Schädliche Meniskus-OP

2. Mai 2026von 3,2 Minuten Lesezeit

Meniskusentfernung wegen Abnützung ist eine der am häufigsten durchgeführten Knieoperationen. Eine groß angelegte Studie legt nahe, dass diese Praxis auf lange Sicht aber schaden dürfte.

Eine klinische Studie in Finnland untersuchte die gängige Praxis der Meniskusoperationen. In den folgenden Jahren teilten die Forscher 146 Patienten per Zufallsprinzip in zwei Gruppen auf. Siebzig erhielten die echte Operation, bei der Chirurgen zerrissenes Gewebe im Meniskus – dem Knorpel zwischen Schien- und Oberschenkelknochen – entfernten. Die übrigen 76 unterzogen sich einer realistisch wirkenden (und klingenden) Scheinoperation – der Meniskus blieb jedoch unberührt.

Zerrissenes und abgenütztes Meniskusgewebe kann Schmerzen und Bewegungseinschränkungen verursachen. Es erscheint logisch, dass das Entfernen des zerrissenen Knorpels Abhilfe schaffen könnte. Es gibt verschiedene Meniskusrisse, die teilweise eine OP fast unausweichlich machen – etwa wenn Teile des Knorpels ins Gelenk disloziert sind. Oft wird die (Teil-)Resektion des Meniskus aber nicht wegen eines akuten Unfalls, sondern aufgrund altersbedingter Abnützung durchgeführt.

Es ist ein riesiges Geschäft: Orthopäden führen in den USA rund 850.000 partielle Meniskusentfernungen pro Jahr durch, mit Kosten von fast 10 Milliarden Dollar. In Deutschland werden rund 200.000 Meniskusarthroskopien durchgeführt – mehrere Hundert Millionen dürfte die Rechnung sein. Oft dürfte die Behandlung aber falsch sein.

Die finnischen Ärzte haben die Patienten seit dem Beginn der Untersuchung 2007 weiterverfolgt und ihre Ergebnisse wiederholt veröffentlicht. Diese Woche taten sie es erneut in einem Brief an das New England Journal of Medicine, die führende amerikanische Fachzeitschrift für Medizin. Und ihre Erkenntnisse sind ziemlich eindeutig.

Nach zehn Jahren Nachbeobachtung hatten die Patienten mit der Scheinoperation weniger Schmerzen und bessere Kniefunktion als jene, die die echte Operation erhalten hatten. Was auch nicht sonderlich überraschen sollte. Der Knorpel hat eben eine Funktion für die Biomechanik des Gelenks.

Allerdings: Beide Gruppen hatten sich im Vergleich zum Ausgangszustand verbessert. Die Patienten ohne Operation erholten sich jedoch noch stärker. Das Ergebnis erinnert an den Ausspruch von Voltaire, dass „die Kunst der Medizin darin besteht, den Patienten zu unterhalten, während die Natur die Krankheit heilt“. („L’art de la médecine consiste à distraire le malade pendant que la nature le guérit.“)

Weitere Ergebnisse sind statistisch nicht signifikant: Acht der 70 Patienten mit echter Operation erhielten einen totalen Kniegelenkersatz, verglichen mit nur drei der 76 ohne Operation. Das kann Zufall sein, ist aber nicht beruhigend.

Die Orthopäden fassten ihre Ergebnisse wie folgt zusammen:

Wir fanden keine Hinweise auf einen Nutzen der Maßnahme, vielmehr deutet sich ein schlechteres Outcome nach arthroskopischer partieller Meniskektomie im Vergleich zur Scheinoperation an … Diese Ergebnisse wecken Bedenken hinsichtlich des Einsatzes der arthroskopischen partiellen Meniskektomie bei degenerativen Meniskusrissen bei Patienten mittleren und höheren Alters.

Was wäre also die Alternative? Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Patienten mit Physiotherapie langfristig besser beraten wären. Doch die Teilentfernung gibt häufig kurzfristig Verbesserung, wogegen Physiotherapie (und hier vor allem Krafttraining) mehr Disziplin und Eigeninitiative des Patienten verlangt und die Ergebnisse erst nach einer gewissen Zeit spürbar werden. Die Abnützung des Knorpels gehört zum Altersprozess nun einmal dazu.

Doch Geduld zu haben ist im aktuellen Leben nicht besonders hoch angesehen: Man soll schnell, halbwegs schmerzfrei und möglichst lange funktionieren. Da ist eine Operation der einfache Weg. Und noch dazu ist es ein großes Geschäft. Es wird sich also nichts ändern. Chirurgen werden die finnische Veröffentlichung vielleicht lesen, aber an der Praxis kaum etwas ändern.

Bild „044_Freiburger_Knorpeltage_2015“ by Intercongress GmbH is licensed under CC BY-NC-ND 2.0.

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7 Kommentare

  1. Oekologe 3. Mai 2026 um 8:54 Uhr - Antworten

    Dazu gibt es ältere Studien, auch hier hat die Scheinoperation verblüffenderweise sehr gut abgeschnitten. Wie dem auch sei, meine therapeutische Erfahrung zeigt, dass „geschickte alternativmedizinische Knietherapie“ (Akupunktur, Physio-/Osteopathie, Entspannung der verkürzten bzw. verspannten Muskulatur, Liebscher-Bracht-Schmerzpressur, DMSO etc.) sehr gut funktioniert. Ich selbst bin durch meine eigene Erfahrung mit Akupunktur – meine Knieschmerzen waren nach 10 Min. weg und blieben weg – in den 90er-Jahren auf diesen Weg gekommen. Von daher gehe ich davon aus, dass diese Meniskus-OP in 95% der Fälle entbehrlich sind. Hier ein Artikel dazu aus der ÄRZTEZEITUNG von 2008 (!): https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Schein-Op-der-Placebo-Effekt-taeuscht-auch-Chirurgen-359256.html

  2. Daisy 2. Mai 2026 um 19:34 Uhr - Antworten

    Ich hatte mal fast ein Jahr lang Knieschmerzen, die oft so schlimm waren, dass ich mir mit einem Gehstock beholfen habe, heimlich zaus, und manchmal musste ich auf allen Vieren die Treppe hochkriechen. Zum Glück bin ich keine Arztgehern. Da hättens mir das Knie vielleicht entfernt. Aufgrund von div. schweren körperlichen Arbeiten neigte ich dazu wie die Baraber, so sah ich mich ja, nach der Arbeit ein bis zwei bis drei Bierli zu zischen. Dann soff ich mal länger nix und siehe da, die Schmerzen waren weg. Da hats geklingelt. Meine zweite Leidenschaft war ein weißer Gspritzter….

    Das ist die Harnsäure/Gicht. Ich trank nun Cherry Plus Saft…und schließlich war das Knie vollkommen geheilt. Ich kann mich seither wieder problemlos hinhockerln oder wild herumhüpfen zu heißen Rock’n’Roll Rhythmen… :-)

    Ich machte Bluttests und stellte fest, dass ich dazu eine Veranlagung habe. Also achtete ich darauf. Meine Werte liegen seither brav in der Mitte der Referenzwerte. Und ich trinke halt einen trockenen Roten als Sommerspritzer. Das macht ma nix. Die Sauerkirsvhe jedenfalls wirkt gut gegen Entzündungen, am besten der Muttersaft mit Wasser verdünnt.

    Die Hinhockerfunktion brauche ich oft, zB wenn ich was zammbau – zuletzt eine Truheneckbank ganz allein – oder zum Einheizen und Nachlegen…

  3. Jurgen 2. Mai 2026 um 17:23 Uhr - Antworten

    Kein Wunder, ist das Knie doch das wichtigste Gelenk im Körper, kenne niemanden, der nach der Knie OP keine Probleme mehr hatte. Nur immer mehr Probleme im Zeitverlauf.

    Raten würde ich eine Meniskusentfernung niemandem. Eher erst mal eine Braunhirse-Gerste-Kur über ein Jahr lang probieren. Man ist was man isst. Und richtig stehen lernen…

    • Christine 2. Mai 2026 um 18:08 Uhr - Antworten

      Nein, das wichtigste ist die Hüfte. Und das kann ich sagen als jemand, der eine Hüft-TEP hat (Unterschied vorher:nachher = Tag+Nacht) und zwei (unoperierte) kaputte Kniegelenke.

      • Oekologe 3. Mai 2026 um 9:02 Uhr

        Ja, da ist etwas dran. Hüft-OP können mitunter hilfreich sein, aber auch da wird zu früh und oft operiert. Das Fazit ist einfach: ALLES ALTERNATIVMEDIZINISCHES und PHYSIOSTHERAPEUTISCHES vorher machen. Nur wenn das nichts hilft – Operation. Denn auch die OP ist in jüngeren Jahren problematisch, denn künstliche Hüftgelenke halten nicht ewig. Noch eine Erfahrung: Ein Freund kann sich jahrelang kaum bücken, es sie die Hüfte. Er wurde operiert, ein Vierteljahr ging es schlechter. Danach: Genau so wie vorher. Das war also „für die Katz“. Übrigens: Ein künstliches Hüftgelenk hält heute oft etwa 15 bis 25 Jahre. Die genaue Lebensdauer hängt vor allem von Implantat, Operationstechnik, Belastung, Knochenqualität und möglichen Komplikationen ab.
        Bei vielen Menschen bleibt die Prothese sogar 20 Jahre oder mehr problemlos im Körper, und jüngere Patienten brauchen häufiger später einen Wechsel als ältere.
        Wovon es abhängt
        Alter und Aktivitätsniveau, Körpergewicht und allgemeine Gesundheit, Qualität der Verankerung und des Materials, Infektionen, Lockerung oder Verschleiß. Von daher gilt auch hier: VOR der OP alles andere ausschöpfen, denn viele Ärzte/Diagnostiker verdienen an der Therapie (was die Diagnose zweifellos beeinflusst).

    • Daisy 2. Mai 2026 um 19:39 Uhr - Antworten

      Unser Briefträger hat mal lange mit der Hüfte gelitten. Er nahm Schmerzmitteln, aber es half nix. Schließlich hat er sich operieren lassen und ging in Pension. Ich treffe ihn noch manchmal. Er ist sehr froh, dass er das getan hat. Jetzt ist alles wieder gut, beweglich wie früher, sagt er, und schmerzfrei. Er musste aber eine längere Rehab aushalten. Er war der beste Briefträger, den ich je hatte. Das dauernde Aussteigen war schuld daran…

    • Jurgen 3. Mai 2026 um 15:02 Uhr - Antworten

      Knie halte ich für wichtiger als Hüfte. Hüftschäden gibt es meist, weil die Knie immer nur durchgedrückt sind und der Oberschenkel nicht seine Federwirkung am „Fahrwerk“ ausüben kann wie beim gebeugten Knie. In dem eingerasteten Fall am Knie macht sich die Abweichung in den Beinlängen bemerkbar und führt zu Fehlhaltungen in der Wirbelsäule. Wenn man die Hüften weit kreisen kann im Stehen, steht man richtig wie die Natur das vorgesehen hat. Und nur wer die Oberschenkel richtig ausgebildet hat, kann auch auf einem Bein mit gebeugtem Knie stehen…

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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