„Soldaten für Neutralität“: Qualitätsjournalisten recherchieren vor Ort und die Ergebnisse „überzeugen“

23. September 2022von 3,8 Minuten Lesezeit

In den letzten Jahren wurde mehr und mehr Menschen bewusst, wie die meisten Qualitätsmedien arbeiten. Bei der Kundgebung „Soldaten für Neutralität“ am 21.9.2022 in Wien am Platz der Menschenrechte, hat einer ihrer Vertreter wieder einmal deutlich gemacht, wie manipulativ agiert wird.

Direkt nach der Kundgebung verbreitete Michael Bonvalot dieses Foto:

Michael Bonvalot steht – lt. eigener Webseite – für Journalismus mit Meinung und Haltung und schreibt als freier Journalist für verschiedene Medien. Er geht dorthin, wo die Dinge passieren.

Eine Haltung mag er haben und vielleicht geht er auch dort hin, wo die Dinge passieren. Aber Aufgabe eines Journalisten sollte es sein, über das, was er sieht, dann auch zu berichten und nicht seine eigene Meinung mithilfe manipulativer Bilder unter die Menschen bringen zu wollen.

Zu den Fakten

  1. Über das Programm kann sich jeder selbst auf der Webseite der Kundgebung informieren www.soldaten-fuer-neutralitaet.at. Dort kann jeder – mit Recherche bzw. einfachem Leseverständnis – erfahren, dass es nicht angeblich um Neutralität geht, sondern ausschließlich dieses Thema behandelt wurde.
  2. Auf der Webseite kann man auch lesen: „Um der Neutralität Österreichs auch im Rahmen der Veranstaltung gerecht zu werden, sind keinerlei Parteifahnen oder Fahnen anderer Länder erwünscht. Auch Plakate mit Bezug auf andere wichtige Themen sind nicht erwünscht. Unsere Ordner werden angewiesen, darauf zu achten. Wir freuen uns über die Fahne Österreichs, weiße Fahnen bzw. die blauen Friedensfahnen. Wir bitten um Verständnis.„. Dieser Hinweis war auch auf den Werbe-Flyern zu finden.
  3. Bei der mit rund 250 Teilnehmern doch eher kleinen Kundgebung waren 15 Ordner im Einsatz, die während der gesamten Veranstaltung engmaschig darauf achteten, dass diese Regeln auch eingehalten wurden.
  4. Die Ordner händigten den Besuchern Zettel aus, auf denen die eingangs erwähnten Regeln zusammengefasst waren. Wer nicht bereit war, sich daran zu halten, wurde vom Platz verwiesen. Das kam genau einmal vor.
  5. Im Vorfeld war die Polizei darüber informiert und im Falle des Falles um Hilfe gebeten worden. Diese war aber im Zusammenhang mit dem Einhalten der Regeln nicht erforderlich.
  6. Das Verteilen von Flugblättern wurde unterbunden, auch wenn es sich um Aufrufe zum Thema „Mehr Demokratie“ handelte – ein verwandtes Thema. Flugblätter zum Thema „Russland – Ukraine“ wurden von einem der Ordner direkt eingezogen.
  7. Auf der Kundgebung war auch ein Verein von Polizisten für Grundrechte vertreten, die für mehr Demokratie und Grundrechte werben wollten. Sie rollten ihr Plakat – wenn auch unter verständlichem Protest – ein, als sie von Seiten der Ordner darauf angesprochen wurden.
  8. Der Träger des Schildes, mit dem der Qualitätsjournalist Bonvalot dokumentiert, dass „einschlägige rechte Verschwörungstheorien gezeigt wurden“, wurde von einem der Ordner aufgefordert, dieses zu entfernen bzw. sonst den Platz zu verlassen. Der Kundgebungsteilnehmer kam dieser Aufforderungen nach.

Alles das passt aber nicht zur Meinung des „Journalisten“ Bonvalot, der daher das vermutlich einzige Bild für seine „Würdigung“ der Veranstaltung verwendete, das für eine entsprechende Meinungsmache – sprich Manipulation – geeignet war.

Dass dieses Schild ausgerechnet in einem Bereich auftauchte, wo die einschlägig bekannten Fotographen der „Antifa“ versammelt werden, mag ein Zufall sein. Meine Erfahrung aus zahlreichen Demonstrationen und Kundgebungen, bei der Provokateure und/oder Störer immer dort auftauchen, wo die Mainstream-Journalisten zu finden waren, spricht aber dagegen.

Abschließend – was dem sorgfältig recherchierenden Journalisten wohl entgangen ist – der Hinweis auf den INHALT dieses von ihm kritisierten Schildes. Der Träger des Schildes kritisiert die Kundgebung bereits in der Headline, weil aus seiner Sicht „wesentliche Themen übersehen“ bei dieser Kundgebung werden. Besser könnte nicht deutlich werden, dass die Kundgebung eben keine Versammlung von Verschwörungstheoretikern ist.

Bonvalots Aussage „Bewaffnete, die sich rechts mobilisieren“ ist in etwa genauso wahrheitsgemäß wie der Rest seines Postings. Wer sich selbst über diese „rechtsradikale Kundgebung“ informieren möchte: der Life-Stream ist online verfügbar und in den kommenden Tagen werden die Beiträge der Sprecher als einzelne Videos nach und nach Online zur Verfügung gestellt.

Damit kann man sich in dieser Hinsicht selbst ein Bild über die Qualität der Arbeit von Qualitätsjournalisten wie Herrn Bonvalot machen. Denn dieses Beispiel hier – und das sei ausdrücklich erwähnt – ist nur einer von zahlreichen Fällen – wie „meinungsmachende“ Journalisten heute agieren.

Bildquelle


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Am Tag des Weltfriedens: Soldatenkundgebung für Österreichs Neutralität

Programm der Kundgebung zur Neutralität Österreichs 21.9.22 in Wien

18 Kommentare

  1. moin, MOin 23. September 2022 at 15:47Antworten

    Etwas off topic aber dennoch passend.

    In den USA wurde kürzlich bereits der 2. („erfolgreiche“) Mordanschlag auf einen (vermeintlichen!) Trump-Supporter verübt, auf einen 18-Jährigen. Der Täter gab als Grund selbst eine politische Meinungsverschiedenheit an und fuhr ihn mit seinem Auto über den Haufen. Da war dann noch der Dems-Kandidat, der die negative Recherche eines Journalisten nicht vertrug und ihn vor dessen Haus niederschoss. Da war dann noch der Richter Kavanaugh, wobei dieser Anschlag zum Glück verhindert werden konnte. Oder der Versuch einer öffentlichen „Hinrichtung“ eines „MAGA“-Kappl-Trägers als „Faschist“, obwohl er unter dem Kappl eine Kippa trug – weil er praktizierender Jude ist. Nicht zu vergessen natürlich die über 30 Toten und etlichen abgebrannten Häuser, Geschäfte und KIRCHEN (! siehe Antifa in Portland) bislang im Zuge der BLM-„Proteste“ – die die woken MS-Medien immer noch als „mostly peaceful protests“ bewerben….

    Das ist pseudo-linker McCarthyism, nichts anderes. Die allgemeine Hetze trägt „Früchte“ – sicher auch bald in Österreich. Auch deshalb, weil dieser Teil der Entwicklung der Gesellschaft medial völlig unter den Teppich gekehrt wird. Jeder, der nur in Verdacht gerät einen Millimeter räächts der Mitte zu stehen, ist bereits quasi vogelfrei.

    Wehret den Anfängen. Egal ob von links oder rechts – Faschismus ist immer scheisse!

  2. borisondrasik 23. September 2022 at 14:22Antworten

    Es gibt leider viele gleichgeschaltete „Journalisten“ mit perversen Berichterstattung. Zum Beispiel ein Tweet über Demo von Markus Sulzbacher: „Bei der Schwurbler-Demo „Soldaten für Neutralität“ hat Bundesheer Brigadier Gaiswinkler offensichtlich nachrichtendienstliche Infos über die Kundgebung erzählt. Im Publikum: organisierte Rechtsextreme, Staatsverweigerer & Coronaleugner*innen.“

    • alexandrabader 23. September 2022 at 15:09Antworten

      Sulzbacher hat da etwas verwechselt. Das Abwehramt hat u.a. Gaiswinkler im Visier und ist ein Kapitel für sich …

      • moin, MOin 23. September 2022 at 15:23

        Was mir persönlich aber sehr wichtig ist, er hat „uns“ richtig gegendert, zumindest uns LeugnerInnen. Für die „RechtsextremInnen“ und „StaatsverweigerInnen“ muss er aber noch üben.

  3. audiatur et altera pars 23. September 2022 at 14:04Antworten

    Dieser Journalist forscht angeblich hauptberuflich seit Jahren nach Rechtsextremen. So wie Drosten nach Viren. Der eine sieht überall gefährliche Rechtsextreme. Der andere überall gefährliche Viren. So weit, so verständlich. Unzweifelhaft gibt es Rechtsextreme. Unzweifelhaft gibt es Viren. Unzweifelhaft können Viren und Rechtsextreme gefährlich sein. Sie sind es aber in der Regel nicht. Weil sie von funktionierenden Systemen abgewehrt werden. Versetzen wir aber das Abwehrsystem künstlich unter Stress, kann es schon mal sein, dass es nur noch Rechtsextreme und Viren sieht. Es ballert dann auf alles, was nicht bei Drei auf dem Baum ist. ZB auf den Ballesterer Hinteregger. Oder auf „Ungeimpfte“. Kann man machen. Ist das gescheit? Wenn es wirklich gefährliche Rechtsextreme und gefährliche Viren gibt?
    PS: Und wo bleiben die gefährlichen Linksextremen und Bakterien? Huch, Aaaaangst vor dem Feeeeind!

    • alexandrabader 23. September 2022 at 18:11Antworten

      Wie Markus Sulzbacher, geb 1972, seit 1997 beim Standard, Ressortleiter. DAS Thema für ihn Rechtsextremismus. Man sieht auch Postings zu Klimastreiks wie heute. Wenn man nach ihm sucht, werden solche Tweets angeboten. Wenn er einen blockiert, sieht man nicht mehr (Danke daher dem User, der hier seinen Tweet gegen Johann Gaiswinkler zitierte). Solche Typen sind nicht nur dem Confirmation Bias verfallen, die werden in ihrer Blase nie herausgefordert und haben immer recht.

  4. moin, MOin 23. September 2022 at 12:22Antworten

    Der Bonvalot ist einfach nur ein dummer A.

    Piunkt

  5. Andreas I. 23. September 2022 at 11:39Antworten

    Hallo,
    wie allerdings die Forderung nach Neutralität zu Extremismus passen soll, wäre mal interessant – aber inhaltlich müssen Qualitätsjournalisten ja kapitulieren, deswegen müssen sie immer irgendwas konstruieren.

    Die Eskalation in der Ukraine sollte Grund genug sein, das Thema Neutralität ernst zu nehmen, schließlich hat es einen Anteil an der Eskalation, dass die Nato versucht, die Ukraine ins Bündnis zu bekommen.
    Und D ist zwar sowieso in der Nato, könnte sich aber trotzdem neutraler verhalten, übrigenhs einschließlich der deutschen Qualitätsjournalisten …

  6. Peter Pan 23. September 2022 at 11:02Antworten

    In Deutschland finanzieren die extrem Rechte und Reichsbürger über die Zwangsabgabe, „Werbung“ (Beispiel Lauterbach) und andere schwarzen Kanäle den öffentlich-rechtlichen Staatsfunk und die Qualitätspresse. Offenbar haben Leute wie Herr Michael Bonvalot kein Problem mit der eigenen Nähe zu den extrem Rechten und Reichsbürgern.

  7. Otto 23. September 2022 at 10:58Antworten

    Das Interesse an der Veranstaltung hat sich aber sehr in Grenzen gehalten

    • Andrea Drescher 23. September 2022 at 11:15Antworten

      stimmt – die leute lernen erst, wenn sie nichts mehr zu fressen haben und die bomben fallen.

      aber diesmal kann man nicht sagen, „wir haben das alles nicht gewusst“
      diesmal muss man sagen: wir haben es gewusst, aber es war uns scheiss egal.

      • Otto 23. September 2022 at 11:44

        Andrea Drescher
        23. September 2022 at 11:15Antworten

        Ich teile ihre negative Einstellung nicht.
        Wir haben Essen im Überfluss. Uns einzuschränken gibt uns auch die Möglichkeit uns zu besinnen und den ganze Konsumwahn mal zu überdenken.
        Es werden keine Bomben fallen.

    • Andrea Drescher 23. September 2022 at 13:38Antworten

      lassen sie es mich so sagen: als selbstversorgerin, mit eigenen wasser, eigenen strom (inselanlage) ganz weit draußen am land, habe ich ziemlich wenig ängste. das thema konsumwahn habe ich mit beginn des selbstversorger-daseins – vor ca. 12 jahren – lange hinter mir gelassen.

      tut was, oder lasst es. aber tragt die konsequenzen ohne zu raunzen …

  8. G.R. 23. September 2022 at 10:55Antworten

    Die Neutralität für Österreich ist wundrrbar und unverhandelbar. MFG

    • clacra 23. September 2022 at 14:17Antworten

      Da stimme ich Ihnen/dir zu!

      Wir sind auch nicht die Einzigen, die diese Meinung haben, wie man dem Bundesverfassungsgesetz vom 26. Oktober 1955 über die Neutralität Österreichs entnehmen kann:

      Artikel I.
      (1) Zum Zwecke der dauernden Behauptung seiner Unabhängigkeit nach außen und zum Zwecke der Unverletzlichkeit seines Gebietes erklärt Österreich aus freien Stücken seine immerwährende Neutralität. Österreich wird diese mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln aufrechterhalten und verteidigen.

      • Inukai Genpachi 26. September 2022 at 14:43

        Leider ist die „immerwährede Neutralität“ schon mit der „Impflicht“ endgültig flöten gegangen.
        Sie wurde verkauft. An die Pharma-Industrie AKA Pharma-Mafia.

  9. Lothar 23. September 2022 at 10:48Antworten

    Michael Bonvalot ist ein freier Journalist, der nach dem Motto „Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing.“

    • Inukai Genpachi 26. September 2022 at 14:44Antworten

      „Freier Journalist“ ?
      Was versteht er unter „frei“? Frei verkäuflich?

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