Tausend Jahre Kreuzzüge

18. April 2026von 3,5 Minuten Lesezeit

Geschichte reimt sich. Manchmal wiederholt sie sich sogar. Die aktuelle gewaltsame Expansion der inzwischen angloamerikanischen Raubritter ist ein weiteres Kapitel europäischer Eroberungen, die mit den Kreuzzügen im 11. Jahrhundert begannen. Schon damals war die Levante im Visier.

Ein kirchlicher Schreiber im Kloster Montecassino fand für die feindliche Übernahme Süditialiens durch die Normannen vor einem Jahrtausend unmissverständliche Worte: „Es wurde in der Gegenwart von Gott verfügt, dass wer auch immer sich den Normannen in den Weg stellt, von ihnen in die Flucht geschlagen wird; entweder werden alle sterben oder sie werden großes Ungemach erleiden. Denn dieses Land wurde den Normannen von Gott gegeben: wegen der Verderbtheit derjenigen, die es in Besitz hielten und wegen der väterlichen Verbindung von Gott mit den Normannen.“ (Amatus von Montecassino; zitiert nach: Rowley T: The Normans. A History of the Conquest. S. 153; Pegasus; New York 2021)

Die Vorfahren der heutigen angloamerikanischen Machthaber gingen entsprechend skrupellos vor. Schutz- und Lösegeld, Erpressung und rohe Gewalt waren schon damals ihr Geschäftsmodell. Die von Donald Trump beanspruchte Nähe zu Jesus folgt einer langen Tradition.

Im europäischen Geschichtsbild ist lediglich die Eroberung Englands durch skandinavische Ritter im Schulterschluss mit Mönchsorden gewärtig. Weder die Inbesitznahme Süditaliens und Siziliens, noch die Unterwerfung großer Teile des europäischen Kontinents über die Flusswege fand Eingang in die Geschichtsbücher. Das totalitäre Feudalsystem des Mittelalters mit seinen ummauerten 15-Minuten-Städten, das jetzt wieder als Vorbild für die „Neue Normalität“ dient, war aber die unmittelbare Folge dieser Eroberung.

Die Top-Down-Ideologie des monotheistischen naturfernen Christentums war ideales Vehikel für Totalunterwerfungen. Die Gedankenkontrolle erfolgte noch jahrhundertelang personalintensiv mit der Beichtverpflichtung. Das christliche Glaubensgebäude legitimierte die ausschließlich ökonomisch getriebenen Raubzüge. Ob die Einnahme und Zerstörung Konstantinopels 1204 oder die blutrünstige kurzzeitige Eroberung von Teilen der Levante – die Kreuzzüge waren die Vorläufer der transatlantischen Beutefahrten nach Südasien und den Amerikas ab Ende des 15. Jahrhunderts.

Die aus mediterranen Händlern hervorgegangene City of London hatte von Anfang an ihre Finger im Spiel. Der vermeintliche Anspruch der Christenheit auf Heilige Stätten im Nahen Osten war ohne Grundlage. Das Christentum wurde nicht wegen der Bergpredigt zur Ideologie des westlichen Systems, sondern durch seine Eignung, Gewaltherrschaften und Kriege zu legitimieren.

Als Entdeckungsreisen getarnte weltweite Expansion

Nach jahrhundertelanger Ausbeutung der indigenen Europäer kam die feudale Unterdrückung mit der Abriegelung der nahöstlichen Handelswege 1453 in Schieflage. Die beiden lukrativen Geschäftsmodelle, der Sklavenhandel und der Goldeintausch gegen Silber, kamen zum Erliegen. Für das Luxusleben der adeligen und geistlichen Oberschicht mussten neue Assets über die Meere beschafft werden.

Portugal und Spanien übernahmen unter der Regie des Vatikans die Führungsrolle. Nicht alleine wegen ihrer geographischen Lage. Das zahlenmäßige Missverhältnis zwischen den arbeitsfrei gestellten Fidalgos und Hidalgos zur ausgebeuteten Bevölkerung war nach Vertreibung und Ermordung von Mauren und Juden auf der iberischen Halbinsel am eklatantesten.

Obwohl zu diesem Zeitpunkt die offizielle Kirchenlehre die Erde zur Scheibe erklärte, organisierte man eine Ost- und Westpassage, um an die begehrten Schätze Indiens zu kommen. Seefahrerkreise hatten ohnehin schon länger gewusst, dass man weit draußen im Westen wieder auf Land traf. Es war der unselige Beginn eines europäischen Anspruchs auf eine globale Herrschaft, deren Einlösungsversuch wir jetzt wieder erleben. Nur Neuland konnte damals den wirtschaftlichen Zusammenbruch verhindern. Rohstoffe und die Kontrolle aller Wertschöpfungsketten waren immer das Ziel.

Fazit

Raubzüge sind das Geschäftsmodell christlicher Europäer seit einem Jahrtausend. (Geld)Adel und Kirche haben bestens daran verdient. Soll sich die unselige Geschichte nicht weiter wiederholen, braucht es neue Machtkonstellationen.

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇

Bild: Templer-Installation in Said, Libanon -Mesut Toker auf Pixabay

Univ.-Doz.(Wien) Dr. med. Gerd Reuther ist Medizinaufklärer und Medizinhistoriker. Dr. Renate Reuther ist Historikerin. Zusammen haben sie vier Bücher verfasst.


Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.

Folge TKP auf Telegram oder GETTR und abonniere unseren Newsletter.



Trump Sabaoth

Judentum mit Zionismus gleichsetzen ist Antisemitismus?

Ritterschlag für „Querdenker“: ein Wikipedia-Eintrag

Seit wann gibt es eigentlich den Adel?

2 Kommentare

  1. Informationsbefreier 21. April 2026 um 1:39 Uhr - Antworten

    Das die Scheibenform der Erde offizielle Kirchenlehre gewesen sein soll, ist doch seit langem als Geschichtsfälschung entlarvt.

  2. local.man 18. April 2026 um 14:41 Uhr - Antworten

    Danke für die weitere Aufklärung und den Brückenschlag in die Jetzt-Zeit. Es hilft zu erkennen, was hier eigentlich los ist.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

Aktuelle Beiträge