Bulgarien unter EU-Defizitverfahren – Kaum im Euro kommt die Keule aus Brüssel

2. Juni 2026von 2,5 Minuten Lesezeit

Kaum hatte Bulgarien zum 1. Januar 2026 den Euro eingeführt und damit den Beitritt zur Eurozone geschafft, schon zeigt Brüssel sein wahres Gesicht. Das Land soll bereits am 3. Juni unter das Excessive Deficit Procedure (EDP) gestellt werden – nur wenige Monate nach der Aufnahme in den exklusiven Club. 

Der bulgarische Ministerpräsident Rumen Radev, der als EU-Skeptiker gilt, warf der vorherigen pro-europäischen Regierung vor, die Haushaltszahlen manipuliert und geschönt zu haben, um die Konvergenzkriterien künstlich zu erfüllen. „Sie haben gelogen, um uns in den Euro zu bringen“, sagte Radev. „Jetzt platzt die Blase.“ Der Defizitwert für 2025 lag bei 3,5 % des BIP – deutlich über der magischen 3%-Grenze. Die EU-Kommission prognostiziert für 2026 sogar 4,1 % und für 2027 4,3 %.

Bulgarien wird damit zum ersten Land, das kurz nach dem Euro-Beitritt unter das verschärfte Defizitverfahren der EU gerät. Unter diesem Verfahren muss das Land nun detaillierte Sparpläne vorlegen, steht unter verschärfter Beobachtung durch die Kommission und riskiert langfristig sogar Sanktionen. Dabei hatte Sofia extra militärische Ausgaben geltend gemacht, um die Zahlen etwas zu frisieren – ein Trick, der nun nicht mehr zieht.

Dieser Fall ist kein Einzelfall. Zahlreiche andere Euro-Länder – darunter Italien, Frankreich oder Rumänien – kämpfen ebenfalls mit hohen Defiziten. Die Eurozone als Ganzes ist ein Konstrukt, das vor allem südlichen und osteuropäischen Ländern hohe Schulden und geringe Wettbewerbsfähigkeit ermöglicht. Statt echter Konvergenz erleben wir eine permanente Umverteilung und Zentralisierung der Macht nach Brüssel.

Die Illusion der Euro-Mitgliedschaft

Viele Bulgaren waren von vornherein skeptisch gegenüber dem Euro-Beitritt. Nun bekommen sie die Quittung: Verlust der nationalen geldpolitischen Souveränität bei gleichzeitiger Übernahme aller Risiken eines maroden Währungsverbunds.

Der Lev war jahrzehntelang stabil an den Euro gekoppelt – der große Vorteil des Euro-Beitritts war also eher symbolischer Natur. Der Nachteil dafür umso realer: Abhängigkeit von EZB-Entscheidungen, die primär auf die großen Player zugeschnitten sind.

Radev steht nun vor der undankbaren Aufgabe, entweder massive Sparprogramme durchzusetzen oder mit Brüssel in Konflikt zu geraten. Beides wird für die ohnehin arme Bevölkerung schmerzhaft.

Gleichzeitig zeigt der Fall einmal mehr, wie fragil die Konvergenzkriterien in der Praxis sind: Politischer Wille und kreative Buchführung reichen offenbar aus, um in den Euroclub aufgenommen zu werden – die Realität holt einen dann schnell ein.

Die Euro-Einführung in Bulgarien war von Beginn an mehr politisches Prestigeprojekt als wirtschaftliche Notwendigkeit. Nun zeigt sich erneut: Die EU verspricht Stabilität und liefert stattdessen Kontrolle, Bürokratie und neue Abhängigkeiten. Für die Bürger Osteuropas könnte die Ernüchterung noch größer ausfallen als befürchtet.

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