7 Sargnägel der Freiheit

2. Mai 2026von 4,1 Minuten Lesezeit

Niemand kann verhindern, dass Strauchdiebe oder Großmächte plötzlich einen Fuß auf die Schwelle setzen und alles beanspruchen, was man als Eigentum erachtet. Aber es gibt Verhaltensweisen und Strategien, die derartige Übergriffe erschweren.

Jeder Staat kann begehrt sein. Vielleicht nur wegen seines touristischen Potentials oder als Müllabladeplatz. Und vielleicht sitzt das Land auch auf Rohstoffen, von denen die Bewohner noch gar nichts wissen. Nicht die Besitzlosigkeit ist der beste Schutz. Wer nichts besitzt, ist total abhängig und entsprechend erpressbar.

Ebenso wenig schützt ein starkes Militär alleine. Der Angreifer könnte dennoch überlegen sein. Oder auch, weil hohe Rüstungsausgaben eine Gemeinschaft durch die Verschuldung zu einem Opfer für ein wirtschaftliches Takeover verkommen lassen. So ist es den Europäern mit zwei großen Kriegen ergangen, die sie ihre Vormachtstellung kosteten.

Es sind 7 Sargnägel, die Autonomie kosten:

  • Verschuldung. Wer Zahlungsverpflichtungen gegenüber anderen Ländern, Organisationen oder Privatpersonen in größerem Ausmaß und mit langer Laufzeit zulässt, der muss mit einer feindlichen Übernahme ohne Waffengewalt rechnen. Wirtschaftlicher Druck ist nicht weniger tödlich als eine militärische Übermacht. Jede Anhäufung von Schulden ist ein potentieller Sargnagel für eine Gemeinschaft. Fast jeder Angriffskrieg beruht auf Schulden.
  • Eine Staatsführung, die nicht die Interessen des Gemeinwesens im Blick hat und kurzsichtig oder korrupt, den Forderungen anderer entspricht. Hätte Irland im 19. Jahrhundert eine autonome Regierung gehabt, die Hungerkatastrophe wäre ausgeblieben. Nur die Kartoffeln waren verdorben. Man hätte einfach von allen anderen landwirtschaftlichen Produkten genug auf der Insel belassen müssen.
  • Verlust der Autarkie. Nur eine Gemeinschaft, die über ihre lebensnotwendigen Ressourcen selbst verfügen kann, wird nicht durch einen Mangelzustand zu einem willfährigen Opfer. Die mit dem europäischen Kolonialismus stetig ausgebaute Globalisierung des Warenverkehrs hat Abhängigkeiten aller Staaten entstehen lassen, die existenzbedrohend sind. Europa ist auf Rohstoffimporte angewiesen, seit die Wirtschaft auf hohen Energiekonsum und High-Tech umgestellt wurde. China kann zwar alles aus eigener Kraft produzieren, ist aber auf eine externe Energiezufuhr und zur Auslastung seiner Kapazitäten auf zahlungsbereite Absatzmärkte angewiesen.
  • Zentrale und supranationale Strukturen. Je zentralistischer ein Gemeinwesen ist, desto leichter fällt es einem Putsch zum Opfer. Dezentrale Strukturen erfordern bei einer feindlichen Übernahme zahlreiche Angriffspunkte. Jeder Tendenz zur Aufhebung dezentraler Kompetenzen sollte frühzeitig entgegengesteuert werden.
  • Unachtsamkeit gegenüber äußeren Entwicklungen, die das per Konvention oder Tradition etablierte innere Gefüge gefährden. Koloniale Unterwerfungen nahmen zu jeder Zeit und überall ziemlich unspektakulär ihren Anfang. Es waren immer vergleichsweise wenige Personen, die über einen Zeitraum von Jahrzehnten Gemeinwesen unter ihre Kontrolle brachten. Die Abwehr kam letztlich zu spät und zu wenig konzertiert in Gang. Entschiedene Reaktionen bei den ersten Anzeichen hätten viele feindliche Übernahmen verhindern oder wenigstens abmildern können.
  • Eine unsolidarische Gesellschaft, deren Maxime nicht ein gedeihliches Miteinander, sondern gegenseitige Übervorteilung ist. Zieht eine Mehrheit eine Kollaboration mit Besatzern der Kooperation mit den Mitmenschen vor, lässt sich eine Gesellschaft von innen heraus zersetzen. Überall, wo relativ kleine Gruppen von Eroberern eine Überzahl unter ihre Kontrolle brachten, überwogen Zwistigkeiten, Neid und Missgunst unter den Opfern deren gegenseitige Solidarität. Ob bei der Unterwerfung der amerikanischen Indianer vor 500 Jahren oder der indigenen Europäer vor einem Jahrtausend, es waren immer vergleichsweise wenige Angreifer, die ohne die Kooperation von Teilen ihrer Opfer weder hätten erobern, noch beherrschen können.
  • Anfälligkeit für nicht-überprüfbare Versprechen. Sobald von Neuankömmlingen Vorleistungen für vage Zukunftsversprechen eingefordert werden, ist höchste Skepsis geboten. Die Spanier nutzten naturreligiöse Vorstellungen und die Prognosehörigkeit der Einheimischen aus, um sie zur Deportation auf Schiffe zu locken, oder ihnen glauben zu machen, es handle sich bei den blechbewehrten Europäern um die erwarteten neuen Herren. Vorspiegelungen eines besseren Lebens nach dem Tod nutzten ein halbes Jahrtausend früher katholische Missionare, um in Europa Besitzende zu enteignen und ganze Bevölkerungen zu entrechten. Wer an in Aussicht gestellte Hilfe und geschenktes Glück bereitwillig glaubt, ist schon unterworfen.

Das Ende staatlicher Autonomie war bisher immer das Ende der Freiheit der Einzelnen. Geschichte reimt sich immer. Wie wir jetzt erleben, wiederholt sie sich sogar. Mehr zum Thema feindlicher Übernahmen in der Geschichte in „Die Eroberung der Alten und Neuen Welt. Mythen und Fakten„. Leipzig 2024.

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇

Bild von Jupi Lu auf Pixabay

Univ.-Doz.(Wien) Dr. med. Gerd Reuther ist Medizinaufklärer und Medizinhistoriker. Dr. Renate Reuther ist Historikerin. Zusammen haben sie vier Bücher verfasst.


Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.

Folge TKP auf Telegram oder GETTR und abonniere unseren Newsletter.



Tausend Jahre Kreuzzüge

Namen machen Leute

EU plant noch mehr Steuern und Enteignung: Die Brüsseler Falle für privates Vermögen schnappt zu

Die große Enteignung – wie sich die EU auf Kosten ihrer Bürger sanieren könnte

Wahlen annullieren: Forderung nach EU-Demokratie-Schutztruppe

4 Kommentare

  1. 1150 2. Mai 2026 um 8:48 Uhr - Antworten

    besonders der punkt mit der unsolidarischen gemeinschaft hat man seit 1989 besonders beackert
    und auch einen durchschlagenden erfolg damit gehabt.
    wie schon gesagt, das linke gesindel im lande ist nur bei sport oder songcontest patriotisch,
    sonst ist der übrige rest ein nationaler sozialist
    (komischerweise erhält der traiskirchner staplerfahrer auch seine kraft durch freude).

  2. Gabriele 2. Mai 2026 um 8:30 Uhr - Antworten

    Ach hören Sie doch auf, zum Lämmerschlachten aufzufordern… glauben Sie wirklich, jemand will so leben?
    Wenn es so einfach wäre… die Steinzeit wird nicht wiederkommen und wenn, dann zusammen mit völliger Anarchie, Grausamkeit und Hirnlosigkeit. Wenn wir keine andere Zukunft zusammenbringen, dann ist es besser, die Menschheit wird ausradiert – sorry, nur meine Meinung.

    • Gabriele 2. Mai 2026 um 8:31 Uhr - Antworten

      Diese Antwort war an Jan gerichtet!

  3. Jan 2. Mai 2026 um 8:25 Uhr - Antworten

    Ja, natürlich! Es ist ganz einfach. Wenn die Bevölkerung einen Teil ihrer Nahrungsmittel selbst herstellen kann, zB durch Kleingärten und Kleintierhaltung, dann kann sie mit den Reserven auf den Hüften ein paar Monate überstehen, bis die neuen Lämmer geboren wurden und die Tierhaltung skaliert ist. Sie können ein Drittel schon einmal aus dem eigenen Garten ziehen, haben die Qualität unter Kontrolle, das Saatgut in der Hand und sind unabhängig von dubiosen Beglückungen der Chemiebranche. Auch das Knowhow sickert durch.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

Aktuelle Beiträge