Die UNRWA rettet historische Dokumente vor der Vernichtung

23. Mai 2026von 4 Minuten Lesezeit

Es gibt viele Gründe, warum Israel (und die USA) alles daran setzen, die UN-Agentur für palästinensische Flüchtlinge, die nach der NAKBA von 1948 zur Versorgung der Opfer der israelischen ethnischen Säuberung gegründet worden war, unbedingt schließen, und den palästinensischen Flüchtlingen und ihren Nachkommen den Status eines Flüchtlings aberkennen will. Eine davon hatte sich in Gaza zugetragen.

Eine zehnmonatige Geheimoperation von Mitarbeitern des UN-Hilfswerks barg Millionen historischer Dokumente aus Gaza und dem besetzten Ostjerusalem. Laut einem Bericht des Guardian vom 14. Mai konnten so juristische und historische Aufzeichnungen aus dem Jahr 1948 gerettet werden, die Israels Kampagne der ethnischen Säuberungen und des Landraubs dokumentieren.

Geschichte retten

Dutzende Mitarbeiter aus vier Ländern brachten Dokumente durch Grenzkontrollpunkte, transportierten Kisten mit Militärflugzeugen und retteten an Dokumenten, was sonst unwiederbringlich verloren gewesen wäre. Das Archiv, das sich im UNRWA-Komplex in Gaza-Stadt befand, enthielt die Original-Registrierungskarten von Palästinensern, die während der Nakba in Gaza Zuflucht gesucht hatten, sowie Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden über Generationen hinweg.

„Es gibt Zeugnisse darüber, wie Menschen 1948 zur Flucht gezwungen wurden, woher sie kamen, wo sich ihr Eigentum befand und was zerstört wurde“, sagte Jean-Pierre Filiu, Professor für Westasienwissenschaften. „Zweihunderttausend Menschen kamen zwischen 1948 und 1949 aus ganz Palästina nach Gaza.“

Die Operation begann wenige Tage, nachdem israelische Streitkräfte zu Beginn ihres Angriffs auf Gaza die Evakuierung der UNRWA-Büros in Gaza-Stadt angeordnet hatten. Die internationalen Mitarbeiter mussten die Stadt innerhalb kürzester Zeit verlassen und hatten keine Zeit, ihre Dokumente mitzunehmen.

Das Projekt

Nach ihrer erzwungenen Evakuierung kehrte ein kleines Team zurück und unternahm drei Fahrten, um die Dokumente mit Lastwagen durch aktive Bombardierungen nach Süden in ein Lebensmittellager in Rafah zu bringen. Die Evakuierung der Dokumente aus Gaza wurde zusätzlich erschwert, da die ägyptischen Behörden die Zustimmung Israels verlangten, bevor die Archive die Grenze passieren durften. UNRWA-Vertreter waren sich sicher, dass diese Zustimmung entweder verweigert oder zur Beschlagnahmung der Dokumente missbraucht würde. Gleichzeitig war UNRWA Cyberangriffen ausgesetzt, die die Server der Organisation und die digitalisierten historischen Aufzeichnungen zu vernichten drohten.

„Wir befürchteten ernsthaft, dass sowohl die Originale als auch alle von uns erstellten digitalen Kopien zerstört würden. Dann wäre alles für immer verloren gewesen“, sagte Roger Hearn, der leitende UNRWA-Vertreter, der die Rettungsaktion leitete.

Die Dokumente wurden in Ägypten aus vielen Einzellieferungen wieder zusammengestellt und anschließend mit jordanischen Militärflugzeugen, die von Hilfslieferungen zurückkehrten, nach Amman geflogen. Die letzte Ladung verließ das Land nur zwei Wochen vor dem Einmarsch israelischer Streitkräfte in Rafah im Mai 2024.

Nur vorübergehend gerettet?

In einer parallelen Operation wurden weitere Archivbestände aus dem UNRWA-Gelände in Ostjerusalem geborgen. Dieses war Anfang 2024 Ziel von Brandanschlägen und zunehmendem israelischen Druck geworden, die Organisation auszuweisen. Mitarbeiter brachten diese Akten über mehrere Monate hinweg heimlich nach Jordanien. Im Januar 2025 untersagte ein neues israelisches Gesetz dem UNRWA formell die Tätigkeit in Israel und im besetzten Palästina.

In Amman digitalisieren derzeit über 50 Mitarbeiter in einem beengten Kellerlabor, das hauptsächlich von Luxemburg finanziert wird, fast 30 Millionen Dokumente von Hand. Die Digitalisierung wird voraussichtlich noch zwei Jahre dauern. Wenn in dieser Zeit Israel nicht auch Jordanien bombardiert könnte die Geschichte erhalten bleiben. Aber wird die Expansion Israels nicht aufgehalten, wird es wohl bald keine NAKBA-Dokumente mehr geben, die Forscher zur Verfügung stehen.

Warum für Israel die Dokumente „Hamas“ sind

Ihre Zerstörung wäre katastrophal gewesen“, sagte Hearn. „Wenn es jemals eine gerechte und dauerhafte Lösung für diese Krise geben sollte, dann ist dies der einzige Beweis dafür, dass einst Palästinenser an einem bestimmten Ort lebten.“

Israels Krieg gegen Gaza ist ein systematischer Angriff auf die palästinensische Kultur. Er zielt auf die physischen und historischen Grundlagen der palästinensischen Identität ab, offenbar mit dem Ziel, das kollektive Gedächtnis und die Präsenz des Volkes in diesem Land auszulöschen. Die Zerstörung von Moscheen, Kirchen, Kulturerbestätten, Bibliotheken, Manuskripten, Museen, Friedhöfen und Archivbeständen ist Teil einer umfassenderen Kampagne, die darauf abzielt, die Palästinenser von ihrer Geschichte und nationalen Kontinuität abzuschneiden.

Diese wiederholten Angriffe auf die dokumentarischen und materiellen Spuren palästinensischen Lebens haben die kulturelle Auslöschung selbst zu einer Kriegswaffe gemacht. Die UNESCO hat seit Beginn des Völkermords im Oktober 2023 Schäden an zahlreichen Kultur- und historischen Stätten in Gaza bestätigt.

(Der Artikel basiert zu Teilen auf einer Meldung von The Cradle)

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Ein Kommentar

  1. Jurgen 23. Mai 2026 um 17:25 Uhr - Antworten

    Warum fallen mir da in Deutschland verbotene Bücher von vor Wk2 ein? Aber das ist ein anderes Kapitel, wenn auch heute noch der ehemalige(?) Besatzer die Lehrinhalte vorgibt. Oder kennen Sie jemanden, der in der Schule heute noch etwas über Völkerrecht oder Handelsrecht lernt und was das seit 1990 fehlende Hoheitsrecht bedeutet? …

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