
Amira Hass: „Israel debattiert nicht über einen palästinensischen Staat – es bereitet die Vertreibung vor“
Völkermord und ethnische Säuberung findet im zionistischen Teil Israels überwiegend Zustimmung. Daher ändern auch Wahlen nichts daran. Zusammenfassung eines Kommentars von Amira Hass, erschienen am 1. September 2026 bei Haaretz (Originalartikel hinter Paywall).
Hass stellt klar: Die Frage, ob der Wahlfavorit Gadi Eisenkot einen palästinensischen Staat befürwortet oder nicht, sei nebensächlich. Denn zur Debatte stehe längst keine „diplomatische Lösung“ mehr, sondern die schiere Existenz des palästinensischen Volkes zwischen Jordan und Mittelmeer. Die Kräfte, die auf dessen „Auslöschung“ hinarbeiten, kennten weder Grenzen noch Zurückhaltung – und seien inzwischen zu zahlreich, als dass man sich allein auf die Widerstandsfähigkeit der Palästinenser verlassen könne, die bereits frühere Vertreibungswellen durchlitten hätten.
Eine Maschinerie statt einer Politik
Die Autorin beschreibt kein einzelnes Ereignis, sondern ein ineinandergreifendes System: Knesset-Gesetze, Regierungserklärungen, Militärbefehle, Schulbücher und die von ihr so genannten „heiligen Immobilienbataillone“ arbeiteten in Gaza, im Westjordanland und im Negev gemeinsam daran, palästinensisches Leben systematisch unerträglich zu machen – damit eine spätere Auswanderung als „freiwillig“ dargestellt werden kann.
In Israel selbst, so Hass, ließen die Behörden arabischen kriminellen Organisationen freie Hand, palästinensische Bürger in ihren eigenen Häusern zu töten. Im Westjordanland gälten dieselben Freiräume für bewaffnete Siedlermilizen, während die reguläre Armee parallel weiter Razzien fährt – etwa jene, über die Hass erst kürzlich in dem Fall einer im August zwangsgeräumten Familie bei Bethlehem berichtet hatte. In Gaza sei diese Zerstörung bereits abgeschlossen: rund zwei Millionen Menschen, mit dem Gewicht von etwa 74.000 frischen Gräbern, seien auf rund 150 Quadratkilometern verbrannter Erde eingepfercht, jeder Wiederaufbau von Israel unterbunden.
Finanzielle und bürokratische Erwürgung
Im Westjordanland ziehe sich parallel die finanzielle Schlinge des israelischen Finanzministeriums um die palästinensische Autonomiebehörde und rund drei Millionen Menschen zusammen – durch systematischen Einbehalt von Steuereinnahmen, Militärrazzien in Städten und Flüchtlingslagern sowie Kontrollpunkte, Bauverbote und Zäune. Innerhalb der Grünen Linie diene die seit Jahrzehnten betriebene „Judaisierung von Galiläa und Negev“ demselben Muster: Landraub, Diskriminierung bei Zuteilungen und Beschäftigung, Bauverbote und Häuserabrisse gegen die palästinensische Minderheit in Israel selbst.
Was die Vertreibung ideologisch trägt
Zentral an Hass‘ Argumentation ist ihre lange Liste der gesellschaftlichen Kräfte, die eine erneute Massenvertreibung – und potenziell Massaker – erst möglich machen: der Kult des Militärdienstes, Gehorsam als gesellschaftlicher Wert, die Normalisierung von Gewalt als Standardvorgehen, die Verdrängung von PTBS und Soldatensuiziden, die Verlockung günstiger Siedlerimmobilien in Galiläa oder Samaria, offizielle wie inoffizielle Propaganda, die reflexhafte Rechtfertigung „Aber der 7. Oktober“, die Synergie zwischen Armee, Regierung, Rabbinern und religiösen Milizen im Westjordanland sowie ein Justiz- und Bildungssystem, das sie als von säkularem und religiösem Rassismus durchdrungen beschreibt.
Diese Analyse steht nicht isoliert: Bereits im Januar hatte Hass in einem früheren Kommentar Finanzminister Bezalel Smotrichs „Entscheidungsplan“ zur „freiwilligen“ Vertreibung als älteren Zwilling des aktuellen Regierungskurses beschrieben – und der israelischen Opposition vorgeworfen, den Zusammenhang zwischen diesem Plan und dem Vernichtungskrieg in Gaza zu ignorieren.
Die Rolle der Opposition und der Welt
Hass attestiert der israelischen Linken Schwäche und Erschöpfung, der Anti-Netanjahu-Opposition Verharmlosung, Gleichgültigkeit oder gar offene Unterstützung der Vertreibung. Verurteilungen aus dem Ausland – meist ausgelöst durch einzelne Social-Media-Posts westlicher Diplomaten – nennt sie so wirkungslos wie ein Sieb im Regen. Auch Eisenkot selbst nimmt sie in die Pflicht: Bereits im Juni hatte sie gefragt, was er gegen Siedlerterror unternehmen werde – ohne bislang eine Antwort erhalten zu haben.
Die Warnung am Schluss
Die eigentliche Gefahr, so Hass, gehe von den Wortführern der jüdischen Siedlermilizen aus, die Vertreibung offen als Ziel benennen und dabei auf die Bereitschaft großer Teile der israelisch-jüdischen Gesellschaft setzen, aktiv oder passiv mitzuwirken. Ihre täglichen, bei Tageslicht begangenen Provokationen und Übergriffe seien nur durch institutionelle Rückendeckung möglich.
Ihr Kalkül: eine palästinensische Verzweiflungs- oder Racheakt als Funken zu nutzen, um einen umfassenderen Krieg zu entfachen – unter einem Slogan, den Teile der Wählerschaft von Eisenkots eigener Partei und der liberalen Demokraten mittragen könnten: „Ein Volk, eine Armee, ein Land, gesäubert von Arabern.“
Quelle: Amira Hass, „Israel isn’t debating a Palestinian state. It’s preparing for expulsion.“, Haaretz, 1. September 2026 (Paywall).
Soweit der Artikel. Für Deutschland bedeutet die unveränderte grenzenlose Unterstützung Israels die immer tiefere Verstrickung in einen Völkermord, für den man bereits vor dem IGH in Den Haag auf der Anklagebank sitzt. Dabei hatte man nach Namibia und dem Holocaust gehofft, dass Deutschland etwas gelernt hatte.
„Es bereitet die Vertreibung vor“
Oh, ich sehe viele neue Menschengeschenke, die Richtung SUPERSAUBLÖDISTAN ziehen und dort von SUPERSAUBLÖDENPOLITIKERN vollversorgt werden, während sie ISrahells Stiefel lecken.
Zitat:
Die Jerusalem Post veröffentlicht nun Leitartikel mit Ideen dafür, wie das Pentagon genügend amerikanische Soldaten rekrutieren könnte, um eine Bodeninvasion im Iran zu starten.
Sie wollen die erdrückende Schuldenlast ausnutzen, die junge Amerikaner zu tragen haben, indem sie ihnen eine Chance auf Schuldenerlass bieten, wenn sie bereit sind, für Israel im Persischen Golf zu sterben. https://x.com/Villgecrazylady/status/2095176196149391418/photo/1