
Der vergessene US-Kolonialkrieg in Somalia: Bomben und Basen
Während die Medien über andere Krisen berichten, führt die USA in Somalia einen unbeachteten, aber intensiven Luftkrieg. Am 30. Juli 2026 flog das US-Afrika-Kommando (AFRICOM) den 77. Luftangriff des Jahres gegen mutmaßliche al-Shabaab-Kämpfer nahe dem Dorf Jamaame in der Region Lower Juba.
Das berichtete das US Africa Command in einer Pressemitteilung. AFRICOM teilte mit, dass der Angriff am 30. Juli durchgeführt wurde und sich gegen al-Shabaab in der Nähe des Dorfes Jamaame im Lower Juba, der südlichsten Region Somalias, richtete. Jamaame war im November 2025 Schauplatz von US-Luftangriffen, bei denen 12 Zivilisten, darunter acht Kinder, ums Leben kamen, wie aus einer Untersuchung von The Guardian hervorgeht.
Gleichzeitig unterzeichnete eine US-Militärdelegation unter Generalmajor Claude Tudor (Bild), dem Kommandeur des Special Operations Command Africa, ein Abkommen mit der regionalen Regierung von Puntland über die Erweiterung der amerikanischen Militärpräsenz im Hafen von Bosaso am Golf von Aden. Der Stützpunkt in Bosaso könnte als Ausgangspunkt für Operationen gegen Ansar Allah im Jemen dienen.
Rekordverdächtige Bombardierungen
Die 77 Angriffe in diesem Jahr setzen die massive Eskalation fort, die bereits 2025 mit mindestens 124 Luftschlägen einen historischen Höchststand erreicht hatte – mehr als unter den Regierungen Biden, Obama und Bush zusammen. AFRICOM gibt kaum Details bekannt, weder zu den eingesetzten Mitteln noch zu möglichen zivilen Opfern. Schon frühere Angriffe in derselben Region hatten nachweislich Zivilisten, darunter Kinder, getötet.
Die USA bekämpfen in Somalia seit Jahren zwei islamistische Gruppen: al-Shabaab, die sich 2012 al-Qaida anschloss, und einen IS-Ableger in Puntland. Der Konflikt geht auf die von Washington unterstützte äthiopische Invasion 2006 zurück, die die Union islamischer Gerichte (Islamic Courts Union) stürzte und al-Shabaab als radikale Reaktion erstarken ließ.
Strategischer Hafen am Golf von Aden
Das neue Abkommen mit Puntland umgeht die föderale Regierung in Mogadischu, mit der Puntland im Streit liegt. Die bestehende, von den Vereinigten Arabischen Emiraten errichtete Basis in Bosaso soll ausgebaut werden – offiziell zur Terrorismusbekämpfung und zum Schutz der maritimen Sicherheit. Geopolitisch liegt der Hafen ideal, um Operationen gegen die Houthis (Ansar Allah) im Jemen zu unterstützen, die den Schiffsverkehr im Roten Meer und am Golf von Aden bedrohen.
Die USA bauen damit ihre Position am strategisch wichtigen Seeweg zwischen Arabischem Meer und Rotem Meer weiter aus, parallel zu Israels Annäherung an das de-facto unabhängige Somaliland.
Ein Krieg ohne Öffentlichkeit
In den amerikanischen Mainstream-Medien findet dieser Krieg praktisch nicht statt. Keine großen Debatten, keine parlamentarischen Anhörungen von Gewicht, keine öffentliche Rechenschaft. Die Angriffe laufen unter dem Deckmantel der „Terrorismusbekämpfung“, während die zivilen Kosten und die langfristigen Folgen für Somalia weitgehend ignoriert werden.
Was in Somalia geschieht, ist kein begrenzter Antiterrorkampf. Es ist ein andauernder, eskalierender Kolonialkrieg mit Bombenangriffen, Basenausbau und regionalen Machtspielen – weit entfernt von den Augen der westlichen Öffentlichkeit. Die 77. Bombardierung dieses Jahres und die erweiterte Präsenz in Bosaso zeigen: Der Kolonialkrieg geht weiter, leise und ungebremst. Opfer der US-Aggression ist wie immer die Zivilbevölkerung.
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