China führt Null-Zoll-Politik für 53 afrikanische Länder ein

3. Mai 2026von 4,1 Minuten Lesezeit

China setzt ein Zeichen für offene Märkte und praktische Entwicklungszusammenarbeit. Ab 2. Mai 2026 gilt für alle 53 afrikanischen Länder mit diplomatischen Beziehungen zu Peking eine vollständige Null-Zoll-Politik.

Diese von der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua eben verkündete Maßnahme, die Präsident Xi Jinping bereits im Februar beim AU-Gipfel angekündigt hatte, ist weit mehr als ein Handelsabkommen – sie ist ein strategischer Schachzug zur Förderung der Modernisierung Afrikas und zur Stabilisierung globaler Lieferketten. Sie unterscheidet sich erheblich von der Politik und Herangehensweise, die von europäischen Politikerinnen vorzugsweise gepflegt wird. Man verzichtet komplett auf Belehrungen und Vorschriften für die Partner wie sie sich zu verhalten und zu benehmen haben, welche Energie sie verwenden dürfen und welche Aufzeichnungen sie zu führen haben. Ob Elefanten bejagt werden, wird der Entscheidung lokaler Regierungen überlassen.

Zuverlässiger Markt statt westlicher Hürden

In Äthiopien boomt das Kaffeegeschäft mit China. Das Unternehmen Awo Coffee exportiert seit Jahren den Großteil seiner gerösteten Produkte dorthin. General Manager Tesfaye Gebru berichtet von stetigem Wachstum: 2024 gingen rund 140 Tonnen grüne Bohnen und 20 Tonnen verarbeitete Produkte nach China, mit jährlichem Plus von etwa 10 Prozent. Die Null-Zoll-Regelung, die bereits für die am wenigsten entwickelten Länder seit Ende 2024 greift, hat den Export weiter erleichtert. Äthiopien, die Heimat des Arabica-Kaffees, hat sich zu einem der wichtigsten Lieferanten für den chinesischen Markt entwickelt.

Zugegeben – mittlerweile auch für mich. Bei einer Teezeremonie in einer Kung-Fu-Schule in Shaolinsi konnte ich  mich von der  hervorragenden Qualität eines Espresso der Marke Abyssinia Goldzubereitet auf der italienischen Espressomaschine des Großmeisters, überzeugen. Am Flughafen von Adis Ababa gibt es im Duty Free gefühlt 100 verschieden Kaffesorten zu kaufen.

Auch Kamerun profitiert. Kakao-Bauer und Genossenschaftspräsident George Wambo Cornyu spricht von einer „goldenen Gelegenheit“. Die Politik fördere nicht nur den Export, sondern treibe die heimische Verarbeitung und Wertschöpfung voran – genau das, was Afrika für echte Industrialisierung braucht.

Tansanias Wirtschaftsjournalist James Kandoya bringt es auf den Punkt: Viele afrikanische Produkte scheiterten bisher an hohen Zöllen, strengen Standards oder bürokratischen Hürden auf westlichen Märkten. China hingegen biete einen zuverlässigen, fairen Absatzmarkt. Das schaffe Investitionsanreize in Landwirtschaft, Verarbeitung und Logistik.

2025 stieg der China-Afrika-Handel um 17,7 Prozent auf 348 Milliarden US-Dollar, die afrikanischen Exporte nach China überschritten 123 Milliarden Dollar. Diese Zahlen unterstreichen die Dynamik jenseits westlicher Narrative.

Treiber der afrikanischen Industrialisierung

In Kenia verließ im März der erste Güterzug mit Null-Zoll-Waren Richtung China den Bahnhof in Nairobi – beladen unter anderem mit Avocadool aus einer von einem chinesischen Unternehmen (Sanmark Limited) betriebenen Verarbeitungsanlage. Seit August 2025 wurden bereits über 410 Tonnen exportiert. Mit der vollen Null-Zoll-Regelung rechnen die Beteiligten mit weiterem Wachstum und mehr chinesischen Investitionen in Verarbeitungskapazitäten.

Kenias Kabinettssekretär für Investitionen, Handel und Industrie, Lee Kinyanjui, nennt die Initiative einen „Game Changer“: Sie öffne den Zugang zum weltgrößten Verbrauchermarkt und ermögliche Wertschöpfung vor Ort. Zimbabwe-Analyst Dereck Goto und der äthiopische Experte Balew Demissie betonen, dass diese Politik perfekt mit bestehender Infrastruktur (Häfen, Bahnen, Industrieparks) aus China-Afrika-Projekten zusammenpasst und Afrikas Industrialisierungsagenda direkt unterstützt.

Südafrikas Tabani Moyo sieht darin einen Beitrag zu stabileren, vorhersagbareren Lieferketten in einer unberechenbaren Welt – durch Wertschöpfung statt reinen Rohstoffexport.

Stabilitätsanker gegen westlichen Protektionismus

In Zeiten zunehmender globaler Volatilität und protektionistischer Tendenzen (man denke an US-Zölle, EU-Sanktionspolitik und „Buy American“-Strategien) wirkt Chinas Schritt wie ein Stabilisator. UN-Generalsekretär António Guterres begrüßte die Maßnahme und rief andere entwickelte Länder auf, nachzuziehen. AU-Kommissionschef Mahmoud Ali Youssouf hob hervor, dass Afrika besonders unter globalen Unsicherheiten leidet – Chinas Null-Zoll-Politik komme genau zur richtigen Zeit.

Der Ökonom Leseko Makhetha von der National University of Lesotho ergänzt: Die Regelung stärkt die Handelsresilienz Afrikas, fördert Diversifikation und bietet eine Alternative zum wachsenden Protektionismus. Sie untermauere ein regelbasiertes Welthandelssystem – allerdings eines, das auf gegenseitigem Nutzen statt einseitiger Dominanz basiert.

Fazit: Während der Westen oft mit moralischen Appellen und Sanktionen agiert, liefert China konkrete Marktzugänge, Infrastruktur und Investitionen. Die Null-Zoll-Politik ist ein weiteres Beispiel dafür, wie Süd-Süd-Kooperation reale Entwicklung ermöglicht – ohne Belehrungen, ohne Regime-Change-Agenda, sondern mit Fokus auf Win-Win und Modernisierung. Für Afrika könnte dies ein entscheidender Schritt weg von Rohstoffabhängigkeit hin zu verarbeitender Industrie sein. Der Westen sollte genau hinschauen – oder weiter zuschauen, wie China die Zukunft gestaltet.

Solche Wirtschaftsinitiativen machen Freunde, die Unterstützung islamistischer Terroristen durch Frankreich und die Ukraine gegen die Regierung von Mali macht nicht im Land, sondern in ganz Afrika Feinde und Ablehnung.


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15 Kommentare

  1. Gabriele 4. Mai 2026 um 8:14 Uhr - Antworten

    Vielleicht aber auch einmal die „andere“ Seite sehen – was hier passiert, ist Chinas Kriegsführung. Die geht immer über die Wirtschaft oder wie in Afrika, die Vergabe von Krediten, die der Kontinent niemals zurückzahlen wird können. Dafür baut China dort die ersten (Militär)stützpunkte… eigentlich wurde ein Teil Afrikas quasi schon von China übernommen. Ein Blick nach Dschibuti reicht.
    Am Ende wird das die afrikanischen Volkswirtschaften nicht bessern, es wird ihnen sogar schaden. Aber das wollen China-Begeisterte nicht wahrhaben. China tut absolut nichts ohne Grund – und der Grund ist so gut wie immer der eigene Vorteil, sei es militärisch oder wirtschaftlich.

    • Fritz Madersbacher 4. Mai 2026 um 23:30 Uhr - Antworten

      @Gabriele
      4. Mai 2026 um 8:14 Uhr
      Wir können gegen die Hinwendung vieler afrikanischer Länder zu China wettern, sie tun es trotzdem. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass den westlichen Kolonialmächten und Imperialisten in Afrika mißtraut wird. Warum? Es gibt gute Gründe, wie Sie wissen, und es kommen täglich neue hinzu.
      Wenn der Westen vor dem Einfluß Chinas warnt, wird das in den Ländern Afrikas als die Heuchelei von Ausbeutern und Unterdrückern gesehen, die ihr Spiel verloren haben. In einer solchen Situation ist vor allem Selbstkritik nötig, bevor Ratschläge erteilt werden. Eine wirkliche Selbstkritik gibt es aber nicht. Vielmehr gibt es jede Menge Versuche, mit List, Hintertücke und Gewalt den alten Einfluß und den Zugriff auf die Bodenschätze zurückzuerlangen, letztes Beispiel Mali …

  2. Jan 3. Mai 2026 um 20:59 Uhr - Antworten

    Man muss die Inkompetenz der Leyen nicht zum Maßstab machen! Natürlich wäre es seit Jahrzehnten möglich gewesen, Afrika zum gegenseitigen Nutzen zu entwickeln, anstelle Milliarden in Zwang und Niedergang zu investieren.

    Das Erstaunliche an Chinas Entscheidung ist, dass China EINSEITIG auf Einfuhrzölle für 53 Staaten verzichtet. Dh die afrikanischen Staaten dürfen ihre Märkte weiterhin mit Zöllen schützen, was für schwache Volkswirtschaften eine gute Lösung ist!

  3. Der Zivilist 3. Mai 2026 um 19:24 Uhr - Antworten

    Mal ’ne gute Nachricht.

    China liegt natürlich auf der nördlichen Hemisphere und der größte Teil Afrikas auch. Naja, und dann gibt es ja auch noch den ‚Westen‘.

  4. 1150 3. Mai 2026 um 15:42 Uhr - Antworten

    ich finde die art des chinesischen imperalismus abscheulich und widerwärtig.
    da werden ihre kolonialvölker mit modernster infrastruktur und handelsabkommen
    anstatt mit bomben und völkermord terorrisiert, einfach schrecklich

    • Gabriele 4. Mai 2026 um 9:00 Uhr - Antworten

      Sie sagen es…

  5. Jurgen 3. Mai 2026 um 15:32 Uhr - Antworten

    Nur so macht man seine Importpreise niedrig. Durch Zölle schadet man der eigenen Bevölkerung erheblich mehr als dem Exporteur, weil die Zölle zahlen die daheim eben auch noch obendrauf auf den Preis.

  6. Jakob 3. Mai 2026 um 13:30 Uhr - Antworten

    Wieso habe ich plötzlich ein komisches Gefühl wenn ich das lese?
    Nicht dass ich den begünstigen Ländern diese Möglichkeiten und Vorteile nicht gönne. Im Gegenteil.
    Aber wird damit das wahnsinnige westliche Wirtschaftsmodell nicht erst recht ausgebaut?
    Das Modell welches auf Raubbau, auf Rücksichtslosigkeit gegenüber der Natur, auf Konkurrenzkampf, auf Wachstum Wachstum Wachstum aufgebaut ist.
    Statt den überflüssigen Konsum einzuschränken, statt die wuchernde (Über-)Produktion einzudämmen wird genau dies angetrieben.
    Ich weiß nicht.
    Gerechtigkeit und Unterstützung für die vom Westen ausgeplünderten und geknebelten Menschen ja, – aber auf die Art?
    Aber vielleicht sehe ich das ganze falsch.

    • Hello 3. Mai 2026 um 14:49 Uhr - Antworten

      Mir geht es ähnlich. Hier liest man nur Positives. Aber vielleicht wird auch zu einseitig berichtet. Heini Staudinger zB wird nicht müde anzuprangern, wie viele Werkstätten in Österreich zumachen mussten durch die Billigimporte aus anderen Ländern, die keinen Arbeitnehmerschutz kennen, keinen Umweltschutz. In Österreich gibt es hohe Standards, in den Billiglohnländern keine. Deshalb können sie billigst liefern und unsere Betriebe kaputt machen. Kenntnisse gehen verloren und man wird abhängig von anderen Ländern. Ob das erstrebenswert ist? Hauptsache man bekommt um wenig Geld ein T-Shirt, das man nach einmaligem Gebrauch wegwirft?
      Aber vielleicht läuft das mit China ganz anders.

      • Jurgen 3. Mai 2026 um 15:36 Uhr

        Dagegen hilft der Import-Zoll allerdings nur, wenn man ihn auch zur Sozialverwendung und zur Unterstützung der leidenden Firmen einsetzt. Nicht jedoch wenn man damit das klamme Staatsbudget aufpimpert.

      • Fritz Madersbacher 3. Mai 2026 um 18:52 Uhr

        @Hello
        3. Mai 2026 um 14:49 Uhr
        „Billigimporte aus anderen Ländern“

        Warum gibt es überhaupt Billiglohnländer, die keinen Arbeitnehmerschutz kennen, und wer profitiert von ihrer Ausbeutung? Sicher, jetzt lösen sich immer mehr dieser Länder aus der bisherigen Abhängigkeit, aber gerade dieser Prozeß wird viel mehr Ausgleich zwischen den verschiedenen Ländern schaffen. Diese Länder sind dann nicht mehr mißbrauchbar als Exporteure von Ramsch, an dem nur große Konzerne profitieren, sondern die Bevölkerungen wollen ein menschenwürdiges Leben führen und werden darum vorrangig für ihre Bedürfnisse produzieren müssen. Der Verlust der eigenen Kenntnisse und der Eigenständigkeit wird auch bei uns viel stärker zum Thema werden, was gleichzeitig die Achtung für die eigene wie auch für andere Kulturen fördern wird. Für diese Zukunft sollten wir uns einsetzen …

    • Fritz Madersbacher 3. Mai 2026 um 18:14 Uhr - Antworten

      @Jakob
      3. Mai 2026 um 13:30 Uhr
      „Das Modell welches auf Raubbau, auf Rücksichtslosigkeit gegenüber der Natur, auf Konkurrenzkampf, auf Wachstum Wachstum Wachstum aufgebaut ist. Statt den überflüssigen Konsum einzuschränken, statt die wuchernde (Über-)Produktion einzudämmen wird genau dies angetrieben“

      Dieses „Modell“, der Kapitalismus, hat sich die Welt unterworfen, die großen Monopole (Banken, Konzerne, „Investoren“) profitieren davon. Sie haben ihn gut beschrieben, die „Begleiterscheinungen“ sind Ausbeutung, Unterdrückung, Krieg(e). Letztlich muß dieses „Modell“, das „Freiheit“ vorgaukelt und auf Egoismus beruht, weltweit überwunden werden, wenn die Menschheit eine Zukunft haben soll. Die Brechung der Hegemonie des westlichen Imperialismus ist eine unabdingbare Voraussetzung dafür …

      • Jan 3. Mai 2026 um 22:27 Uhr

        Der Faschismus kommt in verschiedenen Farben. Der Trick ist, dass man Freiheit anders definiert. Frieden ist nur möglich, wenn wir alle Feinde beseitigt haben, Brüderlichkeit erst, wenn alle Feinde Gottes – er will das leider so! – getötet wurden. Die Freiheit watet durch Ströme von Blut.

        Wenn wir mit Freiheit Vielfalt meinen, geht das nur, indem wir den anderen respektieren und keine Änderung verlangen. Ist das dann noch Freiheit?

        Asien hat enorme Wachstumsraten, das fühlt sich immer nach Freiheit an.

        Wachstum ist aber ein Problem auf einer endlichen Erde, dazu reichen schon ganz geringe konstante Wachstumsraten, das wird immer exponentiell.

        Nun sage man einem Bürger, er sei frei, aber er dürfe nur reisen, wohin ihn seine Füße trügen, nur essen, was er auf 4000qm anbaue und nur ein Kind bekommen, die restlichen könne er gerne adoptieren!

        Wer würde das als Freiheit empfinden? Solange aber Freiheit Wachstum bedeutet, müssen wir immer töten, um den Verbrauch an die Ressourcen anzupassen. Egal, ob Öl oder Wasser oder Kartoffeln oder Wald oder Fanggründe. Egal mit welchem Narrativ.

        Jetzt ist noch die Frage, ob eine zyklenfreie Homöostasis überhaupt möglich ist, die Systemtheoretiker, sagen nein, es gäbe immer Wachstum und Verfall. Da landen wir beim abnehmenden Grenznutzen.

        Deshalb haben die Epstein-Buddies kein schlechtes Gewissen.

        Aber wenn wir die Bevölkerungsgröße konstant sehr gering hielten? Das Problem wäre die Skalierung, mit der viele Technologien und damit Ressourcen verloren gingen. Dazu kommt das Problem der Almende.

  7. Glass Steagall Act 3. Mai 2026 um 12:38 Uhr - Antworten

    Sanktionspolitik ist ein Relikt vergangener Zeiten! Post-Kolonialismus ebenfalls! China wird wohl dem Westen zeigen, was freie Marktwirtschaft wirklich bedeutet! Außerdem ist diese Politik tatsächlich nachhaltig! Wenn der sogenannte Westen jetzt nicht lernt und das kapiert, wird es noch schneller abwärts gehen! Wer will noch mit dem Westen handeln, wenn der Osten viel attraktiver ist? Ich hoffe, Afrika wird dem Westen komplett die rote Karte zeigen, auch was die Rohstoffe angeht. Auch wenn die USA derzeit noch die militärische Überlegenheit haben, werden sie in ein paar Jahren die Quittung für ihre Raub-Politik ernten! Und was Europa angeht, hier wird man freiwillig den Suizid begehen und sich ein Denkmal für die dümmste Politik der Welt setzen!

  8. cwsuisse 3. Mai 2026 um 11:51 Uhr - Antworten

    China und Russland entwickeln sich zunehmend zu einer Alternative zu den USA. Europa kann man ohnehin getrost abschreiben.

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