Cancelling Habermas: Eine Posse zur “Vergangenheitsbewältigung”

23. Februar 2023von 9,2 Minuten Lesezeit

Am 18. Feb. 2023 veröffentlichte Die Zeit einen Gastbeitrag von Eva Illouz mit dem vielsagenden Titel “Ich wünsche mir einen totalen Sieg”. Der 18. Feb. ist jedoch nicht irgendein Tag, um mit derartigen Phrasen herumzudreschen, sondern dies war just – “zufällig” – der 80. Jahrestag der  berüchtigten Rede von Joseph Goebbels (“Wollt Ihr den Totalen Krieg?”) im Berliner Sportpalast. Gleichzeitig raschelte es wild im Feuilleton, hatte doch niemand geringerer als Jürgen Habermas in der Süddeutschen Zeitung auf die Notwendigkeit von Verhandlungen hingewiesen. Ein Blick in die Abgründe der deutschen Seele – zu der wir Österreicher aus historischen Gründen wohl ebenso zu zählen sind.

Bitte beachten Sie das am 2. April veröffentlichte “Update“. Alle übrigen Teile wurden nicht verändert.

Mir fällt es schwer, derartige Beiträge zu verfassen. Mir geht es dabei nicht darum, mit dem Finger auf andere zu zeigen und diese moralisch zu verdammen, sondern vielmehr darum, diesen Wahnsinn zumindest zum Teil zu dokumentieren. Und Widerspruch gegen die offenbar immer weiter um mich greifende Normalisierung und Trivialisierung der Erinnerung an das “Dritte Reich” einzulegen.

Ich habe darüber nicht nur hier bei TKP immer wieder geschrieben (zwei besonders eindrückliche Beispiele sind am Ende des Beitrags verlinkt), sondern befasse mich auch in einem weiteren wissenschaftlichen Sinne damit. Es ist dieser Tage zwar nicht allzu leicht, derartige Esssays “unterzubringen”, doch darf ich Sie an dieser Stelle auf meine beiden einschlägigen Beiträge in der Zeitschrift Propaganda in Focus zu den Themen des “Framings” von politischem Protest bzw. zu der widersprüchlichen und ahistorischen Umdeutung der NS-Zeit. Wenn Sie mich darüber sprechen hören wollen, so finden Sie hier ein Gespräch auf Deutsch mit Thomas Oysmüller bzw. ein englisches Gespräch mit Hügo Krüger (beide wurden im Aug. 2022 aufgenommen).

Kurze Anmerkungen zur langen Vorgeschichte

Im Herbst 2021 – also zur Hochzeit des Corona-Wahns – führte Kurzzeitkanzler Alexander Schallenberg (“Daumenschrauben anziehen”) das Land in Richtung “Lockdown für die Ungeimpften” und “Impfpflicht”. Dies brachte nicht nur den Einsatz des digitalen Impfzertifikats (“Grüner Pass”) und jeder Menge Blockwarte hervor, sondern auch die 1-2-3G-Regeln.

In der Gedenkstätte Buchenwald – wie auch im KZ Dora-Mittelbau und gewiss auch anderswo – wurde die “2G-Regel” ebenso angewendet, “ironischerweise” auch für den Besuch der Dauerausstellung zum Thema “Ausgrenzung und Gewalt 1937-45” (Quellenverweis).

Dann erfolgte die Umbenennung des vormals “Deutsch-Russischen Museums in Berlin”, dessen Leitung, Dr. Jörg Morré sich im Frühjahr 2022 dazu “gezwungen” sah, den Hinweis auf Russland aus dem Namen des Museums zu entfernen: “Wir mussten das tun”, sagte Morré im Mai letzten Jahres zum britischen Guardian. In einer auf den 27. April 2022 datierten Aussendung hieß es seitens des Museums Berlin-Karlshorst hierzu (meine Hervorhebungen):

Schon lange führen wir die Diskussion über unsere Bezeichnung als “DeutschRussisches Museum”. Denn dieser, obgleich historisch gewachsene Name spiegelt unsere tatsächliche Arbeit nur unzureichend wider. Wir erinnern an alle sowjetischen Opfer des deutschen Vernichtungskrieges, unabhängig von deren Nationalität. Zukünftig werden wir unseren im Vereinsregister eingetragenen Namen “Museum Berlin-Karlshorst” verwenden…Aber auch zukünftig ist es uns sehr wichtig, mit allen Menschen, die in der Sowjetunion gelebt haben, sowie ihren Nachkommen im Austausch zu bleiben und zusammen mit ihnen an das Kriegsende in Europa zu erinnern und der 27 Millionen sowjetischen Opfer zu gedenken.

Ein wahrlich hehres Ansinnen, denke ich, das jedoch unter anderem durch den vormaligen ukrainischen Botschafter Andrey Melnyk konterkariert wird. Dieser erarbeitete sich nicht nur eine Reputation als rüpelhafter “Russenfresser”, sondern sagte am 9. Mai 2022 im Rahmen einer Gedenkveranstaltung in Berlin-Treptow folgendes (meine Hervorhebungen):

Mein Appell wäre, diesen Krieg ernster zu nehmen, weil dieser Krieg betrifft auch die Deutschen, auch wenn die Deutschen das nicht glauben wollen. Und das bedeutet, dass man nicht nur mit symbolischen Gesten uns hilft, sondern dass man wirklich alles unternehme. Und wenn ich sage “alles”, das muss wirklich “alles” gemeint werden, ob militärisch, auch wirtschaftlich, muss alles unternommen werden, damit die Ukraine diesen Krieg nicht verliert.

Wir sehen also: es bleibt zumindest ein schaler Nachgeschmack betreffend die Umbenennung des Museums, die just rund um den Jahrestag des Endes des 2. Weltkrieges vorgenommen wurde. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt.

Mit diesen Vignetten ausgestattet, können wir uns nun den jüngsten Ereignissen widmen.

Habermas ruft zu Verhandlungen auf – und wird “gecancelt”

Jürgen Habermas ist nicht irgendjemand innerhalb der deutschen Erfahrungen seit 1945. Umso bezeichnender ist es, dass sein “Plädoyer für Verhandlungen” (14. Feb. 2023) so schrille Reaktionen hervorgerufen hat.

Da ist eine nahezu umgehende Replik in derselben Süddeutschen Zeitung (15. Feb. 2023), die zwar die Hauptpunkte des Habermas’schen Essays akkurat wiedergibt, allerdings auch dem nunmehrigen ukrainischen Vizeaußenminister Melnyk eine Bühne bietet, der wie folgt zitiert wird:

“Dass auch Jürgen Habermas so unverschämt in Putins Diensten steht, macht mich sprachlos”, twitterte der heutige Vize-Außenminister, der für seine drastischen Formulierungen bekannt ist. “Eine Schande für die deutsche Philosophie. Immanuel Kant und Georg Friedrich Hegel würden sich aus Scham im Grabe umdrehen.”

Der Berliner Tagesspiegel wiederum war eine Runde kulanter in dieser Sache:

Im Zentrum seines stringent-verständlichen Essays umtreiben Habermas zwei Fragen: Ab wann der Westen zur Kriegspartei wird, ob er es nolens volens nicht gar schon ist. Auch, dass die US-Regierung “die formale Rolle eines Unbeteiligten nicht aufrechterhalten” könne.

Die andere Frage ist eine Diskrepanz, die auch begrifflicher Natur ist: Einerseits dürfe die Ukraine nicht “verlieren”, weshalb sie so lange wie möglich unterstützt werden solle. Andererseits heißt es in inzwischen häufig, dass Russland, dass Putin “besiegt” werden müsse. Woraus für ihn folgt, dass auch innerhalb der politischen Fraktionen Gegensätze zwischen Pazifisten und Nicht-Pazifisten eher diffus seien und sich “auch in dem breiten Lager der parteinehmenden Unterstützer der Ukraine sich die Geister scheiden im Hinblick auf den richtigen Zeitpunkt für Friedensverhandlungen”.

In Kürze: die Frage “ab wann der Westen zur Kriegspartei wird” ist durch den wissenschaftlichen Dienst des Bundestages im März 2022, wenn auch nicht eindeutig beantwortet worden (Hervorhebungen im Original):

Wenn neben der Belieferung mit Waffen auch die Einweisung der Konfliktpartei bzw. Ausbildung an solchen Waffen in Rede stünde, würde man den gesicherten Bereich der Nichtkriegsführung verlassen.

Immerhin halten wir fest, dass man mit der Ausbildung ukrainischer Truppen – noch dazu auf NATO-Gebiet – “den gesicherten Bereich der Nichtkriegsführung verlasse”.

Dies aber bleibt im Tagesspiegel unerwähnt. Was aber angeführt wird, ist der nachfolgende Kommentar eines “Community-Mitglieds”, der den Habermas’schen Ausführungen gleichsam ebenbürtig erscheint:

Habermas widerspricht letztendlich seinem Lebenswerk, seinem philosophischen Wirken, und spielt damit genau dem in die Karten, wogegen die Kritische Theorie immer argumentiert hat: das Wiederaufleben einer antiliberalen, totalitären Gesellschaftsordnung [schreibt Community-Mitglied iuklin]

“Mimimi Moralia”, oder: Eine Posse im Rauschen des Blätterwalds

Der Tagesspiegel ist jedoch keineswegs alleine, wenn es um die Verdammnis des Jürgen H. geht. Dies geht anschaulich aus einem als Antwort auf Habermas’ Essay verfassten Gastbeitrag des Osteuropa-Historikers Jan Behrends hervor, der an der Europa-Univesität Viadrina in Frankfurt an der Oder zu “Deutschland und Osteuropa nach 1914” lehrt.

Unter dem Titel “Lauter Blinde Flecken” hält Behrends Habermas in der Zeit vor, dass dessen Forderung nach Waffenlieferungen und Verhandlungen “auf einer Unkenntnis Osteuropas beruhe”. Nun mag man über diese Aspekte geteilter Ansicht sein, eine Debatte auf Augenhöhe ist es nicht.

Denn die Geringschätzung seines Gegenübers tritt jedoch in einem Posting auf LinkedIn eindeutig hervor, wo Behrends seinen Gastbeitrag mit dem folgenden Kommentar “einführte”:

Abb: Screenshot des Verfassers.

Sie sehen dies korrekt: Behrends trug zu der Diskussion bei, indem er “mimimi moralia” postete, was eine eindeutige Anspielung auf Theodor Adornos 1951 erschienenen gleichnamigen Band Minima Moralia ist. Dieses Buch ist einer der bahnbrechenden, wenn nicht sogar der grundlegendste Text der Kritischen Theorie.

Covid + Ukraine-Krieg = Das Ende der Kritischen Theorie

Was auch immer man über die Frankfurter Schule und die Kritische Theorie – deren führende Protagonisten neben Habermas die nicht unumstrittenen Geistesgrößen Theodor Adorno, Max Horkheimer, Herbert Marcuse u.v.m. sind – denken mag, Behrends’ Kommentar zeigt:

Die Corona-“Pandemie” und der Ukraine-Konflikt haben ein neues Zeitalter der Ultra-Konformität unter den “Intellektuellen” eingeläutet. Dabei sollte nicht übersehen werden, dass die Frankfurter Schule und die Kritische Theorie das geistige Fundament all der Dinge darstellen, die für die Wiederauferstehung Deutschlands (und, letztlich in abgeschwächter Form auch Österreichs) aus den Ruinen des 2. Weltkriegs mitverantwortlich zeichnet.

Es steht also zu befürchten, dass mit der Rückkehr praktisch all jener unangenehmen Dinge zu rechnen ist, die nach dem Zweiten Weltkrieg als inakzeptabel galten. Manche dieser Dinge wie etwa staatlich verordnete Zwangsmaßnahmen und “medizinische” Interventionen sind bereits wieder en vogue.

Eva Illouz träumt “vom totalen Sieg”

Dessen eingedenk, konnte man sich noch vor ein paar Jahren vorstellen, dass Die Zeit (!) einen Gastbeitrag mit dem Titel “Ich wünsche mir den totalen Sieg” – noch dazu am 80. Jahrestag der berüchtigten Goebbels-Rede im Berliner Sportpalast – veröffentlichen würde?

So geschehen im Jahr des Herren 2023. In Deutschland. Von der in Marokko geborenen französisch-israelischen Soziologie-Professorin Eva Illouz von der Hebräischen Universität in Tel Aviv (Wikipedia-Eintrag), deren wissenschaftliches Fundament – Sie ahnen es wohl bereits – u.a. Kritische Theorie ist und die im weiteren Sinne der Frankfurter Schule zugeordnet wird.

Liebe Frau Illouz: was haben Sie sich dabei eigentlich gedacht?

Liebe Zeit-Redaktion: was haben Sie sich dabei eigentlich gedacht?

Wehret den Anfängen! Niemals wieder!

Wie oft hörte und hört man diese Ausführungen von den Anhängern der Selbstgerechtigkeit. Alles schön und gut, ich bin ja damit auch einverstanden, aber eine Frage sei wohl gestattet:

Warum wird gerade wenn – weil? – es um Russland geht hierbei eine Ausnahme gemacht?

Epilog: Wehret den Anfängen

Ich nehme selten Anstoß, aber in diesem Fall mache ich eine Ausnahme, wenn auch deswegen, da ich ich nicht sicher bin, ob ich mich dieser Wahnsinn intellektuell beleidigt oder ob ich mich aufgrund der völligen Missachtung, wenn nicht gar historischen Amnesie praktisch aller deutschen wie österreichischen Zeithistoriker, öffentlicher Intellektueller (Habermas ausgenommen) und Politiker in Bezug auf unsere gemeinsame Geschichte aufrege.

Ich frage mich allerdings, warum (/Ironie) dieser “Zufall” den Teilnehmern der Redaktionssitzung entgangen ist. Ich meine: Sie sind vermutlich alle sehr gut ausgebildet, u.a. speziell in der deutschen Vergangenheitsbewältigung und deren curricularen Auswirkungen. Offenbar aber ist dieser “Zufall” niemandem in der Redaktionssitzung der Zeit aufgefallen oder es scheint niemanden zu stören.

An Heuchlern, Speichelleckern und, ja, Pro-Nazi-Anhängern herrscht im deutschsprachigen Raum kein Mangel. Das Gleiche gilt offenbar auch für einige israelische “Intellektuelle”.

Ich kann mir dies nur damit erklären, was Angela Merkel Ende Dezember 2022 über die westlichen Absichten hinter den Minsker Abkommen darlegte: Russland sei “nie befriedet worden”, und so betrachtet macht nahezu alles an diesem Konflikt ein bisschen mehr Sinn.

Bild EU-Kommission, via https://audiovisual.ec.europa.eu/en/photo/P-051292~2F00-01

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Wider die akademische Kaste, oder: Das Schweigen der Mimosen

23 Kommentare

  1. Vietato Fumare 24. Februar 2023 at 8:56

    siehe auch den Vertreter der “kritischen Theorie” Götz Eisenberg: Bislang immer ein scheinbar scharfsinniger Intellektueller, den man für seine Gesellschaftskritik kaum genug loben konnte. Doch zu “Corona” musste man sich plötzlich die Augen reiben: Meinte er das bloß sarkastisch, was er da in seinem “Corona-Tagebuch”-Blog schrieb? Nein, musste man feststellen, er meinte es absolut ernst, als er mit Inbrunst der Überzeugung in diesen Chor der Lüge, Heuchelei und Kakophonie mit Lauterbach, Söder, Drosten & Co. einstimmte. Dass es Menschen gab, die so einen grandiosen Massenwahn wie “Corona” kritisierten, konnte Eisenberg mit seiner “Kritischen Theorie” schlicht nicht fassen und trieb ihn zur Ratlosigkeit.
    Aber ziehen wir ganz nüchtern die Konsequenz: Vielleicht ist die scheinbar so scharfsinnige “Kritischen Theorie” im Grunde viel zu naiv und banal, einfach nicht geeignet, um die Welt zu verstehen.

  2. Renate M. 24. Februar 2023 at 8:42

    Wer wird uns retten, falls das was wir sehen und das was wir hören, der Krieg in Europa eine gewaltige Intrige an den Deutschen und Europäern wäre? Ich kann es nicht beurteilen, ich habe nicht studiert.
    Was derzeit auf der Welt von Seiten der Beteiligten passiert, erinnert mich an die Disneyland Produktionen
    ” Der König der Löwen” und Titanic. Steven Spielberg hat womöglich das Drehbuch geschrieben.
    Jo Biden will natürlich der König sein und Kojoten lauern auf eine passende Gelegenheit, von den dummen Politikern, die letzten Ressourcen zu erhaschen. Die deutsche Führungsrolle mit ihrer großen Hilfsbereitschaft, machen sich vom Ukrainischen Erfolg immer abhängiger. Ursula von der Layer geflasht durch KI und ihren Traum einer EU-Familie? Wer die EU als große Familie will, hat wohl zu viel Zeit im Büro gesessen? Selenskjy ist der Held, der kleine Bruder vom Onkel in Amerika. Die Russen dürfen bereits feiern, denn sie können diesen Krieg nicht verlieren, denn unser Standard kann über längere Zeit eine Abrüstung gut vertragen. Zur Not, wenn die Ukraine nicht klein bei geben wird, nachdem ihr schönes Land in Schutt und Asche liegt, was dann?
    Vor dem Maidan – Protest haben wenige dieses Land gekannt, jetzt hat es traurige Berühmtheit erlangt.
    Ich hoffe, dass bald ein Umdenken einsetzen und über Sicherheitsgarantien für Russland geredet wird, bevor es zu spät ist. Ich hoffe, dass der bequeme selbstverliebte Mittelstand auch mal aufsteht und an den Demonstrationen teilhaben wird, wer wie immer unser schönes Land erhalten will.

  3. zaungast 24. Februar 2023 at 8:21

    Wer in den 70er und 80er Jahren in Westdeutschland Philosophie oder Sozialwissenschaften studiert hat, kam um die Lektüre der Werke von Jürgen Habermas nicht herum. Habermas galt nicht nur als eine Art Hegel der BRD, er nahm auch die Funktion des sinnstiftenden Popularphilosophen für die gebildeten linksliberalen Stände wahr. Eben für jenes Milieu, das in der „Zeit“, „FR“ und „SZ die gängigen progressiven Weltbilder präsentiert bekam – man denke nur an die Rolle von Habermas im „Historikerstreit“. So muss es für die Gemeinde einen Schock bedeutet haben, dass der greise Denker in das Lager der „Schwurbler“, „Putinversteher“ und „Querdenker“ übergewechselt ist. Was ein Pech, nachdem er sich noch in der Corona-Pandemie in den „Blättern für deutsche und internationale Politik“ als knochenharter Autoritätsapostel bewährt hatte. Aber lassen wir das – und lassen wir Habermas – die positive Funktion seines Artikels – unabhängig von der bestehenden Berechtigung seiner Intervention – sehe ich in den Reaktionen von Vertretern der deutschen Intelligenz. „Kritische Theorie“ ? Wo ist bei den zitierten Vertretern kritisches Bewusstsein und der debattierfähige theoretische Hintergrund geblieben? Derartige Einlassungen widerlegen die angeblich so positive Wirkung, die das Habermasche Erbe im öffentlichen Diskurs und akademischen Milieu hinterlassen heben soll.

    • Fritz Madersbacher 24. Februar 2023 at 17:01

      @zaungast
      24. Februar 2023 at 8:21
      “Derartige Einlassungen widerlegen die angeblich so positive Wirkung, die das Habermas’sche Erbe im öffentlichen Diskurs und akademischen Milieu hinterlassen heben soll”
      Das ist Hegels “List der Vernunft” als Rache an Habermas’ Unvernunft. Er hat Erkenntnis und Interesse verwechselt …

  4. Auerbach 23. Februar 2023 at 20:57

    …Angeblich (!!) zeichnet die „Frankfurter Schule“ für das geistige Fundament für die Wiederauferstehung Deutschlands mitverantwortlich……….

    Meint der Autor die horrenden Scheidungsraten oder den jährlichen (!!) Ausbau der psychiatrischen Anstalten – lange schon vor der Corona-Plandemie – um den Zuwachsraten an psychischen Erkrankungen in der Gesellschaft
    etwas entgegenzustellen oder welches „geistige Fundament“ meint er ??

    Vielleicht den galoppierenden Narzissmus bzw. „Ich-AG‘s
    der Bauchnabelfixierten in Millionenzahl ?!

    Fazit:
    …von Ausnahmen abgesehen erkenne ich nur den Ungeist einer Idiotischen Konsumgesellschaft in der geistigen Vollkrise und mit einem Weitblick von der Tapete bis zur Mauer – diesen „Geist“ sehe ich…
    samt dem dazugehörigen Märchen-Medien und Polittheater…

  5. Ingbert Jüdt 23. Februar 2023 at 15:16

    Solche Kritik nennt man dann wohl »Intellektuelle Verwahrlosung«

  6. Andreas I. 23. Februar 2023 at 12:59

    Hallo,
    “Warum wird gerade wenn – weil? – es um Russland geht hierbei eine Ausnahme gemacht?”

    Auch wenn das eine rhetorische Frage sein könnte, kann man sie ja trotzdem beantworten. :-.)
    Aus USA-Sicht ist deutsche Vergangenheitsbewältigung nützlich, wenn die BRD U-Boote an Israel liefert, aber wenn das Imperium auf die Vasallen angewiesen ist, damit die Waffen in die Ukraine liefern – und in der BRD dabei die Vergangenheitsbewältigung stören würde – tja dann darf es eben keine geben, dann ist Vergessen der Geschichte angesagt.
    Und überall,wo transatlantische Netzwerke (wie Atlantik-Brücke u.ä.) die Fäden ziehen (und da ist Die Zeit ein Paradebeispiel), da wird dann pflichtbewusst die Geschichte vergessen.
    Wenn man sie wieder braucht, weil man Kritik an Israel o.ä. mundtot machen muss, dann holt man die Geschichte wieder raus … und wenn man wieder gegen Russland hetzen muss, dann vergisst man sie wieder … da muss man flexibel sein und das immer schön den Anforderungen anpassen.

    Blöd ist aus transatlantischer Sicht nur, dass USA den Stellvertreterkrieg in der Ukraine spätestens am 24. Februar 2022 verloren hatte*, in Syrien auch seit dem direkten Eingreifen Russlands 2015 nicht weiter vorankommt, im Irak iranischer Einfluss wirkt …

    denn das war eben keine irrationale Aktion mit Expansionsgelüsten aus heiterem Himmel “unprovoziert” ein unschuldiges Land zu überfallen … oder was die Qualitätsjournalisten sich so alles aus ihren Edelfedern saugen; nee ganz im Gegenteil:
    Das war ein lange und gründlichst kalkulierter Schachzug gegen die USA-Strategie und das war auch schon am 24. Februar 2022 glasklar.

  7. Rosa 23. Februar 2023 at 12:43

    Die “ZEIT” ist nun vollends aus dem Rahmen gefallen, hinab, und zurück.

    In Sachen Lernen aus der Geschichte fällt mir übrigens auf, in jüngerer Zeit keine Aufrufe zur Erinnerung mehr, “Niemals vergessen!” usw., sind in Politik und etablierten Leitmedien kein Thema mehr. “Nie mehr wieder” steht im Weg …

  8. Fritz Madersbacher 23. Februar 2023 at 12:08

    “Wehret den Anfängen” ist eine inkonsequente Losung. Will man ein “Nie wieder”, so muß die Losung lauten “Wehret den Ursachen”. Und die Ursachen sind für bürgerliche Intellektuelle ein unauflösbares Rätsel. Darum merken sie gar nicht, wie eifrig sie an einem “Selbstverständlich wieder” arbeiten …

    • Inukai Genpachi 24. Februar 2023 at 14:41

      Sehr guten Hinweis: Wehret die Ursachen.
      Volltreffer.

  9. magerbaer 23. Februar 2023 at 12:01

    Es ist gespenstisch, wie sich die angeblichen Experten von einer tatsächlichen Klärung der Wahrheit immer weiter entfernen und dabei immer aggressiver werden …

  10. Rudolf Schmid 23. Februar 2023 at 11:24

    Die Reaktionen auf Habermas sind eine glänzende Bestätigung seines Lebenswerkes. Seinen Produkten ist u.a. auch der Kadavergehoram gegenüber der Militärpolitik des Dollarimperiums eingeprägt. Wenn er Verhandlungen fordert, dann verlangt er nur einige Jahrzehnte Zeit um Russland durch die zivile Variante von Goldhagens ‘besiegen, besetzen, umerziehen’ zu bundesrepublikanisieren.

  11. Jens Tiefschneider 23. Februar 2023 at 11:13

    Wer Frieden auf dem Wege von Verhandlungen will, der wird verfolgt und denunziert, wie noch vor wenigen Monaten die Nichtgespritzen. Jüngst verschickte die von George Soros über dessen Organisation EDGE finanzierte Petitionsplattform Campact an alle, die jemals dort eine Petition unterzeichnet hatten, eine Hassrede gegen Wagenknecht und Schwarzer. Man nutzte also die Mailadressen aus tausenden von Petitionen, um Hasspropaganda zu verbreiten – definitiv illegal. Auf diesem Level bewegt sich unsere moralisch verkommene Gesellschaft mittlerweile. Soviel Speichel kann ich gar nicht generieren, wie ich spucken will.

    • Cora K. 23. Februar 2023 at 11:53

      Ja, das stimmt. Es wiederholt sich. Ich frage mich echt nur noch, wie blöd die Menschen hier eigentlich geworden sind. Gerade die Medien sind mittlerweile das Allerletzte. Frieden ist heutzutage brandgefährlich. 🙈

  12. Andrea Drescher 23. Februar 2023 at 10:50

    danke – als ich diesen zeit-artikel sah, war ich an der decke. es ist gut, dass es andere so sachlich in worte fassen können. mir war das nicht möglich.

    • Jens Tiefschneider 23. Februar 2023 at 11:34

      Zeit lesen ist Zeit-Verschwendung. Hauspostille der Atlantikbrücke.

  13. niklant 23. Februar 2023 at 10:40

    Seit 2014 wird in der EU der neue Weg als Neo-Nazis beschritten! Deutschland unter der Geisel der Amerikaner kann nur das tun, was man ihnen erlaubt! Da der NGO Staat Deutschland seine Anweisungen aus Amerika bezieht, wird auch die Steuerung der EU durch Ursula von der Leyen gesteuert. Alle alten Vorgänge im 2.Weltkrieg werden aufgenommen, um sie wieder einzusetzen. Als Schuldiger wird dann am Ende Deutschland dastehen, da es ja nie einen freien Staat gab. Die Rolle von der Leyens ist dabei die Schlüsselposition, den dritten Weltkrieg zu erreichen! Die Zusage, die Ukraine in die EU und in die Nato aufzunehmen dürfte bereits in der Schublade liegen! Wenn die EU-Staaten das zulassen, geben sie den Startschuss für den dritten Weltkrieg! Amerika steht gut da, mit einer Katastrophalen Wirtschaft aber mit hervorragenden Einnahmen für die Waffenlobby und durch den Verkauf geraubter Öle und überteuerter Frakking Gase! Willkommen in der Zukunft!

  14. jhampe2 23. Februar 2023 at 10:20

    Putin könnte Verständlicherweise zum Schluss gelangen, dass Russland nur in Frieden wird leben können, wenn nicht nur die Ukraine sondern der ganze Westen Entnatifiziert wird.

    • niklant 23. Februar 2023 at 10:55

      Putin müsste eigentlich nur die Politischen Neo-Nazis bestrafen! Die meisten Nazis sind nach dem Weltkrieg in die USA geflüchtet.

    • Peter Grunewaldt 23. Februar 2023 at 11:00

      Darum wünsche ich mir russische Panzer in shitholes berlin und brüssel. Der Besatzer muss vollständig und rückstandsfrei vernichtet werden. Wie 1945 werden Gespräche das nicht erreichen.

    • Jens Tiefschneider 23. Februar 2023 at 11:16

      Was Europa angeht, müsste er damit in Brüssel anfangen. Danach Paris und schließlich Berlin. Er könnte natürlich auch in Berlin anfangen, läge ja auf dem Weg ;)

    • Andreas I. 23. Februar 2023 at 13:30

      Hallo,
      die EU ist doch /nicht nur was das Heizen angeht) kaltgestellt. Die Inflation im Euro-Raum erledigt das, ohne das ein einziger Schuss fallen müsste.
      Und das war weniger Putin und eher Biden, Sanktionspolitik und Nord Stream, aber ich gehe davon aus, dass die Russen sich da nicht naiv reinbegeben haben, sondern die USA-Sanktionen von vornherein durchkalkuliert haben.
      Schließlich sind die meisten EU-Staaten auch Nato-Mitglieder und da kann es den Russen aktuell nur recht sein, wenn die sich ökonomisch selber ins Knie schießen.

    • eginolf 24. Februar 2023 at 7:16

      es gibt ja seine Aussage: “Wenn wir keine wichtige Rolle in der Welt spielen könne, brauchen wir die Welt nicht.” Also drauf mit den Nuklearbomben. Alles dem Erdboden gleichmachen, was nicht russisch ist. Wie in Groszny + Aleppo + Mariupol etc.

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