Wer regiert die USA? – Marjorie Taylor Greene über die Geldspur in Washington DC

12. August 2026von 4,6 Minuten Lesezeit

Die ehemalige Kongressabgeordnete Marjorie Taylor Greene hat in einem Interview mit Daniel Davis („Deep Dive“) unmissverständlich benannt, was in Washington die Fäden zieht: nicht Wählerversprechen, nicht „America First“ und nicht die Interessen der Bürger, sondern Geld – große Schecks von Spendern, Regierungskontrakte und die stärksten Lobbys.

Greene war eine der lautesten Unterstützerinnen Donald Trumps. Sie habe mehr als jeder andere republikanische Abgeordnete bei seinen Wahlkampfveranstaltungen gesprochen, weil er „keine weiteren ausländischen Kriege“ und echte Priorität für Amerika versprochen habe. In seiner Siegesrede und bei der Amtseinführung 2025 habe er wörtlich gesagt, der Erfolg werde nicht nur an gewonnenen Schlachten gemessen, sondern an beendeten Kriegen und vor allem an denen, in die man gar nicht erst eintrete. Doch ab etwa Mitte 2025 sei die Abkehr unübersehbar geworden.

Im Juni 2025 habe Trump den Iran bombardiert. Greene, Tucker Carlson, Charlie Kirk und Thomas Massie seien „schockiert“ gewesen. Die Geheimdienste und Tulsi Gabbard hätten dem Präsidenten gesagt, Iran sei weit von einer Atomwaffe entfernt. Gehört worden sei vor allem die Stimme Israels und Netanyahus sowie die von Mark Levin, dem verstorbenen Lindsey Graham und Laura Loomer. Die entscheidenden Akteure seien neokonservative Kräfte und „Israel-first“-Spender gewesen. Eine davon: Miriam Adelson, Doppelstaatsbürgerin der USA und Israels, die Schecks über Hunderte Millionen Dollar schreiben könne. „Es gab keine America-First-Leute, die ihm Hundert-Millionen-Dollar-Schecks geschrieben haben“, stellt Greene klar.

Geld regiere in Washington alles. Große Unternehmen, die von Regierungskontrakten abhängen – Big Tech, KI, Rüstungskonzerne – schwenkten um und suchten die Nähe des Weißen Hauses. Bill Gates, Mark Zuckerberg und andere, die Trump zuvor bekämpft hätten, seien plötzlich willkommen gewesen. Elon Musk, von dem man sich viel erhofft habe, sei ebenfalls eingeschwenkt und spreche kaum noch über Verschwendung und Betrug (DOGE). Regierungskontrakte und die Telefonate der Großspender würden immer beantwortet und bedient.

Beim Ukraine-Krieg sei das Bild ähnlich. Greene habe von Anfang an gegen jede Finanzierung gestimmt – Ukraine sei kein NATO-Mitglied, die USA seien vertraglich zu nichts verpflichtet. Die Mehrheit der Republikaner und praktisch alle Demokraten hätten dennoch weiter Geld und Waffen genehmigt. Der militärisch-industrielle Komplex nutze den Konflikt als Testgelände für neue Waffen und mache damit ein Vermögen. Trump sei zwar nicht voll eingestiegen, doch er habe den Krieg auch nicht beendet. Stattdessen habe Außenminister Marco Rubio 2025 erklärt, man habe „eine Seite gewählt“ – die Ukraine. Gleichzeitig seien die US-Bestände an Patriot-Raketen und anderen Systemen durch den Iran-Konflikt so stark dezimiert worden, dass weitere Lieferungen an Kiew die USA selbst gefährden würden.

Besonders brisant ist Greenes Darstellung der israelischen Lobby. AIPAC und Christians United for Israel seien ständig in den Fluren des Kongresses präsent, normale Amerikaner dagegen nicht. Die Lobby spende Millionen für Wiederwahlkämpfe, lade zu Abendessen ein, texte und rufe unablässig an. Das Ergebnis sei Gesetzgebung wie Section 219, die das US-Militär und die Geheimdienste eng mit Israel verknüpfe. Netanyahu könne ruhig drohen, die amerikanische Finanzierung sei egal – er bekomme über diese Verflechtung ohnehin alles, was er brauche. Greene nennt das „verräterisch“. Thomas Massie sei einer der letzten Republikaner, die sich nicht kaufen ließen; gegen ihn seien zig Millionen Dollar eingesetzt worden.

Zum Gaza-Krieg sagt Greene: Als Christin könne sie keinen Völermord unterstützen. Die Zahlen getöteter Kinder, die Zerstörung von Zelten und die Tötung von Christen in Gaza und im Libanon seien für sie inakzeptabel. Sie unterscheide klar zwischen dem jüdischen Volk und der israelischen Regierung. Blinder Gehorsam gegenüber Israel, der oft mit Bibelstudien begründet werde, sei falsch. Kein anderes Land schicke Steuerzahlergeld in die USA und eile bei amerikanischen Problemen zu Hilfe – beim offenen Grenzchaos sei niemand gekommen.

Der endgültige Bruch mit Trump kam, als Greene die Freigabe der Epstein-Akten forderte. Sie, Massie, Nancy Mace und Lauren Boebert seien dafür eingetreten. Daraufhin seien Morddrohungen gegen ihren Sohn eingegangen. Sie habe die Drohungen an Trump, Susie Wiles, Kash Patel, James Blair und JD Vance geschickt. Trumps Antwort per Text: Es sei ihre Schuld, und sie verdiene es. Eine Brücke zurück gebe es danach nicht mehr.

Greene zieht eine bittere Bilanz: Im Kongress brauche man 218 Stimmen. Zwei oder drei Amerika-First-Abgeordnete reichten nicht. Gute Kandidaten würden in Vorwahlen von Trump-unterstützten RINOs und Neocons besiegt. Deshalb setze sie nun auf eine Bewegung außerhalb des Zweiparteiensystems – zusammen mit Tucker Carlson, Thomas Massie, Joe Kent und anderen. Die beiden Parteien lieferten immer dasselbe Ergebnis: explodierende Schulden (bald Richtung 50 Billionen), unfinanzierbare Sozialsysteme, neue Kriege und eine schrumpfende Mittelschicht. Die jüngeren Generationen, besonders Gen Z, seien bereits klar America First. Der Wechsel werde Zeit brauchen, aber er sei unausweichlich.

Das Interview zeigt in seltener Klarheit, wie Macht in Washington funktioniert. Wahlversprechen sind Verhandlungsmasse. Wer die großen Schecks schreibt und die Regierungskontrakte kontrolliert, bestimmt die Richtung – unabhängig davon, was auf dem Wahlplakat stand. Die Frage „Wer regiert die USA?“ beantwortet Marjorie Taylor Greene mit einem einzigen Wort: Geld.

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇


Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.

Folge TKP auf Telegram oder GETTR und abonniere unseren Newsletter.



Die politischen Folgen von vermutlichen Völkermord, Vertreibungen und Angriffskriegen

Europas Wirtschaft hängt am seidenen Faden

Verstecken von US-Steuergeldern für Israel und Zemetieren des Status-Quo

10 Kommentare

  1. Jan 12. August 2026 um 23:45 Uhr - Antworten

    Hatten wir nicht die Aussage von Bidens Arzt: Der Präsident ist es nicht!

  2. Der Zivilist 12. August 2026 um 13:19 Uhr - Antworten

    AfUS ?

    Für den Krieg gegen Ru hat Trump ja Dumme gefunden, die ihn zahlen: die Westeuropäer.

    Beim Krieg gegen den Iran ist es Bibi, der Dumme gefunden hat, die ihn zahlen: die Amis.

  3. Andreas_Sch. 12. August 2026 um 13:07 Uhr - Antworten

    USA? Das ist doch überall so! Und solange die Mehrheit der Menschen ihr Eigenwohl und kurzfristige „Erfolge“ über Gemeinwohl und tatsächlich nachhaltige Lösungen stellt – ohne zu erkennen, dass Gemeinwohl eine zwingende Voraussetzung für Eigenwohl ist! – wird es auch so bleiben. 🤗

  4. Charles M. 12. August 2026 um 12:25 Uhr - Antworten

    „Parteispenden“ sind Bestechungsgelder.
    Auch in Deutschland.
    Und solange das so ist braucht mir niemand mit Demokratie zu kommen.

  5. cwsuisse 12. August 2026 um 9:37 Uhr - Antworten

    Danke für diesen Artikel, der aufzeigt, dass die USA keine Demokratie, sondern eine Oligarchie ist.

  6. triple-delta 12. August 2026 um 9:27 Uhr - Antworten

    Das war doch normaler Schulstoff in der DDR. Der Kapitalismus ist eben nicht nur eine Art der Wirtschaft, sondern eine Gesellschaftsordnung, die so heisst, weil das Kapital die Macht hat. Der Kapitalismus ist als Klassengesellschaft eine Diktatur und wie in jeder Diktatur richtet die herrschende Klasse die Gesellschaft nach ihren Bedürfnissen aus. Damit das gemeine Volk das nicht mitbekommt, tischt man ihm das Märchen von der Demokratie auf und lässt alle paar Jahre mal Wahlen stattfinden. Selbst Seehofer hat das doch klar und deutlich kommuniziert: Die gewählt sind, haben nicht zu sagen und die was zu sagen haben, werden nicht gewählt.

    • Der Zivilist 12. August 2026 um 13:22 Uhr - Antworten

      Ab und zu veranstaltet man auch Fußballweltmeisterschaften . . .

  7. OMS 12. August 2026 um 8:51 Uhr - Antworten

    Geld regiert die Welt. „Gib mir die Kontrolle über die Währung einer Nation, und es ist mir egal, wer ihre Gesetze macht“ ist so ein Zitat, was vieles, wenn nicht sogar alles aussagt! Somit regiert der Geldadel die Welt!

    • 1150 12. August 2026 um 9:03 Uhr - Antworten

      @,
      amschel meyer freiherr von rothschild 1773 – 1855

      • Der Zivilist 12. August 2026 um 13:21 Uhr

        Ja, aber für das Geld ist es ein Leichtes, Ersatz für Rothschilds zu finden.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann. Benutzer haften für den Inhalt ihrer Kommentare.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann. Benutzer haften für den Inhalt ihrer Kommentare.

Aktuelle Beiträge