
Wie Tiere über Infraschall kommunizieren – und warum Windräder diese Kommunikation zerstören
Elefanten und Löwen beweisen: Infraschall trägt über viele Kilometer. Dass Infraschall für Menschen schädlich ist, wird von Behörden und Windlobby beharrlich geleugnet. Doch die Natur liefert den unwiderlegbaren Beweis, dass tieffrequenter Schall unter 20 Hertz eine zentrale biologische Bedeutung hat: Tiere nutzen Infraschall seit Jahrmillionen zur Kommunikation über gewaltige Distanzen. Was ihnen jetzt zum Verhängnis wird, denn die gepulsten Infraschall-Emissionen tausender Windräder übertönen diese uralten Signale — mit fatalen Folgen.
Unter dem Artikel „Warum Mobilfunkstrahlung und Infraschall von Windrädern auf gleichem Weg der Gesundheit schaden“ hat Professor Wilhelm Mosgöller darauf hingewiesen, dass sich auch Tiere via Infraschall verständigen. In einem Kommentar dazu schreibt er: „Die im Artikel angesprochenen biomechanistischen Grundlagen betreffen in beiden Fällen sehr basale zelluläre Funktionen, insoferne ist es naheliegend die Gemeinsamkeiten herauszustellen. Das Problem bei Infraschall, man kann sich dagegen kaum schützen. Die Ausbreitung ist kilometerweit, physikalisch erklärbar durch die lange Wellenlänge und geringe Dämpfung. Während Elefanten über kilometerweite Strecken mittels bodengeleiteten Infraschall kommunizieren, ist dauerhafter Infraschall für den Menschen eher nervig und bringt die Stress-Regulation zum Kippen. Ich habe in meiner Karriere schon mehrere Ehen gerettet, wenn jemand „hört“ was für den anderen nicht nachvollziehbar ist, bedeutet dies Dauerstress für beide. Schallmessungen bringen rein gar nichts. Die übliche A-Bewertung spart tiefe Frequenzen aus. Besonders eintöniger – technische erzeugter Infraschall – ist einerseits besonders nervig und andererseits durch übliche Terzband-Messungen kaum darstellbar.“
Professor Mosgöller Prof. Dr. Mosgöller ist Koordinator der
ATHEM-Studie. Hie ist das Gespräch, das TKP Gastautorin Mascha Orel mit Prof. Mosgöller geführt hat und hier der Artikel dazu.
Elefanten: Das Infraschall-Netzwerk der Savanne
Elefanten sind die bekanntesten Infraschall-Kommunikatoren. Bereits in den 1980er Jahren entdeckte die Forscherin Katy Payne an der Cornell University, dass Elefanten Rufe im Frequenzbereich von 14 bis 35 Hertz ausstoßen — Töne, die das menschliche Ohr kaum oder gar nicht wahrnimmt [1]. Spätere Studien zeigten: Diese Infraschall-Laute tragen unter günstigen Bedingungen bis zu 10 Kilometer weit, bei Temperaturinversionen in der Nacht sogar noch weiter.
Die Biologie dahinter ist faszinierend: Elefanten erzeugen den Infraschall mit ihrem mächtigen Kehlkopf, ähnlich wie Menschen, aber in viel tieferen Frequenzen. Die langen Wellenlängen — bei 15 Hertz rund 23 Meter — werden von Hindernissen kaum gedämpft. Bäume, Büsche, Hügel: für Infraschall kaum vorhanden. Die Elefantenkuh in der Brunft sendet ihre Rufe aus, und Bullen in einem Umkreis von 100 Quadratkilometern empfangen sie — nicht über die Ohren allein, sondern vermutlich über die empfindlichen Fußsohlen, die Bodenvibrationen aufnehmen und über Knochenleitung ans Innenohr weiterleiten.
Was bedeutet das im Umkehrschluss? Wenn ein Windrad mit seiner Rotordrehung von etwa 0,8 bis 1,5 Hertz (je nach Typ und Windstärke) und den daraus resultierenden Oberschwingungen im Infraschallbereich genau diese Frequenzen mit einem gepulsten Dauerlärm belegt, dann ist der Kommunikationskanal blockiert. Die Elefantenkuh findet keinen Bullen. Der Bulle findet keine Kuh. Die Herde kann sich über Distanzen nicht mehr koordinieren. Gleiche Folgen hat der Infraschall, den Rechenzentren produzieren.
Löwen an der Skelettküste: Infraschall in der Wüste
Ein besonders eindrucksvolles Beispiel liefern die Löwen der Skelettküste in Namibia. Diese Population, dokumentiert in mehreren Naturfilmen, hat sich an eines der unwirtlichsten Gebiete der Erde angepasst — eine Küstenwüste, in der Nebel die Hauptfeuchtigkeitsquelle ist und Beute rar und verstreut lebt.

Was in den Filmen nicht explizit thematisiert wird, für den kundigen Betrachter aber offensichtlich ist: Diese Löwen nutzen Infraschall. Das Brüllen eines Löwen enthält starke Infraschall-Anteile bis herunter zu etwa 15 Hertz. An der Skelettküste, wo Sichtweiten durch Nebel oft auf wenige Meter reduziert sind und die Dünenlandschaft jede akustische Ortung im hörbaren Bereich erschwert, ist der Infraschall-Anteil des Gebrülls das entscheidende Mittel zur Reviermarkierung und Partnerfindung.
Die physikalischen Bedingungen an der Küste — kalte Meeresluft unter warmer Wüstenluft — erzeugen häufig eine Temperaturinversion, die Infraschall wie in einem Wellenleiter über Dutzende Kilometer trägt. Die Löwen haben sich evolutionär genau darauf eingestellt. Ein Rudel kann das andere „hören“, ohne es je zu sehen.
Nun plant die namibische Regierung die Installation von 600 bis 700 Windrädern in der Wüste Namib — für ein absurdes Wasserstoffprojekt, das deutschen Steuerzahler Milliarden kosten wird. Die Infraschall-Verseuchung durch diese Anlagen würde die Kommunikation der Skelettküsten-Löwen kollabieren lassen. Rudel können einander nicht mehr orten. Reviere werden nicht mehr respektiert, weil die akustischen Grenzen verschwimmen. Die ohnehin fragile Population wird weiter dezimiert — nicht durch Abschuss, sondern durch akustische Vertreibung aus ihrem Lebensraum.
Wale: Infraschall im Ozean
Die Meere sind das ursprüngliche Infraschall-Medium der Evolution. Wasser leitet Schall fast fünfmal schneller als Luft (etwa 1.500 m/s gegenüber 340 m/s), und tiefe Frequenzen breiten sich im Ozean über hunderte, teils tausende Kilometer aus.
Blauwale — die größten Tiere, die je gelebt haben — kommunizieren mit Rufen im Bereich von 10 bis 40 Hertz. Diese Rufe erreichen Schalldruckpegel von bis zu 188 Dezibel (unter Wasser gemessen) und sind damit die lautesten biologischen Schallquellen der Erde. Ein Blauwal vor der Küste Irlands kann theoretisch von einem Artgenossen vor Neufundland gehört werden — vorausgesetzt, der Kanal ist frei von Störsignalen.
Finnwale nutzen Frequenzen um 20 Hertz, Pottwale etwas höhere Bereiche, aber alle großen Bartenwale operieren im Infraschall- oder tieffrequenten Grenzbereich. Die Funktionen sind vielfältig: Partnerfindung über Ozeanbecken hinweg, Koordination von Wanderrouten, Warnung vor Gefahren, und bei manchen Arten vermutlich eine akustische Karte des Meeresbodens durch Reflexionen.
Die Rammarbeiten ub Offshore-Windparks für Fundamente erzeugen Unterwasserschall von über 200 Dezibel — für Wale im Umkreis von Dutzenden Kilometern physisch schmerzhaft, im Nahbereich tödlich. Aber das ist nur der Baulärm. Der Dauerbetrieb hunderter Windräder in einem Offshore-Park überträgt Vibrationen über die Türme ins Wasser. Die Rotordrehung erzeugt kontinuierlichen Infraschall, der sich im Wasser noch effizienter ausbreitet als in der Luft.
Eine Studie von Hyodae Seo et al., veröffentlicht im November 2025 in Atmospheric Science [2], hat die physikalischen Auswirkungen von Offshore-Windparks auf Meerwasser und Atmosphäre detailliert beschrieben: veränderte Mischschichten, Erwärmung der Meeresoberfläche, turbulente Rückkopplungen zwischen Ozean und Atmosphäre. Was die Studie nicht thematisiert, aber physikalisch zwingend folgt: Jede Turbine, die kinetische Energie aus dem Wind entnimmt und in Rotation umsetzt, gibt einen Teil dieser Energie als Schall und Vibration an das umgebende Medium ab — in der Luft und im Wasser.
Die Konsequenz: Die uralten Wanderrouten der Wale werden akustisch blockiert. Muttertiere finden ihre Kälber nicht mehr. Paarungsrufe verhallen ungehört im Störteppich der Windparks. Die Tiere stranden — nicht weil sie „verwirrt“ sind, sondern weil ihr primärer Orientierungssinn, das Gehör im Infraschallbereich, durch menschengemachten Lärm zerstört wird.
Giraffen, Nashörner, Krokodile: Die stille Welt der tiefen Frequenzen
Die Liste der infraschall-nutzenden Tiere ist lang und wächst mit jeder neuen Studie:
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Giraffen galten lange als stumm. Inzwischen weiß man: Sie kommunizieren im Infraschallbereich, vermutlich um den Kontakt in der weitläufigen Savanne zu halten, ohne Beutegreifer auf sich aufmerksam zu machen. Die tiefen Frequenzen sind für Löwen und Hyänen kaum ortbar.
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Nashörner nutzen Infraschall-Laute zur Reviermarkierung und Paarungskoordination. Die Frequenzen liegen im Bereich von 5 bis 15 Hertz.
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Krokodile erzeugen vor der Paarungszeit Infraschall-Vibrationen, die das Wasser an der Oberfläche regelrecht tanzen lassen — ein Balzverhalten, das über Distanzen von mehreren Kilometern funktioniert.
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Okapis, die scheuen Verwandten der Giraffe im kongolesischen Regenwald, kommunizieren ebenfalls im Infraschall — eine Anpassung an die schlechten Sichtverhältnisse im dichten Wald.
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Alligatoren in den Sümpfen Floridas brummen im Infraschall, um Rivalen einzuschüchtern und Weibchen anzulocken.
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Selbst Haushühner reagieren auf Infraschall, wie eine schwedische Studie zur Eiersterblichkeit in der Nähe von Windrädern gezeigt hat [3].
Der gemeinsame Nenner: Vibration als universelles Warnsignal
Warum haben so viele völlig unterschiedliche Arten — vom Insekt bis zum Wal — die Fähigkeit entwickelt, Infraschall zu erzeugen und wahrzunehmen? Die Antwort liegt in der Physik: Tiefe Frequenzen bedeuten lange Wellenlängen, und lange Wellenlängen werden von Hindernissen kaum gedämpft. Ein Infraschall-Signal durchdringt Vegetation, Wasser, sogar den Erdboden. Es ist das ideale Medium für Kommunikation über große Distanzen in unübersichtlichem Gelände.
Evolutionär betrachtet ist Infraschall-Wahrnehmung vermutlich eine der ältesten Sinnesleistungen überhaupt. Erdbeben, Gewitter, herannahende Herden — all das erzeugt Infraschall. Wer diese Frequenzen wahrnehmen konnte, überlebte eher. Das gilt für Elefanten ebenso wie für Menschen. Unser eigenes Innenohr, das Vestibularsystem, reagiert auf Frequenzen weit unterhalb der Hörschwelle. Deshalb macht Infraschall von Windrädern auch uns krank — nicht weil wir ihn „hören“, sondern weil unser Körper ihn als Daueralarm interpretiert.
Der akustische Flächenfraß durch Windparks
Rechnet man die Reichweiten zusammen, ergibt sich ein verheerendes Bild: Ein einzelnes Windrad sendet Infraschall-Pulse, die je nach Gelände und Wetterlage 10 bis 50 Kilometer weit nachweisbar sind. Ein Windpark mit 50 Anlagen erzeugt einen akustischen Störteppich von mehreren tausend Quadratkilometern. In Deutschland mit über 30.000 Windrädern gibt es kaum noch infraschall-freie Zonen — und damit kaum noch Lebensräume, in denen die uralte Kommunikation der Tiere ungestört funktioniert.
Die Tiere können nicht ausweichen. Sie können nicht „lauter rufen“. Sie können nicht auf eine andere Frequenz wechseln — die Evolution hat sie über Jahrmillionen genau auf die Frequenzen optimiert, die jetzt von menschengemachter Technik blockiert werden.
Dass Windkraftanlagen mit „Artenschutz“ und „Umweltverträglichkeit“ beworben werden, ist vor diesem Hintergrund nichts als blanker Hohn.
Quellen:
[1] Payne, K. et al. (1986): „Infrasonic calls of the Asian elephant.“ Behavioral Ecology and Sociobiology. Die Pionierarbeit zur Infraschall-Kommunikation bei Elefanten.
[2] Seo, H. et al. (2025): „Sea surface warming and ocean-to-atmosphere feedback driven by large-scale offshore wind farms under seasonally stratified conditions.“ Atmospheric Science.
[3] TKP (2025): „Eiersterblichkeit in der Nähe von Windrädern erhöht — Studie.“
[4] TKP (2025): „Warum Mobilfunkstrahlung und Infraschall von Windrädern auf gleichem Weg der Gesundheit schaden.“
In diesem TKP-Buch findet sich alles Wissenswerte über die Schäden durch Windparks:
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Windkraft: Schadet Umwelt, Menschen, Tieren und Pflanzen wie keine andere Energiequelle [2. Auflage]
Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇
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