Was das Ende der OPEC bedeuten könnte

30. April 2026von 3,7 Minuten Lesezeit

Die Vereinigten Arabischen Emirate könnten einen epochalen Wandel in den globalen Energiemärkten ausgelöst haben.

Der überraschende Austritt der VAE aus der OPEC wird die Energiemärkte neu ordnen. In welchem Ausmaß, wird sich erst noch zeigen – politisch dürfte er jedoch die arabische Halbinsel nachhaltig verändern. Gerade jetzt, wo der Iran-Krieg die tiefen Gräben zwischen den Golfstaaten und dem Iran erneut sichtbar gemacht hat.

Eine Analyse des US-Wirtschaftsmagazins ZeroHedge sieht als Folgen nicht nur einen neuen Riss zwischen den Emiraten und Saudi-Arabien, sondern auch künftige Probleme für den Iran, seine Öl-Exporte weiterhin als politisches Druckmittel einsetzen zu können. Seit den 1970er-Jahren stand die OPEC für künstliche Verknappung des Angebots und die Blockade von Wettbewerb unter den Mitgliedern.

In den 1970er-Jahren kontrollierte die OPEC zeitweise mehr als 40 Prozent des weltweiten Ölangebots. Die Beschränkung der Exporte wurde zum Dauerzustand, höhere Preise zur neuen Normalität – mit nur kurzen Phasen der Entspannung. Auch der Iran profitierte als OPEC-Mitglied jahrzehntelang von diesem künstlichen Engpass.

Jetzt hat sich die Energiewelt jedoch dramatisch verändert.

Die VAE dürften ihre Fördermenge von derzeit rund 3 Millionen Barrel pro Tag auf über 5 Millionen Barrel steigern – etwas, das bisher allein an die OPEC-Quoten gebunden war. Es ist unwahrscheinlich, dass Saudi-Arabien darauf nicht reagieren und seine Fördermengen ebenfalls deutlich erhöhen wird. Besonders problematisch wird die Situation für kleinere OPEC-Mitglieder, die weniger flexibel sind – vor allem, wenn das erhöhte Angebot die Preise weiter fallen lässt.

Der Energieminister der VAE, Suhail Mohamed al-Mazrouei, erklärte gegenüber Reuters in einem Telefoninterview, die Entscheidung sei nach einer genauen Prüfung der nationalen Energiestrategie getroffen worden. Er betonte, dass die Emirate das Thema mit keinem anderen Land besprochen hätten. „Das ist eine politische Entscheidung, die nach sorgfältiger Abwägung der aktuellen und zukünftigen Produktionspolitik getroffen wurde“, sagte Mazrouei. Er fügte hinzu, die Welt werde künftig mehr Energie benötigen – und die VAE seien bereit, diesen Bedarf zu decken.

Wollen die Emirate den Markt mit Öl überschwemmen? Das dürfte der Plan sein, auch wenn dafür eine entspannte Lage in der Straße von Hormus nötig ist. Auch Saudi-Arabien hat bereits angekündigt, die Produktion bis 2027 deutlich auszuweiten. Für alle „Great-Reset“-Ideen, die das Ende von Öl und Gas sowie „Klimaneutralität“ fordern, sind das denkbar schlechte Nachrichten.

Das Ende der OPEC deutet darauf hin, dass ein echtes Überangebot an Öl bevorstehen könnte – mit deutlich niedrigeren Energiepreisen und dem Ende jahrzehntelang gedrosselter Märkte.

ZeroHedge analysiert weiter:

UAE sind durch die Pipeline Habshan–Fujairah (ADCOP), die die Straße von Hormus komplett umgeht und rund 2 Millionen Barrel pro Tag transportiert, hervorragend positioniert, um die Krise unbeschadet zu überstehen. Dieser Vorteil ermöglicht es ihnen, nach Kriegsende die Exportführung zu übernehmen.

Der unvermeidliche Anstieg der wettbewerbsorientierten Förderung am Golf sowie der nachlassende Widerstand gegen mehr Bohrungen und Raffinerien in den USA werden langfristig für mehr Energiesicherheit im Westen sorgen. Kurzfristig sieht die Lage allerdings weniger rosig aus. Selbst im besten Fall – wenn die Straße von Hormus in den nächsten zwei Monaten wieder geöffnet wird – wird der Schifffahrtsverkehr bis Ende 2026 brauchen, um sich vollständig zu erholen.

Die Benzinpreise dürften bis Jahresende auf etwa 3,50 Dollar pro Gallone sinken und 2027 unter die Marke von 3 Dollar fallen. Danach wird der Preisrückgang noch deutlicher ausfallen. Der Zerfall der OPEC durch den Austritt ihrer größten Mitglieder ist ein beispielloses Marktereignis mit weltverändernden Folgen.

Der Iran-Krieg ist der Hauptgrund für diesen Wandel. Damit die Welt jedoch von den niedrigeren Preisen profitieren kann, muss die Straße von Hormus so schnell wie möglich wieder geöffnet werden. Die größere strategische Bedeutung liegt jedoch im Ende der iranischen Ölmacht, gegen die das Regime mit aller Kraft ankämpfen wird.

Berichte über „volle Tanks“ und die schrumpfenden Lagerkapazitäten des Iran machen Verhandlungen für das Regime zur dringenden Priorität. Andernfalls könnten die Schäden an den Ölfeldern durch Stilllegungen und Druckverluste die Exportfähigkeit des Landes über Jahre hinweg zerstören. Es sieht so aus, als würden sich die VAE und andere Golf-Exporteure genau auf dieses Szenario vorbereiten.


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2 Kommentare

  1. Jan 1. Mai 2026 um 7:19 Uhr - Antworten

    Diese 2 Mio Barrel per Day (bpd), die die VAE mehr fördern möchten, entsprechen etwa der Ölförderung Norwegens oder dem Doppelten, was UK noch in der Nordsee fördert oder dem, was Selensky mit der CPC zerstört hat, durch die Öl aus Kasachstan kam. Letzteres wird jetzt Putin zugeschrieben.

    Die Habshan–Fujairah-Pipeline zur Umgehung der Hormus-Sperre fasst etwa 1,5 Mio bpd und soll auf 1,8 Mio ausgebaut werden. Dazu soll eine neue Pipeline von Jebel Dhanna nach Fujairah gebaut werden, die weitere 1,5 Millionen bpd transportieren soll. Dadurch könnte die gesamte Kapazität für den Umgehungstransport auf bis zu 3,3 Millionen bpd steigen.

    Die 2 Mio bpd werden weder den Preis merklich senken, noch die Lieferengpässe beheben, dazu ist die Menge zu gering.

    Würde der Ölpreis fallen, würde die US-Förderung unter Druck geraten, die vor allem auf teurem Fracking und komplizierter Offshore-Förderung basiert. Damit wären dann weltweit noch weniger verfügbar.

    Auf das Klima haben 2 Mio bpd nur im Kosmos vom Standard einen Einfluss. Selensky hat durch seine von Leyen bezahlte Pipielinesprengungen die EU-Importe um etwa 3,5 Mio bpd reduziert, in Summe also mehr als VAE produzieren wollen. Da sind die Gaspipelines noch gar nicht drin.

  2. cwsuisse 30. April 2026 um 15:28 Uhr - Antworten

    Dieser Artikel ist eine gute Zusammenfassung der US-Propaganda zum Irankrieg.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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