Von Iran bis Libanon: Das „Gaza-Modell“ wird zur Standardtaktik Israels und der USA

2. Mai 2026von 4,1 Minuten Lesezeit

In der westlichen Berichterstattung wird oft von „Präzisionsschlägen“ und „Selbstverteidigung“ gesprochen. Die Realität auf dem Boden sieht jedoch völlig anders aus: Israel und die USA haben eine neue, brutale Kriegsdoktrin etabliert, die auf massiver Zerstörung ziviler Infrastruktur und kollektiver Bestrafung ganzer Bevölkerungen basiert.

Was in Gaza begann, wird nun auf Libanon und Iran ausgeweitet. Das „Gaza-Modell“ ist kein Einzelfall mehr – es ist die neue Normalität, schreibt Thomas Fazi in einem Artikel, der wesentlich auf der englischen Übersetzung eines Beitrags von Roberto Iannuzzi basiert. Am 8. April, nur einen Tag nach einem angeblichen Waffenstillstand mit Iran (der auch Libanon einschließen sollte), wurde Beirut von einem extrem heftigen israelischen Bombardement getroffen. Innerhalb weniger Minuten wurden ganze Wohngebäude in Schutt und Asche gelegt. Dutzende israelische Flugzeuge griffen etwa hundert Ziele in der Hauptstadt und anderen Teilen des Landes an. Das libanesische Gesundheitsministerium meldete zunächst über 350 Tote und mehr als 1.200 Verletzte. Die Angriffe trafen dicht besiedelte Wohnviertel und belebte Geschäftsstraßen.

Israel nannte die Operation bezeichnenderweise „Eternal Darkness“ – ewige Dunkelheit. Ein Name, der die Absicht der totalen Zerstörung nur zu deutlich macht.

Das Gaza-Modell in Libanon

Seit dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 hat Israel in Gaza eine beispiellose Gewaltkampagne geführt, unterstützt durch massiven US-Waffen-Nachschub. Ganze Wohnviertel und zivile Infrastruktur wurden pulverisiert. Genau dieselben Taktiken sieht man nun in Libanon: massive Luftangriffe, willkürliche Evakuierungsaufforderungen, die Hunderttausende in die Flucht trieben, sowie die systematische Einebnung von Dörfern und Grenzstädten, um „Pufferzonen“ zu schaffen.

Krankenhäuser, Sanitäter, Rettungskräfte und sogar Journalisten gerieten ins Visier. Die internationale Gemeinschaft schaut weitgehend tatenlos zu.

Der fragile Waffenstillstand mit Hisbollah Ende 2024 wurde von israelischer Seite wiederholt verletzt. Dennoch rüstete Hisbollah schrittweise wieder auf. Nach der israelischen Tötung des iranischen Obersten Führers Ali Khamenei am 28. Februar reagierte die Gruppe mit einem weitgehend symbolischen Raketenangriff. Israel nutzte dies als Vorwand für eine großangelegte Offensive, die seit März bereits über 2.500 Tote und fast 8.000 Verletzte in Libanon forderte.

Israelische Politiker machten keinen Hehl daraus: Libanon solle „die gleiche Behandlung wie Gaza“ erhalten. Finanzminister Bezalel Smotrich kündigte an, die südlichen Vororte Beiruts würden bald aussehen wie Khan Younis – die im Süden Gazas völlig dem Erdboden gleichgemachte Stadt.

Parallelen zum Angriff auf Iran

Ähnliche verbrannte-Erde-Taktiken und verbal-radikale Kriegsrhetorik prägen auch den israelisch-amerikanischen Angriffskrieg gegen Iran. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth sprach offen von „Tod und Zerstörung vom Himmel den ganzen Tag lang“, von einem Kampf „verwüstend, entscheidend und ohne Gnade“. Präsident Trump drohte, iranische Kraftwerke, Brücken und Entsalzungsanlagen zu sprengen und das Land „ins Steinzeitalter“ zurückzubomben.

Die Bilanz ist verheerend: Über 132.000 zivile Gebäude zerstört, darunter Krankenhäuser, Schulen, Universitäten und Brücken. Allein am ersten Tag wurde eine Grundschule in Minab zweimal getroffen – 40 Minuten Abstand, um die Opferzahl zu maximieren: 155 Kinder und 26 Lehrer starben. Die vorläufige Opferzahl in Iran liegt bei mindestens 3.375 Toten und über 26.000 Verletzten.

Die Dahiya-Doktrin und der Wandel der Militärkultur

Diese Taktiken sind keine spontane Reaktion, sondern Ergebnis einer bewussten strategischen Weiterentwicklung. Die Grundlage liegt in der „Dahiya-Doktrin“ aus dem Libanon-Krieg 2006: gezielte Zerstörung ziviler Infrastruktur als kollektive Bestrafung, um die Bevölkerung gegen bewaffnete Gruppen aufzubringen. General Gadi Eisenkot formulierte es damals klar: Was in Dahiya geschah, soll in jedem Dorf passieren, von dem aus auf Israel geschossen wird – mit unverhältnismäßiger Kraft und großer Zerstörung.

US-Militärexperten sehen die israelische Vorgehensweise in Gaza explizit als Vorbild für künftige „Large-Scale Combat Operations“ (LSCO), etwa gegen China. Die Regeln des Kriegsvölkerrechts werden dabei zunehmend „permissiver“ ausgelegt. Professoren wie Geoffrey Corn bestätigen, dass die IDF-Methoden denen entsprechen, die auch das US-Militär in vergleichbaren Szenarien anwenden würde.

Keine Verhandlungen, nur militärische Lösung

Das zentrale Merkmal dieser neuen Doktrin: Es gibt keine Verhandlungen mehr, nur die militärische „Lösung“ durch massive Gewalt und bewusste Zerstörung ziviler Strukturen. Ob in Gaza, Libanon oder Iran – das Muster ist identisch.Während Mainstream-Medien oft einseitig berichten und kritische Stimmen marginalisieren, zeigen unabhängige Quellen und die nackten Zahlen ein anderes Bild: eine Eskalationsspirale, die ganze Regionen destabilisiert und unermessliches menschliches Leid verursacht.

Es bleibt abzuwarten, ob die internationale Gemeinschaft diese Entwicklung weiterhin mit Gleichgültigkeit hinnehmen wird oder ob endlich Konsequenzen folgen. Die Zeichen stehen derzeit eher auf weitere Eskalation.

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4 Kommentare

  1. Varus 2. Mai 2026 um 10:19 Uhr - Antworten

    Israel und die USA haben eine neue, brutale Kriegsdoktrin etabliert, die auf massiver Zerstörung ziviler Infrastruktur und kollektiver Bestrafung ganzer Bevölkerungen basiert.

    Erstaunlich, dass noch nicht mal in Nahost sich die bedrohten Länder einen Ruck geben und gegen die t@dliche Bedrohung verbünden. Der Iran kann nicht alleine alle verteidigen.

  2. K Kaefer 2. Mai 2026 um 9:34 Uhr - Antworten

    Eine konsequente Reaktion wäre der Ausschluss der USA und der die USA steuernden Zionisten aus der internationalen Völkergemeinschaft, bis die Barbaren sich wieder als würdig zeigen wieder darin aufgenommen zu werden. Schwierig, aber nicht unmöglich.

    Das Aufmacherbild passt besser zu einer Werbeaktion des MICs als zu dem Artikelinhalt. Aber genug Bilder der der Zerstörungenn gab es schon in tkp-Artikeln.

  3. 1150 2. Mai 2026 um 9:28 Uhr - Antworten

    diese art von kriegsführung ist doch nicht neu,
    schon im wk II wurde ausschliesslich durch die amerikaner und engländer die infrastruktur und zivilbevölkerung rund um die uhr terrorisiert und sinnlose zerstörungen angerichtet,
    z. b. dresden oder potsdam in den letzten kriegstagen.

    • K Kaefer 2. Mai 2026 um 9:35 Uhr - Antworten

      Dito der Atombombenabwurf (der offensichtlich keiner war, die Technik war damals noch nicht so weit) auf Hiroshima/Nagasaki. Der Kaiser hatte schon kapituliert.

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