sozialer Beziehungen einwirkt.

Die Mechanismen sind faszinierend:

  • Immunsystem: Moderate Bewegung aktiviert natürliche Killerzellen und reduziert chronisch-entzündliche Prozesse — jene „silent inflammation“, die als gemeinsamer Nenner hinter zahllosen Zivilisationskrankheiten steht.
  • Gehirn: Bewegung stimuliert BDNF (Brain-Derived Neurotrophic Factor), einen Wachstumsfaktor, der Neuroplastizität und Neurogenese fördert — also die Fähigkeit des Gehirns, sich anzupassen und neue Nervenzellen zu bilden.
  • Emotionen: Die Ausschüttung von Endorphinen, Endocannabinoiden und Dopamin während körperlicher Aktivität ist kein Zufallsprodukt, sondern ein evolutionär tief verankerter Mechanismus, der Bewegung mit Wohlbefinden koppelt.
  • Beziehungen: Gemeinsame Bewegung — ob im Sportverein, beim Tanzen oder beim Spaziergang — synchronisiert physiologische Rhythmen, baut soziale Bindungen auf und wirkt als Puffer gegen die toxischen Effekte chronischen Stresses.

Die PNI liefert hier keine vagen Vermutungen, sondern harte Daten. Und der Kongress in Innsbruck wird sie präsentieren.

Das Programm: Von Sportmedizin bis Gesellschaftskritik

Die Referentenliste des 5. PNI-Kongresses liest sich wie ein Who-is-Who der deutschsprachigen und internationalen PNI-Szene:

Andreas Brandl aus München, Damir del Monte aus Karlsruhe, Robert Erbeldinger aus Mainz, Kristina Gebhardt und Karsten Krüger aus Gießen, Rainer Gross aus Wien, Hanspeter Gubelmann aus Zürich, Alexander-Stephan Henze aus Ulm, Percy Marshall aus Bournemouth, Michael Meyen aus München, Ansgar Mohnkern aus Amsterdam, Felix Post aus Koblenz, Christian Schubert aus Innsbruck, Götz Welsch aus Hamburg, Kati Wiedenbrüg aus Gießen und Philipp Zimmer aus Dortmund.

Die Themenpalette spiegelt die Breite des Ansatzes:

  • Stressbedingte Entzündung und sportliche Performance — ein Zusammenhang, den die konventionelle Sportmedizin weitgehend ignoriert
  • Immunalterung und wie Bewegung sie beeinflusst
  • Prähabilitation — also die Vorbereitung auf medizinische Eingriffe durch Bewegung, ein Konzept, das dem passiven Patientenbild der Schulmedizin diametral entgegensteht
  • Sportpsychologie im Leistungssport — was sich zwischen den Ohren abspielt, wenn der Körper an seine Grenzen geht

Doch der Kongress wäre nicht das, was er ist, wenn er auf der biomedizinischen Ebene stehenbliebe.

Die gesellschaftskritische Dimension: Der Sportler als Ware

Der Untertitel des Kongresses ist mit Bedacht gewählt: „Mensch beweg Dich!“ ist auch ein gesellschaftspolitischer Imperativ.

Das Kongressprogramm stellt explizit die Frage, wie der Sportler zum Instrument der Leistungsgesellschaft und damit zur Ware werden konnte. Wie wird dieser Status medial gefördert und aufrechterhalten? Was braucht es, um wieder mehr Ganzheitlichkeit und Menschlichkeit in den Sport zu bringen?

Das sind Fragen, die in einer Zeit, in der Profisportler mit milliardenschweren Werbeverträgen handeln und Jugendliche mit 14 auf Leistungssport getrimmt werden, dringender sind denn je. Die PNI liefert hier nicht nur die physiologischen Daten — sie liefert auch den ethischen Rahmen für eine Medizin, die den Menschen nicht auf seine verwertbare Leistung reduziert.

Prof. DDr. Christian Schubert, der wissenschaftliche Leiter des Kongresses, bringt es in seiner Einladung auf den Punkt: Es geht um die „entscheidende Frage, nämlich wie der Materialismus in Medizin und Gesellschaft überwunden werden kann.“

Die Entwicklung: Von der Nische zum Alleinstellungsmerkmal

Die Zahlen sprechen für sich. 2016, 2018, 2022 und 2024 fanden die ersten vier Kongresse statt — mit stetig wachsenden Teilnehmerzahlen. Ärzte, Psychologen, Psychotherapeuten, Heilpraktiker und viele weitere Berufsgruppen des Gesundheitswesens strömten nach Innsbruck.

Der Kongress hat sich, so Schubert, ein „Alleinstellungsmerkmal in der deutschsprachigen Kongresslandschaft“ erarbeitet. Dass der Kongress ohne die üblichen Pharmasponsoren auskommt, ist dabei kein Zufall, sondern Programm. Wo es um die Überwindung des Materialismus geht, hat ein Industriezweig, der sein Geld mit materialistischen Lösungen — sprich: Pillen — verdient, naturgemäß wenig zu suchen.

Was der Kongress bedeutet — für die Medizin und für uns alle

Die PNI ist mehr als ein Forschungsfeld. Sie ist der wissenschaftliche Unterbau für eine Medizin, die den Menschen wieder als Ganzes betrachtet. Eine Medizin, die versteht, dass ein entzündeter Darm, eine depressive Verstimmung und ein geschwächtes Immunsystem keine getrennten Baustellen sind, sondern Ausdruck desselben systemischen Ungleichgewichts.

Bewegung ist dabei ein Schlüssel — nicht als kalorienverbrennende Pflichtübung, sondern als Ausdruck von Leben, Anpassung, Entwicklung und Heilung. Der bewegte Mensch ist der lebendige Mensch. Und der lebendige Mensch ist mehr als die Summe seiner Laborwerte.

Hier geht es zu Information und Anmeldung.

5. PNI-Kongress-Flyer

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇


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Ein Kommentar

  1. Vortex 12. Juni 2026 um 1:16 Uhr - Antworten

    Bewusste positive Bewegung auf allen Ebenen ist heilsam …
    https://justpaste.it/bewusst-gesund

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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