Neunte Nacht im Angriffskrieg gegen den Iran: Was in Wahrheit auf dem Spiel steht (Ticker 21:30)

20. Juli 2026von 17,7 Minuten Lesezeit

Wieder fallen Bomben und Raketen im Iran und auf die Anlagen, welche von den US-Streitkräften für die Angriffe gegen den Iran genutzt werden. Und weiter wächst die Angst in Europa vor Inflation und Industrieproduktionsrückgang, in den Entwicklungländern vor Hungersnot und in den USA vor steigenden Benzinpreisen.

Zum neunten Mal in Folge hat das US-Militär in der Nacht auf heute Ziele im Iran angegriffen. Nach Angaben des zuständigen US-Regionalkommandos Centcom begannen die Angriffe um 19.00 Uhr US-Ostküstenzeit, also 2.30 Uhr Ortszeit im Iran. Iranische Medien meldeten in der Nacht Explosionen in Tabriz im Norden, in der Hafenstadt Tschahbahar am Golf von Oman, in Konarak in der Provinz Sistan-Belutschistan sowie in den Hafenstädten Mahschahr und Bandar Imam Chomeini am Persischen Golf – wie das Handelsblatt berichtet.

US-Präsident Donald Trump rechtfertigte die neue Angriffswelle nach seiner Rückkehr vom Fußball-WM-Finale mit dem Tod mehrerer US-Soldaten in der Region: Diese „großartigen Patrioten“ seien im Einsatz gewesen, „damit Iran keine Atomwaffen bekommen kann“, so Trump laut ZDF-Liveblog. Atomwaffen, die der Iran nach Angaben der eigenen Geheimdienste gar nicht haben wollte. Wörtlich: „Wir haben sie heute Nacht wieder sehr hart getroffen.“ Parallel meldete die britische Marine-Seehandelsaufsicht (UKMTO) ein brennendes Schiff in der Straße von Hormus nahe der omanischen Küste – die Ursache blieb zunächst unklar. Im Golfstaat Bahrain heulten am Morgen erneut die Sirenen, die Bevölkerung wurde aufgerufen, ruhig zu bleiben.

Was die offiziellen Medien erklären

Die offizielle Sprachregelung aus Washington ist seit Wochen dieselbe: Man greife an, um „die militärischen Fähigkeiten weiter zu schwächen, die der Iran für Angriffe auf Handelsschiffe und zivile Seeleute in der Straße von Hormus einsetzt“ – so Centcom laut t-online. Die USA präsentieren sich damit als Schützer der freien Schifffahrt in einer Meerenge, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öltransports läuft. Die US-Streitkräfte selbst verzeichneten laut Berichten in der vergangenen Woche so hohe eigene Verluste wie seit Monaten nicht mehr. Die USA wollen also eine Meerenge befreien, die erst geschlossen wurde durch den Angriffskrieg, den sie ausführten.

Was Medienmeldungen oft unterschlagen

Was in dieser Erzählung untergeht: Es handelt sich nicht um eine defensive Maßnahme, sondern um die Fortsetzung eines seit Ende Februar laufenden Angriffskriegs der USA und Israels gegen den Iran, in dessen Verlauf sich die Kämpfe längst auf die gesamte Golfregion ausgeweitet haben – mit Vergeltungsschlägen des Iran gegen US-Verbündete wie Bahrain, Kuwait, Jordanien und Saudi-Arabien, die selbst nicht Kriegspartei sind, aber US-Basen beherbergen.

Auch die ökonomische Dimension bleibt in der Berichterstattung meist Randnotiz: Trump hat parallel eine Blockade des iranischen Schiffsverkehrs wieder in Kraft gesetzt und eine Gebühr von 20 Prozent für die „Bewachung“ von Schiffen angekündigt, die die Straße von Hormus passieren – berichtet die Börsen-Zeitung. Dafür gibt es keine Grundlage im internationalen See- oder Völkerrecht: Die USA sind kein Anrainerstaat der Meerenge. Die Golfstaaten selbst hatten zuvor im Rahmen eines im Juni geschlossenen Abkommens über eine gebührenfreie, sichere Passage verhandelt – ein Ansatz, den Washington mit der eigenen Gebührenforderung nun konterkariert. Im Prinzip hat Trump damit dem Iran seine eigenen Gebühren für „den sicheren Transfer“ zu rechtfertigen.

Die Kosten dieser Eskalation tragen längst nicht nur die direkten Kriegsparteien. Seit Ausbruch des Konflikts schwankte der Ölpreis zwischen einem Kriegshoch von rund 119 US-Dollar je Barrel und kurzzeitigen Entspannungen auf Vorkriegsniveau – wie eine Analyse zur Ölpreisprognose 2026 zeigt. Nach der jüngsten Angriffswelle zog der Preis erneut deutlich an, meldet finanzen.net, während der Schiffsverkehr durch die Straße laut Kpler-Daten nahezu zum Erliegen gekommen ist – berichtet wallstreet-online.

Die Unbeteiligten, die unter dem US-Angriffskrieg leiden

Wer zahlt eigentlich für diesen Krieg und wer leidet am meisten, außer der Bevölkerung des Iran? Nicht in erster Linie die USA oder Europa, die über strategische Reserven und Kaufkraft verfügen, um Preisspitzen abzufedern. Es sind vor allem Öl- und Energieimporteure des Globalen Südens – Volkswirtschaften in Afrika, Süd- und Südostasien sowie Lateinamerika –, die jede Verteuerung von Rohstoff-, Fracht- und Versicherungskosten unmittelbar in Inflation, Devisenknappheit und höheren Lebensmittelpreisen zu spüren bekommen, ohne selbst am Konflikt beteiligt zu sein oder ihn beeinflussen zu können.

Die Qualitätsmedienberichterstattung

In der westlichen Berichterstattung wird die nächtliche Angriffswelle routinemäßig aus der Centcom-Pressemitteilung heraus erzählt – Ziel, Uhrzeit, Begründung, fertig. Die zivile Lage in den getroffenen iranischen Städten, die Perspektive der Golfstaaten, die als Militärbasen-Wirtsländer selbst zur Zielscheibe werden, ohne Kriegspartei zu sein, sowie die globalen Verteilungswirkungen des Ölpreisschocks kommen kaum vor. Wer im Globalen Süden auf diesen Krieg blickt, sieht vor allem eines: eine militärische Auseinandersetzung, deren Rechnung – über Energiepreise, Versicherungsprämien und gestörte Lieferketten – an Länder weitergereicht wird, die an ihrem Zustandekommen nicht mitgewirkt haben.

Die Frage nach der völkerrechtlichen Legitimität des Angriffskriegs selbst – geführt ohne UN-Mandat, gegen ein Land, das nicht die USA angegriffen hat – bleibt in der Tagesberichterstattung fast durchgängig ausgespart.

12:30 Uhr

US-Opferzahlen werden verschleiert

Die NYT schreibt, dass die US-Streitkräfte dutzende von Verwundungen bei Soldaten im Angriffskrieg gegen den Iran verschweigen. Ein US-Pilot soll erklärt haben, dass bei einem einzigen Angriff mindestens 5 es nicht überlebt hatten, und ungefähr 15 mit lebensgefährlichen Verletzungen überlebten, seiner Schätzung zufolge. Eine Nachricht des Pentagon über „große Opferzahl“ wurde angeblich gelöscht. Ein großer 204 Plätze umfassender Verletztentransporter vom Typ Globmaster ist auf dem Weg nach Deutschland zur Behandlung, ohne dass bekannt ist, wie viele Verletzte transportiert werden.

Es erscheint sicher, dass die Angriffe des Iran immer drastischere Folgen für die angreifende Koalition hat.

Schäden auch in zivilen Bereichen

Nach Beschädigungen  durch US-Angriffe in rein zivilen Bereichen im Iran, werden auch in Bahrain Schäden in einem zivilen Gebiet berichtet. Dabei ist unklar, ob es in Folge von Abwehrmaßnahmen dazu kam, oder direkt durch den iranischen Vergeltungsangriff.


US-Verbraucherpreise steigen

Und US-Benzinpreise steigen wieder prompt auf im Mittel 4 US-Dollar pro Gallon, was die Amerikaner empört (das entspricht immer noch nur 0,92 Euro pro Liter, ein Traumpreis für Europäer). Anstieg der Benzin- und Dieselpreise bereitet normalerweise den Weg für Preissteigerungen von Nahrungsmitteln und Bedarfsgütern des täglichen Bedarfs.

Der Guardian berichtet, dass der Iran nach den erneuten Angriffen in der Nacht schwört, dass kein Tropfen Öl durch die Straße von Hormus zu den Ländern fließen wird, welche den Iran angreifen oder den Angriff unterstützen, so lange die Angriffe anhalten.

Wir werden die Durchfahrt durch Hormus nicht unseren Feinden erlauben, so lange sie unsere Sicherheit bedrohen.Schreibt die Times of Israel.

Aber der Iran sei offen für Verhandlungen, auch wenn die Aussichten gering seien, erklärte der iranische Außenminister Araghchi. Während die USA erklären, sie seien offen für Verhandlungen mit dem Iran.

Der Iran beschuldigt die Internationale Atomenergieorganisation ihren Pflichten nicht nachzukommen, da sie versäumte, die Angriffe auf die zivile Atomanlage Darkhovin als Verstoß gegen Verträge und das Völkerrecht zu bezeichnen. Natürlich wird die Organisation, wie so viele andere, von den USA kontrolliert. Washingtons Führung sorgt dafür, dass passende Führungskräfte dort das sagen haben, während nicht passende darauf hingewiesen werden, dass man wisse, wo die Kinder studierten.

Türkei

Die Türkei soll die israelischen Behörden gewarnt haben, dass sie Luftunterstützung für den Iran leisten könnte, falls eine Operation, die von kurdischen Rebellenkräften durchgeführt wird und vom Mossad unterstützt wird, gegen iranisches Territorium gestartet würde. Laut hochrangigen israelischen Verantwortlichen, die vom öffentlich-rechtlichen Sender Kan zitiert werden, soll Ankara mitgeteilt haben, dass sie im Falle eines Eindringens kurdischer Rebellenkräfte aus dem Irak in den Iran im Rahmen der vom Mossad orchestrierten Landoperation, die darauf abzielt, einen Regimewechsel herbeizuführen, intervenieren und Luftunterstützung für Teheran leisten könnte.

Middle East Eye berichtet: Laut Quellenangaben erhielten kurdische Milizen eine Woche vor dem geplanten Angriff Waffen. Als sie jedoch zum Angriff bereit waren, legte die USA ihr Veto ein. Israelische Beamte beschuldigten gegenüber i24News US-Vizepräsident JD Vance, Details der von den USA und Israel unterstützten Operation an die Türkei weitergegeben zu haben. Sie behaupteten, Personen aus Vances Umfeld hätten Ankara über den bevorstehenden kurdischen Angriff informiert, woraufhin türkische Beamte umgehend Maßnahmen ergriffen hätten, um diesen zu verhindern. Ankara bekämpft kurdische Separatisten sowohl innerhalb seiner Grenzen als auch im Irak und in Syrien. Ein Zusammenbruch der Zentralregierung in Teheran würde eine neue Bedrohung an der südöstlichen Grenze Israels darstellen.

Dies zerstört die These westlicher Analysten, dass die präventiven Luftschläge gegen kurdische Milizen durch den Iran nur aus „Mordlust“ vorgenommen wären, und nichts mit einer bevorstehenden Bodeninvasion zu tun hätten.

13:30 Uhr

Erdbeben in einem Gebiet von Bodeninvasion?

Schon bestern waren Thesen entstanden, die hinterfragten, warum ein tatsächlich ungewöhnlich starkes Erdbeben den Iran ausgerechnet in der Region erschüttert, in der angeblich die USA mit „Verbündeten“ eine Bodeninvasion plane. Nun kommen zu den Bombenangriffe auch noch Zerstörungen durch Erdbeben hinzu, während die Wirtschaft des Irans durch die Blockade der USA gewürgt wird.

Schadensbilder aus Bahrain

Der iranische Luftschlag hatte sehr genau eine Stromversorgungsstation für die US-Streitkräfte zerstört, und die US-Luftwaffe beeilte sich, die Flugzeuge nach Israel zu verlegen.

Die Lage in Zahlen

Laut CNN-Berichterstattung griff das US-Militär in den vergangenen Tagen wiederholt Ziele entlang der iranischen Südküste an, mehrere Nächte in Folge. Der Brent-Ölpreis reagierte bereits Mitte Juli mit einem Sprung auf über 78 Dollar je Barrel, wie CNBC dokumentierte – eine immer wieder genannte Marke von 90 Dollar ließ sich für den 20. Juli nicht unabhängig bestätigen.

Bestätigt ist der iranische Raketenangriff auf die Al-Azraq-Luftwaffenbasis in Jordanien, bei dem laut US-Angaben zwei amerikanische Soldaten getötet wurden. Auch Angriffe auf Kuwait, bei denen Stromleitungen beschädigt wurden, sowie Luftalarm in Bahrain sind durch mehrere Quellen belegt. Die oft genannten Detailzahlen – etwa „51 Kampfjets“ oder „20 zerstörte Gebäude in Al-Azraq“ – stammen aus IRGC-eigenen Angaben und „ließen sich nicht unabhängig verifizieren“. Beide Seiten haben Interesse daran, die Verluste der Gegenseite jeweils möglichst hoch anzusetzen, und die eigenen Verluste zu verschleiern.

Politische und militärische Einordnung

Sechs B-52-Bomber verließen die britische Basis RAF Fairford bereits Anfang Juli im Zuge einer damaligen Waffenstillstandsphase. Ob sie, wie derzeit wieder im Internet behauptet, tatsächlich zur erneuten Eskalation zurückkehren, ist noch nicht bestätigt.

Die Behauptung eines russisch-chinesischen „nuklearen Schutzschirms“ für Iran bleibt Spekulation: Analysen sprechen von einem möglichen russisch-chinesischen Angebot eines Nuklearschutzes, belastbare Bestätigungen für eine formelle Garantie fehlen jedoch. US-Außenminister Rubio und Vizepräsident Vance haben sich zuletzt öffentlich zur Diplomatie geäußert, ohne dass sich die Lage entspannt hätte.

„Unabhängig bestätigen“ ließen sich weder die angebliche Entsendung des iranischen Innenministers nach Islamabad noch eine US-Warnung vor „sauberen Nuklearwaffen„. Auch wenn dies derzeit immer wieder im Internet herumgeistert. Allerdings hatte Scott Ritter schon vor dem Beginn der ersten Kriegsphase den Iran vor einem Kernwaffenangriff gewarnt, und nachdem es offensichtlich kein Völkerrecht mehr gibt, muss man auch damit rechnen.

18:30 Uhr

PsyOps auf allen Seiten.

Symptomatisch für diesen Konflikt: In der offiziellen „Erklärung Nr. 31dankten die IRGC am 20. Juli 2026 ausdrücklich „der Bevölkerung und loyalen Soldaten Jordaniens“ für eine angeblich präzise Informationsweitergabe. Diese Spionage-Hinweise sollen es ermöglicht haben, 20 US-Hangars in der Region Al-Azraq präzise zu treffen. Es gibt allerdings keinerlei Belege für einen systematischen „Verrat“ durch jordanische Offizielle oder die breite Bevölkerung.

Westliche Experten werten das Lob der IRGC als gezielte Desinformation und psychologische Sabotage. Die Hinweise waren auch gar nicht notwendig, angesichts der modernen Satellitenaufklärung, da es keine Untergrundanlagen sind. Ziel Irans sei es, die Bevölkerung Jordaniens gegen die Stationierung von US-Truppen aufzuwiegeln und Misstrauen zwischen der jordanischen Führung und den USA zu säen, sagen westliche Beobachter. Wobei Jordaniens Bevölkerung zu einem großen Teil aus palästinensischen Flüchtlingen oder Verwandten von solchen besteht, weshalb eine Liebe zu den USA mehrheitlich kaum erkennbar sein dürfte. Jordanien betont, dass es nicht als Schlachtfeld oder Transitroute missbraucht werden will, ohne aber etwas gegen die Stationierung von US-Angriffstruppen zu unternehmen, und wehrt iranische Angriffe, die auf US-Basen zielen, ab. Wodurch sie die USA unterstützen und damit aus Sicht des Irans zur Kriegspartei werden.

Die IRGC gaben im Rahmen ihrer laufenden Militäroperation „Nasr 2“ bekannt, Großraumtransportflugzeuge vom Typ Boeing C-17 und Seeaufklärer/Kommando-Flugzeuge vom Typ Boeing P-8 Poseidon auf dem Flughafen von Akaba (Südjordanien) mittels ballistischer Raketen schwer beschädigt oder vernichtet zu haben. Allerdings haben weder das US-Zentralkommando (CENTCOM) noch die jordanischen Behörden den Verlust oder gravierende Schäden an diesen spezifischen Flugzeugen bestätigt. Zwar kursierten Videos in sozialen Netzwerken, die Rauchwolken am Flughafen von Akaba zeigten, Jordanien meldete jedoch, dass der Flughafen voll einsatzfähig blieb. Die jordanische Luftabwehr, so heißt es, fange einen Großteil der iranischen Raketenwellen ab.

Inoffizielle Videoclips und Aussagen deuten darauf hin, dass die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegt, es längst mehr als die bestätigen zwei Todesopfer unter den US-Soldaten durch den Angriff gibt, und wesentliches Material tatsächlich erheblich beschädigt wurde.

Die US-Regierung, hat dem bereits erwähnten Artikel der NYT die tägliche Berichterstattung über Angriffszahlen und Gesamtopferzahlen eingestellt und die Öffentlichkeit mit wenig Transparenz bezüglich eines von den USA geführten Kriegs zurückgelassen, der seit dem 28. Februar mindestens 17 US-Soldaten getötet hat. Dieses Ausbleiben von Offenlegungen erstreckt sich auf den gesamten Kriegszustand, wobei das Pentagon seit Anfang Mai keine großen Briefings mehr abgehalten hat. Während die Trump-Administration weiterhin die Erschöpfung kritischer Waffenvorräte und Irans erfolgreiche Aufrechterhaltung seiner Raketenfähigkeiten verschleiert, steigt die menschliche Opferzahl weiter an.

Die Strategie der USA zerstört

Eine Analyse von x.com/ripplebrain. Der Account wurde zwischenzeitlich eingeschränkt. Sinngemäß schrieb er:

„Der Schlüssel der amerikanischen Luftkampagne bestand immer darin, die iranischen Luftverteidigungen so weit zu schwächen, dass billige und reichlich vorhandene Gleit- oder sogar Schwerkraftbomben gegen Ziele im Iran eingesetzt werden können. Schrumpfende Vorräte an Langstrecken-Marschflugkörpern machen dies zu einer Notwendigkeit. Um dies zu erreichen, müssen die amerikanischen Luftstreitkräfte Unterdrückungs-/Zerstörungsoperationen gegen feindliche Luftverteidigungen (S/DEAD) durchführen, die lange Verweilzeiten mit Flugzeugen erfordern, die in der Luft bleiben, um auf Aufklärung und Emissionen von Luftverteidigungsradaren zu reagieren. Diese Missionen sind außergewöhnlich abhängig von Tankunterstützung, sodass jede Schwächung der US-Tankoperationen wiederum die amerikanischen S/DEAD-Fähigkeiten beeinträchtigt.

Nach allen verfügbaren Beweisen scheint die iranische Kampagne gegen die Militärbasen zu funktionieren. Die US-Streitkräfte in der Region sind wahrscheinlich nicht mehr in der Lage, dieselbe Kampfkraft in ihren Luftoperationen gegen den Iran zu erzeugen wie zu Beginn des Krieges, und die Dinge entwickeln sich immer weiter in eine negative Richtung. Noch schlimmer ist, dass es am Horizont keine klare Lösung gibt. Der offensichtlichste Hebel, den amerikanische Planer ziehen könnten, wäre, mehr Opfer und Verluste an Personal und Flugzeugen in Kauf zu nehmen, aber das wäre ein beispielloser Schritt, dem die moderne Ausprägung der US-Streitkräfte noch nie gegenübergestanden hat.“

Heftige Diskussionen im Iran missverstanden

Wieder einmal kursieren Behauptungen im Netz, dass die heftige Kritik an der Entscheidungsfindung der Führung des Landes einen Regime-Change anzeigen würde. Die Menschen hier machen einfach zwei Fehler: 1. Glauben Sie, dass der Iran eine Diktatur sei, und daher niemand seine Meinung offen sage, weil sie der westlichen Propaganda glauben. 2. Können sie sich nicht vorstellen, dass so heftige Meinungsunterschiede öffentliche ausgesprochen, in der EU nicht zu juristischer Verfolgung, Debanking oder sogar Sanktionen führen würden, weil in der „liberalen Demokratie“ ist das ja so. Deshalb kann das im Iran nicht anders sein, denkt man.

Teilsperre des Roten Meeres durch den Jeman

Die seit 2016 das Land regierende Regierung der Nationalen Einheit unter der Führung von AnsarAllah (im Westen Huthis genannt), haben heute erklärt, das Rote Meer für Saudi-Arabien gesperrt zu haben.

Bei dem obigen Bild und Text handelt es sich um eine offizielle Erklärung der jemenitischen Regierung (wie man im Westen sagte, der „international nicht anerkannten Regierung“ oder „Huthi-Miliz“). Darin wird ein sofortiges Embargo gegen den „saudischen Feind“ nach dem Prinzip „Auge um Auge“ als Reaktion auf die jahrelange Blockade des Jemens durch Saudi-Arabien verkündet. Vermutlich auch wegen der jüngsten Bombardierung des Flughafens in diesem Zusammenhang, als ein iranisches Flugzeug landete. Allerdings, so verschiedene Beobachter, könnte das durchaus das Vorspiel auf eine Totalsperre sein, sollte die Bombardierung des Irans durch die USA andauern. Schließlich hatte gerade der Iran ein saudisches Schiff in Brand geschossen, welches versuchte, die Blockade, welche der Iran verhängt hatte, zu brechen.

Die US-Ölreserven reichen noch für ungefähr etwas über 40 Tage.

21:30 Uhr

Die ganze Vorgeschichte aus Sicht des Irans

Dropsite hat ein langes Interview in x.com mit dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi veröffentlicht, das sich spannend liest, aber diesen Rahmen hier sprengen würde. Daher nur die Kernpunkte.

  • Der Iran glaubte, dass der Krieg kommen würde, bevor die Verhandlungen endete
  • Die Ermordung des Führungspersonals war eingeplant gewesen. Langfristige Handlungsanweisungen in der Schublade.
  • Araghchi berichtete, wie er selbst einem Raketenangriff lebend entkommen war.
  • Dann erklärte er, wie er sofort die Golfstaaten von den zu erwartenden Gegenmaßnahmen unterrichtete, und klar gemacht hatte, dass die US-Basen angegriffen würden.
  • Er berichtete auch Details, was man ihm gesagt hatte, was erwartet worden war, z.B. dass der Iran innerhalb weniger Wochen zusammenbrechen würde.
  • Der Iran wusste, dass die Ablehnung der NULL-Anreichung entgegen dem Recht eines Landes zum Krieg führte, aber man wählte den Krieg, weil der Verzicht auch der der Souveränität gewesen wäre. Und die Forderung wäre nur der Anfang gewesen.
  • Und er räumte zahlreiche Fehler bzw. Versäumnisse vor dem Krieg ein.

Ein Land dessen Führung keine Angst vor dem Tod hat, und weiß, dass die Nachfolger den Plänen folgen werden, der strategisch in Jahrzehnten vorausplant, der wird sogar Kernwaffenangriffe überleben und noch stärker daraus hervorgehen.

Verhandlungen laufen wieder im Hintergrund

Trotz der harten Rhetorik bestätigte der iranische Außenamtssprecher Esmaeil Baghaei, dass Teheran über internationale Vermittler (u. a. Katar und Pakistan) neue Deeskalationsvorschläge erhalten hat. Berichten zufolge steht ein Vorschlag für eine 10-tägige Waffenruhe im Raum, um das gescheiterte Vorab-Abkommen (Memorandum of Understanding) neu zu verhandeln.

Allerdings erwarten Beobachter, dass der Krieg noch länger dauern wird, sollte sich nicht eine Großmacht entschließen, Druck auf Trump auszuüben oder einen „gesichtswahrenden“ Ausstieg ermöglichen.

Die Kriegsfolgen bisher

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Offizielle Schadensmeldungen des Iranischen Roten Halbmonds
Die konkrete Zahl von 763 beschädigten oder zerstörten Schulen stammt direkt aus den offiziellen Erhebungen der Iranischen Roten Halbmond-Gesellschaft (Iranian Red Crescent Society, IRCS). Die Organisation gab im April 2026 umfassende Schadensberichte über die Auswirkungen der US-amerikanischen und israelischen Luftangriffe auf die zivile Infrastruktur heraus. In diesen Berichten meldete die IRCS zudem Schäden an weit über 300 Gesundheitseinrichtungen und zehntausenden Wohneinrichtungen.

Die Vereinten Nationen haben die Lage über das Büro zur Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) in regelmäßigen Lageberichten (Humanitarian Updates) erfasst.

Laut UNICEF und dem iranischen Gesundheitsministerium wurden hunderte medizinische Einrichtungen (darunter Krankenhäuser und Krebskliniken wie das Shahid Baghaei Hospital in Ahvaz) durch Druckwellen oder direkte Treffer in Mitleidenschaft gezogen.

OCHA und lokale Medien dokumentierten Schäden an zahlreichen Kultur- und Bildungsstätten, darunter Universitäten (wie die Sharif-Universität für Technologie und die Universität für Wissenschaft und Technologie in Teheran) sowie historische Bibliotheken und Museen.

Während die US-Regierung (CENTCOM) wiederholt erklärte, zivile Objekte nicht absichtlich ins Visier zu nehmen, ist die Zerstörung dieser Infrastrukturen durch Berichte von UN-Organisationen, Hilfswerken und Satellitendaten faktisch belegt.

Diese „Drecksarbeit“ ist ein Krieg gegen die Bevölkerung, nicht gegen ein „Regime“.

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4 Kommentare

  1. alter Mann 20. Juli 2026 um 20:55 Uhr - Antworten

    Berichterstattung entspricht komplett meinen Kenntnissen / Informationen.
    Hinweise – Bei den angedrohten Luftangriffen der Türkei geht es hauptsächlich um die von Israel rekrutierten Kurden, welche eine Bodenofensive gegen den Iran beginnen sollen. Die USA verstärken die Luftwaffe wie folgt:
    15 F-35A-Kampfjets vom Luftwaffenstützpunkt RAF Lakenheath,
    12 F-15-Kampfjets vom Luftwaffenstützpunkt RAF Lakenheath,
    12 F-16-Kampfjets vom Luftwaffenstützpunkt Aviano und
    12 F-16-Kampfjets vom Luftwaffenstützpunkt Spangdahlem.
    B 52 sind nach meiner Information aktuell nicht erwähnt wurden.
    Die Ölmangelwarnung stammt übrigens von einer Abteilung der Bank auf Amerika. Bereits am 16.07. hattedie US-amerikanische Energieinformationsbehörde (EIA) eine verklausulierte Warnung veröffentlicht.
    Die Gesamtsituation ist sehr unübersictlich durch viele Falschmeldungen und Spekulationen. Bekomme meine Infos durch telefonische Hilfestellung für Kollegen bzw. Fernwartungen / Fehlerbehebungen durch Kollegen vor Ort.

  2. Hello 20. Juli 2026 um 18:16 Uhr - Antworten

    „Nach Beschädigungen durch US-Angriffe in rein zivilen Bereichen im Iran, werden auch in Bahrain Schäden in einem zivilen Gebiet berichtet.“
    Irgendwie kommt mir das seltsam vor, auf dem Film auf X sind Trümmer auf dem Boden zu sehen, aber die Autos scheinen völlig unbeschädigt zu sein, ebenso ein schönes Gebäude dahinter.

  3. therMOnukular 20. Juli 2026 um 17:27 Uhr - Antworten

    Ich verstehe nicht ganz, wie man hier von „unbeteiligten Golfstaaten“ sprechen kann, die lediglich US-Basen beherbergen würden…..

    Die Herberg-Spender hätten es aber auch in der Hand, ihren Luftraum für die USA zu sperren, ihnen den Strom abzudrehen und/oder das Wasser.
    Aber diese „Unbeteiligten“ protestieren nicht einmal, sondern helfen brav mit ihren Luftabwehrsystemen mit, diese Beherbergten zu beschützen, während die von dort ihre Angriffe durchführen..

    Die Menschen der Region freut’s, aus mittlerweile allen Ländern kursieren Videos von jubelnden Menschen, wenn wieder ein Projektil erfolgreich auf US-Basen „landet“.
    Die Amis ärgert’s, weil es wie Entenschießen ist – nur sind endlich einmal sie die Ente und sitzen auf ihren weithin sichtbaren Basen fest, ohne deren Zerstörung verhindern zu können.

    Man hat den Iran für eine harmlose Schießbude gehalten – insofern richtig, dass man auch in Schießbuden auf einen Haufen Mist schießen kann, aber nichts Wertvolles.
    Und so stellt der Schießbuden-Betreiber laufend neuen Ramsch ins Regal, damit sich die Amis daran abreagieren können, ohne zu merken, dass sie zu 90% billige Attrappen bekämpfen.
    In der Zwischenzeit holt man zitzerlweise aus dem tiefen – A-Bomben-sicheren – Berg, was man zur „Renivellierung“ der benachbarten Wüsten benötigt.

    Bei 0-3% Abschussrate der iranischen Raketen wünsche ich den Amis noch ein langes 4th-of-July-Fireworks…..

    Die Spatzen zwitschern schon wieder, dass Trump ein „10-day-ceasefire“ vorgeschlagen hätte – der Iran hätte ballistisch geantwortet.

  4. Varus 20. Juli 2026 um 14:01 Uhr - Antworten

    Die Türkei soll die israelischen Behörden gewarnt haben, dass sie Luftunterstützung für den Iran leisten könnte

    Das entspricht dem kürzlich gelesenen Artikel Rööööoepers, laut dem die Türkei immer intensiver Isr bekämpft – unter anderen wurde dort Mileikowski verurteilt und beim Interpol zur Fahndung ausgeschrieben. Kein Wunder – es heißt, die Türkei wurde zum 8. Land auf berüchtigter Neocons-Liste. Es wäre töricht, passiv zu warten, bis man selber dran ist.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann. Benutzer haften für den Inhalt ihrer Kommentare.

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