Zurück zum Milchmann-Prinzip?

2. Juni 2026von 7,4 Minuten Lesezeit

Vor sieben Jahren hatte Tom Szaky eine Idee, die so alt ist wie die Idee der Glasflasche: Was, wenn wir Verpackungen nicht einfach wegwerfen, sondern zurückgeben, reinigen und wieder befüllen? Was, wenn der Milchmann des 20. Jahrhunderts in digitaler Form zurückkehrt – diesmal nicht nur für Milch, sondern für Ketchup, Eiscreme, Waschmittel und Shampoo?

Szaky, Gründer und CEO des Recyclingunternehmens TerraCycle, überzeugte einige der mächtigsten Konzerne der Welt von dieser Vision. Nestlé, Procter & Gamble, Heinz, Unilever, Danone und viele andere investierten in sein Projekt namens Loop – eine Einkaufsplattform, die Konsumgüter in robusten, rückgabefähigen Behältern aus Edelstahl, Aluminium und Glas anbietet. Der Kreislauf war simpel: Produkt bestellen, Pfand hinterlegen, leeren Behälter zurückgeben, Behälter reinigen und wieder befüllen. Kein Plastik im Müll, kein schlechtes Gewissen.

Der Start

Der Start war spektakulär. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos 2019 präsentiert, schien Loop ein Durchbruch zu sein – ein Modell, das endlich ernst machte mit dem ersten und wichtigsten Teil des Dreiklangs „Reduce, Reuse, Recycle“. Pilotprojekte wurden in den USA, Kanada, Großbritannien, Japan und Frankreich gestartet.

Heute, im Jahr 2026, ist von diesem weltweiten Aufbruch fast nichts geblieben. Fast – denn in Frankreich läuft Loop in über 500 Supermärkten. Überall sonst: Stille.

Das Versprechen: Einkaufen wie früher, nur moderner

Das Konzept klingt verlockend einfach. Statt einer Plastikflasche Heinz-Ketchup kauft man eine Edelstahlversion – schwerer, stabiler, teurer in der Herstellung, aber dafür für Dutzende Einsätze ausgelegt. Man bezahlt ein Pfand, das beim Zurückgeben erstattet wird. Die Behälter werden gesammelt, professionell gereinigt und wieder befüllt. Die Verpackung gehört nicht dem Konsumenten – man „leiht“ sie nur.

Loop verwaltete den gesamten Kreislauf: Sortierung, Reinigung, Rückführung zu den Herstellern. Die Marken mussten ihre Verpackungen neu designen – robuster, anspruchsvoller, oft auch ästhetisch aufgewertet. Häagen-Dazs-Eiscreme kam in einem glänzenden Edelstahltopf, der eher wie ein Designobjekt als eine Supermarktware aussah.

In Kanada startete Loop im Februar 2023 in Partnerschaft mit Loblaws, dem größten Lebensmitteleinzelhändler des Landes. Das Angebot umfasste Milch, Haferflocken, Eiscreme, Zahnpasta und mehr – Lieferung frei Haus in Ontario. Konsumentinnen und Konsumenten konnten zwischen Produkten bekannter Marken wählen: PC-Saucen, Chipits-Schokoladenchips, Ocean Spray-Cranberries.

Das Problem: Konsum ohne Konsequenz

Die Nachfrage war da – zumindest anfänglich. Menschen kauften, probierten aus, fanden das Konzept gut. Doch dann stockte der Kreislauf. Nicht weil die Behälter schlecht waren. Nicht weil die Reinigung nicht funktionierte. Sondern weil die Wirtschaftlichkeit nicht aufging.

Szaky schilderte das Dilemma offen: Die Marken gaben ihm überall dieselbe Rückmeldung. Ja, Kunden fänden es gut. Ja, sie kauften. Aber: Die Nachfrage führte nicht zu mehr Produktverkäufen. Und solange Mehrweg nicht die Profitabilität steigerte, ließ sich die Skalierung nicht rechtfertigen. Ohne gesetzlichen Druck hatten Händler und Marken keinen echten Anreiz, die erheblichen Investitionen zu stemmen – neue Verpackungsdesigns kosten schnell siebenstellige Summen, allein die Teilnahme am Programm lag im sechsstelligen Bereich pro Marke.

Das Ergebnis: Die Piloten wurden einer nach dem anderen eingestellt. In den USA, in Großbritannien, in Japan, in Kanada. Überall dasselbe Muster – Begeisterung, dann Rückzug.

Geblieben ist nur Frankreich.

Das Frankreich-Wunder: Wenn Gesetze Märkte schaffen

Was macht Frankreich anders? Die Antwort ist so ernüchternd wie lehrreich: Regulierung.

Frankreich verabschiedete 2020 das wegweisende Anti-Verschwendungs- und Kreislaufwirtschaftsgesetz – im Volksmund oft kurz „loi AGEC“ genannt. Es verpflichtet Supermärkte, bis 2027 einen bestimmten Prozentsatz ihres Regalplatzes für Produkte in Mehrwegverpackungen bereitzustellen. Gleichzeitig müssen Marken eine Ökogebühr für ihre Verpackungen zahlen – einen Teil davon können sie zurückbekommen, wenn sie in Mehrweginfrastruktur investieren. Und: Die Pfandbeträge wurden so gesetzt, dass sie wirklich motivieren. Wer fünf Euro Pfand für einen Behälter hinterlegt, denkt zweimal nach, bevor er ihn nicht zurückgibt.

„Es war ein Aha-Moment“, sagte Szaky über die Erfahrungen in Frankreich. Konsumenten, die fünf Euro zurückbekommen wollen, verhalten sich ganz anders als solche, die für zehn Cent zurückgeben könnten oder auch nicht. Bequemlichkeit und finanzieller Anreiz müssen stimmen – das ist die Lektion.

Entscheidend war auch die Rolle des Händlers. In Frankreich war es Carrefour, einer der größten Supermarktkonzerne Europas, der die Initiative wirklich zur Chefsache machte. Carrefour zog andere Händler mit – Monoprix, Coopérative U – und schuf so ein dichtes Netz an Rückgabestellen. Das machte den Unterschied: Je mehr Orte, an denen man einen leeren Behälter abgeben kann, desto weniger Aufwand für die Konsumenten.

„Was Frankreich wirklich funktionieren ließ, war ein engagierter, kommerziell denkender Händler, der alle Hebel in Bewegung setzte“, sagte Szaky. „Du brauchst einen Händler, der es zur Priorität macht – nicht eine Marke. Denn der Händler kann alle Marken an einen Tisch bringen.“

Heute sind über 370 Produkte in mehr als 500 französischen Supermärkten in Mehrwegverpackungen erhältlich. Loop hat in Frankreich kommerzielle Skalierung erreicht – nicht mehr nur ein Pilotprojekt, sondern ein funktionierendes nationales System.

Kanada: Guter Wille reicht nicht

Zurück nach Kanada. Das Land versteht sich als fortschrittlich in Umweltfragen, doch auf die entscheidende Regulierungsfrage gibt es bislang keine klare Antwort. Das Umweltministerium verweist auf breite Bemühungen zur Förderung von Kreislaufwirtschaft und Mehrweg, auf Investitionen in neue Technologien. Aber ein verbindliches Gesetz wie in Frankreich? Fehlanzeige.

Ohne regulatorischen Druck verhalten sich Händler rational: Sie warten ab. „Wir haben von Händlern gehört: Wir wollen das erst skalieren, wenn die gesetzlichen Anforderungen wirklich unmittelbar bevorstehen„, sagte Szaky. Dieser Pragmatismus ist verständlich – aber er erklärt, warum freiwillige Initiativen immer wieder an ihre Grenzen stoßen.

Szaky zieht daraus eine klare Schlussfolgerung: Mehrwegsysteme brauchen Regulierung. Gesellschaftlicher Druck allein reicht nicht. Die Konsumentinnen und Konsumenten können noch so nachhaltig denken – wenn die Infrastruktur fehlt, wenn die Rückgabe unbequem ist, wenn das Pfand kaum motiviert, werden sie irgendwann wieder zur Plastikflasche greifen. Nicht aus Bösartigkeit, sondern aus Alltag.

Der philosophische Kern: Wem gehört die Verpackung?

Hinter dem Scheitern von Loop steckt ein tieferes Problem – eine fast philosophische Frage: Wer trägt Verantwortung für Verpackungsabfall?

Das heutige System gibt eine klare Antwort: der Konsument. Man kauft ein Produkt, und die Verpackung gehört einem – und damit auch das Problem. Was damit passiert, liegt in der eigenen Verantwortung, auch wenn die Recyclingquoten zeigen, dass dieses System massiv versagt. Nur ein Bruchteil der weltweit produzierten Plastikverpackungen wird tatsächlich recycelt; der Rest landet in Deponien, Ozeanen, oder wird verbrannt.

Loop dreht dieses Verhältnis um. Die Verpackung gehört dem Hersteller. Der Konsument leiht sie nur. Damit liegt die Verantwortung wieder dort, wo Szaky sie sieht: bei den Unternehmen, die Verpackungen in die Welt setzen.

Doch genau dieses Umdenken ist für Konzerne schwer zu akzeptieren. Eine Einwegverpackung ist billig, simpel, skalierbar. Eine Mehrwegverpackung kostet mehr in der Entwicklung, erfordert Rücknahmelogistik, Reinigungsinfrastruktur, engere Zusammenarbeit mit Händlern. Und am Ende, so die ernüchternde Rückmeldung der Marken, verkauft man davon nicht mehr Produkte.

Die Milchmann-Frage: Nostalgie oder Zukunft?

Tom Szaky ist kein Pessimist. Trotz der Rückschläge glaubt er: Mehrweg ist unsere Zukunft. Er verweist auf die EU, die mit neuer Verpackungsgesetzgebung Druck auf die Mitgliedstaaten macht. Spanien, die Niederlande, möglicherweise Australien – in diesen Märkten sieht TerraCycle in den kommenden Jahren Chancen. In Frankreich hat man bewiesen, dass es geht.

Das Milchmann-Modell ist keine Nostalgie – es ist ein Systemwechsel. Und wie jeder Systemwechsel braucht er mehr als guten Willen und nette Produkte. Er braucht Gesetze, die Rahmenbedingungen setzen. Er braucht Händler, die sich committen. Er braucht Pfandbeträge, die wirklich motivieren. Und er braucht Rückgabeorte, die so selbstverständlich sind wie der nächste Briefkasten.

Kanada hat die Voraussetzungen dafür – ein dichtes Einzelhandelsnetz, gut ausgebaute Logistik, eine Bevölkerung, der Umweltfragen nicht egal sind. Was fehlt, ist der politische Mut, aus dem freiwilligen Experiment ein verbindliches System zu machen.

Bis dahin bleibt Frankreich das Fenster in eine mögliche Zukunft. Und Tom Szaky wartet auf seinen zweiten Anlauf in Kanada.

Kommentar

Soweit der Tenor eines Berichtes von Laura Fraser für CBC Radio / What on Earth, veröffentlicht am 30. Mai 2026. Zwei Fragen stellen sich:

  1. Ist die aufwendige Edelstahlverpackung wirklich umweltfreundlicher als eine Einwegplastikverpackung, wenn man Herstellung, Transport und Reinigung mit all den neuen Werkzeugen hinzurchnet.
  2. Können die Menschen wirklich nur durch Gesetze, durch Zwang und Druck dazu gebracht werden können, vom Profitdenken oder Bequemlichkeitsverhalten weg zu kommen. Wenn das stimmt, gilt das auch für Völkermorde und Kriege und wir sind wieder beim Krieg gegen den Krieg. Dann ist der Mensch tatsächlich ein hoffnungsloser Fall.
Bild: Edelstahl-Mehrwegverpackung am Beispiel von Nestlé

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8 Kommentare

  1. Informationsbefreier 2. Juni 2026 um 20:08 Uhr - Antworten

    Der Ansatz klingt wieder ein bisschen nach: Du wirst nichts besitzen, nicht einmal mehr die Verpackung, und du wirst glücklich sein!
    Es gibt hierzulande auch Unverpackt-Läden, die haben diesen Beigeschmack nicht. Da kann ich mir selber aussuchen, wie sehr ich meine Verpackung vor Wiederverwendung säubern will und ob das Etikett draufbleiben kann. Ich weiß auch, was ich in der Verpackung drin hatte.
    Aber auch bei diesem Ansatz ist nicht klar, was es wirklich bringt. Im Laden stehen die Sachen zwar in wiederverwendbaren Behältern, aber wenn die Waren eingeschweißt in Säcken angeliefert werden, hat man so ziemlich gar nichts gewonnen. Die Säcke sind zwar größer, aber dafür müssen die Säcke stabiler sein. Das Volumen wächst kubisch und die Oberfläche wächst quadratisch mit den Abmaßen. Sprich: Wenn ich eine 1kg-Mehltüte doppelt so breit, hoch und tief mache, bringe ich darin 8 kg unter, während sich die Oberfläche der zum Sack gewordenen Tüte vervierfacht. Wenn der Sack doppelt so dick wie die 1kg-Tüte sein muss, dann verbraucht der 8kg-Sack so viel Material wie 8 1kg-Tüten.

  2. Informationsbefreier 2. Juni 2026 um 19:20 Uhr - Antworten

    Wie wäre es, wenn man Plastikverpackung Ölofen-verträglich macht oder Öfen entwickelt, die Plasteverpackung sauber verbrennen können? Dann bräuchte man nicht leere Verpackungen durch die Gegend zu gondeln, egal ob ins Recycling oder in die Müllverbrennungsanlage. Leute würden dann ihre Verpackungen einfach verheizen und entsprechend weniger Heizöl einkaufen. Massemäßig kommt aber der Plasteverpackung wirklich nicht viel rum, das Zeug ist nur sperrig und hat daher großes Volumen.

  3. Der alte Marxist 2. Juni 2026 um 14:12 Uhr - Antworten

    Erinnert mich an die Diskussionen zur ersten Verpackungsverordnung in den 90ern. Es war absurd, dass sie keine verbindlichen Mehrweg-Quoten für (spezifische) Getränke-Verpackungen enthielt. Nur auf diesem Weg hätte man das damals ja noch zumindest teilweise existierende Mehrweg-System bei Erfrischungsgetränken, Mineralwasser etc. retten können. Man hätte auch genormte Flaschen gesetzlich vorschreiben können (so wie es sie bei den Bierflaschen noch immer gibt). Das Mehrweg-System rentiert sich erst bei großen Umlaufzahlen und großen Flaschen-Pools. Aber das war alles damals nicht durchsetzbar.

    Interessanter Weise gibt es aber seit 2024 tasächlich solche Quoten auf der Basis der revidierten EU-Verpackungsrichtlinie. Das sind sogenannte „angebotsseitige“ (d.h. Prozentsatz des Angebots) oder „absatzseitige“ (d.h. Prozentsatz des Verkaufs) Quoten, die alternativ von bestimmten Verkaufsstellen (über 400 m2) erfüllt werden müssen. Die angebotsseitigen Quoten sind beispielsweise min. 15 % für Bier und Wasser und min. 10 % für Saft, alkoholfreie Mischgetränke, Milch. Also eher sehr bescheide Anforderungen. Es gab ja auch schon vorher Länder, die eine 100%-Quote bei Bier hatten (Dänemark). Also eine starke Erhöhung dieser Quoten scheint mir angebracht zu sein.

    Außerhalb der Getränke-Verpackungen wird all das vermutlich keinen Sinn machen. Der Aufwand wäre zu groß. Außer man definiert vielleicht Mehrweg-Behältnisse, die von zahlreichen Produkten verwendet werden können.

    Mit hohen Pfandeinsätzen vertreibt man Leute nur.

  4. Der Zivilist 2. Juni 2026 um 12:24 Uhr - Antworten

    Wie Bitte? Haferflocken in Kanada in Mehrwegverpackung ? Bei uns sind die in Papier verpackt und es gibt eine blaue Tonne.

    Verpackung gehört in der Regel (wenn es nicht gerade um totalen Luxus geht) zum effizientesten, was die Industrie bietet, der Inhalt kann da nicht mithalten.

    Es wäre von Vorteil, wenn man zunächst mal das ‚Problem‘ definierte. Will man keinen Müll in der Landschaft? Will man den Energie- und Ressourcenverbrauch minimieren ? Das sollten eigentlich Preise regeln.

    Alle Verpackungen selbst mitbringen ? Ne also die Zahnpasta kauf‘ ich lieber in der Tube. Und viele Produkte funktionieren nur, weil sie die Verpackung als Blender haben, die Industrie wäre nicht begeistert.

    Alles in Mehrweg ? Da wird der Weg zum shop zur logistischen Leistung und viele Behälter werden ja schon zu Hause gespült, ineffizient und dazu die Beschäftigungstherapie ? (‚Unbequemlichkeit‘) Wer hat das denn mal eingerechnet ? Nein Danke.

    In Bangladesh gibt es eine PET- Flaschenindustrie ohne PET Produktion, alles Recycling, ohne Pfand, Armut macht’s möglich, oder besser, die Schere zwischen arm & reich, denn die Flaschensammler sind nicht deren Konsumenten. In Berlin funktioniert auch das Recycling von Mehrwegglas (8ct Pfand) & Einweg PET & Alu (25ct Pfand) ausgezeichnet, auf derselben gesellschaftlichen Basis.

    “ Und er braucht Rückgabeorte, die so selbstverständlich sind wie der nächste Briefkasten. “ Das ist keine gute Idee, Briefkästen werden ausgedünnt, ich habe keinen mehr um die Ecke, gone. Die Postfiliale schon lange. Dafür aber einen Flaschenautomat beim ‚Nahkauf‘, da kann man sein Bier auch gleich trinken und viele tun es.

    Und überhaupt, wie werden eigentlich Drohnen & Granaten verpackt, und wie wird die Verpackung recycelt ?

  5. VerarmterAdel 2. Juni 2026 um 12:00 Uhr - Antworten

    Kann es in diesem geisteskranken, kriminellen System nicht geben, übrigens genau wie Freie Energie.
    Mehr dazu beim Freiwirtschaftler: https://opium-des-volkes.blogspot.com/

  6. Jan 2. Juni 2026 um 9:56 Uhr - Antworten

    Wenn man grundsätzlich alle Einflussgrößen ignoriert oder abstreitet, dann bleibt nur noch die Psychologie. Das ist dann ein logischer Zirkelschluss. Aber natürlich sind Menschen nicht so einfach, das ist richtig.

    Das Sinnvollste wäre eine regionale Produktion und ein regionaler Konsum, um die Wege möglichst kurz zu halten. Wer tut das? Natürlich Österreich mit seinen regionalen Molkereien. Aber regionale Glasflaschensysteme? Zu teuer. Am POS abfüllen, ist offenbar nicht hygienisch genug. Für Ketchup wird man kaum auf regionale Mengen kommen, eventuell bei Fleisch, Gemüse und Wein. Schon beim Käse will man mehr Vielfalt, das erfordert Spezialisierung und Zentralisierung. Man könnte wieder zurück zur Frischtheke, aber die erfordert mehr Umsatz oder weniger Vielfalt, da die Ware nicht so lange hält wie unter Schutzgas verpackt.

  7. Jochen Mitschka 2. Juni 2026 um 8:49 Uhr - Antworten

    Der Artikel wäre zu lang geworden. Aber tatsächlich ist es höchst fraglich, ob die Edelstahlverpackung wirklich umwelttechnisch besser abschneidet, wenn sie z.B. nur 10 Mal verwendet wird, und danach ins Recycling geht, damit der schöne Markenschein nicht Schaden nimmt.

    Warum Edelstahl bei nur 10 Nutzungen verliert: Der Rucksack-Effekt: Die Herstellung von Edelstahl benötigt gigantische Mengen Energie. Plastikfolie wird dagegen hauchdünn geschmolzen und verbraucht pro Stück fast gar nichts.Der Spüleffekt: Das heiße Wasser und der Strom für 10 Reinigungsgänge in der Spülmaschine verursachen in diesem kurzen Szenario bereits mehr Energie als die Produktion aller 10 Plastikfolien zusammen.
    Theoretisch müsste eine Edelstahlmehrwegverpackung mindestens 100 bis 150 x verwendet werden. Dann würden sich wirklich Vorteile, auch hinsichtlich Microplastik ergeben, aber der Wasserverbrauch beim Spülen würde immer noch ins Gewicht fallen, in Gebieten, in denen Wasser rar ist. Aber es fehlt eine wirkliche Untersuchung darüber, wie oft Marken diese Behälter wiederverwenden, bevor sie sie ausmustern, aus Angst vor negativen Eindrücken für die Marke wegen den Nutzungsanzeichen darauf.

    Und noch etwas ist zu berücksichtigen. Wenn, wie auf den abgebildeten Verpackungen dann wieder schöne bunte Plastikaufkleber bei der Reinigung entfernt und nach der Reinigung wieder aufgebracht werden müssen, sollte man sich am Kopf kratzen und fragen, was die Designer nicht verstanden haben.

    Ich denke der Weg ist noch weit. Am Ende werden wir vielleicht bei Verpackungen landen, die dem Verbraucher gehören, und in die die Waren abgefüllt werden!

    • Patient Null 2. Juni 2026 um 9:46 Uhr - Antworten

      Erstmal ich fänds ne gute Idee. Hätten die Grünen machen können während der Ampel, statt Kraftwerke zu sprengen. Die Leihgebühr für die Verpackung sollte ungefähr die Herstellungskosten ausmachen, dann wärs egal ob die Leute das Teil behalten oder tauschen.

      Theoretisch müsste eine Edelstahlmehrwegverpackung mindestens 100 bis 150 x verwendet

      Auf jeden Fall. Denke da spricht auch nichts dagegen, da man wie auf dem Bild eine Papier Banderole drum machen kann für die Optik.

      in denen Wasser rar ist

      Man könnte geschlossene Kreisläufe machen, da gibts dann keinen Verlust, oder nimmt andere Spülflüssigkeiten. Geschlossene Kreisläufe waren zb in der Schweiz schon vor 30 Jahren verpflichtend, für einige Industriezweige.

      Ich würde das den Herstellern freistellen, aber mit Anreizen dafür sorgen das die was machen. Bei Pfandflaschen funktionierts ja auch größtenteils.

      Eine Alternative seh ich in Verpackungen die sich selbst recyclen, wie Plastik das nach xx Monaten von selbst zerfällt. Gibts ja, wird nur kaum verwendet.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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