
Beispiel einer bewussten Falschinformation, oder nur „Framing“: Nicaragua
In westlichen Medien wird teilweise implizit, teilweise direkt behauptet, Nicaragu hätte Wahlen abgeschafft und Präsident Ortega habe sich quasi zum Diktator erklärt. Dies ist entweder ein bewusstes Framing oder sogar direkte Falschinformation. Und mit jeder neuen Meldung werden die Behauptungen drastischer. Hier was tatsächlich passierte.
Wer heute in YouTube nach Nicaragua sucht wird erschlagen mit der Behauptung, der Präsident des Landes hätte Wahlen abgeschafft. Eine glatte Lüge. Aber je mehr sie verbreitet wird, desto stärker gerät sie in die Köpfe der Menschen.
Am 19. Juli 2026, dem 47. Jahrestag des Sieges der sandinistischen Revolution über die Somoza-Diktatur, hielt Nicaraguas Co-Präsident Daniel Ortega in Managua eine Rede, die international für Aufsehen sorgte. Die Kernaussage: In Nicaragua werde es keine Wahlen mehr geben, bei denen die Opposition versuchen könne, „die Regierung an sich zu reißen„. Der Anlass zeigt ganz ausdrücklich ein Bezug auf die Putschversuche der Vergangenheit.
Die nicaraguanische Publikation Confidencial veröffentlichte die Äußerung am folgenden Tag, internationale Agenturen wie AP griffen sie auf. Die kursierende Formulierung lautet – je nach Übersetzung – sinngemäß:
Hier werde es keine Wahlen mehr geben, mit denen „sie“ (gemeint: die von den USA unterstützten Oppositionsparteien) nicht versuchen könnten, die Macht zu übernehmen.
Dies, nachdem ausdrücklich auf die von den USA unterstützten Parteien von Ortega Bezug genommen wurde, aber in diesem Satz unerwähnt blieben.
Das Framing des Westens, ohne Berücksichtigung des Anlasses der Äußerung: Damit richte sich die Ankündigung nicht ausschließlich gegen Parteien mit expliziter US-Anbindung, sondern grundsätzlich gegen jeden Wahlprozess, der zu einem Machtwechsel führen könnte.
Nicaraguas Außenamt und Ortega selbst begründeten den Schritt mit dem Verweis auf die Proteste von 2018, die die Regierung als von Washington unterstützten Putschversuch darstellt – eine Lesart, die Menschenrechtsorganisationen und die damalige Protestbewegung bestreiten, da sie von einer gewaltsamen Niederschlagung friedlicher Demonstrationen sprechen. Die regierende Partei erklärte ausdrücklich, dass es sich lediglich um das Verbot der Wahlteilnahme von Parteien, welche von den USA kontrolliert, oder deren Interventionen unterstützten, handelt.
Nach Angaben von Beobachtern gibt es bislang weder ein neues Gesetz noch eine offizielle Anordnung der Wahlbehörde – die Ankündigung ist politischer, nicht (noch) rechtlicher Natur, wird von der Sandinistischen Nationalen Befreiungsfront (FSLN) mitgetragen, die das Parlament kontrolliert.
Der institutionelle Rahmen
Die Ankündigung der Sicherung der sandinistischen Verfassung gegen RegimeChange steht nicht isoliert. Im Januar 2025 verabschiedete Nicaragua Verfassungsänderungen, die die Amtszeit des Präsidenten von fünf auf sechs Jahre verlängerten und Ortegas Ehefrau Rosario Murillo von der Vizepräsidentin zur gleichberechtigten Co-Präsidentin erhoben – verbunden mit einer Ausweitung der Exekutivbefugnisse gegenüber anderen Staatsorganen.
Vor der Präsidentschaftswahl 2021 waren mögliche Gegenkandidaten inhaftiert und oppositionelle Parteien mit Verbindungen in die USA am Wahlkampf gehindert worden. Der vom US-Außenministerium beeinflusste World Report 2026 von Human Rights Watch (Siehe Drehtürpolitik zwischen HRW und Außenministerium) verweist auf mindestens 77 politische Gefangene, die sich Stand Oktober 2025 in Haft befanden.
US-Außenminister Marco Rubio reagierte mit scharfer Kritik an der „Diktatur Murillo-Ortega“ und betonte das „Recht der nicaraguanischen Bevölkerung, ihre politische Führung in demokratischen Wahlen selbst zu bestimmen“ – eine Position, die angesichts der historischen Rolle Washingtons in der Region bei Kritikern auf Skepsis stößt.
Die historische Vorgeschichte: USA gegen Nicaragua
Um Ortegas Rhetorik einzuordnen, lohnt der Blick zurück. Nach dem Sturz der von den USA gestützten Somoza-Diktatur 1979 unterstützte Washington unter Präsident Reagan die sogenannten Contras, eine bewaffnete Opposition gegen die neue sandinistische Regierung. Der daraus resultierende Contra-Krieg der 1980er Jahre kostete tausende Menschenleben.
1984 reichte Nicaragua Klage beim Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag ein. Am 27. Juni 1986 entschied das Gericht mit 12 zu 3 Stimmen, dass die USA durch die Finanzierung und Ausbildung der Contras sowie durch das Verminen nicaraguanischer Häfen gegen das Völkerrecht verstoßen hatten, und verurteilte Washington zur Zahlung von Reparationen. Die US-Regierung erkannte das Urteil nie an, entzog dem Gerichtshof im Vorfeld sogar die eigene Anerkennung seiner obligatorischen Zuständigkeit und legte im Oktober 1986 ihr Veto gegen eine UN-Sicherheitsratsresolution ein, die die Umsetzung des Urteils forderte.
Bis heute sind die Reparationen unbezahlt. Nicaragua bekräftigte seine Forderung zuletzt gegenüber UN-Generalsekretär António Guterres; nach eigenen, inflationsbereinigten Angaben sollen sich die ursprünglich rund zwölf Milliarden US-Dollar mittlerweile auf über 31 Milliarden Dollar belaufen. Washington verweist dagegen darauf, dass die spätere, USA-nahe Regierung unter Violeta Chamorro Anfang der 1990er Jahre per Dekret auf die Forderung verzichtet habe – eine Position, die Nicaragua nicht anerkennt, da der IGH-Anspruch dem Staat und nicht einer einzelnen Regierung zusteht.
Regionaler Kontext: Muster oder Einzelfall?
Der Verweis auf eine anhaltende US-Einflussnahme in Lateinamerika – etwa durch Sanktionen, Unterstützung oppositioneller Bewegungen oder diplomatischen Druck rund um Wahlen in Ländern wie Honduras oder Kolumbien – steht im Raum, wird natürlich von westlichen Analysten bestritten; die Bewertung konkreter Einzelfälle ist unter Beobachtern selbst umstritten und hängt stark von der jeweiligen Quelle ab. Unbestritten ist die historische Tatsache umfangreicher US-Interventionen in der Region im 20. Jahrhundert, von Guatemala 1954 bis eben Nicaragua in den 1980ern.
Zusammenfassung
In einer bisher rein politischen, nicht legislatvien Aussage, in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Jahrestag des Sturzes einer von den USA unterstützten Diktatur, erklärte der Präsident Nicaraguas, dass man das Land gegen RegimeChange-Operationen absichern wolle, indem bestimmte oppositionelle Parteien nicht mehr zu Wahlen zugelassen werden. Die Aussage, weil allgemein gehalten, wird von westlichen Kommentatoren interpretiert als die Ankündigungen der Machtübernahme eines Diktators. Die Maßnahmen der neuen und EU-freundlichen Regierung, welche den gewählten Präsidenten absetzen und grundlegende antidemokratische Maßnahmen einleiten, erhalten keine solche Rahmung. Während Nicaragua bereits „Nordkorea 2.0“ genannt wird.
Bild: Screenshot eines Videos zu dem Thema mit üblichem Framing
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Immerhin, danke für die Info.
Hatte ich auch gelesen, ich glaube auf Apollo News.
Nun im Grunde sind Wahlen ja sowieso nur Bestätigung der immergleichen Kreise und dessen Vertreter.
Ob das in Nicaragua anders ist? Möglich wäre es, ich lebe dort nicht und kenne den Zustand im Grunde nur aus Hörensagen der medialen Welt hier.
Was da alles dran ist.. nunja..
Aber man stürzt sich für Klicks auf alles.. Ich kann es diesem Journalismus nicht verübeln, aber deswegen heiße ich es nicht gut.
Wir leben in diesen gegenseitig sich die Augen auskratzen-System für ein Kontrollmittel.
Ich habe diese Regeln nicht gemacht, ich bin hineingeboren in die moderne Menschenhaltung und suche mit euch einen Weg dort heraus. Am besten zu Lebzeiten.