
„Kriegsformen“ im Wandel – Lehren aus dem Iran-Krieg
Obwohl der Iran-Krieg weitgehend durch die Brille der konventionellen westlichen Kriegsführung betrachtet wurde, sind seine Lehren alles andere als konventionell. Sie sind vielmehr aufständischer Natur.
Der westliche Ansatz der Nachkriegszeit (insbesondere im Kontext des Kalten Krieges) stützte sich auf die Fähigkeit, jeden militärischen Gegner durch den Erwerb von hochmodernen, übertechnisierten und kostspieligen bemannten Flugzeugen und Munition finanziell zu übertrumpfen. Die Vorherrschaft im Luftraum und die starke Abhängigkeit von Luftangriffen, d. h. der Luftkrieg, waren das doktrinäre Ziel.
Die Überlegenheit bei den Ausgaben (sowie eine unterstellte technische Innovation) wurde als entscheidendes Element in der Konfrontation mit der UdSSR angesehen.
In ähnlicher Weise ging der Trend in der Seekriegsführung hin zu Investitionen in immer größere Flugzeugträger und die dazugehörigen Flotten von Unterstützungsschiffen.
In der Landkriegsführung lag der Schwerpunkt im Irakkrieg („Desert Storm“) auf Panzern, die die Verteidigungslinien des Gegners „durchbrachen“ und durchstießen – obwohl dieser Ansatz vom Westen in der Ukraine nach der Wende zum drohnengeführten „Grabenkrieg“ an der Front im 21. Jahrhundert aufgegeben wurde.
Der Ansatz der hohen Ausgaben begünstigte sowohl den militärisch-industriellen Komplex der USA als auch, zusammen mit der Hegemonie des US-Dollars, verschaffte er Amerika den einzigartigen Vorteil, dass die USA diese zusätzlichen Ausgaben für die Überlegenheit im High-End-Bereich effektiv „drucken“ konnten.
Dann kam der Iran-Krieg von 2026, dessen asymmetrisches Modell konventionelle Doktrinen auf den Kopf stellte.
Anstelle der Lufthoheit strebte der Iran keine Luftüberlegenheit an, sondern vielmehr eine fortgeschrittene Raketenhoheit über den Luftraum.
Anstelle von militärischer Infrastruktur an der Oberfläche wurden Raketenarsenale, Abschussanlagen und ein Großteil der Raketenproduktion über die riesigen geografischen Gebiete des Iran verteilt und tief in unterirdischen Raketenstädten und Gebirgszügen verborgen.
Der entscheidende Wandel hin zum asymmetrischen Ansatz war jedoch das Aufkommen leicht verfügbarer, billiger technischer Komponenten. Während der Westen Millionen von Dollar für jeden Abfangjäger ausgab, gaben der Iran und seine Verbündeten nur Hunderte aus.
Der Vorteil der Dollar-Hegemonie ist somit geschwunden und hat sich stattdessen in eine Belastung verwandelt – die überhöhten Kosten für US-Munition und deren High-End-Technik haben zu sklerotischen Versorgungslinien, langen Produktionszyklen und minimalen Waffenbeständen geführt.
Auch die vermeintliche technologische Überlegenheit von US-Waffen wird durch „Garagen“- und „Werkstatt“-Projekte mit billigen Technologiekomponenten übertroffen. Diese generieren Innovationen, die nach informellen Tests von „Militärbehörden“ aufgegriffen und skaliert werden.
Dieser Trend zeigt sich besonders deutlich in der russischen Armee, wo anfängliche „Garagen“-Technologie getestet und anschließend in den gesamten Militärstrukturen implementiert wurde. Dies gilt sowohl für technische Hardware als auch für Innovationen im Bereich der KI im Internet.
In ähnlicher Weise hat die Innovation der Hisbollah mit ihren glasfasergesteuerten Drohnen den Krieg im Südlibanon verändert – und israelischen Panzern und Truppen schwere Verluste zugefügt, bis zu dem Punkt, an dem die IDF gezwungen sein könnte, sich aus dem Süden zurückzuziehen.
Ebenso stellen Asymmetrie und Innovation auf See die traditionelle westliche Abhängigkeit von großen, schweren Kriegsschiffen und Flugzeugträgern auf den Kopf. Letztere sind zu „weißen Elefanten“ des „Kriegs“ im Persischen Golf geworden, da sie durch Drohnenschwärme und die Bedrohung durch Schiffsabwehrraketen so weit von der iranischen Küste verdrängt werden, dass die Angriffsfähigkeit ihrer deckgestützten Kampfflugzeuge durch die Notwendigkeit eingeschränkt ist, über dem Zielgebiet von Tankern nachzutanken.
Der Anblick eines regelrechten „Schwarms“ von Dutzenden bewaffneter Schnellboote, die sich einem schwerfälligen konventionellen Kriegsschiff nähern, unterstreicht nur deren Verwundbarkeit. Ohnehin verfügt der Iran über weitere Schiffsabwehrwaffen.
Kurz gesagt: Ein US-Flugzeugträger flößt nicht mehr so viel Furcht ein wie einst; er strahlt nun Verwundbarkeit aus.
Zu Irans neuer Seekriegsführung gehören jedoch auch hochgeschwindigkeitsfähige Unterwasserdrohnen (oder Torpedos), die bis zu vier Tage lang im Einsatz bleiben können und mit KI-Zielerfassungsfähigkeiten ausgestattet sind. Diese Drohnen können aus Unterwassertunneln gestartet werden, die unter der Oberfläche des Hormuz verlaufen.
Zugegebenermaßen wurde die iranische Innovation lange geplant und entwickelt. Ihre Wirksamkeit hat sich während des Konflikts mit Israel und den USA bewährt. Der Iran hat den israelischen und amerikanischen Flächenbombardements standgehalten (wenn auch unter schweren Schäden und Verlusten), doch der Iran hat weiterhin die Kontrolle über die Meerenge, über reichlich Raketenbestände und über zerstörte, unbrauchbare US-Militärstützpunkte im Golf.
Das ist die Kriegserfahrung des Iran. Der übergeordnete strategische Punkt ist jedoch, dass sich gezeigt hat, dass die westliche „Kriegsführung“ von kostengünstiger innovativer Technologie und sorgfältiger asymmetrischer Planung in den Schatten gestellt wurde.
Das westliche Modell kann verheerenden Schaden anrichten – daran besteht kein Zweifel –, doch sein Mangel an präziser Anwendung ist in einem Zeitalter der Massenmedien und der Smartphone-Fotografie, die von zivilen Todesopfern, Zerstörung und Leiden zeugen, auch kontraproduktiv.
Der zweite Punkt ist, dass der Westen ein schwerfälliger Riese bleibt, der es versäumt hat, den neuen asymmetrischen Krieg zu verstehen – geschweige denn vorauszusehen. Innovation wurde durch die Konsolidierung des militärisch-industriellen Komplexes zu wenigen bürokratischen Monopolen behindert.
Die westliche Art der Kriegsführung ist ein gescheitertes Modell, wenn sie einem hochentwickelten asymmetrischen Gegner gegenübersteht.
Andere haben jedoch tatsächlich die Lehren aus dem Iran-Krieg gezogen. Russland ist eines davon; China ein weiteres. Es werden noch mehr folgen. Der Westen muss damit rechnen, dass diese Lehren in anderen Kriegen des Westens in unterschiedlicher Gestalt zum Vorschein kommen.
Die europäischen Eliten könnten feststellen, dass ihre Unterstützung ukrainischer Drohnenangriffe tief in Russland in naher Zukunft eine andere (kinetische) Reaktion nach sich ziehen könnte. Die Warnungen wurden ausgesprochen. Werden sie erhört werden?
Der Text erschien auf Englisch bei Conflicts Forum.
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Alastair Crooke ist ehemaliger britischer Diplomat und Gründer und Direktor des Conflicts Forum in Beirut.
Pistorius will Washington um Tomahawk-Lieferung ersuchen..ich glaube, da geht es nur um die Vorauszahlung. Schland will sich wieder einweimperln? Was ist mit den Taurus/Flamingos? Funktionieren die leicht auch nicht?
Die Lehre, die man ziehen kann, sollte sein: ein Monopol geht immer irgendwann zu Ende und man kann das Ende auch mit Waffengewalt nicht aufhalten, sondern beschleunigt nur noch dessen Ende.
Jedes Monopol mit Zockmöglichkeit schadet immer den Menschen, die zu wenig haben, um mitzuzocken.
Übrigens, auch Fiat-Währungen sind Monopole… dagegen hilft nur Besitz echter Sachwerte.
Selbstverständlich hat ein Land mit stabiler wirtschaftlicher und industrieller Basis und gut ausgebildeten und genährten Fachkräften und mit einer einigen Bevölkerung einen Vorteil im Krieg. Man muss ihn allerdings auch zu nutzen wissen.
Dieses hermetische „je weniger, desto mehr“ führt irgendwann in die Selbstaufgabe, man sollte es nicht übertreiben!
Die neue Kriegsführung besteht immer mehr aus Erpressungen …. Sanktionen und die Spxrre von internationalen Seewegen, Meerengen, Kanäle, Seepiraterie usw. Die Marine gewinnt wieder zunehmend an Bedeutung.
Ahm, der Iran spxrrt zB die Str. v. Hormus, die auch internationales Gewässer ist. Und auf Un Cut Newsticker gefunden: Der Iran plant, die Kontrolle über Unterwasser-Internetkabel in der Straße von Hormuz zu übernehmen.
Damit will er die Golfstaaten/Nachbarländer erpressen.
Zudem werden die Energieinfrastrukturen zerstört, was ebenso die Nachbarländer und die Welt erpresst und das gehört auch zur modernen Kriegsführung. Auch S. zerstört die Energieanlagen Russlands und erpresst uns mit den Pipelines, die durch die Ukr. führen…
Also Erpressung und Zerstörung von Energieinfrastruktur, Internetverbindungen (Abschneiden von Info, das macht auch die EU, s. RT, nicht nur der Iran), und auch die Zerstörung der Trinkwasserversorgung.
Die A-Bomben hingegen nützen gar nichts, denn es wäre ein Kriegsverbrxchen, sie einzusetzen…zwar begehen die Kriegsparteien eh viele Kriegsverbrxchen, aber das wäre ein ganz großes und zudem wäre das Erdöl dann ja radioaktiv.
Neugierig bin ich, ob Putin nun doch eine Oreshnik auf Kiew wirft, da S. den Waffenstillstand gebrochen hat. Ich glaube ja, die funktioniert gar nicht, alles nur Bluff?
Ja, und das gehört immer zum Krieg, das Imponiergehaben, Drohungen. Dieses Verhalten ist auch im Tierreich sehr verbreitet, das Aufplustern zB. Damit will die Natur den Kampf vermeiden, um die Art nicht zu dezimieren. Besonders auch Katzen machen sich sehr groß und schreien ganz erbärmlich. Ich hatte mal einen Siamkater, der allgemein als Verweser galt, noch klass. Siam, also nicht verzüchtet. So konnte ich mal beobachten, wie er von einem dicken großen Bauernkater angekreischt wurde. Er war Mister Cool (er hat auch Rottweilerhunde zur Räson gebracht :-) und erhob seine dunkle tiefe Siamstimme…frrrraauu, sehr schaurig (die Siam heißt daher auch „Alptraumkatze“), da drehte sich der andere Kater langsam weg und suchte das Weite und mein Kater blieb ruhig sitzen. Er verfolgte ihn nicht…
Ich glaube, die Oreshnik gehört zu diesem Imponiergehaben. Wenn Putin sie aber nicht bald einsetzt, wird man diese Drohungen nicht mehr ernstnehmen.
@Daisy
10. Mai 2026 um 11:14 Uhr
„Die neue Kriegsführung besteht immer mehr aus Erpressungen … Ahm, der Iran spxrrt zB die Str. v. Hormus, die auch internationales Gewässer ist“
Wer hat einen heimtückischen Angriffskrieg begonnen? Wer schlachtet aus der Luft Zivilbevölkerungen, in Gaza, im Libanon, im Iran? War es nicht vorher bekannt, dass es eine Straße von Hormuz gibt? Wie schnell ließe sich die Situation dort entschärfen, wenn sich die Angreifer dort zurückziehen würden? Warum tun sie es nicht? Man muß nicht „oikophob“ sein, um den westlichen Imperialismus und seine Kriege zu verurteilen, sondern man muß nur die eigenen kulturellen Errungenschaften hochhalten …
Ja, natürlich wusste man das vorher. Ich habe das schon vor gut einem Jahr hier immer wieder gesagt und ich finde es auch superdämlich.
Dennoch ist es Faktum, dass es sich um internationales Gewässer handelt. Wie schon zigfach vorgeschlagen muss der Iran-Krieg so rasch wie möglich enden und der Iran braucht einen verlässlichen Schutz, nicht mehr angegriffen zu werden. Russland bemüht sich hinterrucks zwar sehr, indem es Iran div. Waffen, Abwehrsysteme usw. liefert, aber a la longue müssen chin. und russ. Stützpunkte dort errichtet auch ganz offiziell errichtet werden. Die Amis haben ja auch überall solche Stützpunkte. Sicherheitsgarantien, Sie verstehen?
Mein Vorschlag: immer offen und ehrlich…wer in Zukunft den Iran angreift, der greift de facto China und Russland an…
Aber die Str.v.H. ist freizugeben. Und wenn das nicht bald geschieht, fürchte ich, wird es noch sehr laut scheppern. Es ist ja nicht so, dass auch der Ami mal gemein sein könnte….Ihre Beleerungen sind immer sooo erfreulich, Hr. Fritz. Vielen herzlichen Dank. Wenn wir Sie und den Papst Locherl nicht hätten, wüssten wir nicht, was wir täten…
Daisy
10. Mai 2026 um 13:34 Uhr
„Ihre Beleerungen sind immer sooo erfreulich“; „… und der Iran braucht einen verlässlichen Schutz, nicht mehr angegriffen zu werden … a la longue müssen chin. und russ. Stützpunkte dort errichtet auch ganz offiziell errichtet werden. Die Amis haben ja auch überall solche Stützpunkte. Sicherheitsgarantien, Sie verstehen?“
Es sind keine „Beleerungen“, sondern bescheidene Hinweise auf die Realität, wie sie hier im Blog ständig gegeben werden, aber nicht in die dumme westliche Überheblichkeit passen.
In welcher Welt leben wir eigentlich? Ich verstehe Sie sehr gut. Von Souveränität sollten Sie nicht mehr reden, wenn alle chinesische oder russische Stützpunkte brauchen, um vor „den Amis“ geschützt zu sein, von Neutralität sowieso nicht. Das wird zur reinen Heuchelei …
Da ist der Redaktion schon im Titel ein Tippfehler unterlaufen. Richtig müsste es natürlich heißen: „Leeren aus dem Iran-Krieg“
Ich frage mich mittlerweile, wie lange der „zivilisierte Wertewesten“ noch auf wenige, künstlich aufgeblasene „Wunderwaffen“ setzen will. Es kommt mir bereits wie ein Witz der Geschichte vor, hierbei überhaupt von „asymmetrischer Kriegsführung“ zu sprechen. Da ist nix „asymmetrisch“, da ist nur eine Seite so blöd, permanent auf dieselbe – unterlegene – Strategie zu setzen.
Bestes Bsp: die „Trump-Class“ der US-Navy.
Während die „Super-Zerstörer“ lediglich an Star Wars und die Bismarck erinnern, erinnert der Iran an die Sovjets im 2. Weltkrieg. Wer heute „asymmetrisch“ kämpft, der nutzt also die Strategie einer Supermacht – und nicht die, eines Underdogs. Es ist schlicht die effizientere Methode der (kontrollierten) Vernichtung feindlichen Kriegsmaterials bzw die effizienteste Nutzung von Produktions-Kapazitäten für diesen Zweck.
Meine Lehre ist die, dass es bald mehrere („Klein-„)Staaten geben wird, die über ausreichend & billige Raketen verfügen werden (müssen), mit denen sie die USA erreichen können. Wenn die USA den Krieg mit ihrer Navy nicht mehr exportieren können, ohne, dass er postwendend nach Hause kommt, bricht das System USA/Nato zusammen.
PS: Es ist ja nicht nur so, dass die westliche „Strategie“ wenige „Wunderwaffen“ generiert, sondern auch wenige Produzenten, durch ein korrumpiertes, zentralistisches Machtsystem. Während die Wehrmacht jede Traktorfabrik zerstören musste, würden in den USA 5 Rüstungszentren genügen, den gesamten Nachschub lahmzulegen. Allzu viele Raketen bräuchte es dazu nicht. Löcher graben, um sie sicher zu verstecken, kann man überall.
Dummheit und Nichtwissen auf einer Seite ist eine ganz eigene Art von Asymmetrie…
Zitat „Die westliche Art der Kriegsführung ist ein gescheitertes Modell, wenn sie einem hochentwickelten asymmetrischen Gegner gegenübersteht.“, weiter „Die europäischen Eliten könnten feststellen, dass ihre Unterstützung ukrainischer Drohnenangriffe tief in Russland in naher Zukunft eine andere (kinetische) Reaktion nach sich ziehen könnte.“
Häääh? Wo kommen denn die Ukro Drohnen her? Etwa nicht aus Fabriken in Deutschland? Fabriken, die mit dt. Strom laufen, mit dt. Wasser, mit dt. Arbeitskräften?