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Politik

Nach 90 Milliarden für die Ukraine, weitere 90 Milliarden?

8 Kommentare 25. Mai 2026 5 Minuten Lesezeit von Jochen Mitschka

Im Internet kursieren Berichte, dass nach den ersten 90 Milliarden „Kredit“ für die Ukraine, weitere 90 Milliarden benötigt werden, um den Zusammenbruch des Landes zu verhindern. Schauen wir uns die Gründe an.

Das Römische Reich fiel nicht wegen einer einzigen Invasion. Es fiel, weil die Währung entwertet wurde, bis die Soldaten sich weigerten, dafür zu kämpfen. Das Spanische Reich brach nicht zusammen, weil es einen Krieg verlor. Es brach zusammen, weil es seinen Reichtum für Eroberungen ausgab, anstatt aufzubauen. Das Britische Reich endete nicht, weil die Kolonien plötzlich stärker wurden. Es endete, weil die Aufrechterhaltung der globalen Kontrolle teurer wurde, als das Reich wert war. Jedes Reich in der Geschichte endete auf dieselbe Weise: Überdehnung des Militärs entleert die Schatzkammer, die Währung wird entwertet, um das Defizit zu decken, die heimische Infrastruktur zerfällt, während Ressourcen in die Peripherie fließen, und schließlich kann das Zentrum nicht mehr halten. Das Muster ist zu 100 % konsistent über 3.000 Jahre aufgezeichnete Geschichte hinweg. Heute nennt man das „Sunk-Cost-Falle“.

Auch die Europäische Union befindet sich in einer geopolitischen Sunk-Cost-Falle, bei der finanzielle und militärische Vorleistungen die Rationalität künftiger Investitionen diktieren. Die jüngste Freigabe des 90-Milliarden-Euro-Ukraine-Unterstützungsdarlehens für die Jahre 2026 und 2027 illustriert diese Dynamik eindringlich. Nachdem Deutschland und die EU bereits substantielle zweistellige Milliardenbeträge investiert haben, zwingt der drohende Kollaps des Empfängerlandes die Staatengemeinschaft dazu, immer neue Mittel „nachzuschießen“. Und schon ist die Rede von weiteren 90 Milliarden.

Das Phänomen: Die „Sunk-Cost-Falle“ (Versunkene Kosten)

In der Wirtschaftswissenschaft beschreibt die Sunk-Cost-Falle einen klassischen kognitiven Fehler:

  • Definition: Entscheidungsträger verknüpfen künftige Investitionen mit bereits unwiderruflich verlorenen Kosten.
  • Psychologie: Das Eingeständnis des Scheiterns soll vermieden werden.
  • Irrationalität: Geld wird investiert, um die ursprüngliche Investition nachträglich zu rechtfertigen.
  • Das Dilemma: Man wirft „gutes Geld schlechtem Geld hinterher“, anstatt rein zukunftsorientiert zu kalkulieren.

Der Aufhänger: Die europäischen „Nachschüsse“

Die europäische Ukraine-Politik hat eine kritische Schwelle erreicht. Nachdem Deutschland und andere Staaten bereits enorme Summen aufgebracht haben, verabschiedete die EU nach zähem Ringen ein massives Finanzpaket über weitere 90 Milliarden Euro:

Das Paket teilt sich strategisch auf zwei Säulen auf:

  1. 60 Milliarden Euro für Verteidigung: Direkte militärische Ausrüstung und zügige Rüstungsbeschaffung.
  2. 30 Milliarden Euro für den Haushalt: Überbrückung akuter Defizite zur Aufrechterhaltung staatlicher Funktionen.

Die offizielle Absicherung sieht vor, dass die Ukraine das Darlehen erst nach potenziellen russischen Reparationszahlungen zurückzahlen muss. Bis dahin dienen eingefrorene russische Vermögenswerte als hypothetische Garantie. Mit anderen Worten, der EU-Steuerzahler wird die Zeche bezahlen müssen, denn der Fall wird nicht eintreten, dass Russland Reparationszahlungen leistet.

Anwendung auf die EU: Warum die Logik greift

Überträgt man die These der Sunk-Cost-Falle auf die europäische Außen- und Finanzpolitik, zeigt sich ein extrem vielschichtiges Bild.

  1. Wo die Sunk-Cost-Falle in der EU real existiert
  • Politische Alternativlosigkeit: Ein Stopp der Zahlungen würde den sofortigen Staatsbankrott der Ukraine und den militärischen Zusammenbruch bedeuten. Damit wären alle bisherigen europäischen Investitionen wirtschaftlich und politisch entwertet. Die EU-Politiker stünden vor den Wählern als das offen da, was sie sind.
  • Brüsseler Haushaltsakrobatik: Die EU nimmt die 90 Milliarden Euro über gemeinsame Anleihen am Kapitalmarkt auf, abgesichert durch den EU-Haushalt. Kritiker in den Mitgliedstaaten bemängeln, dass hier immense fiskalische Risiken für die Zukunft angehäuft werden, um kurzfristige politische Zusagen zu decken.
  • Konditionalität und Reformdruck: Die EU versucht verzweifelt, den Abfluss des Geldes zu steuern. So werden Tranchen an unpopuläre innenpolitische Steuerreformen in Kiew gekoppelt. Dies zeigt das typische Muster eines Investors, der versucht, die Kontrolle über ein hochriskantes Projekt zu behalten.

Gegenargumente der EU-Politik

Geopolitik gehorche nicht den Gesetzen einer betriebswirtschaftlichen Bilanz. Für die EU seien die 90 Milliarden Euro keine „versunkenen Kosten“, sondern eine Investition in die eigene Sicherheitsarchitektur.

Die Politik und Medien argumentieren, dass eine Niederlage der Ukraine um ein Vielfaches teurer für die EU würde. (Ohne aber  überzeugend zu erklären warum, denn nach Ende des Krieges könnte z.B. wieder günstiges Gas aus Russland fließen, Exporte würden ermöglicht, und Rüstungsausgaben reduziert werden.) Die Folgekosten, so die Argumentatione, würden durch direkte Bedrohungen an den NATO-Außengrenzen, Aufrüstungszwang und massive Flüchtlingsbewegungen würden die jetzigen Kredite ökonomisch weit übertreffen.

Solange die russische Armee in der Ukraine gebunden sei, sinke das direkte militärische Risiko für das westliche Europa, … was vor dem Konflikt in der Ukraine, was durch die EU-Politik entzündet wurde, aber nie vorhanden war.

Fazit

Die These der Sunk-Cost-Falle beschreibt die Mechanik der EU-Entscheidungen präzise: Man kann nicht mehr aussteigen, weil man schon zu tief investiert ist. Es sei denn, die Entscheider werden ausgetauscht.

Geopolitisch ist dieser psychologische Fehlschluss durch die etablierte Politik jedoch rationalisiert. Die EU schießt die 90 Milliarden Euro nicht nach, weil sie die Vergangenheit schönrechnen will, sondern weil die reale Zukunftsalternative – ein ungebremster russischer Erfolg – strategisch und finanziell angeblich unbezahlbar wäre. Das Risiko verlagert sich damit vollständig auf den Moment, in dem auch diese 90 Milliarden aufgebraucht sind und die fundamentale Frage nach dem nächsten Nachschuss erneut gestellt werden muss.

Für Russland und die Ukraine wäre der Krieg im April 2024 beendet gewesen, als vereinbart worden war, einen Teil der vorwiegend von russischsprachigen und ethnischen Russen bevölkerten Teil der Ukraine abzutreten, als Folge des nach dem Putsch von 2014 entstandenen Bürgerkrieges. Aber die USA und die EU wollten das nicht akzeptieren. Dann entstand voraussehbar die „Sunk-Cost-Falle“, weil der Konflikt für Russland zu einem existentiellen wurde, und eine Niederlage aus Sicht Russlands das Ende der Souveränität Russlands bedeuten würde.

Bild: Screenshot aus Videoerklärung

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇


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8 Kommentare

  1. 1150
    Antworten

    die sparschweine der österreicher sind laut oenb noch gut gefüllt
    und wenn die verschleudert sind, bleiben ja noch die sondervermögem.

  2. Jurgen
    Antworten

    Hätte man einen nicht-kriegerischen, diplomatischen Ansatz mit der Ostukraine favorisiert, wäre heute nicht das große Jammertal bei den Blackrockies und den anderen US-Ganoven. Wer eben Wind sät, erntet Sturm (USrael). Wer zu dumm ist Worst-Case Betrachtungen zu machen und zu bewerten verliert (EUrael).

    1. Jurgen
      Antworten

      Ich persönlich habe alle vermeidbaren Steuern an den Bund eingestellt und zahle nur noch diejenigen Steuern gern, die meiner Gemeinde direkt zugute kommen…

  3. peru3232
    Antworten

    das ist sogar noch schön geredet bzw. dargestellt. Diese 90 Mrd sind eigentlich sogar ein recht geringer Anteil von dem, was wirklich in die Ukraine fließt…. Die NATO Tranche ist wesentlich höher, ebenso unzählige bilaterale „Unterstützungen“ + die ganzen Rüstungsgüter von den EU Staaten und die die extra von den USA gekauften zahlt ja auch die EU

    wenn man alles überschlägt, ist man sogar bald auf der 10fachen Summe

  4. Fritz Madersbacher
    Antworten

    „Die These der Sunk-Cost-Falle beschreibt die Mechanik der EU-Entscheidungen präzise: Man kann nicht mehr aussteigen, weil man schon zu tief investiert ist. Es sei denn, die Entscheider werden ausgetauscht“

    „Sunk cost“ sind ein Resultat der vielen Faktoren, die zum Niedergang einer imperialistischen Macht führen. Sie entstehen durch die verbissenen Versuche dieser Macht, ihren Niedergang aufzuhalten. Insofern sind sie nicht Ursache, sondern Symptom / Begleiterscheinung dieses Vorgangs. Nicht ein „Austausch der Entscheider“, der politischen Marionetten (die gar nicht die „Entscheider“ sind, entscheidend sind die Profitinteressen), beendet diesen Vorgang, sondern das – in der Regel erzwungene – Abgehen von der Verfolgung imperialistischer Interessen, mit allen damit verbundenen Folgen …

  5. Glass Steagall Act
    Antworten

    Wie teilen sich 90 Milliarden „für die Ukraine“ tatsächlich auf? Wir wissen, dass mindestens 30% der Hilfen in korrupten bzw. privaten Taschen landen!

    60 Milliarden für die Verteidigung:
    Hier werden zwar Waffen gekauft, aber etwa ein Drittel bis zur Hälfte wird gewinnbringend ans Ausland verkauft! Die Ukraine bietet dem zum Beispiel dem Iran ständig Waffenhilfe an! Wie geht das, wenn die Ukraine ständig selbst Waffen aus der EU benötigt? Nunja, die Waffen werden direkt weiter verkauft, während man der EU ständig signalisiert, wir brauchen noch mehr!

    30 Milliarden für den Haushalt:
    Hier wird prinzipiell ein Drittel für Selenskij und seine Schergen abgezweigt. Und wie ich vermute, über diverse Auslandskonten landet das Geld u. a. in der Schweiz und wird von dort aus mit den bekannten Geldtransportern in die Ukraine gefahren! Somit lässt sich der Ursprung des Geldes perfekt verschleiern! Wahrscheinlich sind auch Politiker der EU daran beteiligt! Man sollte die genau untersuchen, die am lautesten nach Ukraine-Hilfen schreien bzw. wollen, dass die Ukraine Teil der EU wird!

    Und dann dürfen wir nicht vergessen, wer noch ein großes Interesse an den Fortzahlungen an die Ukraine hat. Nämlich Black Rock! Die haben bereits vor ein paar Jahren billig Land in der Ukraine gekauft und wollen nicht, dass sich ihre Investitionen auflösen. Dafür haben sie ihre Zöglinge wie Black Rock Merz, die dafür sorgen, dass die Ukraine in die EU geholt wird! Der Schaden für die EU-Bevölkerung ist gleichzeitig der Gewinn für Black Rock!

  6. Der Zivilist
    Antworten

    Die EU ist falsch abgebogen, nach der Auflösung – antidemokratisch – der SU bot Putin die Chance, einen nordeurasischen Block zu formen, der enormes wirtschaftliches Potential bot und geopolitisch bedeutsam gewesen wäre. Statt dessen hat sich die USA und im Gefolge die EU ausgerechnet mit dem miesesten Rest der SU ins Bett gelegt.

    Die EU verhängt ‚Sanktionen‘ auch gegen EU Bürger wegen ‚russischer Narrative‘, dabei sind die ÖR Medien zu Ausgewogenheit (nicht zu Wahrheit) verpflichtet, also auch zu russischen Narrativen, nicht nur zu Kiever Narrativen.

    Wenn die EU schon vom Krieg profitieren will, dann sollte sie Russland im gleichen Maße unterstützen, wie die Ukraine, und die Unterstützung Russlands ist die bessre Investition !

    Sunk-Cost-Falle, das ist original WWI, gewonnen haben die USA und heute sind sie wieder auf dem besten Weg dahin.

    1. Jan
      Antworten

      Die Deutschen sind 83 Mio. Die Franzosen 68 Mio. Die Spanier, die eh keiner ernst nimmt, 49 Mio, Russland 144 Mio, Türkei 85 Mio. Wenn Titos Jugoslawien zu groß war, um unzerschlagen in die EU aufgenommen zu werden, dann ist es Russland erst Recht. Die Russen würden in Brüssel sitzen. Sagen wir es so: Etwas besseres ist ihnen nicht eingefallen.

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