Der Krieg in der Ukraine hat den Rohstoff Germanium von einem Nischenmetall der Optik- und Halbleiterindustrie zu einem strategischen Engpass der modernen Kriegsführung gemacht.
Nach einer Analyse von BMO Capital Markets könnten allein die rund 15 Millionen Drohnen, die 2026 im russisch-ukrainischen Krieg eingesetzt werden, mehr als 4 Prozent der weltweiten Germanium-Nachfrage binden.
BMO-Analyst George Heppel spricht von einem Zeitalter der „Massen-Drohnenkriegsführung“. Eine durchschnittliche FPV-Drohne enthält demnach rund 1 Gramm Germanium, 0,1 Gramm Gallium und 46 Gramm Neodym-Eisen-Bor-Magnete. Hochgerechnet auf 15 Millionen Geräte ergibt das etwa 15 Tonnen Germanium, 1,5 Tonnen Gallium und 690 Tonnen Magnetmaterial. Die globale Germanium-Nachfrage lag 2025 bei geschätzten 343 Tonnen – der Bedarf am Schlachtfeld wäre damit eine Nachfragequelle, die vor dem Krieg praktisch nicht existierte.
Germanium steckt vor allem in Wärmebildlinsen und in Glasfaserkabeln für kabelgebundene Einwegdrohnen, die sich nicht so leicht stören lassen. Gallium und schwere Seltene Erden sind zudem zentral für Antidrohnen-Systeme.
Kiew will 2026 über sieben Millionen Drohnen herstellen, nach vier Millionen im Vorjahr; Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach zeitweise sogar von einer Jahreskapazität von zehn Millionen (dabei geht es hauptsächlich um billige FPV-Drohnen). Westliche Staaten und Bündnisse haben seit 2025 rund 150 Milliarden Dollar für Drohnen- und Abwehrprogramme zugesagt. Der Westen finanziert und unterstützt teilweise bei der Produktion. Auch in Russland dürfte die Drohnenproduktion massiv sein – ebenso wie in China oder den USA.
Und China hat einen Hebel in dieser neuen Kriegsindustrie: China stellte 2023 rund 77 Prozent des raffinierten Germaniums und 98 Prozent des primären Galliums her. Peking führte 2023 Exportlizenzen für Gallium und Germanium ein, verhängte im Dezember 2024 ein Ausfuhrverbot in die USA und lockerte dieses später nur befristet. Die Lieferungen ins westliche Ausland sind seither stark zurückgegangen; zugleich bleibt China laut Recherchen wichtiger Lieferant kritischer Metalle für Russlands Rüstungsindustrie.
Die Preise explodierten. In Europa stieg der Germanium-Metallpreis 2025 von rund 3150 auf über 5300 Dollar pro Kilogramm. Spätere Marktberichte nannten sogar Werte über 11.000 Dollar – gegenüber einem historischen Mittel um 2000 Dollar. Händler beschrieben die Lage als „verzweifelt“, weil Bestände gering und Substitution in Militäroptik schwierig sind. Germanium fällt meist nur als Nebenprodukt der Zink- und Kohleverarbeitung an; die Förderung lässt sich nicht schnell hochfahren.
Auch die Ukraine bleibt auf chinesische Komponenten angewiesen – Motoren, Batterien, Optik und Faser. EU-Programme versuchen, europäische Beschaffung zu stärken, müssen aber Ausnahmen machen, weil Tempo und Preis chinesischer Teile kaum zu ersetzen sind. Gleichzeitig exportierte China massenhaft Glasfaser nach Russland, während westliche Abnehmer knappe Mengen erhielten.
Der Drohnenkrieg verbraucht nicht nur Munition, sondern auch seltene Metalle, deren Förderung Peking kontrolliert.
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10 Kommentare
Was der Artikel natürlich nicht sagt, man meint hochreines Germanium und Gallium mit Dotierung. Normales Germanium gibt es ansonsten eigentlich genug im Boden. Und Silizium findet sich ja an jedem Strand…
Bei Germanium wird für die p-Dotierung Gallium verwendet, damit entstehen Defektelektronen die von überschüssigen Elektronen bei Stromfluß als Halbleiter aufgenommen werden können. An der Grenzschicht zwischen p- und n-Dotierung im Halbleiter Germanium entsteht bei angelegter Sperrspannung die berühmte Sperrschicht/Blockierung (0.1 – 100 µm) des Stromflusses, da Defektelektron u. Elektronenüberschuß sich gegenseitig auffüllen und keine Ladungsträger mehr durch die Sperrschicht fließen können.
Was der Autor leider nicht sagen kann, warum es bei Wärmebildkameras unbedingt p-dotiertes Germanium benötigt. Man könnte doch ebenso den Halbleiter Silizium mit p-Dotierung verwenden oder ?
Hat das vllt. was mit der Durchflußspannung am pn-Übergang zu tun, der bei Germanium etwa 0.3 Volt beträgt und bei Silizium 0.7 Volt ?
Als Elektroniker stehe ich jetzt i.wie aufm Schlauch.
„Warum wird bei Wärmebildkameras p-dotiertes Germanium verwendet und nicht p-dotiertes Silizium ?“
Mit der Frage hab ich es gegooglet und kam KI-Antwort. Habs trotzdem ni verstanden was es mit der größeren Wärmestrahlungsdurchläßigkeit zu tun hat. Germanium soll für Wärmestrahlung durchlässig sein und Silizium sperrt. Was fürn Einfluß hat das aufm Stromfluß ?
@Nurmalso
3. September 2026 um 22:03 Uhr
„Germanium soll für Wärmestrahlung durchlässig sein und Silizium sperrt. Was fürn Einfluß hat das aufm Stromfluß ?“
Der den Stromfluß hemmende elektrische Widerstand nimmt bei Metallen und Halbmetallen mit steigender Temperatur zu. Silicium und Germanium sind Halbmetalle. Germanium besitzt wie Wasser eine Dichteanomalie (seine Dichte ist im festen Zustand niedriger als im flüssigen), „bremst“ also den Stromfluß wegen der größeren Wärmestrahlungsdurchläßigkeit weniger. Diese Eigenschaft macht man sich übrigens auch bei Skirennbelägen zunutze (wie man das macht ist Betriebsgeheimnis) …
Korrektur: „Wärmestrahlungsdurchlässigkeit“, nicht: „Wärmestrahlungsdurchläßigkeit“ …
Ach, sind wir jetzt bei Heiß- u.Kaltleiter angelangt ? Leider haben wir die im Fach Elektronik in der Berufsschule von ca. 1982 in Dresden, Hamburger Str., auf Silizium- u. Germaniumbasis nicht behandelt. Danke hierfür, werde mich noch etwas mehr belesen müssen zur Funktionsweise.
Den Germanium Transistor gab es zuerst, dann kurz drauf auch den Silizium Transistor. Das ist noch nicht so lange her. Auf den Sand wurde dann die gesamte digitale Struktur gebaut.
Witzig, nicht? ;-)
Einmal ganz abgesehen davon was Krieg ohnehin schon an Irrsinn ist:
Allein diese Ressourcenverschwendung an seltenen Stoffen ist Wahnsinn genug.
Anmerkung: Juhutub hat mir gerade die ‚der Standard‘ Seite aufgeschlagen. OberSpezialistExperteGuru Reisner darf über den hybriden Krieg RUs gegen uns blablabern. Nach 5min hatte ich genug.
Damit hat mich der Algo auch bedacht…..Sie haben wirklich ganze 5 Minuten durchgehalten?
Hoate Sau….;))
(ich habe es mir prophylaktisch vollständig erspart)
Aber die Kommentare sind „spannend“ – das Standrad dürfte eine kleine Troll-„Armee“ (eher Kompanie oder Zug) haben. Da fühlt man sich beim Lesen fast wie ein Forscher behavioristischer Entwicklung einer Primaten-Sippe.
„15 Millionen Drohnen“ Einwegdrohnen.
Derweil zieht es ISrahell I ins All. Man darf gespannt sein, was passiert, wenn diese Irren sich dort gegenseitig bekämpfen.
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